| Jahresthema: | Für ein gutes MITEINANDER |
| Predigtthema: | Einander umbeten |
| Predigttext: | Jakobus 5, 13-18 |
| Autor: | Tobias Schurr |
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1 Überblick über das Jahresthema 2021
Ein gutes Miteinander, wer wünscht sich das nicht? Eine Gemeinschaft, die unser Leben bereichert, belebt und stärkt, wollen wir doch alle. Gott hat uns Menschen so geschaffen, dass wir auf Gemeinschaft angelegt sind. Und obwohl wir uns nach Gemeinschaft sehnen und auch auf Gemeinschaft hin gemacht sind, erleben wir, dass menschliche Gemeinschaft sehr zerbrechlich ist und sehr leicht gestört oder sogar zerstört werden kann. Diese Herausforderung sehen wir auch im Miteinander von Christen in der Gemeinde und es ist aus diesem Grund immer wieder sehr wichtig darüber nachzudenken, wie Gemeinschaft gelingen kann, wie unser Miteinander von Gott geprägt, immer mehr wachsen kann.
In der Bibel sehen wir, dass es Gott ein großes Anliegen ist, dass seine Kinder in seinem Sinne Gemeinschaft leben und er gibt uns viele Aufforderungen, wie Miteinander gelingen kann. In unserem Jahresthema wollen wir im Jahr 2021 (jeweils am letzten Sonntag des Monats) dieses Miteinander bedenken und uns von Gott prägen lassen. Unser großer Wunsch ist es, dass unsere Gemeinden dadurch gemeinsam in ihrer Beziehung zu Jesus und auch in ihrer Beziehung zueinander wachsen. Und wir beten, dass durch die Art wie sie miteinander leben auch für andere immer mehr sichtbar wird, welcher Herr sie zusammengeführt hat.
Umrahmt wird dabei unser Jahresthema von der großen Aufforderung, die Jesus seinen Jüngern mitgibt (Joh 15) und die auch Paulus aufgreift (Röm 13,8-10), dass wir uns als Kinder Gottes untereinander lieben sollen (Januar & Dezember). Unter diesem Oberthema lassen sich schlussendlich alle anderen Themen, die wir unter dem Jahresthema behandeln, zusammenfassen. Die Liebe, die Jesus auf unvergleichliche Weise vorgelebt hat ist eine Liebe, die bereit ist, sich für den anderen hinzugeben. Eine Liebe, die ein großes Zeugnis für unseren Gott ist.
- Diese Liebe äußert sich zunächst darin, dass wir als Kinder Gottes bereit sind, uns gegenseitig in Liebe anzunehmen (Februar), weil wir wissen, dass Christus derjenige ist, der uns in Liebe angenommen hat.
- Weiter zeichnet sich dieses Miteinander in Liebe dadurch aus, dass Kinder Gottes bereit sind einander zu dienen (März). Auch dies hat Jesus vorgelebt und war bereit sein Leben als Lösegeld für uns zu geben.
- Ein liebevolles Miteinander lebt auch davon, dass wir aufeinander achten und uns dazu ermuntern im Glauben wirklich dran zu bleiben (April) und in der Heiligung zu leben.
- Für eine gute Gemeinschaft ist es zudem wichtig unnötige Konflikte zu vermeiden und sorgfältig darauf zu achten, andere nicht auf falsche Weise zu provozieren (Mai).
- Echtes Miteinander unter Glaubensgeschwistern lebt auch davon, dass wir füreinander im Gebet einstehen (Juni), weil wir genau wissen, wie abhängig wir alle davon sind, dass unser Herr uns führt, leitet und bewahrt.
- Zu diesem füreinander einstehen, gehört natürlich auch, dass wir als Kinder Gottes umeinander wissen, die Verbindung zueinander suchen und so als Nachfolger Jesu eine Einheit bilden (Juli).
- Weil wir auch als Christen immer wieder untereinander schuldig werden, ist auch das Thema Vergebung ein sehr wichtiger Grundstein für ein gutes Miteinander (August). Auch hier haben wir in Jesus Christus ein großes Vorbild, was Vergebung bedeutet. Und gleichzeitig ist Jesus derjenige, der echte Vergebung erst ermöglicht, weil er für unsere Schuld am Kreuz gestorben ist.
- Geistliches Miteinander beinhaltet auch, dass wir lernen uns in eine geistliche Gemeinschaft einzuordnen. Dazu gehört, dass wir verstehen, wie Gott sich das Miteinander unter seinen Kindern vorgestellt hat und die Bereitschaft sowohl demütig Verantwortung zu übernehmen wie auch sich auf eine gute geistliche Weise unterzuordnen (September).
- Das Leben als Christ ist kein Sprint, sondern eher ein Langstreckenlauf, bei dem es immer mal wieder auch Durststrecken gibt. Auch hier braucht es ein gutes geistliches Miteinander, um uns immer wieder zu einem Leben in der treuen Nachfolge anzuspornen und nicht müde zu werden die Liebe Gottes in die Welt zu tragen (Oktober).
- Geistliche Durststrecken und Herausforderungen können immer wieder auch entmutigend sein und auch hier ist es ein Geschenk Gottes, dass er uns als Glaubensgeschwister zusammengestellt hat. So können wir uns gegenseitig ermutigen die richtige Ausrichtung zu behalten und den Blick auf Jesus, auf sein Werk und auf seine Wiederkunft nicht zu verlieren (November).
Schlussendlich bleibt die Liebe, das Oberthema, das unser Miteinander zusammenhält. Wenn wir aus der Liebe Jesu leben, wenn seine Liebe unser Leben prägt, wird dies auch in einem guten Miteinander unter Glaubensgeschwistern, in der Liebe zueinander sichtbar werden. Bildlich dargestellt könnte das Thema so aussehen: Unser „Miteinander“ ist eine Frucht mit verschiedenen Beeren, die sich ergänzen und von denen jede einzelne sehr wichtig ist. Im Laufe des Jahres werden wir die einzelnen Beeren nacheinander betrachten.

Eine PowerPoint-Vorlage mit der Grafik findet ihr unter: https://christusbund.sharepoint.com/:p:/s/medien/EQTQFa12LktBqBCcQsW9qmcBi9et5hf-ZzzoObTt-zou1g?e=Xauf41
2. Erklärung zum Bibeltext (Jak 5,13-18)
2.1 Hinweise zum Textverständnis
Vers 13: Das Kernthema in diesem Abschnitt ist eindeutig das Gebet und Vers 13 ist eine sehr klare Aufforderung, in allen Lebensumständen zu beten, seien es Zeiten des Leides, seien es Zeiten der Freude. Und alle Lebensumstände zwischen diesen beiden Polen sind natürlich mit gemeint. In den Briefen des NT finden wir immer wieder diese Aufforderung zum Gebet in allen Lebensumständen (z.B. Röm 15,30-32; Eph 6,18-20; Phil 4,6; Kol 4,2-4; 1Thess 5,17-18; …). Im Blick auf das Leiden benutzt Jakobus hier das Wort, das im NT am häufigsten für Gebet verwendet wird und nicht einen speziellen Inhalt und eine besondere Art des Gebetes beschreibt. Jakobus schließt in diesen Begriff sicherlich die Bitte ein, dass Gott das Leiden wegnehmen soll, aber auch die Bitte darum, die Herausforderung im Blick auf Gott annehmen und treu bei Gott bleiben zu können. Gerade das Letztere scheint von Jak 1,2-4.12 und Jak 5,7-11 besonders im Blick von Jakobus zu sein.
„Guten Mutes sein“ (euthumew) finden wir im NT nur noch in Apg 27,22.25, wo Paulus in Seenot, seine Gefährten auf dem Schiff auffordert, auf Gottes Verheißung zu vertrauen und so „guten Mutes“ zu sein. Jakobus betont, dass ein Herz, das so erfüllt ist, auch nach außen hörbar werden soll, indem Psalmen gesungen werden.
Vers 14: Jakobus erwähnt nun einen dritten Umstand, in dem Gebet dringend gebraucht wird: Krankheit. Jakobus beschreibt nicht genauer, wie die Umstände der Krankheit sein müssen, aber er zeigt, wie gerade im Blick auf Krankheit in der Gemeinde ein besonderer Gebetsdienst praktiziert werden soll.
Zunächst fällt auf, dass die Initiative vom Kranken ausgehen soll. Dieser soll die Ältesten zu sich rufen. Von Ältesten spricht Jakobus nur in diesem Vers, aber aus dem übrigen NT besonders aus der Apostelgeschichte und den Pastoralbriefen wissen wir, dass Gemeinden eben von einer Gruppe von Ältesten geleitet wurden (Apg 11,30; 15,2; 21,18; Tit 1,5; 1Tim 3,1ff; 5,17; 1Pet 5,1). Älteste werden als geistlich reife Männer beschrieben, die die Ortsgemeinden geistlich leiteten. Diese Leiter werden auch als Hirten oder Aufseher bezeichnet (vgl. Eph 4,11; Apg 20,28).
Der Kranke soll die Ältesten rufen, um für ihn zu beten und ihn mit Öl zu salben. Jakobus scheint von Kranken auszugehen, die eben nicht mehr zu den Ältesten gehen können. Sie rufen die Ältesten zu sich, die sich dann am Krankenbett versammeln und über dem Kranken beten, wobei die Ältesten die Hände über dem Kranken ausbreiten, oder die Hände auflegen.
Zusätzlich sollen die Ältesten den Kranken mit Öl salben. Ein enger Zusammenhang besteht hier wohl zu Mk 6,13, wo beschrieben wird, wie die Jünger handelten, nachdem Jesus sie ausgesandt hat. Es geht wahrscheinlich weniger um die medizinische Wirkung des Öls, die z.B. in Lk 10,34 vor allem im Blick ist. Das Öl unterstreicht das Gebet des Glaubens und ist wohl wie in Mk 6,13 als ein Ausdruck des messianischen Friedens zu verstehen, durch den Vergebung und Heilung erst möglich sind (vgl. Maier S.230). Die Ältesten kommen im Namen Jesu zum Kranken und sie bitten in Jesu Namen für ihn
Vers 15: Was meint Jakobus, wenn er in Vers 15 vom Gebet des Glaubens spricht? Sicherlich wird mit diesem Ausdruck verdeutlicht, dass das Gebet der Ältesten keine Amtsvollmacht beinhaltet, weswegen es wirksam wäre. Auch irgendwelche besonderen Wirkweisen des Salbens stehen hier nicht im Zentrum. Vielmehr sehen wir hier, wie das schlichte Vertrauen auf Gottes Wirken die Grundlage ist.
Im Blick auf den Kranken spricht Jakobus davon, dass er gerettet wird. Es wird hier also keine körperliche Heilung versprochen, sondern allgemein, dass Gott zur Rettung des Kranken eingreift. Gerhard Maier fasst es so zusammen: Diese Hilfe kann sicherlich auch in einer Heilung bestehen, aber auch in einem Durchtragen und in der Rettung im Endgericht trotz Ausbleibens der körperlichen Heilung. (Maier S.232) Auch das Aufrichten sollten wir in dieser weiten Bedeutung fassen, die sowohl die körperliche Heilung wie eben auch das seelische Aufrichten beinhaltet.
Dass für Jakobus der geistliche Aspekt sehr wichtig ist, sehen wir daran, dass er hier mit dem Thema Vergebung abschließt. Vergebung geschieht unabhängig davon, ob nun eine körperliche Heilung geschehen ist oder nicht.
Vers 16: Der erste Teil des Verses schließt das Thema Gebet im Blick auf Krankheit ab. Jakobus unterstreicht hier, wie grundlegend das Bekennen der Schuld für unser geistliches Leben ist. Einander die Sünden bekennen bedeutet hier wohl nicht, dass die Ältesten dem Kranken ihre Sünden bekennen. Vielmehr scheint Jakobus hier zu betonen, dass wann immer ein solches Gebet um Heilung erfolgt, der Kranke auch seine Sünde vor den Ältesten bekennen soll. Das, was die Beziehung zu Gott belastet, soll aus dem Weg geräumt werden.
Jakobus lädt ein, in kindlichem Vertrauen zu Gott zu kommen und ihn um Heilung zu bitten.
Im zweiten Teil von Vers 16 geht Jakobus wieder allgemeiner zum Thema Gebet über. Er zeigt sehr deutlich, dass es sich beim Gebet gerade nicht um eine magische Praktik handelt, sondern dass es ganz entscheidend mit der Beziehung zu Gott zu tun hat. Mit dem Begriff „Gerechter“ verbindet Jakobus die Gläubigen des Alten und des Neuen Testaments und bereitet das Beispiel von Elia vor, das er dann in Vers 17 und 18 anführt. Elia ist das vierte Vorbild aus dem AT das Jakobus anführt (nach Abraham in 2,11ff, Rahab in 2,25 und Hiob in 5,11).
Jakobus unterstreicht hier, welche Macht das Gebet hat, weil sich der gerechte Beter eben mit ganzem Vertrauen, mit seiner ganzen Existenz an Gott bindet. Gott stellt sich zum Gebet seiner Leute. Er kümmert sich um die Anliegen seiner Kinder und deshalb hat das Gebet eine gewaltige Wirkung. Und gleichzeitig unterstreicht Jakobus durch das Wort „viel“, dass Gebet eben nicht alles bewirkt. Gottes Wille steht über allem, so wie es Jesus auch im „Vater unser“ deutlich macht. Und gerade diesem heiligen Willen Gottes unterstellt sich der wahrhaft Gerechte in seinem Gebet. Diese heilige Gebetshaltung hat uns Jesus im Garten Gethsemane auf wunderbare Weise vorgelebt.
Vers 17-18: Am Beispiel von Elia zeigt Jakobus, wie Gott das Gebet eines Gerechten erhört. Jakobus ist es wichtig, dass wir sehen, dass Elia trotz seines gewaltigen Ansehens und seinen großen Taten, eben auch „nur“ ein Mensch war. Elia hatte damit die gleichen Voraussetzungen wie wir, und wenn wir das Leben von Elia ansehen, entdecken wir z.B. auch, wie Elia von Verzweiflung und Entmutigung überwältig werden konnte.
Jakobus möchte seine Leser ermutigen, in großem Vertrauen zu beten, so wie es auch Elia tat.
Wenn wir allerdings die Berichte in 1.Kön 17 und 18 lesen, dann fällt auf, dass dort nicht von einem Gebet Elias für Trockenheit berichtet wird.
Allerdings macht König Ahab Elia später für die Trockenheit verantwortlich. Jakobus scheint sich hier auf außerbiblische Überlieferungen zu beziehen (evtl. Jesus Sirach 48,1-3). Die Trockenheit in Israel war Gottes Gericht über die Gottlosigkeit von König Ahab und seinen Vorgängern. Es scheint, als ob Elia sich eben die Beschlüsse Gottes zu eigen gemacht hat, er hat das gebetet, was Gott ihm aufs Herz gelegt hat.
In 1.Kön 18,42ff können wir sehen, wie Elia im Vertrauen für das Ende der Trockenheit betet, nachdem Gott ihm das Ende der Trockenheit angekündigt hat. Elia erwartet das Ende der Trockenheit im tiefen Vertrauen auf Gottes Verheißung und er zeigt das, indem er seinen Diener immer wieder auffordert nach den Regenwolken Ausschau zu halten.
Jakobus Ziel mit diesem Beispiel ist es, seine Leser zu ermutigen, treu und ausdauernd am Gebet zu bleiben. Gott hat Freude daran, die treuen, ernsthaften Gebete seiner Kinder zu erhören.
2.2 Weitere Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Hilfen zur Auslegung bieten z.B.
- Krimmer, Heiko; Jakobusbrief (Edition C Bibelkommentar)
- Maier, Gerhard. Der Brief des Jakobus (HTA)
- Grünzweig, Fritz. Der Brief des Jakobus (Wuppertaler Studienbibel)
- Nystrom, David. James (NIV Application Commentary)
- Hughes, R. Kent. Faith That Works (Preaching the word)
3 Erklärungen zum Thema (Einander umbeten)
3.1 Einander nicht provozieren – welche Folgen hat es, wenn wir uns daran orientieren?
Wenn wir über das Thema Gebet nachdenken, fallen uns viele verschiedene Abschnitte in der Bibel ein, die uns dazu auffordern treu und anhaltend zu beten. Und einen ganz großen Teil spielt beim Thema Gebet die Fürbitte für Mitchristen eine Rolle. Wenn wir z.B. die Briefe von Paulus lesen, können wir sehen, dass das Gebet für andere Christen und für Gemeinden ein ganz zentrales und selbstverständliches Element im Glaubensleben von Paulus war. Und nicht nur das, Paulus geht auch davon aus, dass die Gemeinden für ihn und seinen Dienst beten (z.B. Röm 15,30; Kol 4,3; …).
Gemeinde ist von Gott so geschaffen, dass Geschwister füreinander im Gebet einstehen und sich auch so gegenseitig tragen. Das Gebet füreinander zeigt, dass wir als Kinder Gottes auf eine andere, tiefere Weise verbunden sind, als unsere Welt das kennt. In Jesus sind wir miteinander bis in alle Ewigkeit verbunden.
Wo wir in der Gemeinde einander umbeten, zeigen wir, dass wir als Gemeinde und als Einzelne von Gottes Wirken in unserem Leben abhängig sind. Wir zeigen auch, dass wir als Geschwister in der Liebe Christi verbunden sind, und wir wachsen durch das Gebet in der Liebe zueinander. Wir brauchen das Gebet füreinander auch, um die Vielfalt in der Gemeinde immer wieder neu schätzen zu können, anstatt uns über Unterschiede zu ärgern. Das Gebet füreinander ist ein ganz zentraler Ausdruck dessen, dass wir als Christen miteinander eins sind und eins sein wollen.
3.2 Einander nicht provozieren – worin liegen die Schwierigkeiten bei der Umsetzung?
Gebet ist immer angefochten. Der Satan und unser alter Mensch haben kein Interesse daran, dass wir in einer engen Beziehung zu Gott leben. Und so erleben wir als Christen, dass es immer wieder ein Ringen ist, wirklich treu am Gebet zu bleiben. Aber es ist ein Ringen, das es wirklich wert ist. Im Blick auf das Beten für andere, kommt zudem noch der Aspekt hinzu, dass die eigenen Anliegen oft näher scheinen als das, was der Nächste braucht. Gerade hier brauchen wir das Wirken des Heiligen Geistes, der unseren Blick immer wieder auf Gott und den Nächsten lenkt.
3.3 Einander nicht provozieren – wie geht unsere Gesellschaft damit um?
Gebet ist eines der Themen, bei dem sehr deutlich wird, wie sehr wir Menschen Gottes Offenbarung brauchen, um wirklich geistliche Dimensionen verstehen zu können. Für viele Menschen ist Gebet eine billige, letzte Vertröstung, eine Art letzter Anker, der zwar nichts bringt, aber eben auch nicht schadet. Schlussendlich sind Gebete für sie menschliche Worte, in die Luft gesprochen, die bei niemandem ankommen, aber vielleicht doch im Herzen des Menschen eine psychologische Wirkung entfalten. Als Kinder Gottes wissen wir, dass das Gebet etwas ganz anderes ist. Wir kennen den, bei dem unser Gebet ankommt. Wir haben seine Zusage, dass er unser Gebet hört. Unsere Gebete mögen vielleicht schwache menschliche Worte sein, aber der, der unser Gebet hört ist nicht schwach, nein, er hat alle Macht im Himmel und auf der Erde.
4.1 Einander umbeten – wie hat Jesus uns „einander umbeten“ vorgelebt?
Ein wunderbares Beispiel, wie Jesus seine Jünger umbetet. finden wir in Joh 17 im sogenannten hohepriesterlichen Gebet. Wie Jesus seine Jünger umbetet sehen wir auch in Lk 22,32, wo Jesus betont, dass er im Blick auf die Verleugnung für den Glauben von Petrus gebetet hat.
4.2 Einander umbeten – welche weiteren Beispiele finden wir in der Bibel?
Paulus berichtet immer wieder, wie er im Gebet für die Gemeinden und für einzelne Christen einsteht und wie er gleichzeitig die Gemeinde bittet, auch für ihn und seinen Dienst zu beten. In der Apostelgeschichte lesen wir, wie sich die Christen zur Fürbitte versammelten, als Petrus im Gefängnis war (vgl. Apg 12,5).
4.3 Einander umbetenn – was lehrt uns das über die Gemeinde?
vgl. 3.1
5.1 Wie werden wir von Jesus ausgerüstet, um einander zu umbeten?
Zunächst werden wir von Jesus überhaupt erst in die Position gebracht als Gerechte beten zu können. Er schenkt uns seine Gerechtigkeit, er gibt sein Leben und bezahlt unsere Schuld, damit unsere Beziehung zum Vater wiederhergestellt werden kann.
Jesus gibt uns den Heiligen Geist, der unser Gebet auf die richtige Weise vor Gott bringt (vgl. Röm 8,26-27) und der uns versichert, dass wir Kinder Gottes sind (Röm 8,16). So nutzt Jesus immer wieder auch unsere Schwachheit und lehrt uns, gerade ganz auf ihn zu vertrauen und ihn anzurufen (vgl. 2.Kor 12,7-10).
5.2 Was sollen wir in unserem Leben unternehmen?
In Offenbarung 3 lesen wir einen Brief von Jesus an eine Gemeinde, die in ihrem Glaubensleben lau geworden ist. Das betraf sicherlich auch das Gebetsleben dieser Gemeinde. In Offb 3,19ff lesen wir, wie Jesus diese Gemeinde auffordert, umzukehren und sich wieder neu auf Jesus auszurichten. In Vers 20 beschreibt es Jesus so, dass er vor der Tür steht und anklopft. Jesus fordert die Christen in Laodizea auf, ihn wieder in ihr Leben einzulassen. Jedes geistliche Leben, jedes Gebetsleben, ist davon abhängig, dass wir zu Jesus umkehren, dass wir ihm die Tür öffnen und ihn in unserem Leben wirken lassen.
Jesus möchte uns aufs Herz legen, wofür oder für wen wir beten sollen. Er möchte durch seinen Heiligen Geist unser Herz öffnen für die Nöte der anderen. Auch deshalb beginnt es mit dem, dass wir Jesus einlassen.
Um wirklich füreinander beten zu können, brauchen wir in der Gemeinde ein offenes, liebevolles Miteinander, indem wir unsere Anliegen miteinander teilen und uns gegenseitig um Gebet bitten. Jak 5 ermutigt uns im Blick auf das Gebet der Ältesten für den Kranken, die eigene Not eben nicht zu verschweigen, sondern Geschwister aktiv um Gebet zu bitten.
6.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Die Hörer sollen zum Gebet füreinander ermutigt werden. Sie sollen wieder neu hören, welch wunderbares und kraftvolles Geschenk das Gebet für uns ist, weil wir einen allmächtigen Gott haben, der seine Kinder einlädt, mit allem, was sie bewegt, im Gebet zu ihm zu kommen.
6.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Einander umbeten
6.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
1. Beten: Gottes Geschenk für jede Lebenslage (vgl. V.13)
2. Beten: Die Not des Nächsten vor Gott tragen (vgl. V.14-16)
3. Beten: Volles Vertrauen, weil Gott Gebet hört (vgl. V.17-18)
(Tobias Schurr)