Römer

Predigthilfe vom 4. Juli 2021 – Römer 2,17- 3,20

Predigtthema:         Keiner ist gerecht – weder die Frommen, noch die Heiden

Predigttext:              Röm 2,17-3,20

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com

1.1 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes

Paulus geht es auch in diesem Abschnitt darum zu zeigen, dass alle Menschen das Evangelium der Gnade brauchen, weil sie Sünder sind. Wir sehen deutlich, dass Paulus einen jüdischen Gesprächspartner vor Augen hat, der seine Vorzüge vor den Heiden herausstellt. Paulus geht es im Folgenden darum zu zeigen, dass es wirklich Vorzüge gibt, besonders im Blick auf die Offenbarungen, die Gott seinem Volk Israel geschenkt hat, dass diese Vorzüge aber nichts daran ändern, dass auch die Israeliten vor Gott schuldig sind und seine Gnade brauchen.

Vers 17-20: Die Menschen, die Paulus in unserem Abschnitt anspricht berufen sich mit Stolz auf ihre jüdische Abstammung. Paulus nennt hier eine ganze Reihe von Vorzügen, die seine jüdischen Gesprächspartner vorbringen, die ihre besondere Beziehung zu Gott kennzeichnen. Wenn wir in den Evangelien die Diskussionen von Jesus anschauen, die er mit den verschiedenen jüdischen Gruppierungen führte, können wir etwas von dieser Überzeugung, der Freude und dem Stolz sehen, die die Menschen erfüllte, weil sie zu Gottes Volk gehörten. Auch Paulus selbst war in dieser Überzeugung erzogen und lebte sie sehr radikal. Die Basis dieser Überzeugung lag in der Erwählung Israels und in der Offenbarung von Gottes Gesetz begründet. Dieses Gesetz Gottes sollte das Leben in Israel prägen und gestalten und deshalb nahmen die Menschen, die im Gesetz Gottes gelehrt waren, auch für sich in Anspruch, andere im Gesetz Gottes lehren zu können.

Diese Überzeugung oder dieses Selbstbewusstsein spiegelt viel von dem wider, wie es eigentlich sein sollte. Gott möchte Menschen, die von seiner Offenbarung durchdrungen sind, die ihr Leben an seinem offenbarten Willen orientieren. Menschen, die so vom Licht Gottes her auch in der Lage sind, andere auf richtige Weise zu unterweisen, vor allem die Menschen, die die Offenbarung Gottes noch nicht kennen. So sollte es eigentlich sein. Aber Paulus wird in den folgenden Versen zeigen, dass dieses Selbstverständnis an der Wirklichkeit des Verhaltens seiner Gesprächspartner scheitert. Er wird zeigen, dass sie zwar das Gesetz Gottes haben, aber durch ihr Verhalten zeigen, dass sie in der Finsternis leben.

Vers 21-24: Paulus stellt dem Anspruch die Wirklichkeit des Lebens gegenüber und muss feststellen, dass gerade auch der Lehrer des Gesetzes an Gottes Gesetz scheitert. Die Worte und die Taten widersprechen sich. Die Lehre, die anderen Menschen weitergegeben wird, wird im eigenen Leben nicht praktiziert. Paulus geht hier natürlich nicht davon aus, dass jeder jüdische Lehrer alle diese Dinge tut. Er spricht hier von Gottes Volk im Ganzen und er will betonen, dass die gleichen Sünden, die den Heiden vorgeworfen werden, auch im Volk Gottes zu finden sind.

Ein solches Verhalten von Menschen, die sich auf Gottes Gesetz berufen, zieht Gottes Ehre durch den Dreck. Durch das Verhalten wird deutlich, dass man Gott und seine Gebote eben nicht ehrt, sondern ihn im praktischen Leben ignoriert. Paulus zeigt hier sehr deutlich den Zusammenhang zwischen Gehorsam und Gott ehren. Nicht derjenige, der Gottes Gesetz kennt und sich darauf beruft, ehrt Gott, sondern derjenige, der in seinem Leben nach Gottes Gesetz lebt.

Das ungehorsame Verhalten von Gottes Volk wird auch nach außen sichtbar. Die anderen Völker nehmen den Widerspruch zwischen Anspruch und Realität im Volk Gottes deutlich wahr und spotten deshalb über Gott (vgl. Jes 52,5).

Das heißt, Paulus stellt die heilsgeschichtlichen Vorrechte Israels überhaupt nicht in Frage. Aber er schaut auf das Leben und sieht, dass alle das Gesetz Gottes brechen und dass sie deshalb kein Recht haben sich auf die Privilegien zu berufen und den Heiden gegenüber als Lehrer aufzutreten.

Vers 25-29: Nachdem Paulus den geistlichen Zustand aufgedeckt hat, formuliert er die geistliche Konsequenz aus dem ungehorsamen Leben. Paulus benutzt hier das zentrale Bundeskennzeichen Israels, die Beschneidung, um zu zeigen, welche Konsequenzen der Ungehorsam hat. Paulus will aufzeigen, dass Juden ebenso wie Heiden Sünder sind, die gerettet werden müssen.

Grundsätzlich stimmt Paulus dem zu, dass die Beschneidung sehr wohl einen Nutzen hat, aber eben nur, wenn das Leben eines Beschnittenen in Übereinstimmung mit Gottes Geboten gelebt wird. Wenn dies aber nicht der Fall ist und Paulus ist ja dabei zu zeigen, dass kein Mensch aus eigener Kraft vor Gottes Gesetz bestehen kann, ist die äußere Beschneidung keine geistliche Realität. Wenn Gott ihn als Unbeschnittenen ansieht, dann bedeutet das, dass er im Endgericht eben nicht zu Gottes Heilsvolk gehören wird.

Die äußere Beschneidung muss also eine innere Wirklichkeit widerspiegeln, wenn sie einen Nutzen haben soll. Paulus beschreibt diese Konsequenz von beiden Seiten, indem er betont, dass ein Mensch, der nicht äußerlich beschnitten ist, aber dennoch das Gesetz hält, innerlich, in Gottes Augen beschnitten und damit ein Jude ist. Hier redet Paulus von einem Heidenchristen, der durch Gottes Gnade gerecht vor Gott steht und deshalb in Gottes Augen ein Beschnittener ist, also zu Gottes Heilsvolk gehört.

Am Ende von Vers 29 formuliert Paulus den entscheidenden Maßstab. Das Lob muss von Gott kommen. Wenn er ein menschliches Leben als gerecht bewertet dann ist es gerecht. Menschliche Urteile sind in der Heilsfrage nicht relevant. Vers 29 zeigt auch, was für diese Gerechtigkeit vor Gott notwendig ist. Es muss zu einer Beschneidung des Herzens kommen, d.h. der Mensch muss in seinem tiefsten Inneren neu werden. Diese Beschreibung erinnert an die Verheißung in Jer 31,31-34, wo Gott verspricht, dass es im neuen Bund zu dieser Erneuerung des Herzens und des Geistes kommen wird.

Wir sehen, wie Paulus jeden menschlichen Hochmut im Blick auf äußere Vorrechte zerstören möchte. Er tut dies, indem er zeigt, dass im Blick auf das Gesetz alle Menschen scheitern und dass niemand vor Gott gerecht ist. Er unterstreicht damit, wie dringend alle Menschen Gottes Gnade brauchen.

Vers 1-4: Paulus hat die Vorzüge, die Israel genießt, weil Gott es als sein Volk erwählt hat, sehr wohl im Blick. Die Beschneidung ist ja das Erwählungszeichen Gottes. Israel hat den besonderen Vorzug, dass Gott sich ihnen durch sein Wort offenbart hat, Er hat seinem Volk seine Wege gezeigt (vgl. Ps 103,7).

Und diese Erwählung bleibt bestehen, auch wenn einige in Israel untreu sind. Das Wort „einige“ das Paulus hier verwendet, kann auf große Teile des Volkes verweisen (vgl. 1Kor 10,7-10). Gott ist treu und sein Bund, den er mit Abraham und seinen Nachkommen geschlossen hat, bleibt bestehen. Diese Treue Gottes wird im Alten Testament immer wieder bezeugt und Gottes Handeln mit seinem Volk unterstreicht diese Treue stets aufs Neue.

Paulus schließt Vers 4, indem er Ps 51,6 zitiert. Am Ende wird für alle sichtbar Gottes Wahrheit stehen. Gottes Wahrheit und Gottes Treue gehören untrennbar zusammen. Dieser Wahrheit Gottes gegenüber steht die Lüge, die das Leben der Menschen unter der Macht der Sünde beherrscht.

Vers 5-8: Paulus kommt nun auf einen Einwand zu sprechen, der im Blick auf die Lehre von der Gnade oder Gerechtigkeit Gottes immer wieder vorgebracht wird. Paulus hat anhand der menschlichen Ungerechtigkeit die Größe Gottes herausgestellt. Aber das macht die menschliche Ungerechtigkeit nicht besser und legitimiert sie schonmal gar nicht. Das Gegenteil ist der Fall. Gottes Gerechtigkeit zeigt vielmehr wie schlecht und böse die menschliche Ungerechtigkeit ist und wie sehr wir Gottes gerechtes Gericht und seinen Zorn verdient haben. Der Blick auf Gottes Vollkommenheit zeigt uns, wie weit wir uns von dem entfernt haben, wozu uns Gott eigentlich geschaffen hat, nämlich seinem Bild (Gen 1,26f).

Vers 9: Paulus fasst mit diesem Vers zusammen, was er zuvor gesagt hat und bereitet damit gleich den ausführlichen Schriftbeweis vor, der in den Versen 10-18 folgt. Etwas verwirrend ist, dass manche deutsche Übersetzung in Vers 1 und in Vers 9 den gleichen Begriff „Vorzug“ oder „Vorteil“ verwenden, obwohl Paulus zwei unterschiedliche Begriffe verwendet. Paulus widerspricht sich hier nicht, sondern er differenziert. Paulus hat gezeigt, dass die durchaus einen Vorzug für das jüdische Volk gibt. Sie kennen das Wort Gottes, es wurde ihnen zuerst offenbart. Doch dieser Vorzug ist kein absoluter Vorteil. Für Juden, wie für Heiden gilt die Realität der Sünde in ihrem Leben. Und auch im Blick auf die Folgen der Sünde stehen Juden und Heiden gleich da. Diese Wahrheit, die er in den vorigen Versen schon argumentativ belegt hat, unterstreicht Paulus nun, indem er sechs Belegstellen aus dem Alten Testament anführt.

Vers 10-12: Paulus lehnt sich an Psalm 14,1-3 an. Aber auch Pred 7,20 ist eine Parallele. Mit „alle“ und „keiner“ stützen diese Verse aus dem AT die Argumentation von Paulus, dass vor Gottes Gesetz alle Menschen scheitern und deshalb so dringend auf Gottes Gnade angewiesen sind.

Vers 13-14: Paulus fügt noch eine ganze Reihe Psalm-Zitate an, die das menschliche Reden in den Blick nehmen. Gerade das menschliche Reden zeigt, dass der Mensch unter der Macht der Sünde steht (vgl. auch Jak 3).

Psalm 5,10 beschreibt die Feinden, angesichts derer der Gottesfürchtige Gott um Rettung anfleht. Besonders das Reden der Feinde hat tödliche Wirkung

Auch Psalm 140,4 beschreibt Angriffe der Feinde und vergleicht die Wirkung der bösen menschlichen Rede mit dem Gift von Schlangen.

Mit Psalm 10,7 schließt Paulus seine Aufzählung, wie die menschliche Sündhaftigkeit sich im Reden zeigt. Auch Fluch und Bitterkeit zeigen die sündhafte, zerstörerische Wirkung der Worte, die das Unheil des anderen fördern, statt ihm in Liebe zu begegnen.

Es fällt auf, dass alle diese Belegstellen in ihrem ursprünglichen Zusammenhang über die Feinde des Gottesfürchtigen sprechen. Paulus spitzt diese Worte durch seine Anwendung deutlich zu, indem er diese Stellen benutzt, um zu unterstreichen, dass alle Menschen Sünder sind, nicht nur die, die den Gottesfürchtigen angreifen.

Vers 15-17: Jes 59,7-8 In Jes 59 lesen wir eine Anklage gegen die bösen Taten, die das Volk Gottes tut. In seinem Zitat greift Paulus besonders die Füße heraus, also nicht das Reden, wie in den Versen davor, sondern die praktische Tat. Auch hieran zeigt sich, wie der Mensch in der Macht der Sünde gefangen ist, und dass diese Gefangenschaft zerstörerische Auswirkungen für das Miteinander hat. Ohne Gottes Eingreifen werden wir Menschen den Weg von Gottes Frieden nicht erkennen.

Vers 18: Paulus schließt seine Zitatenreihe mit Psalm 36,2 und nimmt damit zum Schluss die Beziehung zu Gott in den Blick. Mit der Formulierung schafft er eine enge Verbindung zu Vers 10-12. Das Alte Testament zeigt, dass Gottesfurcht eine ganz entscheidende Bedeutung hat. Eckard Schnabel fasst es so zusammen:

Ohne Gottesfurcht, d.h. ohne Ehrfurcht vor Gott, ohne Würdigung seiner Ehre, ohne Anerkennung seines überlegenen Wissens und Wollens, gibt es keine Weisheit (Ps 111,10; Spr 1,7; 9,10) und keine moralischen Maßstäbe, die persönliche und gesellschaftliche Verfehlungen verhindern wollen und können. Wer Gott fürchtet, der ist zuverlässig und hasst Ungerechtigkeit (Ex 18,21). Wer Gott fürchtet, der liebt ihn, geht auf allen seinen „Wegen“ und dient ihm mit seinem ganzen Herzen und seinem ganzen Leben (Deut 10,12.20). Wer Gott fürchtet, der hält alle seine Gebote (Deut 6,2; 10,13). Wer Gott fürchtet, dem geht es „alle Tage“ gut (Deut 6,24; 10,13). (Schnabel, S.357)

Paulus hat gezeigt, dass diese fehlende Gottesfurcht eben nicht nur die Heiden kennzeichnet, sondern alle Menschen. Und wieder wird deutlich, dass wir Menschen nur eine Hoffnung haben, das Evangelium der Gnade Gottes.

Vers 19: Paulus fasst das Ergebnis der Zitate zusammen und wiederholt sein Argument, das er in unserem Abschnitt vorgelegt hat. Die Aussage „wir wissen“ bezieht sich auf etwas, worüber Einigkeit besteht und das meint hier, dass das Gesetz diejenigen anspricht, die in dem Bereich leben, in dem das Gesetz offenbart wurde und gilt. Die Auswahl der Zitate zeigt, dass Paulus mit Gesetz das ganze Alte Testament meint (also das mosaische Gesetz, die Propheten und die Schriften). Gott spricht sein Volk ganz konkret an und zeigt ihnen seinen Willen und verpflichtet damit sein Volk nach dieser Offenbarung zu leben.

D.h. Israel hat im Gericht Gottes nur dann einen Vorteil, wenn sie das Gesetz Gottes halten und somit ein Einklang mit ihrer Beschneidung leben. Sie haben nicht allein wegen ihres Status einen Freifahrtschein. Und wenn es um das Halten des Gesetzes geht, wird einmal jeder Mensch vor Gott schweigen müssen. Das Gesetz Gottes klagt jeden Menschen an und belegt, dass jeder Mensch das Gericht Gottes verdient hat, also nichts zu seiner Verteidigung vorbringen kann und somit schweigen muss.

Vers 20: Das ist das ernüchternde Fazit. Kein Mensch hält Gottes Gesetz, alle sind schuldig vor dem Gesetz. Kein Mensch kann sich auf seine Werke verlassen, mit denen er versucht das Gesetz zu halten. Wer das Gesetz Gottes ehrlich liest, der muss zu der Erkenntnis kommen, dass er ein Sünder ist, dessen einzige Hoffnung die Gnade Gottes in Jesus Christus ist.

1.2 Weitere Hilfen zum Verständnis des Predigttextes

  • Krimmer, Heiko. Römerbrief (Edition C Bibelkommentar)
  • Schnabel, Eckhard. Der Brief des Paulus an die Römer: Kapitel 1-5 (Historisch   Theologische Auslegung)
  • Lüthi, Walter. Der Römerbrief
  • De Boor, Werner. Der Brief des Paulus an die Römer (Wuppertaler Studienbibel)

2. Verstehen, worum es geht

2.1 Hinweise für situative Überlegungen

Wir leben in einer Zeit, in der in unserer westlichen Welt sehr hohe moralische Standards an uns Menschen gestellt werden. Der konkrete Inhalt der Moral hat sich zwar in den letzten Jahrzehnten deutlich verändert, aber es bleibt, dass wir menschliches Verhalten sehr stark moralisch bewerten. Das gilt auf der einen Seite im öffentlichen Diskurs, aber auch für unser persönliches Empfinden von richtig und falsch. Gerade im Umgang mit der aktuellen Pandemie wurde deutlich, wie schnell wir dabei sind, die Welt in die Guten und in die Bösen zu unterteilen. Und natürlich wollen alle auf der Seite der Guten stehen.

Wenn wir ehrlich in unsere Herzen hören, merken wir bei uns die Gefahr uns durch unser Verhalten und Bewerten selbst rechtfertigen zu wollen. Wir wollen gerne gut dastehen, einmal in unserer persönlichen Beurteilung, aber auch in der Beurteilung durch andere.

Wenn wir die Argumentation von Paulus in unserem Abschnitt lesen, merken wir, wie er jeder selbstgerechten Beurteilung den Boden entzieht. Natürlich ist es möglich ein Leben zu führen, das zumindest von einer Mehrheit der Menschen in einem konkreten Umfeld als gut angesehen wird und das auch den eigenen Vorstellungen entspricht. Doch dieses Urteil ist im Blick auf unsere ewige Zukunft irrelevant. Die ewige Frage ist vielmehr, ob wir vor Gottes Urteil bestehen können. Und Paulus zeigt ganz klar, dass ohne Gottes Eingreifen, ohne seine Gnade, alle Menschen vor Gott scheitern werden. Kein Mensch ist von sich aus gut.

Diese ernüchternde Wahrheit müssen wir immer wieder hören, damit wir unsere Hoffnung eben nicht auf unsere Selbstrechtfertigung setzen, sondern allein auf den vertrauen, der uns wirklich gerecht machen kann.

2.2 Hinweise für hermeneutische Überlegungen

Wir müssen in diesen Versen sehen, wie hoch Paulus das Gesetz Gottes achtet (vgl. Röm 7,12). Das Gesetz offenbart Gottes Willen und zeigt damit bei jedem einzelnen Menschen auf, wie weit er von der Gerechtigkeit entfernt ist, die vor Gott gilt. Damit gilt auch für den frömmsten Menschen, dass das Gesetz Gottes ihn zurecht anklagt, weil sein Leben nicht zu Gott passt. Es ist Paulus sehr wichtig zu belegen, dass dieses Urteil über uns Menschen keine christliche Erfindung ist, sondern dass es tief im Alten Testament verwurzelt ist. Damit will er die Selbstsicherheit seiner frommen Gesprächspartner zerstören und sie ermutigen nicht den Weg der eigenen Gerechtigkeit zu gehen, sondern den Weg der geschenkten Gnade.

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen

In der Predigt wird es wichtig sein die Brücke von dem imaginären Gesprächspartner, den Paulus vor Augen hat, in unsere Situation zu schlagen. Da viele unsere Hörer in einem christlichen Kontext aufgewachsen sind und so schon früh mit Gottes Wort in Berührung gekommen sind haben wir hier eine enge Verbindung. Auch wir als Christen heute müssen uns fragen lassen, ob wir unsere Hoffnung wirklich auf Jesu Gnade setzen, weil auch für uns gilt, dass wir aus uns selbst niemals Gottes Gesetz erfüllen können.

Gerade diese Wahrheit sollte uns immer wieder davor bewahren hochmütig auf andere herabzuschauen. Wir sollten sie vielmehr in Liebe immer wieder daran erinnern, dass die gute Nachricht von Gottes Gnade in Jesus Christus unsere einzige Hoffnung ist.

Da der Text sehr lang ist, bietet es sich an den Text nicht am Stück, sondern abschnittsweise vor den einzelnen Gliederungspunkten zu lesen.

3. Sagen, wo es hingeht

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?

Die Predigt soll deutlich machen, dass jeder Mensch am Maßstab, den uns das Gesetz Gottes offenbart, scheitert. Diese Wahrheit soll uns auf der einen Seite demütig machen und vor Hochmut anderen Menschen gegenüber bewahren. Gleichzeitig soll diese Wahrheit die Hörer neu dafür begeistern, was für ein wunderbares und notwendiges Geschenk das Evangelium ist und sie ermutigen die Hoffnung ganz auf Jesus zu setzen.

3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?

Keiner ist gerecht – weder die Frommen, noch die Heiden

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

a) Auf die innere Beschneidung kommt es an (2,17-29)

b) Gottes Urteil ist wahr und gerecht (3,1-8)

c) Gottes Gesetz bezeugt, dass wir alle Sünder sind (3,9-20)

3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?

Das Gleichnis vom Pharisäer und vom Zöllner, das Jesus in Lk 18 erzählt ist eine wunderbare Veranschaulichung dieses Themas. Der Pharisäer ist im Stolz über seine eigenen frommen Voraussetzungen und Leistungen gefangen. Er ist blind im Blick auf seine eigene Schuld und muss am Ende das Urteil hören, dass er nicht gerechtfertigt nach Hause geht. Der Zöllner dagegen hat nichts vorzuweisen. Er weiß um seine Schuld und setzt seine Hoffnung ganz auf Gottes Gnade. Diesem Sünder, der Buße tut, spricht Jesus die Rechtfertigung zu.

(Tobias Schurr)