Predigtthema: Die Welt ist dahingegeben – als Folge ihres Götzendienstes
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1. Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com.
1.1 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes
Vers 18: Paulus knüpft mit Vers 18 direkt an seine Aussagen über das Evangelium und Gottes Gerechtigkeit in Vers 16-17 an. Indem er auf drastische Weise die Gottlosigkeit und die daraus resultierende Verlorenheit der Menschheit aufzeigt, macht Paulus deutlich, wie dringend wir alle die gute Nachricht von Jesus brauchen.
Vers 19-20: Dabei hat kein Mensch eine Ausrede, weil Gott sich in der Schöpfung offenbart hat. Natürlich ist diese Offenbarung in der Schöpfung nicht so klar und weitreichend, wie sich Gott in seinem Wort geoffenbart hat. Dennoch ist sie ausreichend, dass ein Mensch erkennen kann, dass Gott existiert. Gott hat uns Menschen so gemacht, dass wir ihn in der Schöpfung erkennen müssten. Die Tatsache, dass wir Menschen es nicht tun, zeigt wie sehr wir unter der Herrschaft der Sünde stehen.
Vers 21-23: Paulus beschreibt ganz ungeschönt, wie wir Menschen uns von Gott abwenden und alle möglichen gemachten Dinge in den Rang Gottes setzen. Diesen törichten Götzendienst prangern auch die Propheten im AT immer wieder an. Sehr bekannt und prägnant ist die Anklage von Jeremia in Kapitel 10, wo er die Götzen als Vogelscheuchen im Gurkenfeld bezeichnet.
Dieses Weglaufen von Gott widerspricht Gottes Weisheit völlig und zeigt, wie wir Menschen in unserer Schuld zu Narren werden.
Vers 24-32: Nachdem er den grundsätzlichen Weg des Götzendienstes der Menschen beschrieben hat, erklärt Paulus nun, wie Gott auf diesen Götzendienst reagiert. Er übergibt die Menschen ihren eigenen Wünschen und Begierden, was dazu führt, dass sie sich immer weniger nach Gottes Ordnungen richten und stattdessen ihre eigenen Wege gehen. Paulus spricht dreimal davon, dass Gott die Menschen übergeben hat (V24.26.38).
Paulus spricht also hier vom Gericht Gottes, der seine ordnende, orientierende Hand zurückzieht und die Menschen ihrer selbstgewählten, geistlichen Orientierungslosigkeit überlässt.
Dies zeigt sich für Paulus zuerst darin, dass Menschen nicht mehr Gott, den Schöpfer, verehren und ihm dienen, sondern stattdessen das Geschöpf. Weiter zeigt sich diese Orientierungslosigkeit für Paulus darin, dass Gottes Ordnung für das ganze menschliche Leben nicht mehr beachtet wird. Paulus beginnt in V.26-27 mit der Geschlechtlichkeit und zählt dann in V.28-31 eine ganze Liste von Verhaltensweisen auf, die als Folge auftreten, wenn Gott seine ordnende Hand von der Menschheit wegnimmt.
Diese Ablehnung der göttlichen Ordnung geschieht nach Überzeugung von Paulus nicht durch Unwissenheit, sondern im Wissen um das, was Gott sagt, also mit vollem Bewusstsein (V.32).
1.2 Weitere Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
- Krimmer, Heiko. Römerbrief (Edition C Bibelkommentar)
- Schnabel, Eckhard. Der Brief des Paulus an die Römer: Kapitel 1-5 (Historisch Theologische Auslegung)
- Lüthi, Walter. Der Römerbrief
- De Boor, Werner. Der Brief des Paulus an die Römer (Wuppertaler Studienbibel)
- Zum Thema Götzendienst ist das Buch: „Es ist nicht alles GOTT was glänzt“, von Timothy Keller empfehlenswert.
2. Verstehen, worum es geht
2.1 Hinweise für situative Überlegungen
Wir leben in einer Welt, in der man das Gefühl hat, dass christliche Wertmaßstäbe immer mehr über Bord geworfen werden. Manchmal stehen wir als Christen hilflos davor und fragen uns, was wir tun können und sollen. Paulus stellt uns in Röm 1,18ff sehr deutlich vor Augen, dass diese Ablehnung von Gottes Wertmaßstäben ein Grundcharakteristikum der gefallenen Welt ist. Das Grundproblem seit dem Sündenfall besteht darin, dass wir Menschen in unserer Sünde eben nicht den wahren Gott anbeten, sondern uns alle möglichen anderen Götter machen und diese auf den Thron setzen, der allein dem wahren Gott gehört. In dieser Realität lebt unsere Welt, und deshalb ist Gott zu Recht zornig.
Wenn wir als Christen vom Evangelium reden, ist es wichtig, dass wir erkannt haben, dass Gott wirklich und nicht grundlos zornig ist. Nur dann ergibt das Evangelium einen Sinn. Wenn wir versuchen das Evangelium nur mit Liebe zu erklären und nicht deutlich machen, dass Gott zu Recht im Blick auf unsere Schuld zornig ist, bleibt Jesu Tod am Kreuz eine willkürliche, nicht nachvollziehbare Aktion.
Aber wenn wir erkennen, dass Jesus am Kreuz wirklich den Zornbecher des Vaters trägt, wie er es selbst in Joh 18,11 sagt, dann erkennen wir am Kreuz die größte Liebestat aller Zeiten.
Weiter müssen wir sehen, dass das Leben in der Sünde katastrophale Auswirkungen hat. Besonders muss uns ins Auge fallen, dass Paulus dreimal davon redet, dass Gott die Menschen dahingibt und eben dann beschreibt, wie sich menschliches Leben in dieser Trennung von Gott entwickelt.
Paulus benutzt hier die menschliche Sexualität als primäres Beispiel oder als Prüfstein, weil sich für ihn hier zeigt, wie es um den Menschen im Innersten bestellt ist. Aber er macht deutlich, dass die Sünde auch in allen anderen Bereichen des Lebens furchtbare Folgen hat, weil überall deutlich wird, dass nicht mehr Gott im Mittelpunkt steht, sondern der gefallene Mensch mit seinen egoistischen Begierden. Der Mensch ist sich selbst zum Götzen geworden. Und schlussendlich ist all dies eine Konsequenz daraus, dass durch die Sünde unsere Beziehung zu Gott zerstört ist.
Genau hier ist das Evangelium die alles entscheidende Botschaft, weil das Evangelium der Gnade allein die Kraft Gottes ist und hat, um diesen furchtbaren Zustand zu ändern.
2.2 Hinweise für homiletische Überlegungen
Paulus beschreibt in diesen Versen sehr drastisch, wie es um uns Menschen unter der Sünde bestellt ist. Es ist wichtig und gut, dass wir dieser Betonung in der Predigt nachgehen. Allerdings dürfen wir den Zusammenhang nicht aus den Augen verlieren. Bevor Paulus über den menschlichen Zustand unter der Sünde reflektiert, hat er in kurzen, aber gewaltigen Worten das Evangelium auf den Leuchter gehoben (Röm 1,16-17). Paulus hat betont, welch eine wunderbare Kraft Gottes das Evangelium ist und jetzt geht es ihm darum, sehr deutlich zu zeigen, wie sehr jeder Mensch wirklich auf dieses Evangelium angewiesen ist.
Weiterhin sollten wir uns in der Predigt nicht auf eine „Spezialsünde“ versteifen. Paulus macht sehr deutlich, dass unser Grundproblem der Götzendienst ist, der in den verschiedensten Spielarten auftaucht. Dieser Götzendienst verunstaltet dann das ganze Leben. Wir sollten deutlich machen, wie umfassend unser Leben durch die Sünde in Mitleidenschaft gezogen wird.
Wir sollten diese Predigt nutzen, um das Evangelium groß zu machen, Jesus zu verherrlichen und die menschliche Not unter der Sünde deutlich herauszustellen. Dabei ist es wichtig, dass wir sehr klar benennen, dass Gottes Wort der Maßstab für richtig und falsch ist. Nicht das, was wir als gefallene Menschen als Sünde empfinden, ist Sünde, sondern das, was Gott in seinem Wort so benennt.
Auch wenn wir sehr klar erkennen, wie unsere Gesellschaft in vielen Bereichen Gottes Gebote mit Füßen tritt, sollten wir in der Predigt darauf achten, dass wir nicht mit dem Finger auf andere zeigen und uns über sie erheben.
Vielmehr sollten wir im Blick auf die Sünde der Welt und unsere eigene Sünde traurig und demütig werden, und uns wieder ganz mit einem bußfertigen Herzen dem Evangelium der Gnade hingeben.
Wir wollen nicht im Götzendienst leben, sondern den lebendigen Gott auf den Thron unseres Lebens setzen.
3. Sagen, wo es hingeht
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Die Predigthörer sollen erkennen, wie tief wir Menschen in unserer Sünde, in unserem Götzendienst gefangen sind. Sie sollen erkennen, wie sehr Gott die Sünde hasst und dass unsere einzige Hoffnung, dem berechtigten Zorn Gottes zu entkommen, in Jesus Christus gegründet ist.
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Die Welt ist dahingegeben – als Folge ihres Götzendienstes
3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
a) Ausrede zwecklos! (V.18-20)
b) Ein katastrophaler Wechsel [von Gott zum Götze] (V.21-23)
c) Unsere Ablehnung Gottes hat katastrophale Konsequenzen (V.25-32)
3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?
- Im Hotel ist die Toilette verstopft und übergelaufen. Das schmutzige Wasser verteilt sich. Die Gäste daraufhin die Rezeption und sagen: „Wir haben hier ein kleines Problem mit der Toilette“. Einige Minuten später klopft es und ein Mitarbeiter des Hotels steht vor der Tür, nur mit einem kleinen Lappen bewaffnet. Er möchte das „kleine Problem“ beheben. Als er das wirkliche Ausmaß des Problems erkennt, kommentiert er dies mit einem ziemlich unschönen Wort und geht. Einige Minuten später steht er in voller Bewaffnung vor der Zimmertür. Mit Wassersauger, Werkzeug und allem, was man eben braucht, um dieses Problem zu beheben. Es ist sehr wichtig, dass wir die Dimension unseres Problems mit Gott kennen, um richtig damit umgehen zu können (Bsp. aus einer Predigt).
- Auf der Nordseeinsel Borkum liegt ein transatlantisches Kabel, das mit schweren, starken Ketten verankert ist. Wenn die Ebbe kommt, wenn das Meer zurückweicht, liegen die Ketten unbedeckt auf dem Strand. An einem Sonntagnachmittag spielen drei junge Männer dort auf dem Sandstrand, versuchen die schweren Ketten zu heben, indem sie ihre Füße in die Kettenglieder stecken. Wer kann die Kette am höchsten heben? Das ist die Kraftprobe, um die es geht. Plötzlich bleibt der Fuß des einen in einem Glied der Kette stecken. Die anderen lachen und scherzen: „Nun bist du gefangen, nun musst du ertrinken.“ Gemeinsam versuchen sie den Freund zu befreien. Aber weder der Stiefel ist aus der Kette zu lösen, noch lässt sich der Fuß aus dem Schuh herausziehen. Von ferne kommt ein unheimliches Brausen. Immer näher tönt es in den Ohren der Jungen. Die Flut kommt! In Todesangst arbeiten und ziehen sie. Aber umsonst! Der Fuß bleibt in der Kette. Die Wogen kommen näher. Die beiden müssen weichen, um sich selbst zu retten. Über dem Einsamen in der Kette schlägt die Flut zusammen. Aus dem Spiel ist bitterer Ernst geworden. Ein Leben an der Kette ging zugrunde und von diesem furchtbaren Geschehen reden die Insulaner noch heute. Und doch hängen wir alle an der Kette, die uns nicht frei gibt: An der Schuld. Die Sünde schlägt über einem Menschen zusammen wie die Flut über dem Jungen in unserer Geschichte. Aber es gibt ein Wort in der Bibel, das uns helfen kann: Wen der Sohn frei macht, der ist recht frei (gefunden auf erf.de).
- Alle in einem Boot
Es war zu der Zeit, als es in den USA noch Sklaverei gab. Ein alter Mann namens Mose war es leid geworden, Tag für Tag und Jahr für Jahr Holz zu fällen. Eines Tages dachte er darüber nach, wer wohl die Schuld daran trage, dass er solch ein schweres Leben führen musste. Er fand für alle, an die er sich erinnern konnte, triftige Entschuldigungsgründe. Schließlich kam er zu dem Schluss, dass letztlich alles Adams Schuld war. Hätte er doch nur nicht den Apfel gegessen! Deshalb musste der Mensch das herrliche Paradies verlassen und auf dem Feld arbeiten, um sich im Schweiße seines Angesichts sein Brot zu verdienen.
Je mehr der alte Mose darüber nachdachte, desto ärgerlicher wurde er auf Adam. Bei jedem Axtschlag murmelte er: „Alter Adam, alter Adam!” Und mit jedem Wort schlug er etwas fester zu. Eines Tages – Mose war noch nicht zur Arbeit gegangen – hörte ihn der Gutsbesitzer schimpfen. Er fragte ihn, was das zu bedeuten habe.
„Ach”, antwortete Mose, „wenn Adam nicht den Apfel gegessen hätte, dann müsste ich mich nicht dauernd abschinden. Dann könnte ich zu Hause bleiben, mich ausruhen und Limonade schlürfen.”
Der Grundbesitzer dachte nach. Schließlich sagte er: „Du darfst zu Hause bleiben, Mose, wie es dein Wunsch ist. Ab sofort brauchst du keine Arbeit mehr zu verrichten. Du kannst dich den ganzen Tag hinlegen und tun, was dir gefällt – allerdings unter einer Bedingung: Siehst du das Kästchen dort auf dem Tisch? Du darfst es nicht öffnen! Einverstanden? Gut, dann genieße deine Ferien!”
In den nächsten Wochen konnte Mose sein Glück kaum fassen. Er lief im Haus herum und genoss seine Muße und schlürfte seine Limonade.
Dann stieß er auf das Kästchen. Zunächst betrachtete er es nur. Doch im Laufe der Zeit wurde die Versuchung, es zu berühren, immer mächtiger. Als er es schließlich nach mehreren Tagen betastete und sogar mit sich herumtrug, wurde ihm die Versuchung zu stark. Es konnte doch so schlimm nicht sein, nur einmal kurz hineinzuschauen!
Als er den Deckel vorsichtig an einer Seite hochhob, fiel sein Blick auf ein beschriebenes Blatt Papier auf dem Boden des Kästchens. Moses Neugier war erst befriedigt, als er den Zettel herausgenommen und gelesen hatte. Darauf stand: „Mose, du alter Schurke! Ich möchte dich nie mehr über Adam schimpfen hören. Wenn du im Garten Eden gewesen wärst, hättest du genauso gehandelt wie Adam. Geh wieder in den Wald zurück und fälle Holz!” (Autor unbekannt)
Denn es ist hier kein Unterschied: sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten, und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Jesus Christus geschehen ist. Römer 3,23f
(Tobias Schurr)