Johannes

Predigthilfe vom 27.3.2010 – Johannes 17, 20-26

Monatsthema: Leben als Nachfolger Jesu
Predigtthema: Glaube konkret – im Vater vereint

Bibelstelle: Johannes 17, 20-26

Verfasser: Thomas Richter

Ein Predigttipp enthält Hilfestellungen für die Verkündigung und ersetzt deshalb nicht das eigenständige Erarbeiten des Bibeltextes und Studieren von Bibelkommentaren.

1. TEXT- UND PREDIGTSCHWERPUNKT

Nun beleuchten wir den dritten („Vater“) trinitarischen („Geist“ – „Sohn“ – „Vater“) Aspekt der Nachfolge. Das Verhältnis von Vater und Sohn, soll sich nun auch in der Gemeinde niederschlagen und sichtbar werden. Aus diesem Grund bittet Jesus um die Einheit, Vollendung und Bewahrung, derer die durch den Dienst seiner Nachfolger zum Glauben kommen. Grundlage dafür ist, was vom Vater her geschehen kann (Predigtthema = „im Vater vereint“). Wo die Einheit von Vater und Sohn sich auch in der Gemeinde wiederspiegelt, da wird ein Zeugnis für die Welt aufgerichtet. Zum Predigttext (Joh 17,20-26) vergleiche auch Eph 4,1-6.

Für die Textlesung bietet die „Neue Genfer Übersetzung“ eine gut verständliche, lesbare und zuverlässige Übersetzung unseres Predigttextes (www.ngue.info).

2. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN

Hilfen zur Auslegung und Anwendung bieten z.B.
* Gerhard Maier. Johannesevangelium 2. Teil – Edition C Bibelkommentar 7 (S. 226-236).
* Werner de Boor. Das Evangelium des Johannes 2. Teil – Wuppertaler Studienbibel (S. 169-177).

Zur Beschäftigung mit dem Predigttext hilft das Anhören (im Sinne von Apg 17,11b) der Predigten von Winrich Scheffbuch vom 08.06.1999 mit dem Titel „Jesu Herrlichkeit“ (Joh 17,1-26), vom 03.03.1996 mit dem Titel „Verschieden und doch eins“ (Joh 17,20-26) und vom 01.06.1999 mit dem Titel „Was meinte Jesus wirklich“ (Joh 17,20-23). Diese Predigten findet ihr unter www.sermon-online.de, wenn ihr unter „erweiterte Suche“ die Felder „Bibelstelle“ [z.B. Johannes 17] und „Autor“ [z.B. Scheffbuch] ausfüllt.

Die nachfolgenden Gedanken stammen von John Piper. Bis ins Innerste: Gedanken über das Wort Gottes. Holzgerlingen: Hänssler, 2005. S. 63-65:
„Was will Jesus? Wir finden die Antwort in seinen Gebeten. Worum bittet er Gott in ihnen? Sein längstes Gebet findet sich in Johannes 17, und es zeigt uns seinen innigsten Wunsch: Vater, ich möchte, dass die, die du mir gegeben hast, bei mir sind (V. 24). Unter all den unwürdigen Sündern der Welt gibt es solche, die Gott Jesus ‚gegeben‘ hat. Es sind die, die er zu seinem Sohn gezogen hat (Joh 6,44+65). Es sind die Christen – Menschen, die Jesus als den gekreuzigten und auferstandenen Heiland, als den Herrn und Schatz ihres Lebens ‚aufgenommen‘ haben (Joh 1,12; 3,17; 6,35; 10,11+17f; 20,28). Jesus sagt, dass er möchte, dass sie bei ihm sind. Manche Leute meinen, dass Gott uns Menschen schuf, weil er einsam war. ‚Gott hat uns geschaffen, damit wir bei ihm sind‘, sagen sie. Sieht Jesus das auch so? Nun, er sagt, dass er in der Tat will, dass wir bei ihm sind. Aber warum sollen wir bei ihm sein? Dazu müssen wir uns den Rest von Joh 17,24 anschauen: … damit sie meine Herrlichkeit sehen können. Du hast mir die Herrlichkeit geschenkt, weil du mich schon vor Erschaffung der Welt geliebt hast! ‚Ich möchte, dass sie bei mir sind, damit sie meine Herrlichkeit sehen können‘ – das will nicht recht zu dem Argument mit der Einsamkeit Gottes passen. Jesus geht es in diesem Vers nicht darum, dass er Gesellschaft bekommt, sondern dass unsere Sehnsucht gestillt wird. Jesus ist nicht einsam; er und der Vater und der Heilige Geist haben in der Dreieinigkeit alle Gemeinschaft, die sie brauchen. Nicht Jesus ist der Bedürftige, sondern wir. Jesus möchte, dass wir das erleben, wozu wir eigentlich geschaffen worden sind: seine Herrlichkeit zu sehen und zu schmecken. Oh, dass Gott uns das tief in unsere Herzen schreiben möchte! Jesus hat uns geschaffen (Joh 1,3), damit wir seine Herrlichkeit sehen können. Kurz bevor er ans Kreuz geht, schüttet er seinen tiefsten Wunsch vor seinem Vater aus: ‚Vater, ich möchte, dass die, die du mir gegeben hast, bei mir sind, damit sie meine Herrlichkeit sehen können‘. Aber das ist erst die Hälfte von dem, um was Jesus in diesem Schluss und Höhepunkt seines Gebetes bittet. Ich habe gerade gesagt, dass wir dazu geschaffen sind, seine Herrlichkeit zu sehen und zu schmecken. Kann das wirklich sein – dass wir seine Herrlichkeit nicht nur sehen, sondern schmecken, also sie genießen und über alles schätzen und uns an ihr freuen sollen? Lesen wir den letzten Vers seines Gebetes: Ich habe ihnen deinen Namen offenbart und werde ihn auch weiterhin offenbaren. Das tue ich, damit deine Liebe zu mir in ihnen bleibt und ich in ihnen (Joh 17,26). Damit endet das Gebet von Jesus. Was ist also sein letztes Ziel für uns? Nicht nur, dass wir seine Herrlichkeit sehen, sondern dass wir ihn mit der gleichen Liebe lieben, mit der der Vater ihn liebt: ‚damit deine Liebe zu mir in ihnen bleibt‘. Die große Sehnsucht von Jesus und sein Ziel sind, dass wir seine Herrlichkeit sehen und dass wir zweitens ihn mit der gleichen Liebe lieben können, die der Vater für den Sohn hat. Womit er nicht meint, dass wir die Liebe des Vaters zum Sohn imitieren sollen, sondern die Liebe des Vaters soll ganz real unsere Liebe zu dem Sohn werden; wir sollen den Sohn mit der Liebe des Vaters lieben. Genau das ist es, was der Geist in uns wird und wirkt: die Liebe des Vaters zum Sohn durch den Geist. Das Herzensanliegen von Jesus ist, dass seine Erwählten gesammelt werden (Joh 10,16; 11,52) und dann das bekommen, wonach sie sich am meisten sehnen: dass sie seine Herrlichkeit sehen. Und nicht nur sehen, sondern auch schmecken und genießen, so wie der Vater sich über den Sohn freut. Mein größter Wunsch ist, dass ich einmal zusammen mit Ihnen (und vielen anderen) Christus in seiner ganzen Fülle sehen kann und dass wir dann alle gemeinsam das, was wir da sehen, mit einer Liebe lieben können, die unendlich größer ist als das, was wir Menschen mit unseren kleinen Herzen zu Stande bringen. Darum betet Jesus für uns: ‚Vater, zeige ihnen meine Herrlichkeit und gib ihnen die Liebe zu mir, die du selbst hast‘. Oh, dass wir Christus wirklich sehen mögen, sehen mit den Augen Gottes, und ihn lieben, lieben mit dem Herzen Gottes. Das ist der Inbegriff des Himmels. Dafür hat Christus uns Sünder freigekauft, dafür ist er an unserer statt gestorben“ (John Piper).

3. PREDIGTVERANSCHAULICHUNGEN

Zum Einstieg:
„Der bekannte Naturforscher Isaac Newton hat einmal gesagt: ‚Wir müssen das Evangelium nicht lesen, wie ein Notar ein Testament liest, sondern so, wie es der rechtmäßige Erbe liest!‘ Der Notar liest ein Testament, das eröffnet wird, verständlicherweise mit juristischem Sachverstand, mit prüfenden Augen, aber ohne Herz. Der Notar nimmt jeden Satz, jeden Ausdruck unter die Lupe und untersucht, ob die Verfügung juristisch einwandfrei oder anfechtbar ist. Er muss das Testament kritisch lesen und fragen, wie es gemeint ist und zu vollstrecken geht. Viele Menschen lesen so ihre Bibel, kalt und kritisch, suchen nach Widersprüchen und Ungereimtheiten. Da bleibt man unbeteiligt und ohne Freude und Gewinn. Wie anders liest der Erbe das Testament. Er sagt sich bei jedem Satz voller Freude und Jubel: ‚Das ist für mich, das ist alles für mich! Welch ein Geschenk!‘ Gott hat uns seinen letzten Willen in der Bibel mitgeteilt. Seine beiden Testamente, das Alte und das Neue Testament, gelten uns. Jesus hat seinen letzten Willen ebenfalls in Worte gekleidet und uns hinterlassen“: [Textlesung: Joh 17,20-26]. Der letzte Wille Jesu meint uns, wir sind die lachenden Erben seiner Liebe und seines Lebenswerkes in Kreuz und Auferstehung. Da kommt Freude auf, und Dankbarkeit breitet sich aus: ‚Das ist alles für uns, welch ein Geschenk!‘ Als Gotteskinder lesen wir das Testament unseres Vaters ganz anders“ (Axel Kühner – Überlebensgeschichten für jeden Tag).

„Es war ein heißer Sommertag, ein Sonntag. Als Studenten wanderten wir von Tübingen auf den Rossberg. Unterwegs suchten wir eine Kirche auf. Der Gottesdienst hatte schon begonnen. Der alte Mann neben uns in der Bank beugte sich zu uns herüber, drückte uns die Hand und reichte uns ein Gesangbuch. Woher kommen Sie?, fragte er leise. So, von Tübingen. Das ist aber recht. Das freut mich! Bei der Verlesung des Predigttextes tippte er mich an. Ich sollte in seine Bibel schauen. Was war das? Ein englisches Neues Testament! Wie kam das in die Hand dieses schwäbischen Bauern? Konnte er überhaupt das Englische verstehen? Nach dem Gottesdienst erzählte er: Es war im Ersten Weltkrieg. Gleich zu Beginn wurde ich schwer verwundet. Kaum genesen, musste ich wieder an die Front. Unsere ganze Kompanie wurde in den schrecklichen Kämpfen aufgerieben. Nur fünf Mann überlebten das Grauen. Wir kamen in englische Gefangenschaft. Dort lernte ich bald die englische Sprache. Das Holzfällen im Wald war harte Arbeit. Plötzlich hörte ich, wie der Soldat, der uns bewachte, vor sich hin pfiff. Die Melodie kannte ich doch: Ich bete an die Macht der Liebe! Da pfiff ich mit. Der englische Soldat stutzte. Dann kam er auf mich zu: Du bist Gefangener. Du bist mein Feind. In meinem Herzen aber bist du mein Bruder! Er war so überrascht und erfreut, dass er sein zerlesenes Neues Testament aus der Tasche zog und es mir, dein Gefangenen, schenkte. Seitdem ist es mein kostbarster Besitz!” (Beate & Winrich Scheffbuch. In Gottes Spur bleiben. Holzgerlingen: Hänssler, 2003. S. 187).

4. PREDIGTGLIEDERUNG

Die Fürbitte Jesu
a) eint uns
b) vollendet uns
c) bewahrt uns

oder nach Johann Ubben – Verborgene Herrlichkeit:
a) Die Herrlichkeit des Kreuzes
b) Die Herrlichkeit der Einheit
c) Die Herrlichkeit der Vollendung