Monatsthema: Leben als Nachfolger Jesu
Predigtthema: Glaube konkret – im Wort verändert
Bibelstelle: Johannes 17, 1-19
Verfasser: Thomas Richter
Ein Predigttipp enthält Hilfestellungen für die Verkündigung und ersetzt deshalb nicht das eigenständige Erarbeiten des Bibeltextes und Studieren von Bibelkommentaren.
1. TEXT- UND PREDIGTSCHWERPUNKT
Wir beleuchten einen weiteren trinitarischen („Geist“ – „Sohn“ – „Vater“) Aspekt der Nachfolge: Die Fürbitte des Sohnes beim Vater für seine Nachfolger. Getragen ist die Fürbitte des Sohnes von den Verheißungsworten des Vaters (vgl. V. 8+14+17). So ergibt sich als Predigtthema: „Im Wort verändert“. Auf der Grundlage dessen, was der Vater sagt, handelt der Sohn. Von Jesus können wir deshalb durch unseren Predigttext (Joh 17,1-19) lernen: Beten heißt, die Übereinstimmung mit dem Willen Gottes suchen. Zu dieser Übereinstimmung mit dem Willen Gottes kommt es bei den Nachfolgern Jesu, wenn das Wort Gottes Raum in uns hat und uns erfüllt. Göttlich (= dem Willen Gottes gemäß) zu denken und zu handeln lernen wir somit in, mit und unter der Schrift.
Durch den Predigttext bekommen wir einen Einblick in das Herz Jesu, denn in seinem Gebet wird offenbar, was er im und auf dem Herzen hat.
Für die Textlesung bietet die „Neue Genfer Übersetzung“ eine gut verständliche, lesbare und zuverlässige Übersetzung unseres Predigttextes (www.ngue.info).
2. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN
Hilfen zur Auslegung und Anwendung bieten z.B.
* Gerhard Maier. Johannesevangelium 2. Teil – Edition C Bibelkommentar 7 (S. 206-226).
* Werner de Boor. Das Evangelium des Johannes 2. Teil – Wuppertaler Studienbibel (S. 154-169).
Zur Beschäftigung mit dem Predigttext hilft das Anhören (im Sinne von Apg 17,11b) der Predigten von Winrich Scheffbuch vom 08.06.1999 mit dem Titel „Jesu Herrlichkeit“ (Joh 17,1-26), vom 11.05.1999 mit dem Titel „Das hohepriesterliche Gebet“ (Joh 17,1-8) und vom 18.05.1999 mit dem Titel „In der Welt – nicht von der Welt“ (Joh 17,9-19). Auch die Predigten vom 11.02.1996 mit dem Titel „Angebot für Lebenshungrige“ (Joh 17,1-5), vom 29.04.1984 mit dem Titel „So bittet Jesus für uns“ (Joh 17,9-19) und vom 25.02.1996 mit dem Titel „In der Welt, aber nicht von der Welt“ (Joh 17,11-19) beleuchten Aspekte unseres Predigttextes. Diese Predigten findet ihr unter www.sermon-online.de, wenn ihr unter „erweiterte Suche“ die Felder „Bibelstelle“ [z.B. Johannes 17] und „Autor“ [z.B. Scheffbuch] ausfüllt.
Beten heißt: Eintauchen in Gottes Welt (Bruno Herm)
Bei V. 3 bitte beachten, dass hier die grundlegende Antwort auf die Frage „Was ist ewiges Leben“ gegeben wird! Die nachfolgenden Gedanken stammen von John Piper. Bis ins Innerste: Gedanken über das Wort Gottes. Holzgerlingen: Hänssler, 2005. S. 15f:
„Haben Sie sich schon einmal gefragt, wozu Gottes Vergebung gut ist? Oder was an dem ewigen Leben so erstrebenswert ist? Warum für immer leben? Dies sind wichtige Fragen, denn es ist möglich, dass man Vergebung und ewiges Leben aus Gründen haben will, die beweisen, dass man beides nicht hat.
Nehmen wir die Vergebung. Wir wollen, dass Gott uns vergibt, weil unser Gewissen uns so drückt. Wir wollen einfach wieder frei atmen können. Und wenn wir glauben, dass Gott uns vergeben hat, bekommen wir diese Erleichterung auch – aber nicht unbedingt auch Gottes Erlösung. Wenn ich Vergebung nur deswegen haben will, damit ich mich besser fühle, bekomme ich nicht Gottes Vergebung, denn er gibt sie niemandem, der nur an der Gabe interessiert ist, aber nicht an dem Geber.
Oder wir möchten so gerne Heilung von einer Krankheit oder einen guten Arbeitsplatz oder den richtigen Ehepartner. Irgendwann hören wir, dass Gott uns diese Dinge geben kann, aber dass wir dazu erst die Vergebung für unsere Sünden brauchen. Wie bekommen wir diese Vergebung? Jemand anderes sagt uns, dass wir glauben müssen, dass Christus für unsere Sünden gestorben ist. Und so glauben wir – damit wir auch bestimmt gesund werden oder unseren Arbeitsplatz oder Ehepartner bekommen. Ist das Erlösung, wie die Bibel sie versteht? Wohl kaum.
Mit anderen Worten: Es ist nicht egal, aus welchen Motiven ich Gottes Vergebung möchte. Wenn ich sie nur möchte, um es anschließend besser im Leben zu haben, ehre ich damit nicht Gott und bin nicht erlöst. Der eigentliche Wert der Vergebung liegt darin, dass sie mir die Gemeinschaft mit Gott eröffnet. Wenn ich sie nicht aus diesem Grunde haben will, bekomme ich sie nicht. Gott lässt sich nicht als Münze zum Kauf von Götzen missbrau¬chen.
Ähnlich ist es mit dem ewigen Leben. Warum wollen wir es haben? Der eine sagt: ‚Weil ich nicht in die Hölle kommen will‘. Ein anderer meint: ‚Weil man im ewigen Leben nie mehr traurig ist‘. Oder wir wollen unsere verstorbenen Lieben wiedersehen. Wieder andere träumen vielleicht von einem Schlaraffenland, wo endlos gefeiert wird. Alle diese Motive haben eines gemeinsam: Gott kommt darin nicht vor.
Das einzige richtige, Erlösung bringende Motiv für das ewige Leben steht in Johannes 17,3: ‚Und das ist der Weg zum ewigen Leben: Dich zu erkennen, den einzigwahren Gott und Jesus Christus, den du in die Welt gesandt hast‘. Wenn wir das ewige Leben nicht deshalb haben wollen, weil es ewige Freude in Gott bedeutet, werden wir es nicht bekommen. Wir sind Scheinchristen, wenn wir das herrliche Evangelium Christi als Mittel benutzen, um Dinge zu bekommen, die wir mehr lieben als Christus. Die ‚gute Nachricht‘ ist nur für den gut, für den Gott das höchste Gut ist“ (John Piper).
3. PREDIGTVERANSCHAULICHUNGEN
Zum Einstieg (nach Ulrich Parzany):
„Ich lese gelegentlich den ‚Spiegel‘. Ich weiß nicht, was ihr so lest. Also die Zeitung. Man guckt ja auch schon mal in den Spiegel. Aber ich meine jetzt diese Wochenzeitschrift. Und wundere mich bei den politischen Artikeln, die die so bringen über die Kabinettssitzung der Bundesregierung gelegentlich, dass die wörtlich zitieren aus diesen Sitzungen. Eigentlich sind die nicht öffentlich. Und was die dann zitieren, soll ja auch immer was ganz peinliches und was ganz hoch offizielles sein. Man fragt sich dann, als unbedarfter Leser, woher die das alles wisen. Ob die vielleicht die nicht mehr länger gebrauchten Apparate vom Herrn Mielke ausgeliehen haben, aber das kann nicht sein. Denn die haben schon vorher berichtet aus der Kabinettssitzung, als der Mielke seine Apparate noch selber brauchte. Also vielleicht haben sie auch solche. Nicht war, das geht dann ganz elektronisch. Vielleicht sitzt irgendjemand am Kabinettstisch, der anschließend alles bei der Spiegelredaktion erzählt. Vielleicht stimmt auch gar nicht, was die da schreiben und was sie da erzählen ist alles gestunken und gelogen. Alles Phantasie.
Es ist eine unheimliche Vorstellung, wenn man sich so denkt: Da hören Leute zu, bei irgendwelchen ganz, ganz wichtigen Gesprächen, die eigentlich sonst keiner hören darf. Stell dir bitte mal vor: Du bist Angestellter deiner großen Firma und du hast irgendwas auf der Chef-Etage zu tun, gehst über den Flur und es begibt sich, dass die Tür zum Büro des Chefs so halb offen steht. Und während du vorbeigehst, da hörst du so Wortfetzen von zwei Top-Leuten aus dem Unternehmen die ganz wichtige Fragen des Unternehmens beraten. Und plötzlich fällt dein Name. Du kriegst solche Elefantenohren, stehst draußen vor der Tür und hörst die Geschichte mit, die die über dich erzählen. Hoch offiziell, eigentlich darfst du das gar nicht wissen. Da drin wird die große Politik gemacht. Und du hast die Lauscher ohne elektronisches Abhörgerät, ohne Technik einfach mit dabei.
Ich muss euch heute in so eine ähnliche Situation mit hineinnehmen. Genau so etwas passiert, ist passiert. Und meine Aufgabe ist, euch das Protokoll von diesem abgehörten Chef-Gespräch, von den zwei Top-Chefs dieser Welt, dieses Protokoll zu erläutern. Und ihr werdet sehen, wir kommen drin vor. Im Johannes-Evangelium, im Neuen Testament, Kapitel 17, steht ein Gebet, das Jesus gebetet hat. Er spricht mit dem Schöpfer der Welt. ‚Der Vater und der Sohn‘, wie die Bibel sagt. In Jesus ist Gott selbst Mensch geworden. Und er spricht mit dem Vater. Ich will euch das, was da steht einfach vorlesen, Original-Ton aus der Bibel“: Textlesung Joh 17,1-19
4. PREDIGTGLIEDERUNG
Herzensanliegen Jesu:
a) Verherrlichung (V. 1-5)
b) Erlösung (V. 6-16)
c) Heiligung (V. 17-19)