Monatsthema: Leben als Nachfolger Jesu
Predigtthema: Glaube konkret – im Sohn geborgen
Bibelstelle: Johannes 16, 16-33
Verfasser: Thomas Richter
Ein Predigttipp enthält Hilfestellungen für die Verkündigung und ersetzt deshalb nicht das eigenständige Erarbeiten des Bibeltextes und Studieren von Bibelkommentaren.
1. TEXT- UND PREDIGTSCHWERPUNKT
Nun beleuchten wir den zweiten („Sohn“) trinitarischen („Geist“ – „Sohn“ – „Vater“) Aspekt der Nachfolge. Nach dem alltäglichen Wirken des Geistes (letzte Predigt) geht es nun um das alltägliche Wirken des Sohnes (Joh 16,18-33). Freude und Trost erfahren seine Nachfolger (= Monatsthema: Leben als Nachfolger Jesu) mitten in Traurigkeit und Leid. Aber neben dieser irdischen Realität gibt es schon jetzt eine ewige Perspektive der „ungetrübten“ Freude. Aus diesem Grund lautet unser Predigtthema: „Glaube konkret – im Sohn geborgen“. Um dies entdecken zu können, gilt es im Alltag zu fragen (V. 18-23a), zu bitten (V. 23b-28) und zu glauben (V. 29-33). Nachfolger Jesu leben in der Spannung des „schon jetzt“ (beginnt es) und „noch nicht“ (ist es vollendet). In gewissen Sinnen leben wir zwischen Himmel und Erde. Wir sind noch hier, aber unsere Heimat liegt wo anders. Deshalb vertröstet Jesus seine Nachfolger nicht auf das „Jenseits“, sondern er zeigt ihnen den Trost aus dem „Jenseits“.
Einer der größten Feinde der Hoffnung ist das Vergessen der Verheißungen Gottes. Aus diesem Grund ist es elementar, dass unsere Verkündigung ein Erinnerungsdienst ist (vgl. hierzu 2Petr 1,12-15; Röm 15,15f; Phil 3,1 mit Joh 14,26). Unser Verstand liebt die Abwechslung, aber unser Herz braucht die Wiederholung. Deshalb werden wir nicht müde den Trost und die Geborgenheit in Jesus zu betonen und Christus zur Entscheidung zu verkündigen. Betont bitte aus diesem Grund auch den Zusammenhang unserer Predigttexte und stellt die Querverbindungen her, so dass bei den Hörern durch das Wort die Freude an Jesus geweckt wird bzw. bleibt.
Für die Textlesung bietet die „Neue Genfer Übersetzung“ eine gut verständliche, lesbare und zuverlässige Übersetzung unseres Predigttextes (www.ngue.info).
2. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN
Hilfen zur Auslegung und Anwendung bieten z.B.
* Gerhard Maier. Johannesevangelium 2. Teil – Edition C Bibelkommentar 7 (S. 187-206).
* Werner de Boor. Das Evangelium des Johannes 2. Teil – Wuppertaler Studienbibel (S. 145-153).
Zur Beschäftigung mit dem Predigttext hilft das Anhören (im Sinne von Apg 17,11b) der Predigten von Winrich Scheffbuch vom 10.05.1981 mit dem Titel „Jesus will fröhliche Leute“ (Joh 16,20-23), vom 04.05.1997 mit dem Titel „Wie man mit Ängsten fertig wird“ (Joh 16,23-33), vom 01.01.1992 (bzw. 24.09.1989) mit dem Titel „Ohne Angst“ (Joh 16,33) und der Bibelarbeiten vom 20.04.1999 (Joh 16,16-24) und vom 27.04.1999 (Joh 16,25-33) mit dem Titel „Trauer und Hoffnung bei Jesu Abschied – in der Welt habt ihr Angst“. Zu Joh 16,33 gibt es eine Bibelarbeit vom 29.06.2002 mit dem Titel „So macht Gott Mut“. Diese Botschaften findet ihr unter www.sermon-online.de, wenn ihr unter „erweiterte Suche“ die Felder „Bibelstelle“ [z.B. Johannes 16] und „Autor“ [z.B. Scheffbuch] ausfüllt.
3. PREDIGTVERANSCHAULICHUNGEN
Zum Einstieg:
„Eine junge Frau wartet auf ihr erstes Kind. Sollte Kinderlosigkeit auch ihr schweres Schicksal sein? Dann eröffnet ihr der Arzt, dass sie guter Hoffnung sei. Die schweren Gedanken sind wie weggeblasen. Eine neue Sicht tut sich vor ihr auf. Und wenn nach neun Monaten die schweren Wehen einsetzen, mit was rechnet sie dann? Doch nicht mit dem Ende ihres Lebens, sondern mit dem Anfang eines neuen Lebens. Ihre Freude ist nicht mehr zu bremsen. Wehen sind Vorzeichen, nicht Warnzeichen.
Oder ein verschütteter Arbeiter wartet auf seine Befreiung. Sollte schon in der Mitte des Lebens das Ende gekommen sein? Dann hört er Raupenbagger und Hammerschläge. Eine gewaltige Hoffnung keimt in ihm auf. Und als nach weiteren Stunden Steine von der Decke bröckeln, mit was rechnet er dann? Doch nicht mit dem Ende seines Lebens, sondern mit dem Anfang eines neuen Lebens. Seine überschäumende Freude ist nicht mehr zu stoppen. Steinschläge sind Vorzeichen, nicht Warnzeichen.
So ist das mit den Christen auch. Zeitlebens warten sie auf die Erlösung. Sollte die Gefangenschaft in Leid und Schuld wie ein ewiges Gewinde in unser Leben eingeschliffen sein? Dann erleben wir Katastrophen globalen Ausmaßes. Das Herz pocht merklich höher. Der Welthorizont ist mit einem Schlag verändert. Und wenn dann Kriege und Krisen und Zweifel und Verzweiflungen kommen, mit was rechnen wir dann? Doch nicht mit dem Ende unseres Lebens, sondern mit dem Anfang des neuen Lebens. Die alles überschwemmende Freude ist nicht mehr aufzuhalten. Schrecken sind Vorzeichen, nicht Warnzeichen.
Notorische Schwarzmaler können biblisch nicht auf drei zählen. Verbiesterte Apokalyptiker sind immer schon Schwachmathikusse gewesen. Lärmende Unheilspropheten haben von der Mathematik des Reiches Gottes keinen blauen Dunst. Rechnet schlicht und einfach mit dem kommenden Herrn, denn wer mit ihm rechnet, verrechnet sich nie“ (Konrad Eißler).
Nachfolgende Beispiele stammen von Winrich Scheffbuch (Zuversicht + Stärke 3/99):
* Eben 28 Jahre alt war der junge Studienrat Dr. Paul Müller geworden, da musste ihm der Arzt die furchtbare Nachricht eröffnen: »Sie haben Multiple Sklerose!« Unzählige Schriften hat Paul Müller darüber verfasst. Und vielen, die keinen Sinn mehr im Leben sahen und unter ihren schweren und rätselhaften Lasten zusammenbrachen, wurde er zum wirklichen Tröster und Befreier. Darum forderte er immer wieder Schwermütige und Verbitterte, Einsame und Schwache auf, das Evangelium ganz praktisch und persönlich für sich zu hören. Dieser Jesus hat den Kampf mit der dunklen und unheimlichen Nachtseite der Welt aufgenommen und darin gesiegt.
* Fritz Grünzweigs Sohn Gerhard war behindert. Bei der Geburt waren schwere Versäumnisse geschehen. Als dann nach einer lange verzögerten Geburt das Kind nicht richtig atmete, waren schon nicht mehr wiedergutzumachende Schäden eingetreten. Der Sauerstoffmangel hatte Gehirnzellen zerstört. Seit dem ersten Lebensjahr aß das Kind nicht mehr richtig. Das Kind blieb schwach und vor allem, was am schlimmsten war, das Kind war geistig unterentwickelt. Es fiel dann Fritz Grünzweig und seiner Frau schwer, als sie ihren behinderten Sohn Gerhard nach 26 Jahren in eine Anstalt bringen mussten. Er war eigenwillig, unkonzentriert und oft auch disharmonisch. Am Tag des Abschieds nach Stetten im Remstal sorgten sich die Eltern, wie Gerhard den schwierigen Schritt verkraften könne. Es war schon alles gepackt, da saß Gerhard auf seinem Stuhl und sang vor sich hin: »Bis hierher hat mich Gott gebracht durch seine große Güte«. Und dann das andere Lied: »Mein Wille gehört meinem Gott, ich traue auf Jesus allein«.
* Adolf Storz in Kemnat war 28 Jahre alt, als er mit dem Motorrad schwer verunglückte. Dann lag er weitere 28 Jahre hoffnungslos gelähmt im Bett. Als junger Sportler wollte er von Gott nichts wissen. Es war ein Evangelist, der ihn an seinem Krankenlager aufsuchte und ihn dazu brachte, seine Krankheit aus der Hand Jesu anzunehmen. Wenige Tage vor seinem Sterben hat er seinem Heimatpfarrer diktiert: »Die Menschen wissen gar nicht, wie herrlich Gott ist. Wenn man sich ganz radikal seinem Willen ausliefert, darf man seine Gnade und Herrlichkeit erfahren. Wenn ich könnte, würde ich jedem Menschen mit meiner Trompete ins Ohr und Herz hineinblasen: Gott ist groß auch in seinem Gericht«!
Johannes Hasselhorn berichtet (Zuversicht + Stärke 3/1997):
„»Seid mutig«, ruft Jesus seiner Gemeinde zu, »mutig« in dieser Welt! Nach 10jähriger Gefangenschaft und ohne jemals ein ordentliches Gerichtsverfahren erlebt zu haben, wurde Mutter Zachai im Herbst 1989 in Addis Abeba/ Äthiopien entlassen. Ihr Mann, Pastor Gudina Tumsa, wurde 1979 ermordet. Die Freigelassene besuchte auch die Hermannsburger Mission. Wir saßen mit ihr im kleinen Kreise zusammen. Ihr Herz war voll Lob und Dank. Nach 10jähriger Gefangenschaft erweckte sie den Eindruck einer ungebrochenen Persönlichkeit. Langsam nur berichtete sie aus der langjährigen Zeit in diesem Foltergefängnis. Sie muss in dieser Zeit zahllosen Müttern beigestanden haben bei der Geburt ihrer Kinder im Gefängnis. Ihre geistliche Autorität war so groß, dass sie bei seltenen Fahrten in die Stadt den Freunden vorher Bescheid sagen lassen konnte, um mit ihnen das Heilige Abendmahl zu feiern. Allein zehn Monate verbrachte sie in der Todeszelle. Tag um Tag wurden die herausgerufen, die als nächste ermordet werden sollten. Keine Missionarsfrau konnte ihr Essen bringen oder eine Bibel einschmuggeln. Wir sprachen mit ihr über ihr Beten in dieser Todeszelle. Ja, sie habe viel gebetet, aber nicht um ihre Befreiung, sondern allein darum, dass sie im Glauben leben möchte bis zum letzten Augenblick. Auf unsere Frage, warum sie nicht um Befreiung vor dem Tod gebetet hat, gab sie schlicht zur Antwort, warum es denn Christen in dieser Welt besser haben sollten als andere, die auch fast alle unschuldig sterben mussten. Um Glauben zu bitten und nicht um Verschonung vor dem Tod, das war die Bitte des Präsidenten der Kirche bei Beginn der Verfolgungen. Er selbst, Ato Emmanuel Abraham, ehemaliger Minister der kaiserlichen Regierung, war einer der ersten Gefangenen des Regimes. Er besaß aber eine solche geistliche Autorität, dass es ihm erlaubt war, zu einer bestimmten Tageszeit den Gefangenen – es war die Führungsschicht Äthiopiens – eine halbe Stunde lang täglich aus der Bibel vorlesen zu dürfen. Für viele waren es die letzten menschlichen Worte, die sie hörten! Da die Regierung ihm keinerlei Verfehlungen nachweisen konnte, wurde er freigelassen. Drei Tage später saß ich bei ihm und ließ mir die Geschichte von ihm erzählen. Er berichtete so, als ob es die größte Selbstverständlichkeit sei, sich einfach nur den Glauben zu halten und das zu tun, was jetzt notwendig ist. Er war auf vielfältige Weise zum Seelsorger seiner ehemaligen Kollegen und Untergebenen geworden“.
4. PREDIGTGLIEDERUNG
In Jesus geborgen:
a) Angst – deshalb „fragen“ (V. 16-23a)
b) Trost – darum „bitten“ (V. 23b-28)
c) Mut – durch „glauben“ (V. 29-33)
oder nach Alfred Christlieb:
a) Die Zeit der Freude
b) Der Grund der Freude
c) Die Dauer der Freude
oder nach Gottfried Voigt:
Wir sehen den Herrn wieder, darum ist
a) Freude nach der Traurigkeit
b) Freude in der Traurigkeit
c) Freude ohne Traurigkeit