Monatsthema: Leben im Geist des Herrn
Predigtthema: Geistgeleitet leben
Bibelstelle: Römer 8, 12-17
Verfasser: Eckhard Löffler
Vorbemerkungen
„Das neue Leben wird dargestellt: V 12 Freiheit von den Fesseln des Fleisches; V 13b Leben in der Kraft Christi; V 14 Verwandtschaftsverhältnis zu Gott; V 15 Gemeinschaft mit Gott; V 16 ein neues Lebens- und Wertebewusstsein; V 17 Anwartschaft auf eine helle Zukunft.“ (aus Fritz Hubmer, Die dreifache Freiheit der Erlösten).
Die zentrale Frage ist: Darf Christus die Mitte meines Lebens sein (2. Ko 3, 17)?
Erklärungen und Tipps:
V 12 Wer Christus gehört, schaut nicht zurück.
„Liebe Brüder“. Paulus war bis dahin nicht in Rom gewesen. Bruderschaft in Christus kennt aber keine Grenzen. (1)
„Schuldner nach dem Fleisch“ bezeichnet die alte, selbstbezogene Wesensart. Christus „… sei mein Herr, der mich verlornen und verdammten Menschen erlöst hat, erworben, gewonnen von allen Sünden, vom Tode und von der Gewalt des Teufels; nicht mit Gold und Silber, sondern…“ (Kleiner Luther-Katechismus, 2. Hauptstück, 2. Artikel: Von der Erlösung).
Schuldner sein heißt, abzahlen müssen. Allerdings sind die Forderungen der alten Wesensart durch die Zahlung Jesu am Kreuz beglichen (Jes 53, 5; Hebr 9, 12.15).
V 13 Vorrecht des Christen: Gehorchen lernen.
Viele verwechseln heute Freiheit mit Bindungslosigkeit und Grenzenlosigkeit, in der alles geht. Es gibt aber keine Freiheit ohne Grenzen.
Niemand kann die Triebe und Begierden des Alltags in eigener Regie und Kraft töten. Der Kampf gegen das Fleisch wird nicht aus eigener Kraft aussichtslos wie früher versucht, sondern „Christus in mir“ wirkt (2. Ko 1, 15; Phil 2, 5). Und diese bewusste Auslieferung an Christus will ständig überprüft und erneuert werden (Gal 4, 19).
V 14 Vorrecht des Christen: Sich leiten lassen.
Wörtlich: „Söhne Gottes“.
Luthers „treiben“ ist zu einseitig-aggressiv übersetzt, klingt nach Peitsche und Treiberstecken, störrischen Tieren und Gewaltmaßnahmen. Hier geht es um das Leiten, Anleiten. Der Heilige Geist ist eher der Kraftstoff unseres Lebens. Ist der „nächste Schritt“ im Leben unbequem, diskutiert man gern über den Willen Gottes. Kann Gott das (2) von mir verlangen?
Zu TREIBEN haben manche Hirten versucht und erlitten Schiffbruch. (3)
Gottes Geist und sein Wort gehören zusammen. (4) (5)
Der Hl. Geist wird keinen Menschen zu Diebstahl, Ehebruch, Mord o. ä. anleiten. Er wird auch keinen anderen Heilsweg offenbaren als den einzigen: Jesus (Apg 4, 12).
Geistesleitung macht Christen Gott ähnlicher. Christen sind nicht mit einem Schlag „fertig“. Wer vom Geist geleitet/getrieben wird, ist noch nicht am letzten Ziel: Kinder sind zwar vollwertige Menschen, aber noch nicht voll entwickelt. Dazulernen und Fehler machen (dürfen) gehört zu den Alltagserfahrungen der Kinder Gottes. Was ein Vater allerdings von seinem Kind erwarten darf, ist die Bereitschaft, sich von ihm leiten, zurechtweisen, erziehen zu lassen. Wer dazu bereit ist und es praktiziert, ist Gottes Kind.
Nebenbei: Auch Gottesgegner können ohne ihr Wissen und Wollen geleitet werden. (6) (7)
V 15 Vorrecht des Christen: DEN Vater haben.
Die „Vaterrollen“ haben schon Heerscharen von Psychologen beschäftigt. (8) Der „verlorene Sohn“ (Lk 15) erlitt unter vermeintlichen Freunden die Knechtschaft und erlebte beim Vater ohne Verdienst, was Kindschaft heißt.
Ein Kind gehorcht dem Vater, den er liebt. Ein Unterschied besteht aber zum Verhältnis Herr und Diener (Sklave). Die hilfreiche Begleitung vom Vater ist von Liebe und Verständnis getragen. Kein diktatorischer Geist sondern ein Geist der Kindschaft. Auch die Aufgaben, vor die ein Kind gestellt wird, werden seiner jeweiligen Entwicklungsstufe entsprechen und es nicht überfordern. Ein Kind ist nicht toten Gesetzen unterstellt, sondern einer lebenden, liebenden Person. Es darf deshalb „Abba“ (kindgemäßer Ausdruck für „Lieber Vater“) sagen.
V 16 Gottes Geist macht die Sohnschaft zur Gewissheit. Ohne das Wissen um die Vater-Kind-Beziehung wäre die Verantwortung für das Wachstum im Glauben eine große Last. Jeder Fortschritt würde kritisch begleitet, wenn Gott nur der fordernde Aufseher wäre. Furcht und Gewissensbisse wären die Folge.
Gott hat aber als Vater die Hauptverantwortung übernommen. Der Christ benötigt allerdings ständig die Bestätigung dafür, nicht allein zu sein und für alles Vorgekommene alle Folgen nicht selbst tragen zu müssen. Danach muss er sich „ausstrecken“. Lesen des Wortes, Gebet und Umgang mit anderen Gotteskindern werden seine Hauptanliegen.
V 17 Söhne Gottes sind ihres Erbes gewiss.
Erbe wird man ohne eigenen Verdienst. Der Erbe muss heute „erbfähig“ sein, also zuerst rechtmäßig eng verwandt sein, oder eben KIND. Er übernimmt Vermögen, Rechte und Pflichten, d. h. Gotteskinder bekommen Anteil an allem, was Gott hat und ist (2. Ko 5, 20). Dazu gehört allerdings auch das Leiden (Rö 8, 18).
Der Vater begrenzt aber auch die Leidenszeiten seiner Kinder auf erträgliche Maße (1. Ko 10, 13).
Gott stellt uns Christus gleich! Seine Leiden (Rö 5, 3) können auf uns zukommen, seine Herrlichkeit aber mit Sicherheit (9).
Gliederungsvorschlag (nach Heiko Krimmer):
1. Nachfolge vollzieht sich in der Absage und im neuen Gehorsam
2. Gehorsam unterstellt sich der Führung des Geistes
3. Nachfolge und Gehorsam haben die Zusage des vollen Erbes
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Fußnoten
(1) Auch über politische, sprachliche und kulturelle Grenzen hinweg kennen Jesusleute herzliche Gemeinschaft, auch wenn sie sich vorher nie gesehen haben.
(2) Einstieg in Bibelschulausbildung, Äußere Mission, Diakonie mit geringem Einkommen.
Ausstieg aus „gesicherten Verhältnissen“, Verzicht auf „ausreichendes Gehalt“ und gesellschaftliche Anerkennung.
(3) In der Reformationszeit erklärten selbsternannte Propheten in schwärmerischer Betonung eines unmittelbaren Redens Gottes die Bibel z. B. als „papiernen Papst“. Thomas Müntzer wollte die Reformation gewaltsam vollenden und ermutigte gläubige Bauern zu einem Krieg: „Was Bibel? Man muss auf einen Winkel kriechen und“ (selbst) „ mit Gott reden.“
(4) „Führung durch den Geist ist immer nur gesund bei gleichzeitiger klarer und entschiedener Bindung an das Wort Gottes“ (Adolf Köberle). In der Regel erinnert der Hl. Geist an die Aussagen und Regeln des Wortes.
(5) Paulus musste die Christen in Korinth, die sich mit ihren Erfahrungen der Geistesleitung brüsteten, daran erinnern: „Nicht über das hinaus, was geschrieben steht!“ (1. Ko 4, 6). Offensichtlich verachtete man in Korinth auf Grund „geistgewirkter, höherer Erkenntnisse“ nicht nur das Wort der Apostel, sondern glaubte auch, die Schriften des AT hinter sich lassen zu dürfen nach dem Motto: „Was brauchen wir die Lava vergangener Zeiten, wenn wir heute doch einen tätigen Vulkan haben?“.
(6) Augustus hilft unabsichtlich, dass Jesus in Betlehem geboren wird (Mi 4, 1) und bereitet die damalige Welt durch den Ausbau der Verkehrsverbindungen für den Lauf des Evangeliums vor.
In Ländern mit Christenverfolgungen wächst die Gemeinde Jesu stärker als im mittlerweile liberalen Deutschland, trotz und wegen allem.
Konvertiten aus dem Islam müssen zwar mit der Todesstrafe innerhalb ihrer Verwandtschaft rechnen, lassen sich dadurch aber nicht vom Glauben abhalten, im Gegenteil. Gewaltherrschaften können die Weltmission ungewollt auf unbeabsichtigten Umwegen unterstützen.
(7) Geistesleitung: Jesus schickt seine Jünger allein zum Fest nach Jerusalem, will selbst nicht hingehen (Jo 7, 8f). Direkt darauf geht er aber doch (Jo 7, 9). Keine Verschaukelung der Jünger: Geistesleitung!
Jesus unternimmt nur, was sein Vater ihm sagt (Jo 10, 30; 17, 11).
In der Türkei wurden wiederholt Christen ermordet. Eine hinterbliebene Ehefrau aus Malatya will keine Rache, trotz allem.
(8) zB. siehe in „Wikipedia“: Rabenmutter + Glucke / Rabenvater + Überchef / Familiendrangsalierer / getrennt lebende Kinder, usw.
(9) Ein altes, aber aktuelles Glaubenslied: Und dann „wird nur das Schaun meines Heilands allein (V2: ‚wird doch nur Jesus und Jesus allein’) Grund meiner Freude und Anbetung sein“. (Iwwd 358)