Monatsthema: Jesu Blick der Liebe
Predigtthema: Liebe gibt nicht auf
Bibelstelle: Lukas 15,1-10
Verfasser: Matthias Köhler
1. Der Zusammenhang
Das ganze Kapitel 15 malt uns in drei Gleichnissen Jesus als Heiland für die Sünder vor Augen. Im Lukasevangelium bildet dieses Thema einen großen Schwerpunkt.
2. Biblische Parallelen
Jesus als Heiland für die Sünder:
Lk 5,8-11; Lk 7,36ff; Lk 18,9ff;
Der gute Hirte, der sein Schaf sucht:
Hes. 34,11ff; Joh 19; Ps 23.
Gott will das Leben des Sünders, nicht den Tod: Hes 18,23.
3. Der Aufbau des Textes
V. 1: Zöllner und Sünder suchen die Nähe Jesu
V. 2: Die „gerechten“ Pharisäer und Schriftgelehrten beurteilen Jesus daraufhin
V. 3-7 + 8-10: Zwei Gleichnisse mit gleichem Aufbau:
a) Etwas ist verlorengegangen
b) Mühsame und sorgfältige Suche
c) Freude, die mit allen geteilt wird, nachdem das Verlorene gefunden wurde.
d) Erklärung: „So wird Freude sein im Himmel über einen Sünder, der Buße tut…“
4. Einzelerklärungen
(Die Zitate sind, wenn nicht anders angegeben aus: Gerhard Maier: Lukas. Edition C-Kommentar)
V. 1
„alle Zöllner und Sünder“. Nicht 100%, sondern „Zöllner und Sünder jeder Couleur“.
Zöllner: Sie waren eine allgemein verhasste und verachtete Menschenklasse – und zwar im ganzen Orient. Das galt besonders aber für die Juden. Denn die Zöllner arbeiteten mit den ebenfalls verhassten Herodianern und Römern zusammen, und verunreinigten sich laufend durch den gesellschaftlichen Verkehr mit den Heiden. Zu jener Zeit litten die Bewohner Judäas unter der hohen Steuerlast; die Steuereinnehmer („Zöllner“) entrichteten an die römischen Behörden eine Gebühr, die die Steuer abdeckte, den Rest konnten sie als Entschädigung für ihre Arbeit behalten. Diese Gewinnspanne fiel oft unangemessen hoch aus, weil sie überzogene Steuern eingetrieben hatten.
„Es nahten sich“: Der griechische Ausdruck bezeichnet eine fortgesetzte Handlung. Im Sinn von: Immer wieder nahten sich ihm Zöllner und Sünder“.
„Sünder“ sind hier die, die die Gebote nicht halten.
Sie kamen, „ihn zu hören“. Die Pharisäer wollten ab und zu Wunder sehen (Mt 12,38). Die Sünder kamen, um ihn zu hören! Sie ahnten etwas davon, dass das Evangelium eine „Kraft Gottes ist, die selig macht“ (Röm 1,16). „Sie wollten von Jesus hören, wie sie ins Reich Gottes kommen konnten. Das war ihnen weit wichtiger als irdischer Erfolg oder die Heilung von Krankheit.“
V.2:
„Aufnehmen“: Meint zunächst ganz praktisch: „in sein Haus aufnehmen“. Aber auch: In seine Jüngerschaft aufnehmen.
„isst mit ihnen“: Zusammen Essen bedeutete im Orient eine tiefere Gemeinschaft als bei uns. „Auf den, mit dem man gegessen hat, kann man sich später stützen. Bei ihm gewinnt man einen persönlichen Zugang.“
Schlimm ist das für die Pharisäer deshalb, weil das der bisherigen Vorstellung vom Messias widersprach. Nach pharisäischer Lehre sollte der Messias „die Sünder züchtigen und ein heiliges Volk versammeln“ (Psalmen Salomos 17,25-26)
Dass Jesus die Gemeinschaft mit Zöllnern und Sünder suchte, heißt nicht (wie es Jesus manchmal unterstellt wurde), dass er sich mit deren sündigen Gewohnheiten und Gesellschaften identifizierte. Jesus beging niemals eine Sünde (Joh 8,46; 2 Kor 5,21; Hebr. 4,15). „Vielmehr suchte er die Zöllner und Sünder missionarisch zu gewinnen. Wer also selbst nach Lk 15,2 handeln will, der muss sich auch so verhalten, wie es Jesus getan hat. Dass wir als Christen an Ausschweifungen des Karnevals oder an Saufereien teilnehmen, wird durch Lk 15,2 nicht erlaubt (vgl. Ps. 1; Eph 5,2ff)“
V. 4
„hundert Schafe“ war eine mittelgroße Herde.
„eins“ – im gr. das Zahlwort.
„lässt die neunundneunzig in der Wildnis“ – natürlich nicht unbewacht: Er vertraut sie einem Kollegen an oder schließt sie in einen Stall oder eine Hürde auf dem Feld ein.
„Wüste“ – nicht eine pure Sandwüste – dort würde man die Schafe nicht hintreiben. Deshalb besser: Steppe oder Einöde
V. 5
Auffallend ist, dass er es mit „Freuden“ auf seine Schultern legt. Nicht mit Tadel, nicht mit Ärger. Sondern mit Freuden. So geht Jesus mit Sündern – mit uns! – um!
V. 6
„Zusammenrufen“ – könnte evtl. sogar ein Fest meinen. „Dass „Freunde und Nachbarn“ am Ergehen teilnehmen, war sowohl in alttestamentlicher als auch in neutestamentlicher Zeit üblich – jedenfalls in kleineren Ortschaften.“
V. 7
„neunundneunzig Gerechte“: Gemeint sind die Pharisäer und Schriftgelehrten, die sich selbst für gerecht halten. Jesus will damit nicht sagen, dass er sie auch für gerecht hält. Das Urteil Jesu ist klar: Keiner ist gerecht. Keiner ist gut außer Gott.
V. 8
„Drachme“: nach Mt 20,1ff der Tageslohn eines ungelernten Arbeiters. Soviel kostete ungefähr ein Schaf.
V. 10
„wird Freude sein“ können wir auch so übersetzen: „entsteht Freude“. „Es bewegt sich etwas im Himmel, wenn „ein einziger Sünder“ sich bekehrt. Erstaunlich, was ein sündiger Mensch in Bewegung setzen kann.“
5. Die Spitze des Textes
Jesus macht sich auf die Suche und freut sich sehr, wenn ein Sünder umkehrt. Alle andern (auch die Pharisäer – und wir) sind eingeladen, sich mitzufreuen!
6. Der Text heute
6.1. Fühlen sich Sünder heute auch noch zur Gemeinde hingezogen – oder eher abgestoßen und abgeschreckt? Wir wollen den „Sündern“ so mit Liebe begegnen, dass sie Vertrauen zu uns fassen.
6.2. Auch die Sünder in der Gemeinde (und wer kann sich da ausschließen?) dürfen aufatmen: „Sie nahten sich Jesus, immer wieder“ – lassen wir uns einladen, immer wieder!
6.3. Heute werden immer die Guten, die Starken, die Perfekten gesucht. Jesus such das Verlorene, das Schwache. Da kann für viele unserer Zeitgenossen befreiende Wahrheit werden!
7. Beispiele und Verdeutlichungen
7.1. Wie die Mücken sich um das Licht versammeln, so versammeln sich die Sünder um Jesus. Sie mussten großes Vertrauen Jesus gegenüber gehabt haben. Von keinem anderen Religionsstifter wissen wir, dass er die Sünder so angezogen hätte.
7.2. „Ein junger Hirte namens Mohammed ed – Dib entdeckte 1947 in einer Höhle die verborgene Bibliothek des im Jahre 68 n. Chr. durch die Römer zerstörten Qumran. Diese Entdeckung passierte deshalb, weil er eine Ziege vermisste. Nach der Schilderung von Joachim Jeremias zählte er „seine Herde ausnahmsweise um 11 Uhr vormittags, weil er die übliche Abendzählung zweimal unterlassen hatte, und bat die beiden Hirten, mit denen er zusammen zu weiden pflegte, auf seine Herde (55 Tiere) aufzupassen, als er fortlief, um die vermisste Ziege zu suchen“. Bei dieser Suche stieß er auf die Tonkrüge, in denen die Qumran-Schriften in einer Höhle versteckt waren.“ (Gerhard Maier)
8. Material und Gliederung zur Predigt
Monatsthema: Jesu Blick der Liebe
Predigtthema: Liebe gibt nicht auf
(Die Vorschläge zur Predigt sind auch von Gerhard Maier (Edition C, Hänssler-Verlag, Holzgerlingen) übernommen. Nur die Überschriften der einzelnen Punkte sind an unser Predigtthema angepasst.)
8.1. Jesus Liebe ist offen für Sünder
Sünder sind im Ernstfall nirgends willkommen: weder Alkoholiker noch Steuersünder noch religiöse Sünder (Beispiele bringen!) – Ein Messias, der mit Sündern isst: Kann der echt sein? – Wir schildern, was die Pharisäer (gute Leute!) erwarteten – Aber bei Jesus finden wir den ehemaligen Zöllner Levi im Jüngerkreis, und Jesus isst mit solchen Leuten. Die Sünder sammeln sich um Jesus wie die Mücken ums Licht. Wir machen Mut, mit seiner Sünde zu Jesus zu kommen. Da sind Sünder richtig!
8.2. Jesu Liebe sucht Verlorene
Ganz Israel ist Gottes Eigentum – Schafe sind ein Bild für Israel – Auch die Silberstücke – Jesus gibt Gottes Eigentum nicht so schnell auf – Es stimmt: Wer sündigt, ist vor Gott ein verlorener Mensch – Aber Jesus geht dem Verlorenen unter viel Mühe nach (auch moderne Beispiele bringen!) – Wie gut, dass das auch heute noch so ist! – Ob wir es zugeben, dass wir selbst solche Sünder sind, die Jesu Liebe nötig haben?
8.3. Jesu Liebe rettet Verlorene
Jesus klopft dem Sünder nicht nur verständnisvoll auf die Schulter – Nein, er will ihn heimbringen zu Gott – Hier erreichen wir eine Grenze des Gleichnisses: Viele Menschen wollen verloren bleiben, wollen sich nicht finden und zu Gott heimbringen lassen (Beispiele!) – Jesus aber erzählt von der großen Freude, die ein gefundener und geretteter Sünder auslöst – Sogar im Himmel! – Noch einmal kommt die Frage auf uns zu: Wollen auch wir unsere Verlorenheit beenden lassen? – Wollen auch wir uns von Jesus heimbringen lassen zu Gott?