Monatsthema: Jesu Blick für Not
Predigtthema: Die Not der Gottesferne
Bibelstelle: Lukas 15,11-32
Verfasser: Günther Baumgärtner
1. Zusammenhang
Wieder nehmen die Pharisäer und Schriftgelehrten an Jesus Anstoß weil er zu den Sündern geht, in einzigartiger Weise stellt Jesus das Evangelium für die Verlorenen dar.
2. Biblische Parallelen
Das Gleichnis vom verlorenen Sohn gehört zum Sondergut des Lukas.
1. Der Aufbau des Textes
V. 11-12: Forderung des Erbes
V.13: Abreise
V. 14-16: Not in der Fremde
V. 17-19: Sündenerkenntnis
V. 20-21: Sündenbekenntnis
V. 22-24: Wiederannehme
V. 25–30: Zorn des älteren Bruders
V. 31-32: Werben des Vater um den daheim gebliebenen Sohn
2. Einzelerklärungen
V. 11: Weiter, sagte er. Jesus knüpft an die vorigen Gleichnisse an und hat immer noch die Schriftgelehrten und Pharisäer vor sich V.2.
V.12: Die Initiative geht vom jüngeren Sohn aus. Es gab auch damals die Möglichkeit der Schenkung zur Lebzeit, allerdings behielt der Vater in der Regel die Nutznießung.
Dem jüngeren Sohn stand als Erbe ein Drittel des Vermögens zu, dem älteren Sohn standen zwei Drittel zu (5. Mose 21,17).
Ohne Diskussion teilte der Vater das Erbe unter beiden Söhnen, doch behielt er beim älteren Sohn die Nutznießung.
V.13: Fernes Land, bedeutet in ein heidnisches Land , also außerhalb von Israel.
Prassen, Zügellos, wörtl. heilloses, gottloses Leben (Vergl. Sprüche 23,21).
V.14: Darben wörtl: zu spät kommen, verfehlen, ausgeschlossen werden, Mangel leiden, entbehren. Er hat das Ziel verfehlt, ist ausgeschlossen von der Gemeinschaft mit Gott.
Er kommt am tiefsten Punkt an.
V.15: hängte sich an einen Bürger, wörtl. nur durch anhaltendes und dringendes Bitten ließ der Bürger sich bewegen ihn aufzunehmen.
Schweine hüten ist das allerniedrigste für einen Juden, denn nach 3. Mose 11,7 sind Schweine unreine Tiere. Welch eine Demütigung für einen Juden.
V.16: Er begehrte: ein lang anhaltender und immer wieder neuer Versuch, eine Zeit der Qual. Er litt Hunger.
Schoten, sind die Früchte des Johannisbrotbaums.
V.17: Er ging in sich,(schlug er in sich) d.h.: Er kam zu sich, er kehrte bei sich ein. Er erwachte und wurde nüchtern, dachte über die Situation nach. Es erwachte die Sehnsucht nach der Heimat, Gottessehnsucht.
V.18: aufmachen und zu meinem Vater gehen. Der Entschluss zur Heimkehr reifte in der Fremde, in der Not.
Zuerst gegen den Himmel, das heißt gegen Gott. Dann gegen Menschen.
Die Not brachte eine Sündenerkenntnis, doch aus der Sündenerkenntnis muss ein Sündenbekenntnis werden.
V.20: Es darf nicht bei einem Entschluss bleiben, er muss ausgeführt werden.
Er sah, lief, fiel, küsste, hier sehen wir im Verhalten des Vaters des Wesen Gottes, das Vaterherz Gottes. So kommt Gott uns in Jesus Christus entgegen.
Laufen ist gegen die Sitte des Orients, denn der Würdigere wartet oder läuft langsam, durch die Liebe wird die Sitte durchbrochen.
Kuss heißt: wir gehören zusammen.
V.21: Ein klares Schuldbekenntnis wird ausgesprochen ohne Beschönigung oder Abwälzung der Schuld. (Vergl. Bußpsalmen Davids 32 und 51; 1. Joh.1,7 und 9).
V.22-23:> Kleid: Bild für das neue Leben (Vergl. Matth. 22,12)
> Ring: Bild für eine neue Beziehung (Wir gehören zusammen)
> Sandalen: Bild für den neuen Weg ( Nur eigene Kinder bekamen Schuhe, die Knechte nicht)
Diese drei Gegenstände sind ein Beweis für die Wiedereinsetzung in den Sohnesstand.
> Fest: Bild für die Freude der Heimkehr ins Vaterhaus (Lk. 15,10)
V.24:Tod bedeutet: geistlicher Tod (getrennt von Gott), lebendig weil er jetzt an Gott glaubte.
V.27: Gesund wieder, bedeutet nicht nur äußeres Wohlbefinden, sondern auch die geistige und geistliche Gesundheit.
V.28: Keine Freude über die Heimkehr des Bruders, auch ein Bild für die Pharisäer und Schriftgelehrten in Israel.
Der Vater kam heraus, im Griechischen kommt hier das Intensive bemühen des Vaters zum Ausdruck, er nahm mehrfach Anlauf um den Sohn zu bewegen.
So wirbt Jesus auch um die Anwesenden Pharisäer und Schriftgelehrten V.2.
V.29: Der Sohn sah seinen Dienst nicht als Liebesdienst sondern als Sklavendienst.
Der zornige Sohn bezeichnete seinen Bruder als „dein Sohn“ dem Vater gegenüber, diese Bezeichnung war sehr verächtlich.
V.30-31: Mein Sohn, noch einmal wirbt der Vater um den älteren Sohn. Der Vater erinnert an das was ihm gehört.
V.32: Jesus macht hier einen Schlusspunkt. Über den älteren Sohn erfahren wir nichts mehr, wohl auch deshalb weil er in der Gestalt der Pharisäer und Schriftgelehrten vor ihm steht und selber entscheiden muss was er will.
3. Die Spitze des Textes
Gott kommt uns in Jesus Christus entgegen und nimmt uns in seine Gemeinschaft auf.
4. Der Text heute
a) Die Menschen ohne Jesus sind auf dem Weg zum Schweinetrog, ins Verderben
b) Gott kommt uns in Jesus Christus entgegen und schenkt uns Vergebung.
c) Jesus nimmt uns als seine Kinder an (Joh.1,12) und gibt uns ein erfülltes Leben.
d) Der daheim gebliebene Sohn lebte ein Leben der Armut in der Fülle
(Bild für so manche Gläubige heute)
5. Beispiele und Verdeutlichungen
1) Die Fremde
a) Jeder Mensch ist auf dem Weg in die Fremde wie der verlorene Sohn
b) Ein Leben ohne Gott kennt nur die kurzzeitige Freude
c) Am Ende steht der Schweinetrog, das Verderben
d) Der Weg ohne Jesus kann auch Konsequenzen haben
(Bsp.: Heirat mit einem Ungläubigen)
2) Die Heimkehr
a) Die tiefe Not bringt ein Nachdenken mit sich, weckt eine Sehnsucht nach Zuhause, nach Gott.
(Beispiele aus unserem Umfeld suchen)
b) Die Sehnsucht nach Gott steckt im Herzen eines jeden Menschen (Prediger 3,11). Selig sind sie Heimweh haben, denn sie sollen nach Hause kommen (Jung- Stilling).
c) Der Weg ins Vaterhaus Gottes steht durch Jesus Christus für jeden offen (Joh.14,6).
d) Der Vater nimmt mit offenen Armen auf. Hier sehen wir das Vaterherz Gottes.
(Heute wieder neu betonen, da viele Menschen oft eine völlig falsche Gottesvorstellung haben).
e) Auf das Sündenbekenntnis erfolgt Vergebung, ohne Buße keine Vergebung.
3) Das Freudenfest
a) Der heimkehrende Sohn wird wieder aufgenommen und zwar als Sohn (Joh.1,12)
(Bsp: Kuss, Kleid, Ring, Sandalen, siehe Einzelauslegung)
b) Das Fest ist zugleich Ausblick auf Gottes Fest im Himmel (Vergl. Off.4-5)
6. Gliederung zur Predigt
A) In der Fremde
B) Die Heimkehr
C) Das Freudenfest
Sollten nur Gläubige Menschen in unseren Gottesdienst kommen, wäre es gut den Text von der Seite des daheimgebliebenen Sohnes auszulegen. Viele gläubige Menschen gleichen diesem daheimgebliebenen Sohn, der in unserem Text auch ein Bild für die Pharisäer und Schriftgelehrten der damaligen Zeit ist. Hier würde sich das Thema eignen: Der Reichtum in Jesus.