Jesaja

Predigthilfe vom 10.12.2000 – Jesaja 50,4-9

Monatsthema: Gott finden – in Jesus.
Predigtthema: Gottes Rettung durch Leiden.

Bibelstelle: Jesaja 50,4-9

Verfasser: Dr. Heiko Krimmer

55. Predigthilfe

Gottes Rettung durch Leiden Jesaja 50,4-9 zum 10.12.2000

1. Zusammenhang
Die Rede des Gottesknechtes, in der er dem schuldigen Israel (50,1-3) durch sein Leiden Gottes Heils-Recht vor Augen stellt.

2. Biblische Parallelen
Die Leidensgeschichte Jesu, wie sie alle vier Evangelien berichten.

3. Der Aufbau des Textes

V. 4+5 Das Seelsorge-tun des Gottesknechtes
V. 6+7 Die Geduld im Leiden
V. 8+9 Das Gottvertrauen des Gottesknechtes

4. Einzelerklärungen

V. 4: Der Gottesknecht Jesus lebt seinen Dienst in völliger Abhängigkeit von seinem Vater. Er gibt ihm eine „Zunge, wie sie Jünger haben“. Zunge steht hier für das Reden, für das seelsorgerliche Reden genauer. „Jünger“, so kennzeichnet Jesus sich selber, wörtlich: „Lehrling“, also nichts Eigenes verkündigt Jesus, sondern nur, was er von seinem Vater hört, vgl. Joh. 5,30; 7,16. Als Lehrling Gottes erkennt er die rechte Zeit, um mit den „Müden“, wörtl.“den matt und kraftlos Gewordenen“ zu reden, wörtl.: sie mit einem Wort (Gottes) zu ermutigen. „Morgen um Morgen“, das unterstreicht die Dauer der Verbindung des Sohnes mit dem Vater, „weckt“ wörtl.: er lässt wach werden, Gott seinem Sohn das Ohr; Jesus ist und bleibt hörbereit auf den Vater.

V. 5: Gott selbst hat Jesus das „Ohr geöffnet“; er redet zum Sohn, auch und gerade über seinen Weg, der ins Leiden führt. Und Jesus ist nicht „ungehorsam“, wörtl: widerspenstig, und er weicht nicht zurück. Er geht auch den Leidensweg ans Kreuz im gehorsamen Hören auf den Willen des Vaters (vgl. die drei Leidensweissagungen in den Evangilien).

V. 6: Jetzt ist sein Leidensweg vor-angesagt. Die Geißelung, die Schläge, das Angespucktwerden (vgl. Mt. 26, 67+68; 27,29+30).

V. 7: In alle diesem Leiden bleibt Jesus im Gottvertrauen, „er hilft mir“, wörtl.: bei jemand stehen. Obwohl alle Schande über ihn ausgeschüttet wird, – der Tod am Kreuz – wird er nicht zuschanden. Gott lässt ihn nicht los. Jesus wird im Leiden bewährt: Das Bild vom Gesicht hart wie ein Kieselstein, meint nicht Verbitterung, sondern vertrauende Festigkeit, eben weil er weiß, dass Gott ihn nicht preisgeben wird.

V. 8: Das ist die vertrauende Gewissheit Jesu bei seinem ganzen Prozess, wo ihn die Frommen Israels verklagen und verurteilen: Sein Vater, Jahwe, ist neben ihm, er „spricht ihn gerecht“, wörtl.: ist mein Rechtshelfer. Deshalb kann er gelassen bleiben.

V. 9: Niemand kann Jesus wirklich „verdammen“, wörtl.: als Gotteslästerer beschuldigen (vgl. Mt. 26,65) wie es die Hohenpriester tun. Sie selbst gehen in ihrer Gottlosigkeit ins Verderben, wie es das Bild von den Motten, die das Gewand zerfressen, eindrücklich verdeutlicht.

5. Die Spitze des Textes
Der Knecht Gottes bleibt auch im tiefsten Leiden der, der ganz Gott vertraut.

6. Der Text heute

a) Wie deutlich ist die Jesusgeschichte als Leidensgeschichte schon im AT angesagt. Bis in Einzelheiten hinein, etwa dem Vorwurf der Gotteslästerung. Wir staunen über die Wahrheit des Gotteswortes.

b) Jesus ist und bleibt ganz abhängig, hingerichtet auf seinen Vater; in allem, was er tut und sagt. Da wollen wir von ihm lernen.

c) Das Gottvertrauen bewährt sich im Leiden. Was für Jesus gilt, gilt auch für uns: Dem Leiden nicht ausweichen, sondern Gottes Weg annehmen und mitgehen.

7. Beispiele und Verdeutlichungen

A. Hörbereit

a) Wie oft heißt es von Jesus:“Er ging auf einen einsamen Berg und betete“. Da hat er gehört. Wir können dasselbe einüben.

b) Bei wichtigen Ereignissen haben Fernsehstationen eine Standleitung: Dauernd sprech- und hörbereit. Jesus hat für uns diese Standleitung zu Gott eingerichtet.

c) Wie ein Jünger hören, eigentlich wie ein Lehrling: Wir wissen nicht, wie richtig zu tun; der Meister sagt es.

B. Leidensbereit

a) Jesus weicht dem Leiden nicht aus, der Satan (vgl. Mt. 4) will ihn dazu verführen. Doch er geht den Weg des Vaters.

b) Jesus leidet freiwillig. Er hätte jede Sekunde Schluss mit seinen Peinigern machen können. Das unterscheidet sein Leiden von allem sonstigen menschlichen Leiden.

c) Durch das Leiden wird die Echtheit sichtbar: Gold wird im Feuer geschmolzen.

C. Vertrauensvoll

a) Bild vom Angesicht, hart wie Kiesel beschreibt das völlige Vertrauen zum Vater, die Festigkeit des Glaubens.

b) Jesus hat an dem, was er litt, Gehorsam gelernt (Hebr. 5,8)

c) Jesus wird nicht zuschanden. Die Auferstehung Jesu Christi ist die Bestätigung Jesu durch den Vater.

8. Material und Gliederung zur Predigt

Einleitung:
Welche Demut Jesu, des Gottesknechtes: Er nennt sich selber Lehrling. Er lernt vom und beim Vater, tut und sagt nur, was er von ihm hört.

1. Aus dem Hören
So sieht es Jesaja für den Gottesknecht voraus und so lebt dann Jesus tatsächlich: Die ständige Hörbereitschaft auf den Vater. So kann er seinen Rettungsdienst tun, als Seel- und Leibsorger mit dem lebensschaffenden Gotteswort. Eine „Lehrlingszunge“, das nachsprechen, was Gott (der Meister) vorspricht (vgl. Joh. 5,30; 7,16). Jesus hat die „Standleitung“ zum Vater. Gott hat das Ohr geöffnet. Das kann nur er tun.
Wir können hören wie und durch Jesus. Die „Standleitung“ steht: Die Bibel, da redet Gott zu uns, wir können weiterreden. „Die Bibel sagt mir nichts!?“ Ist dein Ohr verstopft? Neu um das Hören bitten. Wer nicht hören kann, kann auch nicht tun!
Auch das hören, was ich nicht gerne höre: Der Weg in das Leiden. Jesus ist nicht ungehorsam; der Teufel versucht ihn dazu (vgl. Mt. 4). Jesus, er geht bewusst den Weg des Vaters zur ewigen Erlösung mit: So wird unser Heil.

2. Durch das Leiden
Jesus geht diesen Weg freiwillig. Er hätte jeden Augenblick „aussteigen“ können. Das macht sein Leiden einzigartig und unwiederholbar. Er weicht nicht zurück. Jesaja sieht bis in die Einzelheiten (Schläge, angespuckt werden, Gotteslästerer-Vorwurf) den Leidensweg voraus. Jesus nimmt das an: Ich bot dar: eben um des Gehorsams willen. So sagt er in Gethsemane: Die Stunde ist da. Er hat es in drei Leidensweissagungen vorausgesagt. Lernen wir von Jesus: Der Weg hinter Jesus her geht in das Leiden. Leiden um Jesu willen: heute weltweit Wirklichkeit für die Jesusleute.
Im Leiden das Gesicht hart wie ein Kieselstein!? Nicht Verbitterung oder eigene Heldenpose, sondern die „Ruhe“ der Gottesgewissheit, geborgen beim Vater, „was können mir Menschen tun?“ Jetzt einüben, solches Gottvertrauen. Das Leiden wird auch ganz konkret auf uns zukommen (antichristliche Zeit).

3. Zum völligen Vertrauen
Das ist die Jesusgewissheit bis zum Kreuz: Der Vater lässt ihn nicht zu schanden werden. Bestätigt zuletzt im Garten Gethsemane: „Ein Engel kam vom Himmel und diente ihm“ (Lk. 22,43). Vor aller Welt bestätigt Gott den Sohn durch die Auferstehung.
Wer bei Gott gehalten ist, kann von Menschen nicht umgeworfen werden. (vgl. Paulus in Römer 8,31-38). Lesen! Darin gründet unser Vertrauen. Ohne solches Gottvertrauen gehen wir Menschen ins Nichts (von Motten zerfressenes Kleid). Wir vertrauen in aller Anfechtung auf Jesu Gegenwart, die er uns zugesagt hat (vgl. Mt. 28,20).

Schluss: Wir warten auf das neue Kleid: Die Kleider der Gerechtigkeit im Himmel.