Monatsthema: Gott finden – in Jesus.
Predigtthema: Gott für uns.
Bibelstelle: Jesaja 53,1-12
Verfasser: Dr. Heiko Krimmer
56. Predigthilfe
Gott ist für uns Jesaja 53, 1-12 zum 17.12.2000
1. Zusammenhang
Im Trostbuch der Erlösung (Kap. 40-55) wird Israel ewiges Heil angesagt (52,7ff). Dieses Heil aber kommt durch das stellvertretende Leiden des Gottesknechtes Jesus, wie es unser Textabschnitt bezeugt.
2. Biblische Parallelen
Wieder die Leidensgeschichte in den Evangelien und viele Bibelstellen bei Paulus und Petrus, die Jesaja 53 aufnehmen (Konkordanz).
3. Der Aufbau des Textes
V. 1 – 5 Der Verachtete für uns Zerschlagene
V. 6 – 10 Der Unschuldige für unsere Schuld
V. 11 + 12 Der vom Vater Bestätigte
4. Einzelerklärungen
V. 1: Die beiden Eingangsfragen weisen auf das Unerhörte hin, was dann über den Gottesknecht gesagt wird: – Ein Gott, der leidet – und sie geben den Grundton für den ganzen Abschnitt vor: Das anbetende Staunen über das so geschehende Gotteshandeln. Tatsächlich hat das „Wort vom Kreuz“ immer wieder und bis heute Spötter und erbitterte Feinde gefunden (vgl. dazu etwa 1. Kor. 1,18ff) . Wie soll dort, im geschändeten Christus, „der Arm des Herrn“, im Sinne von: seine Macht und Kraft offenbar werden?
V. 2: Das „wir“, das in den folgenden Versen spricht, ist das „wir“ der glaubenden Gemeinde zu allen Zeiten, alle, die Jesus den Gekreuzigten und Auferstandenen als den Christus Gottes bekennen. So spricht hier schon die neutestamentliche Gemeinde im AT. Dem „er schoss auf“ – Hinweis auf die Geburt des Gottesknechtes – entspricht das „man gab ihm sein Grab“ in V. 9: Das ganze Leben des Gottesknechtes ist eine Leidensgeschichte. Jesus wurde in einer irdischen Familienlinie – Davids, Isais Sippe (vgl. Kap. 11,1) geboren- ein Schössling aus einem Baum, verdeutlicht das. Die zweite Aussage „wie eine Wurzel aus dürrem Erdreich“ zeigt, dass die große „Davidsmacht“ längst vergangen ist, Joseph, einer seiner Nachkommen lebt als einfacher Handwerker. Jesus wird als Baby geboren, nicht als strahlender Siegesheld kommt er. Da war keine „Gestalt“, wörtl.: schöne Gestalt, Schönheit. Schönheit gilt als besonderer Segen Gottes (vgl. Saul und David). Jesus war Mensch, wie jeder andere, sein Äußeres wies nicht auf seine Macht hin. Auch hatte er keine „Hoheit“, wörtl.: Glanz, Herrlichkeit. Das schimmert nur einmal auf dem Berg der Verklärung auf. Die Menschen sahen ihn, aber da war zunächst nichts, was sie beeindruckt hätte, gewiss nicht im Äußeren dieses armseligen Wanderpredigers aus Galiläa.
V. 3: Jesus wurde verachtet. Zweimal wird das hier betont. „Unwert“ verschärft das noch, wörtl.: von Menschen gemieden. Man verhüllte das Angesicht vor ihm, nämlich vor ihm, dem verurteilten Gotteslästerer, dem Verfluchten, der am Kreuz endete. Vor ihm, der „voller Schmerzen und Krankheit“ wurde, nämlich als ihn die Soldaten sadistisch quälten. Niemand, nicht einmal die eigenen Jünger hielten mehr zu ihm. Er war für nichts geachtet.
V. 4: Aber der Blick des geretteten Gläubigen geht viel tiefer: „Fürwahr“ leitet diese Tiefensicht ein, wörtlich: Dennoch (vgl. dazu Ps. 75,23): Jesus für uns. Hier geschieht Stellvertretung, er an unserer Statt. Unsere „Krankheit“, im Sinne von, unsere Todesverfallenheit – Krankheit ist Vorbote des Todes – er „trug“ sie; er nahm das auf sich. Unsere „Schmerzen“, wörtl.: Unser Zerbrechen – eben durch den Tod – er lud es auf sich, wörtl.: mühsam fortschleppen: am Gang nach Golgatha wird das sichtbar.
In der jüdischen Frömmigkeit (hier spricht das atl. „wir“) galt der verurteilte Jesus als von Gott „geplagt“, wörtl.: als ein mit Fluch Gezeichneter“ (vgl. 5. Mose 21,23), als ein zu Recht kaputt Geschlagener, als ein von Gott „Gemarterter“, wörtl.: Niedergebeugter. So sah ihn das fromme Israel damals.
V. 5: Und wieder der Glaubensblick: Er für und wegen uns! Wegen unserer „Missetat“, wörtl.: Abfall, Gottlosigkeit wird er „verwundet“, wörtl.: durchbohrt, nämlich am Kreuz. Um unserer Sünde willen wird Jesus zerschlagen. Das geschieht am Kreuz: Er nimmt unsere Strafe auf sich, so haben wir – die wir glauben – Frieden mit Gott, so erfahren wir Heilung.
V. 6: Im Bild vom trotzig weggelaufenen Schaft bekennt der Glaubende seine Gottesferne, seine Sünde; Sünde, die als kaputtmachende Eigensucht gelebt wird: Jeder sieht nur seinen Weg, seinen Vorteil und Nutzen. Aber Gott hat alle unsere Sünde „auf ihn geworfen“, wörtl.: er ließ (die Konsequenzen) ihn treffen.
V. 7: Und Jesus ließ das über sich ergehen. Im Bild vom Lamm, das sich nicht wehrt, sogar als es zur Schlachtbank geführt wird, ist Jesu Gehorsam deutlich. Jesus verstummt und tut seinen Mund nicht auf, was sie ihm auch antun und vorwerfen. Er verteidigt sich nicht, greift nicht an, droht nicht und flucht nicht, er leidet für uns (vgl. 1. Petr. 3,21-25).
V. 8: „Angst“ wörtl.: Gefangenschaft, Bedrückung und Urteilsspruch ergehen über Jesus und nehmen ihn hinweg, im Sinne von: nehmen ihm das Leben. Das trifft den Gottessohn, den Herrn des Lebens, den Schöpfer des Lebens. Welches Schicksal, im Sinne von: Was tut Gott hier! Er, das Leben wird aus dem Leben „weggerissen“, wörtl.: abgetrennt. Und das: weil: Er für die Gottlosigkeit meines Volkes (Israel) – zuerst Heil für Israel – „geplagt wurde“: es wurde ihm zum Schaden.
V. 9: Bis in die Einzelheiten wieder sieht Jesaja das Geschick des Gottesknechtes voraus: Jesus wird am Fuß des Schandhügels Golgatha begraben, bei „Gottlosen“ – die Gebeine der Gekreuzigten lagen in Sichtweite – und bei, jetzt hebr. wörtl.: bei einem „Reichen“, und das war Josef von Arimathäa (vgl. Mt. 27,57ff). „Als er gestorben war“: Jesus war wirklich tot! So endete er, obwohl Jesus nie ein Unrecht getan hatte und nie betrogen hatte, im Sinne von: Menschen zur Sünde verführen (vgl. 1. Mose 3,13).
V. 10: Das alles aber geschieht nach Gottes Heils- und Rettungswillen: Der Sohn wird kaputtgemacht, damit wir heil werden können. Das sind die „Folgen“ des Todes Jesu: Er gibt sich zum Schuldopfer – wir sind versöhnt; „er wird Nachkommen haben“ – die Schar der Erlösten, die nicht zu zählen ist (vgl. Offb. 7,9ff); „er wird in die Länge leben“ – die Auferstehung ist hier angedeutet. So ist Gottes Heilsplan durch Jesu Treue und Gehorsam „gelungen“.
V. 11: Nach all der Mühe seiner Seele, den Anfechtungen (vgl. Jesu Ringen in Gethsemane) hat Jesus Fülle, auch für sich: Er schaut das Licht, das heißt: Er bleibt nicht im Tod, sondern wird auferweckt und regiert in der Herrlichkeit beim Vater. Wer ihn „erkennt“, wörtl.: in Gemeinschaft mit ihm lebt!, der empfängt durch Jesus, den Gerechten, die volle ewige Gerechtigkeit, Rechtfertigung. Denn Jesus trägt unsere Sünden. Das ist das Fundament des Evangeliums.
V. 12: Und dieses Evangelium rettet durch die Zeiten hindurch: Viele und Starke – solche, die sich selbst für gerecht hielten (vgl.: Saulus) werden das Heil annehmen, „Beute und Raub“ unterstreichen, dass der Sünder in der Gefangenschaft des Satans lebt, den Jesus besiegt hat. Und jetzt noch einmal konzentriert, was da am Kreuz geschah: Jesus hat sein Blut als Opfer vergossen; er hat sich als Gottloser verurteilen lassen; er hat die Sünden der Welt getragen und er hat für die Übeltäter gebetet = bis zuletzt liebte er gerade die Verlorenen. Und diese Liebe holt sie ein.
5. Die Spitze des Textes
Der Gottesknecht leidet und stirbt stellvertretend für uns Sünder.
6. Der Text heute
a) Wir predigen Jesaja 53 ganz konsequent als die Jesusgeschichte. Jede andere Deutung (Volk Israel oder Jesaja selbst) verfehlen die Tiefe des Textes.
b) Die Stellvertretung ist das entscheidende Grundthema: Jesus für uns; Jesus an unserer Stelle! Was ihm geschieht, müsste unser Ergehen sein, aber er nimmt unsere Strafe auf sich.
c) Das Staunen, das sich durch das ganze Kapitel zieht, ist die einzig angemessene Form, Jesu Heilstat zu erfassen. Können wir darüber noch anbetend, staunend loben?
7. Beispiele und Verdeutlichungen
Dieses Kapitel ist so gefüllt mit Verdeutlichungen und Bildern, dass nicht noch weitere hinzutreten müssen, die würden nur zerfasern. Wählen wir für unsere Predigt ein oder zwei Bilder: Etwa das Lamm oder der, der keine Schönheit hatte.
8. Material und Gliederung zur Predigt
Einleitung:
Das ist zum Staunen, das konnte sich kein Mensch ausdenken: Der Knecht Gottes, der Sohn Gottes – er leidet und stirbt für uns.
1. Er für uns
Wer in Israel gesündigt hatte, brachte ein Schuldopfer dar, um Gottes Vergebung zu erfahren. Ein fehlerlosen Lamm. Das wurde geschlachtet, nicht um Gott mit Blut zu befriedigen, sondern hier geschah Stellvertretung: Dem reuigen Sünder wurde ganz konkret vor Augen geführt: Wie dieses Tier sein Leben ausblutet, so müsstest du sterben wegen deiner Sünde! Aber Gott nimmt nicht dir das Leben.
Jesus wurde für uns dieses Lamm: Für uns gibt er sein Leben. Die Strafe liegt auf ihm – wir haben Frieden. Unsere Krankheit – Todesverfallenheit – er nimmt sie auf sich – wir haben Leben, ewiges Leben. Er wird für uns zur Sünde gemacht – wir sind gerecht gesprochen. Das ist der Kern des Evangeliums. Davon leben wir. Jesus für uns, wie er es beim Abendmahl sagt (an diesem Sonntag Abendmahl feiern).
2. Er bei uns
Was Jesaja prophetisch verkündigt ist wirkliches Geschehen bei Jesus von Nazareth: Unser Kapitel ist zusammengefasst im Glaubensbekenntnis: Geboren – gelitten – gekreuzigt – gestorben – begraben – auferstanden. Es ist die Jesusgeschichte! Gott bei uns Menschen im Sohn. Geboren: Als Baby, ohne „Schönheit“, Herrlichkeit und Glanz aufgewachsen. Mensch wie wir. Gelitten: Ganz real, die Leidensgeschichten der Evangelien berichten das. Gekreuzigt: Als Gotteslästerer hingerichtet. Gestorben: Er stirbt am Kreuz. Begraben: Am Fuß des Galgenberges, sein Grab ein Zeichen (vgl. Matth. 27,57). Auferstanden: Den hat Gott auferweckt. Er gab sein Leben als Schuldopfer, so ist das geschehen.
Verachtet und verstoßen von den Menschen, aber ganz dem Heilswillen Gottes gehorsam. Das war Jesus von Nazareth. „Er erniedrigte sich selbst …“ (vgl. Phil. 2,5ff). Er war ganz bei uns, und: er bleibt ganz bei uns als unser Heiland (vgl. Matth. 28,20).
3. Er vor uns
Er geht uns voraus, ruft in seine Nachfolge. Er entreißt uns der Gefangenschaft durch die Hölle, Tod und Teufel. Wir werden und sind seine Nachkommen: die christliche Gemeinde durch die Zeiten; die unzählbare Schar vor dem Thron Gottes (vgl. Offb. 7,9ff) = diesen Text lesen! Durch Christi Leiden, Sterben und Auferstehen ist „des Herrn Plan gelungen“. Gottes Heilsplan ist in ihm zur Vollendung gekommen.
Schluss: Mit Jesaja 53 stehen wir auf dem Fundament des christlichen Glaubens.