1.Mose

Predigthilfe vom 9. August 2026 – 1. Mose 39

Predigtthema:         Joseph – versklavt, verführt, bewährt

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).

1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext

1.Mose 39 erzählt die Geschichte von Josef im Haus Potifars und später im Gefängnis. Das Kapitel zeigt, wie Gottes Gegenwart einen Menschen auch in ungerechten und schwierigen Lebensumständen trägt.

Viermal (V.2, V.3, V.21, V.23) wird in diesem Kapitel betont: „Der HERR war mit Josef“.

Obwohl Josef treu und rechtschaffen handelt verschlechtert sich seine äußere Situation.

Daher ergeben sich herausfordernde Frage, wie
-Warum lässt Gott Ungerechtigkeit zu?
-Was macht in Gottes Augen „Gelingen“ aus?
-Wie gehe ich mit Versuchungen um?

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes

Hilfen zur Auslegung bieten z.B.

  • Expositor´s Bible Commentary
  • Stuttgarter Erklärungsbibel
  • New International Commentary on the OT         (Daniel I. Block)
  • Wuppertaler Studienbibel
  • John Mac Arthur Studienbibel (S.104-105)

1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes

V.1 Josef – wörtlich: „Gott fügt hinzu“ bzw. „Gott wird vermehren“
Potifar – wörtlich: „Der, den Ra (Sonnengott) gegeben hat

V.2 „… so dass er ein Mann wurde, dem alles *glückte.“ (Heb. tsalach = Gelingen schenken, erfolgreich, florieren)
Das Hebräische Wort: tsalach taucht in den ersten Versen dieses Kapitels immer wieder auf und bedeutet mehr als äußerer Erfolg. Es gelingt , bzw. wird etwas von Gott zum Ziel geführt (Gott lässt gedeihen). Josef war also nicht einfach super talentiert – nein, Gott ließ alles gelingen, was Josef tat. Entscheiden ist hier GOTT und sein Wirken.

V.3 Wie genial, wenn Menschen, die Gott nicht kennen, in unserem Leben Gottes dieses Wirken Gottes sehen

V.4 Diener beschreibt seine Funktion und Stellung innerhalb des Haushalts. Das hebräische Verb (šārat) bedeutet “dienen”, oft im Sinn eines persönlichen oder vertrauenswürdigen Dienstes.

V.21 Auch im Gefängnis lässt Gott Josef nicht im Stich. Zum zweiten mal heißt es: „und Gott ließ Gnade finden vor dem Amtmann (wie zuvor bei Potifar)

V.22 Auch im Gefängnis bekommt Josef die Oberaufsicht (wie im Hause Potifar)

V.23 Auch hier heißt es: der Amtmann (wie zuvor Potifar) kümmerte sich um nichts, …
          weil Josef sein vollstes Vertrauen hatte und sich dementsprechend einbrachte.

2. Verstehen, worum es geht

2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)

Hermeneutisch ist unser Predigttext vor allem eine Erzählung über Gottes treue Gegenwart und seine souveräne Führung.

Der Predigttext fordert nicht nur dazu auf, „so zu sein wie Josef“ sondern lenkt den Blick auch auf Gottes Handeln. Josef ist ein Vorbild für Treue, Glauben und Integrität, aber der

Hauptakteur in dieser Geschichte – das ist der lebendige Gott, der (im Hintergrund) wirkt. Die Auslegung sollte daher nicht bei moralischen Appellen stehen bleiben, sondern zeigen, wie Gott seinen Heilsplan durch schwierige Lebensumstände hindurch verwirklicht. Von dort aus ergeben sich Anwendungen für heute: Christen dürfen in Versuchung, Ungerechtigkeit und Leid auf denselben treuen Gott vertrauen, der Josef begleitet hat. Seinem Glaubensvorbild darf gerne nachgeeifert werden.

2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)

Viele Christen erleben Krankheit, Arbeitsplatzverlust, Einsamkeit oder Enttäuschungen. Die Frage lautet oft: „Wo ist Gott?“ 1.Mose 39 zeigt auf, dass Gottes Gegenwart nicht daran zu messen ist, ob alles gut läuft. Gott ist auch im Leid gegenwärtig und handelt oft verborgen.

In unserer heutigen Kultur, in der Menschen besonders Wert legen „gesehen zu werden“ (bei Social Media präsent sein, WhatsApp Status, etc.) ist es durchaus eine Herausforderung treu seinen Dienst zu versehen, auch wenn das niemand sieht. 

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)

Treue von unserer Seite gilt es zu leben, auch wenn niemand aus der Familie, aus der Gemeinde oder auch der Vorgesetzte bei der Arbeit es sieht. Gerade auch dann, wenn, wie bei Josef, es wenig Anerkennung für geleistete Dienste gibt. Unser Glaube zeigt sich in besonderer Weise in unserem Alltag in der Treue gegenüber Gott und seinem Wort.

Frage: Wo fordert Gott mich heute heraus, ihm im Kleinen treu zu dienen – in der Familie, am Arbeitsplatz, in der Schule oder in der Gemeinde?

Treue in Versuchungen zeigt sich darin, dass wir, wie Josef, begriffen haben, dass Sünde nicht nur (andere) Menschen verletzt, sondern auch unsere Beziehung zu Gott.

Darum gilt es, wie Josef, vor den Versuchungen „zu fliehen“.

Frage:   Welche konkreten Schritte kann ich unternehmen, um Versuchungen zu vermeiden und meine Beziehung zu Gott zu schützen?

Treue im Leid – warum Gott Unrecht zulässt, das hat Josef sicherlich genau so wenig verstanden, wie wir das verstehen. Trotzdem hielt er an seinem Gott fest und vertraute, dass dieser mit seinem guten Plan zum Ziel kommt.

Frage:   Worauf setzte ich meine Hoffnung: auf positive äußere Umstände oder auf Gottes Zusagen, dass ER mich niemals verlässt und die Zuversicht, dass Gott, der in mir angefangen hat das gute Werk, dass dieser allmächtige, allwissende und liebende Gott es auch vollenden wird (Philipper 1:6)

3. Sagen, wo es hingeht

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?

Die Predigt möchte verdeutlichen, dass Gottes Gegenwart nicht von günstigen Lebensumständen abhängt.  Anhand von Josefs Geschichte wird gezeigt, dass Gott auch in Zeiten der Versuchung, Ungerechtigkeit und Not seinen Kindern nahe ist.  Sie soll die Zuhörer ermutigen, Gott auch in schwierigen Situationen zu vertrauen, Ihm im Alltag treu zu bleiben, selbst wenn dies Nachteile mit sich bringt, Versuchungen entschieden zu widerstehen und sich an Gottes Maßstäben zu orientieren.  Die Hoffnung sollte nicht auf äußeren Erfolg, sondern auf Gottes treue Begleitung ruhen.  Gleichzeitig lenkt die Predigt den Blick auf Gottes souveränes Handeln. Die Gemeinde soll erkennen, dass Gott auch heute Menschen führt, trägt und selbst schwierige Erfahrungen zum Guten wenden kann.

3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?

Die Predigt, die sich an Josefs Geschichte in 1. Mose 39 orientiert, betont, dass Gottes Gegenwart nicht von günstigen Umständen abhängt.  Trotz der Versuchungen, Ungerechtigkeiten und Leiden, denen Josef begegnet, bleibt Gott ihm treu und führt seinen Plan fort.  Dies ermutigt uns, Gott zu vertrauen, ihm treu zu bleiben und darauf zu vertrauen, dass er uns in jeder Lebenslage begleitet und uns zum Ziel führt.

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

a) Treue im Alltag

     Der Herr war mit Josef, sodass ihm alles gelang (V.2)                                

b) Treue in der Versuchung

     „Wie soll ich denn dieses große Unrecht tun und gegen Gott sündigen?“ (V.9)

c) Treue im Leid

     „Aber der HERR war mit Josef“ (V.21)

3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?

Predigtauftakt: „Die Fußspuren im Sand“

Ein Mann blickte auf sein Leben zurück und stellte sich vor, dass sein Weg wie Fußspuren im Sand aussah. Neben seinen eigenen Spuren sah er lange Zeit auch die Spuren Gottes. Doch als er auf die schweren Zeiten seines Lebens schaute, entdeckte er nur noch eine Spur. Enttäuscht fragte er: „Gott, warum hast du mich gerade in den schwierigsten Momenten allein gelassen?“ Die Antwort Gottes lautete: „Du warst nicht allein. Dort, wo du nur eine Spur gesehen hast, habe ich dich getragen.“

Ähnlich hätte Josef in 1. Mose 39 fragen können: „Gott, wo bist du? Warum bin ich als Unschuldiger im Gefängnis?“ Doch die Antwort des Textes lautet: „Der HERR war mit Josef.“

Manchmal sehen wir Gottes Wirken nicht sofort. Aber auch in den dunkelsten Wegen ist Gott gegenwärtig und trägt uns.

Zu a) Treue im Alltag

Ein Maurer arbeitet auf einer Baustelle und setzt jeden Tag Stein für Stein aufeinander. Ein Passant fragt ihn: „Was machen Sie da?“ Der Maurer antwortet: „Ich baue eine Kathedrale.“ Obwohl seine tägliche Arbeit unscheinbar erscheint, weiß er, dass jeder einzelne Stein zum großen Ganzen gehört.

Zu b) Treue in der Versuchung

Ein Fisch sieht nur den appetitlichen Köder. Was er nicht sieht, ist der scharfe Haken dahinter. Der Köder verspricht Genuss, doch er führt zum Verderben.

Zu c) Treue im Leid

Es gibt eine Bambusart, die nach dem Einpflanzen mehrere Jahre lang scheinbar gar nicht wächst. In dieser Zeit entwickelt sie ein tiefes und stabiles Wurzelsystem. Erst danach schießt sie innerhalb weniger Wochen viele Meter in die Höhe. Wer den Bambus nur oberflächlich betrachtet, könnte meinen, in den ersten Jahren geschehe überhaupt nichts. Tatsächlich geschieht das Entscheidende im Verborgenen.

(Jochen König)