Monatsthema: Das Lebensprogramm Jesu
Predigtthema: Wie kann ich meine Beziehungen ordnen?
Bibelstelle: Matthäus 7, 7-12
Verfasser: Thomas Richter
Ein Predigttipp enthält Hilfestellungen für die Verkündigung und ersetzt deshalb nicht das eigenständige Erarbeiten des Bibeltextes und Studieren von Bibelkommentaren.
1. TEXT- UND PREDIGTZUSAMMENHANG
Jesus hat eindrücklich aufgezeigt hat, dass es keinen Unterschied macht, ob wir uns mit vordergründig „geistlichen“ (Mt 6,1-18) oder „alltäglichen“ (Mt 6,19-34) Belangen beschäftigen. Entscheidend ist immer, was uns im Innersten bewegt (Mt 6,21.24.33). Deshalb trennt Jesus nicht zwischen Lehre und Leben, Dienst und Alltag. Beides gehört zusammen und wir werden davon bestimmt, was unser Herz er- und ausfüllt (vgl. Mt 12,34b).
Da wir als Christen nie alleine leben, sondern immer mit anderen – wir sind immer in eine Gemeinschaft eingebettet (vgl. 1Kor 12,12-27; Hebr 10,24f) – wirkt sich unser Glaube auch auf unsere Beziehungen untereinander aus (vgl. Predigt vom 02.05.2010 zu Mt 7,1-6). Aus diesem Grund stellt sich die Frage: Wie kann ich meine Beziehungen ordnen“ (Predigtthema)? Jesus zeigt uns in unserem Predigttext (Mt 7,7-12) auf, wie das gelingen kann. Analog zu Mt 22,36-40 zeigt uns Jesus auf, dass horizontale Beziehungen (Mt 7,12 vgl. mit Mt 22,39f) nur gelingen kann, wenn die vertikale Beziehung (Mt 7,7-11 vgl. mit Mt 22,34-38) in Takt ist. Zuerst kommt die Beziehung zu Gott und aus hier heraus werden wir fähig für die Beziehungen untereinander. Wer mit den Geschöpfen auf einer Wellenlänge leben will, der muss „online“ sein mit dem Schöpfer!
2. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN
Hilfen zur Auslegung und Anwendung bieten z.B.
* Fritz Grünzweig. Die Bergpredigt: Antworten auf Fragen von heute. Hänssler, 1985 (S. 197-203).
* Gerhard Maier. Matthäus-Evangelium 1.Teil. Edition C-Bibelkommentar 1 (S. 234-239).
* D. Martyn Lloyd-Jones. Bergpredigt Bd. 2: Predigten über Matthäus 6 und 7. Friedberg: 3L-Verlag, 2004 (S. 217-239).
Zur Vorbereitung der Predigt empfehlen wir das Anhören (im Sinne von Apg 17,11b) der textbezogenen Predigten mit praktischen Anwendungen von Wolfgang Nestvogel mit dem Titel „Wie wird mein Gebet beständig“ (http://www.bibeltage.de/Bergpredigt.html – Nr. 20 zu Mt 7,7-11) und „Lebensregeln“ (http://www.bibeltage.de/Bergpredigt.html – Nr. 21 zu Mt 7,12). Bitte hört die Predigten an, sie enthalten die Informationen, die ihr zur Vorbereitung der eigenen Predigt benötigt!
3. TEXT- UND PREDIGTVERANSCHAULICHUNGEN
Zum Predigteinstieg: „Der kleine Junge lag im Bett. Er betete zusammen mit seiner Mutter und sagte: ‚Lieber Gott, bitte beschütze Papa und Mama und mich und auch die Großmutter in dieser Nacht. Und bitte, Herr Jesus (und dann schrie der Kleine plötzlich laut), bitte gib mir auch ein Fahrrad. Amen!‘ – Die Mutter wunderte sich: ‚Sag mal, warum schreist du denn so? Gott ist doch nicht taub‘. – ‚Ich weiß‘, sagte der Junge, ‚aber Großmutter nebenan im Zimmer, die hört doch nicht mehr so gut‘. Kennen sie das auch? Manchmal würden wir der Erhörung unserer Gebete am liebsten etwas nachhelfen. Wir haben die Sorge, Gott würde uns möglicherweise nicht hören, oder zumindest nicht erhören. Und dann irgendwann wird unser Gebet dann ‚flügellahm‘. Selbst erfahrene Christen haben manchmal den Eindruck, ihre Verbindung zu dem lebendigen Gott sei nicht mehr ganz frisch. Ihre Gebete sind müde und formal geworden. In einem berühmten Abschnitt der Bergpredigt zeigt Jesus solchen Leuten, wie ihre Verbindung zu Gott wieder beständig und lebendig werden kann: [Textlesung]“ (Wolfgang Nestvogel).
„Lee begann sein Leben mit einer ganzen Schar von Benachteiligungen. Seine Mutter war eine kräftig gebaute, dominante Frau, der es schwerfiel, irgendjemanden zu lieben. Sie war dreimal verheiratet gewesen, und ihr zweiter Mann hatte sich von ihr scheiden lassen, weil sie ihn regelmäßig verprügelt hatte. Lees Vater war ihr dritter Mann; er starb zwei Monate vor Lees Geburt an einem Herzanfall. Aus diesem Grund musste die Mutter bereits in seiner frühesten Kindheit bis spät abends arbeiten. Sie ließ ihm in diesen frühen Jahren keine Zuneigung, Disziplin oder Erziehung zukommen. Sie verbot ihm sogar, sie an ihrem Arbeitsplatz anzurufen. Andere Kinder kümmerten sich wenig um ihn, und so war er meist allein. Er wurde von frühester Kindheit an abgelehnt. Er war arm und ungezogen und wenig liebenswert. Mit dreizehn Jahren meinte ein Schulpsychologe, Lee habe wohl niemals die Bedeutung des Wortes ‚Liebe‘ kennengelernt. In seiner Pubertät wollten die Mädchen nichts mit ihm zu tun haben, und mit den Jungs prügelte er sich. Trotz seines hohen IQ scheiterte er in der Schule und verließ sie ohne Abschluss. Er dachte, dass man ihn bei der Marine vielleicht akzeptieren würde – dort wurde ja angeblich aus jedem Rekruten ein echter Mann, und genau das wollte er sein. Doch seine alten Probleme blieben ihm treu. Die anderen Marines machten sich über ihn lustig, und er schlug zurück. Ständig widersetzte er sich der Autorität, kam schließlich vor ein Kriegsgericht und wurde unehrenhaft entlassen. Da stand er nun, ein junger Mann kaum zwanzig, ohne Freunde – eine gescheiterte Existenz. Er war klein und hager, und seine Stimme besaß einen pubertären Klang. Er hatte keine Talente, keine Ausbildung, kein Ziel und kein Selbstwertgefühl. Wieder beschloss er, vor seinen Problemen davonzulaufen. Er verließ Amerika und ging ins Ausland. Dort heiratete er eine Frau, die selbst ein uneheliches Kind war, und nahm sie mit sich nach Amerika zurück. Bald zeigte sie ihm gegenüber die gleiche Verachtung wie alle anderen. Obwohl sie zwei Kinder hatten, genoss er nie den Status und die Achtung eines Vaters. Seine Ehe begann zu bröckeln, als seine Frau nach Dingen verlangte, die er ihr nicht bieten konnte. Statt sein Verbündeter in einer bitterkalten Welt zu sein, wie er es gehofft hatte, wurde sie zu seinem erbittertsten Gegner. Sie konnte besser streiten als er und lernte, ihn herumzukommandieren. Einmal sperrte sie ihn sogar zur Strafe ins Badezimmer. Schließlich warf sie ihn hinaus. Daraufhin versuchte er, sich allein durchs Leben zu schlagen, aber er fühlte sich schrecklich einsam. Nach Tagen voller Einsamkeit kam er nach Hause und flehte sie an, ihn wieder bei sich aufzunehmen. Er gab allen Stolz und alle Selbstachtung auf; er kroch, er wehrte sich nicht gegen Demütigungen und kam zu ihren Bedingungen nach Hause zurück. Trotz seines schmalen Einkommens gab er ihr achtundsiebzig Dollar, bat sie, das Geld zu nehmen und so auszugeben, wie sie es wollte. Doch sie lachte ihn aus und schmälerte seinen schwachen Versuch, für die Familie zu sorgen. Sie machte sich über sein Versagen lustig. Sie spottete vor einer Freundin über seine. Impotenz. Einmal, als die Finsternis seines persönlichen Alptraums ihn völlig zu verschlingen drohte, fiel er auf seine Knie und weinte bitterlich. Schließlich schwor er sich, dass er nichts mehr einstecken würde. Niemand mochte ihn. Niemand hatte ihn je gemocht. Sein Ego war völlig zerschlagen. Am nächsten Tag war er wie umgewandelt. Er stand auf, ging in die Garage und nahm das Gewehr, das er dort versteckt hatte. Er nahm es mit zu seinem neuen Job in einem Warenlager für Bücher. Und aus einem Fenster im dritten Stock dieses Gebäudes feuerte Lee Harvey Oswald am 22. November 1963, kurz nach Mittag, zwei Kugeln in den Kopf von Präsident John F. Kennedy. Oswald, der abgelehnte, wenig liebenswerte Versager, tötete den Mann, der mehr als jeder andere auf der Welt Erfolg, gutes Aussehen, Wohlstand und Familienbande symbolisierte – all die Dinge, die Lee fehlten. Lee Harvey Oswald ist der klassische Fall einer gescheiterten Existenz, die durch kaputte Beziehungen herbeigeführt wurde. Wir erleben dies in unserer Gesellschaft häufig“ (Gumbel, Herausfordernder Lebensstil).
4. TEXT- UND PREDIGTSCHWERPUNKT
Unsere Predigtübersicht 2010 (beim Gemeinschaftsleiter erhältlich) benennt als möglichen Schwerpunkt für die Predigt das Thema „Beziehungsgrundlagen“. Die Geschöpfe werden aber nur miteinander leben können, wenn die Beziehung zum Schöpfer in Ordnung ist. Ohne die vertikale Verbindung, lassen sich horizontale Verbindungen in der „Jesusart“ nicht herstellen. Vgl. Mt 7,7-12 mit Mt 22,34-40!
5. PREDIGTGLIEDERUNG
Wie kann ich meine Beziehungen ordnen?
a) Allen Verheißungen glauben (V. 7f)
b) Einem Vorbild folgen (V. 9-11)
c) Ohne Vergeltung leben (V. 12)
oder
a) „Online“ mit Gott (V. 7-11)
* Nicht mehr „offline“, wo wir bitten!
* Nicht mehr „offline“, wo wir suchen!
* Nicht mehr „offline“, wo wir anklopfen!
b) „Online“ mit Menschen (V. 12)