Monatsthema: Das Lebensprogramm Jesu
Predigtthema: Wie kann ich beurteilen ohne gleich zu verurteilen?
Bibelstelle: Matthäus 7, 1-6
Verfasser: Thomas Richter
Ein Predigttipp enthält Hilfestellungen für die Verkündigung und ersetzt deshalb nicht das eigenständige Erarbeiten des Bibeltextes und Studieren von Bibelkommentaren.
1. TEXT- UND PREDIGTZUSAMMENHANG
Jesus hat eindrücklich aufgezeigt hat, dass es keinen Unterschied macht, ob wir uns mit vordergründig „geistlichen“ (Mt 6,1-18) oder „alltäglichen“ (Mt 6,19-34) Belangen beschäftigen, entscheidend ist immer, was uns im Innersten bewegt (Mt 6,21.24.33). Deshalb trennt Jesus nicht zwischen Lehre und Leben, Dienst und Alltag. Beides gehört zusammen und wir werden davon bestimmt, was unser Herz er- und ausfüllt (vgl. Mt 12,34b).
Von daher war in den letzten Gottesdiensten mehr die persönliche Seite des Glaubens im Blick. Von wechselt der Fokus weg vom eigenen Leben und hin zum Leben anderer. Allerdings zeigt uns gerade unser Predigttext (Mt 7,1-6), dass wir das Leben anderer nie losgelöst von unsrem eigenen Leben beurteilen können. Wir leben als Christen nie allein, sondern immer mit anderen, da wir immer in eine Gemeinschaft eingebettet sind (vgl. 1Kor 12,12-27; Hebr 10,24f). In diesem Zusammenhang lehrt Jesus nun, wie wir mit Kritik umgehen sollen. Er zeigt auf, wann und wie wir Kritik üben sollen, wie es gelingt, dass wir beurteilen, ohne gleich zu verurteilen (= Predigtthema).
2. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN
Hilfen zur Auslegung und Anwendung bieten z.B.
* Fritz Grünzweig. Die Bergpredigt: Antworten auf Fragen von heute. Hänssler, 1985 (S. 187-196).
* Gerhard Maier. Matthäus-Evangelium 1.Teil. Edition C-Bibelkommentar 1 (S. 230-234).
* D. Martyn Lloyd-Jones. Bergpredigt Bd. 2: Predigten über Matthäus 6 und 7. Friedberg: 3L-Verlag, 2004 (S. 179-216).
Hilfreiche Informationen enthält auch das Buch von Erwin W. Lutzer. Wenn ihr urteilt: Leben zwischen Richtgeist und Toleranz. 2. Aufl. Dillenburg. Christliche Verlagsgesellschaft, 2008 (ISBN: 978-3-89436-647-6; 240 S.). Vor allem die Kap. 1+2 beschäftigen sich mit unserem Predigtthema und Predigttext.
Zur Vorbereitung der Predigt empfehlen wir das Anhören (im Sinne von Apg 17,11b) der textbezogenen Predigten mit praktischen Anwendungen von Wolfgang Nestvogel mit dem Titel „Auch Richter werden gerichtet“ (http://www.bibeltage.de/Bergpredigt.html – Nr. 18 zu Mt 7,1-5) und „Gott hat keine Schleuderware“ (http://www.bibeltage.de/Bergpredigt.html – Nr. 19 zu Mt 7,6). Bitte hört die Predigten an, sie enthalten die Informationen, die ihr zur Vorbereitung der eigenen Predigt benötigt!
Vgl. V. 1 mit 7,15-20; 10,14f; 18,15-17; 2Tim 4,2; Gal 1,8f; 2,11; 5,12
Als Grundsatz beachten: Joh 7,24; 1Kor 4,3-5 – vgl. hierzu 1Joh 4,1; 1Thess 5,21
3. TEXT- UND PREDIGTVERANSCHAULICHUNGEN
Zum Predigteinstieg: „Am 31. Oktober 1991 übernahm Frederick Chiluba als Präsident Sambias nach den ersten demokratischen Wahlen die Macht. Er siegte überlegen über seinen Rivalen Kenneth Kaunda. Chilubas erste Amtshandlung bestand darin, dass er ein Freudenfest ausrief und mit Gott einen Bund für sein Volk schloss. Er bekannte die Unmoral, die Bestechlichkeit und Korruption in seinem Land und bat um Vergebung durch das Blut Jesu. Er betete um Heilung, Wiederherstellung, Erweckung und Segen.
Chiluba, ein ehemaliger Gewerkschaftsführer, war von Kaundas Regierung 1981 verhaftet und ins Gefängnis geworfen worden. Im Gefängnis las er das Neue Testament in drei Monaten dreimal durch und, um es mit seinen eigenen Worten zu sagen: ‚Der Herr gab mir eins über die Rübe‘! Als Jimmy Carter kam, um die Wahlen zu überwachen, sagte er zu Chiluba: ‚Ist Ihnen bewusst, dass Sie morgen vielleicht schon Präsident sind? Was Sie heute sagen, hat Auswirkungen auf morgen. Jedes Wort, das Sie sprechen, sollte mit Bedacht gesagt sein‘. Chiluba fragte: ‚Was meinen Sie damit? Ich bin doch angegriffen worden‘. Carter antwortete: ‚Das spielt keine Rolle. Nicht die Angriffe werden die Wahl gewinnen, sondern die Sachthemen. Je mehr Sie diejenigen achten, die Sie angreifen, um so mehr werden die Leute Sie für einen vernünftigen Politiker halten‘. Chiluba meinte daraufhin: ‚Welch ein Zufall. Hier ist Jimmy Carter, und hier ist die Bibel. Er muss mir von Gott gesandt sein‘. Und er fuhr fort: ‚Sie hätten sehen sollen, wie froh und glücklich die Menschen waren, als es nicht zu Gewalttätigkeiten kam. Im Grunde hatte ich gesagt: Wir wollen Dr. Kaunda einfach nur freundlich auf Wiedersehen sagen, aber ohne Angriffe, ohne Beleidigungen, nichts in dieser Richtung. Und das war herrlich. Das ist das Werk Gottes‘.
Die Botschaft der Versöhnung mit seinen Widersachern führte zu einem der friedlichsten Tage in der Geschichte des Landes. Chiluba wurde, begleitet von einer Welle der Freude über die Demokratie, über die Freiheit und den Neuanfang, an die Macht getragen. Die Lobpreisfeierlichkeiten nach den Wahlen waren einzigartig in der Geschichte des Landes, und Chilubas Einstellung, seinen Rivalen nicht zu richten, brachte dem Land Einheit“ (Gumbel, Herausfordernder Lebensstil).
„Eine Anwaltskanzlei in London hat eine ungewöhnliche Methode entwickelt, mit Kritik umzugehen. Die Mitarbeiter sind angewiesen, eine möglichst unhöfliche Antwort zu schreiben. Dann lassen sie den Brief über Nacht auf ihrem Schreibtisch liegen. Wenn sie am nächsten Morgen zur Arbeit kommen, zerreißen sie den Brief und schreiben stattdessen eine höfliche, professionelle Antwort“ (Gumbel, Herausfordernder Lebensstil).
„Der französische Philosoph Voltaire schrieb auf einen kritischen Brief folgende Antwort: Sehr geehrter Herr, ich sitze im kleinsten Raum meines Hauses. Ich habe Ihren Brief vom 15. März vor mir liegen; bald wird er hinter mir liegen. Ihr ergebener Diener“ (Gumbel, Herausfordernder Lebensstil).
„Bitte einen Freund, dir deine Fehler zu sagen, oder, besser noch, lade einen Feind ein, der dich aufmerksam beobachten und grausam attackieren wird. Welch ein Segen wird ein solch ärgerlicher Kritiker für den weisen Menschen sein, welch ein unerträgliches Ärgernis für den Dummkopf! Korrigiere dich bereitwillig und oft, oder du wirst, ohne es zu merken, Fehler machen; die Misstöne werden zunehmen, und schlampige Gewohnheiten werden sich unsinnigerweise einschleichen. Darum übe mit beständiger Sorgfalt Selbstkritik“ (Spurgeon).
4. TEXT- UND PREDIGTSCHWERPUNKT
Unsere Predigtübersicht 2010 (beim Gemeinschaftsleiter erhältlich) benennt als möglichen Schwerpunkt für die Predigt das Thema „Selbsterkenntnis“. Johannes Seitz (Begründer des Reichsbrüderbundes) hat eine Feststellung getroffen, die bis heute nichts von ihrer Aktualität eingebüßt hat „Es gibt unter den Gläubigen viel Gotteserkenntnis, aber merkwürdigerweise wenig Selbsterkenntnis“. Im Rahmen der Predigt gilt es die Hörer für dieses menschliche Grundproblem sensibel zu machen. Wer das erkannt hat, wird in seinem Urteil das richtige Maß finden.
Erwin W. Lutzer nennt folgende hilfreichen „Prinzipien biblischen Urteilens“:
* Demut, nicht Überlegenheit
* Fakten, keine Annahmen
* Worte und Handlungen, nicht Motive
* Biblische Themen, nicht Vorlieben
* Zeitlich begrenzte, nicht ewige Urteile
5. PREDIGTGLIEDERUNG
Nach John MacArthur:
a) Eine irrige Sicht über Gott (V. 1)
b) Eine irrige Sicht über andere (V. 2)
c) Eine irrige Sicht über uns selbst (V. 3-5a)
d) Die richtige Balance (V. 5b-6)