Monatsthema: Innehalten – Gottesdienst
Predigtthema: Und sie feierten mit Freuden!
Bibelstelle: Esra 6, 16-18
Verfasser: Thomas Richter
Ein Predigttipp enthält Hilfestellungen für die Verkündigung und ersetzt deshalb nicht das eigenständige Erarbeiten des Bibeltextes und Studieren von Bibelkommentaren.
1. TEXT- UND PREDIGTZUSAMMENHANG
Der Predigtanlass ist ein „Innehalten-Gottesdienst“. Der Schwerpunkt in diesem Gottesdienst liegt auf dem gemeinsamen „zur Ruhe kommen und Hören“. Innehalten heißt, dass wir nicht einfach von einem Monat in den anderen eilen, sondern immer wieder anhalten – Atemholen und uns dabei neu ausrichten bevor es weitergeht. Von daher hat in diesem Gottesdienst auch der Rückblick seinen Raum. Wir wollen bewusst weitergehen und von daher bewusst überlegen, was nehmen wir in den nächsten Monat mit (z.B. vom Lebensprogramm Jesu) und was lassen wir zurück (z.B. von unserem eigenen Lebensprogramm).
Nach einer langen Zeit der Verbannung fern der Heimat, sind nun einige Glieder des Volkes Gottes wieder im gelobten Land und nach einer Zeit des Widerstandes ist nun endlich der Tempel wieder aufgebaut worden und kann eingeweiht werden (Bauzeit: 21 Jahre). In der Vergangenheit haben sie miteinander gebaut (V. 16), sind nun in der Gegenwart (Einweihungsgottesdienst) füreinander eingestanden (V. 17) und wollen in der Zukunft nun untereinander entsprechend dem Willen und Wort Gottes dienen (V. 18). Durchzogen ist diese geistliche Gemeinschaft und Ausrichtung im Volk Gottes von der Freude. Aus diesem Grund sind in der Predigt Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft zu beleuchten und auf diesem Hintergrund können die Grundlagen und Hindernisse zur Freude aufgezeigt werden.
2. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN
So wie es drei Deportationen des Südreiches gab, erfolgt die Heimkehr in drei Rückwanderungen. Die erste Rückwanderung wurde von Serubbabel (Esra 1-6; Haggai; Sacharja) geleitet und bildet den geschichtlichen Hintergrund unseres Predigttextes. Der Wiederaufbau des Tempels war die wichtigste Aufgabe der ersten Rückkehrergruppe, die in unserem Predigttext ihren Abschluss findet. Die zweite Rückwanderung wurde von Esra (Esra 7-10) angeführt. Esra leitete dann eine Reformation und die Rückkehr in den Bund und dessen Bestimmungen ein. Von daher bildet Esra 6,16 den Abschluss der ersten Rückwanderung und Esra 6,17f bildet die Grundlage der geistlichen Erneuerung nach der zweiten Rückwanderung, die dann unter Esra auch eintritt (Esra 7ff).
Unser Predigttext steht im „aramäischen“ Teil (4,8 – 6,18; 7,12-26) des Esrabuches, ist also auf aramäisch und nicht auf hebräisch verfasst. Der aramäische Teil enthält vor allem Abschriften von offiziellen Schreiben, da aramäisch die Verkehrssprache (lingua franca) der damaligen Welt war.
Für die Auslegung und Anwendung ist wichtig, dass wir im Blick behalten, dass die Rückkehrer aus dem ehemaligen Südreich (Juda + Benjamin) stammen und das Nordreich schon lange zerstreut ist und blieb. Aus diesem Grund beinhalten die Opfer in V. 17 ein prophetisches Element, da nur das Südreich (2 Stämme) aus dem Exil heimgekehrt ist, aber der Herr nach wie vor sein ganzes Volk (12 Stämme) im Blick hat.
Entsprechend den drei Versen ergibt sich eine Dreiteilung:
A) Freude auf Grund der Vergangenheit: Miteinander aufbauen (V. 16)
Die Bauzeit des 2.Tempels wurde wie beim ersten Tempel unter Salomo mit dem Tempelweihfest abgeschlossen (vgl. 1Kön 8). Diesmal war allerdings keine Lade zu überführen (vgl. Jer 3,16) und die Opfer fallen wesentlich geringer aus (vgl. 1Kön 8,5.63). Auch wenn die wirtschaftliche Kraft Israels nun wesentlich geringer war (= Rückkehrer aus der Verbannung), so ist die Freude über das Werk des Wiederaufbaus des Tempels groß. Zu beachten ist, dass in unserem Predigttext nicht einfach von den Juden die Rede ist (so V. 7f.14), sondern von den „Söhnen Israels“ (V. 16 = Würdename für das Bundesvolk), die sich in Priester, Leviten und Laien gliedern.
Der entsprechende hebr. Ausdruck für Einweihung findet sich z.B. in 4Mose 7,10f.84.88; 2Chr 7,9; Neh 12,27.
Zum Ausdruck mit Freude vgl. 1Chr 16,17; Neh 8,10 – die Perspektive der Freude wird vor allem verständlich, wenn im Rahmen der Predigt der Hinweis auf das Handeln Gottes bei der Überwindung der vorhandenden Widerstände dargelegt und erläutert wird (Esra 3,1 – 6,15; vor allem 4,24).
* Wo sind wir miteinander am wiederaufbauen?
* Wo sind wir mit Widerstand konfrontiert, der uns nicht stoppen darf?
* Wo und wann feiern wir mit Freuden?
B) Freude auf Grund der Gegenwart: Füreinander einstehen (V. 17)
Da 12 Ziegenböcke (zum Ziegenbock als gebräuchlichstes Tier beim Sündopfer vgl. 3Mose 4,23; 9,3; 4Mose 15,24) als Sündopfer (vgl. 3Mose 4f; 16,5ff) dargebracht werden, wird deutlich, dass das nachexilische Israel (Südreich = 2 Stämme) an einem vereinigten Israel (12 Stämme) festhält. Das Gericht hat somit nicht das letzte Wort, sondern hier wird in Erwartung der Gnade Gottes und seiner Verheißungen gehandelt (vgl. Hes 37,15ff; Jer 31,27f).
Die Opfer sind Zeichen der Anbetung, des Bekenntnis (Schuld + Glaube) und der Vergebung und weisen somit auf und in die Abhängigkeit vom Herrn.
* Wie kommt diese Abhängigkeit vom Herrn bei unserem Tun bei uns zum Ausdruck?
* Wie erinnern wir uns daran, das bei allem Tun, wir auf den Segen und Willen Gottes angewiesen sind?
* Wo bitten wir für das Zerbrochene bzw. Verstoßene?
* Welche Verheißungen haben wir im Blick?
C) Freude auf Grund der Zukunft: Untereinander dienen (V. 18)
Der Wiederaufbau der Tempels und damit die intensive Vergegenwärtigung Gottes bereitet nun den geistlichen Neuanfang vor. Entsprechend dem Willen und Wort Gottes soll und kann nun wieder „Gottesdienst“ gefeiert werden.
* Erfolgt unser Dienst ganz nach dem Willen und Wort Gottes?
* Wo sollten wir uns wieder vom Herrn in den Dienst stellen lassen?
* Wie kann der Wille und das Wort Gottes unter uns so gegenwärtig sein, dass es unser Leben umfassend prägt?
3. PREDIGTGLIEDERUNG
„Und sie feierten mit Freuden“:
a) Miteinander aufbauen (V. 16)
b) Füreinander einstehen (V. 17)
c) Untereinander dienen (V. 18)
4. PREDIGTSCHWERPUNKT
Unsere Predigtübersicht 2010 (beim Gemeinschaftsleiter erhältlich) benennt als möglichen Schwerpunkt für die Predigt das Thema „Stille“. Stille bedeutet nicht, dass alles zum erliegen kommt und nichts mehr geschieht, sondern das wir im Herrn zur Ruhe und so zur Freude kommen. In Esra 6,16-18 haben wir einen Abschnitt, der alles andere als ruhig ist, aber alle Aktivität hier entfaltet sich aus einer Geborgenheit im Herrn heraus. Da der Predigttext nur 3 Verse umfasst bietet es sich an, nach jedem Vers eine Zeit der Stille einzuplanen, damit das gerade Gehörte von jedem im Herzen bewegt werden und überlegt werden kann, wo mich das Gehörte zur Freude an der Gemeinde und am Herrn führt. Diese Zeit der Stille könnte jeweils mit einem gesungenen Gebet beendet werden. Hierzu eignet sich in besonderer Weise das Lied „Bist zu uns wie ein Vater“ (Feiert Jesus 2: Nr. 191), da jeweils zwei Verse einem Gedanken der Predigt zugeordnet werden können:
* Predigteinstieg
* Predigttextlesung
* Miteinander aufbauen (Esra 6,16)
* Stille
* FJ 2: Nr 191, 1+2
* Füreinander einstehen (Esra 6,17)
* Stille
* FJ 2: Nr. 191, 3+4
* Untereinander dienen (Esra 6,18)
* Stille
* FJ 2: Nr. 191, 5+6
* Gebet
Da der Predigttext kurz ist und der Gottesdienst den Schwerpunkt auf „Innehalten“ legt, kann dieser Schwerpunkt durch den vorgeschlagenen Predigtaufbau unterstrichen werden. So fällt es auch leichter dem „Hören“ ein „Gehorchen“ folgen zu lassen, wenn die dafür nötige „Bedenk- und Gebetszeit“ bereits im Gottesdienst zur Verfügung steht. Da der Predigttext leicht verständlich ist, liegt der Schwerpunkt der Predigt nicht auf der Erklärung, sondern auf der Veranschaulichung und Anwendung der Botschaft Gottes (z.B. an Hand der vorgenannten Fragen).
Falls zu Beginn des Gottesdienstes eine einführende Schriftlesung erfolgt, könnte Ps 37,3-7 oder Phil 4,4-9 gelesen werden als Hinführung zur Predigt und als Leitgedanke für die Lieder.