Predigtthema: Jesus kennt unser Herz – und ist größer
- Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext
Markus 7,1-23 beschreibt die gleiche Thematik
>Unreinheit kommt nicht von außen – Unreinheit hat vielmehr mit dem zu tun, was aus uns heraus kommt<
Das Thema wird von den „Frommen“ der damaligen Zeit angesprochen – Anlass sind anscheinende Vergehen der Jünger Jesu.
Dann macht Jesus das zu einem Thema für „das Volk“ und im letzten Abschnitt unseres Textes wird dann das gleiche Thema noch einmal im Rahmen der Jünger Jesu aufgegriffen
1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
* Bei Sermon online von Winrich Scheffbuch >Von Reinheit und Unreinheit< eine Bibelarbeit über Markus 7,1-23 vom 03.03.1998 https://www.sermon-online.de/search.pl?lang=de&id=1272&title=&biblevers=&searchstring=&author=0&language=0&category=0&play=0&tm=2
* John Mac Arthur Studienbibel S.1333 und S.1385-1386
1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes
V.1 Pharisäer
Solche, die um das jetzt Gottes gerne noch „einen Zaun herum machen“ => Gesetzlichkeit
V.2 Überlieferung der Alten:
Eine Ansammlung außerbiblischer Gesetze, die nur mündlich überliefert waren und erst nach der Zeit der Babylonischen Gefangenschaft stammen. Später wurden diese „Gesetze“ in der Mischna aufgeschrieben.
V.2 … sie waschen ihre Hände nicht
Es ist ein „zeremonielles Reinigen“ gemeint, das so in den Gesetzen Moses gar nicht verankert ist. Jemand goss Wasser aus einem Krug über die Hände einer anderen Person, deren Finger nach oben zeigen mussten. Anschließend wurde mit Wasser über beide Hände gegossen, wobei die Finger diesmal nach unten wiesen. Danach musste jede Hand mit der Faust der jeweils anderen Hand gerieben werden. (John Mac Arthur Studienbibel S.1385 / Kommentar zu 7,3)
- Verstehen, worum es geht
2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)
V.1 Die Frommen machen sich auf von Jerusalem nach Kapernaum. Das war ihnen wichtig. Man muss ihnen ein frommes Engagement unterstellen.
V.2 Ihr „Anklagepunkt“ betrifft das Verhalten der Jünger Jesu und damit indirekt Jesus selbst, der dieses anscheinende Fehlverhalten nicht unterbindet.
Kritik: Jünger halten die rituellen Waschungen nicht ein!
V.3 Jesus geht die Kritiker sehr scharf an. Es geht um Zentrales! Sein Vorwurf: Warum stellt ihr eure Überlieferungen über das Gebot Gottes? Ihr seid die eigentlichen „Gesetzesbrecher“, denn letztlich stellt ihr euch über Gott!
V.4-6 Er argumentierte mit dem Wort Gottes und zwar mit etwas, das Gott einmal handschriftlich in Stein gemeißelt hatte – die 10 Gebote.
Dort wird von Gott gefordert Vater und Mutter zu ehren, das heißt sie auch materiell zu unterstützen, wenn das notwendig ist.
In Markus 7,11 wird diese „scheinheilige“ Satzung über den Begriff „Korban“ erklärt.
Korban – ein hebräischer Ausdruck, der „Gabe für Gott“ bedeutet. Gemeint ist jede Gabe, von Geld oder Besitz, die ein Mensch gelobt, ausdrücklich Gott zu widmen.
Wenn nun ein Sohn mit seinen Eltern im Streit lag, konnte er sein Geld und seine Habe für >>Korban<< erklären … damit konnte diese Gott geweihte Gabe auch nicht mehr zur Unterstützung der Eltern verwendet werden (John Mac Arthur Studienbibel S.1386 / Kommentar zu 7,11 und 7,13).
V.7-8 Jesus bezeichnet die Pharisäer und Schriftgelehrten als >>Heuchler<< Im Hebräischen steht hier der Begriff -ὑποκριτής- (hupokritēs). Das war auch der Begriff, der für die Schauspieler der damaligen Zeit benutzt wurde, die hinter einer Maske die Rolle eines anderen Charakters spielten.
V.10-11 Jesus bringt es nochmals für alle (… und er rief das Volk zu sich…“) auf den Punkt: Nicht was in unser Leben hineinkommt ist das Problem (Beispiel der Speise) sondern das, was wir nach außen weitergeben (verbal) bzw. weiterleben (darum auch die Liste von Vers 19 und 20).
V.12 Die Jünger erinnern Jesus nochmals daran, dass die Pharisäer sich über Jesu deutliche Worte aufregten. Man hat fast den Eindruck sie wollen Jesus dazu bewegen seine Aussage abzumildern, um keinen offenen Disput mit den Pharisäern zu haben. Da sind auch wir schnell in der Gefahr Gottes Wort zu kompromittieren, nur damit es keine Diskussionen mit andern gibt
V.13-14 Jesu letztliches Urteil über solche Menschen: Lasst sie, sie sind blinde Blindenführer! Eben Menschen, die nicht sehen (wollen) was Gott an Wahrheit in sein Wort hineingelegt hat und lieber ihren eigenen, frommen Vorstellungen entsprechend leben.
V.15-16 Auch die Jünger hatten noch nicht ganz begriffen – letztlich waren auch sie stark von diesen „Menschengeboten“ geprägt.
V.17-20 Jesus erklärt nochmals zunächst in diesem eindeutigen Bild der Verdauung, dass nicht Speise/Dinge, die von außen in uns hineinkommen uns verunreinigen, sondern dass das, was in unserem Herzen bewegt wird und dann Ausdruck findet in Wort und Tat das Entscheidende ist.
Fazit in Vers 20 lautet darum: Nicht ungewaschene Hände machen den Menschen unrein, sondern ein „ungewaschenes“ Herz.
2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)
So wie damals den Pharisäern und Schriftgelehrten kann es auch uns ganz schnell ergehen – dass wir (in unserem Eifer) dem Wort Gottes etwas dazu tun und uns damit zum Sklaven von Äußerlichkeiten machen. Entscheidend ist, dass wir „von Herzen“ glauben und daraus unsere Motivation für unser Reden und Handeln kommt und wir nicht unsere eigene Frömmigkeit über das Wort Gottes stellen.
2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)
-Wieviel Wert legen wir auch im geistlichen Umfeld auf „Äußerlichkeiten“?
-Wo ist in meinem Leben „Außen hui und Innen pfui“?
-Sind wir fromme Schauspieler oder authentische Christen?
-Wo verurteile ich Menschen, weil sie nicht nach den gleichen „frommen Ritualen“ leben, die allerdings so gar nicht im Wort Gottes verankert sind?
Zum Beispiel was den Umgang mit Alkohol, Nikotin, Tanzen, Musik, … angeht
-Wo meine ich (wie Petrus) frömmer sein zu müssen als Gott? (siehe Apg.10)
-Priorität in meinem Glauben: meine Herzenseinstellung gegenüber Gott (Röm.10,9-10)
- Sagen, wo es hingeht
Zur Predigtvorbereitung hilft das Anhören (im Sinne von Apg 17,11b) der Predigt von Winrich Scheffbuch vom 03.03.1998 mit dem Titel „Von Reinheit und Unreinheit“
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Menschen auf die Gefahr hinweisen, dass sich unser Glauben in einstudierten Äußerlichkeiten abspielt und nicht mehr eine herzliche und persönliche Beziehung zu unserem lebendigen Vater im Himmel ist.
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Menschen darauf aufmerksam machen, dass Gott das Herz ansieht!
Es geht zunächst nicht um äußere Handlungen, sondern um unsere innere Einstellung zu IHM!
3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
- Überheblich (V. 1-2+5)
- Überführt (V. 3-9)
- Überdenken (V.10-20)
3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?
Zum Einstieg: >Hochzeitstorte<
Eine superschöne und große Hochzeitstorte – das ist nicht nur in Deutschland wichtig, sondern vielleicht noch viel mehr in den USA. Bekannte haben von ihrer eigenen „Torte“ und einer schönen amerikanischen Tradition erzählt. Beim Fest gab´s für die Gäste natürlich auch ausreichend Hochzeitstorte – jedoch die oberste „Etage“ mit einem Brautpaar als Deko haben sich die Frischvermählten nach einer Tradition selbst behalten und eingefroren, um sie dann am ersten Hochzeitstag zu genießen – nett, gell!
Am ersten Hochzeitstag wurde dann die restliche Torte aufgetaut und dann feierlich auf den Kaffeetisch gestellt – aber wie groß war der Schreck, als dann beim Versuch die Torte aufzuschneiden, sehr schnell deutlich wurde, dass nur der Zuckerguss echt war, das Darunter aber aus Styropor bestand (wie sich später herausstellte war dies aus Gewichtsgründen nötig gewesen).
Unser Text hinterfragt die damals Frommen und auch uns heute, ob unser Glaube eine „echte Torte“ oder nur Styropor mit „Zuckerguss“ ist – beziehungsweise unser Sein nicht auch an manchen Stellen nur Schein ist.
Kulissen: nur ein paar Zentimeter dick – scheinen von weit weg (oder auch im Film) echt zu sein, aber letztlich haben sie nur den Schein und kein echtes Sein.
Zusammenfassung der Geschichte von Petrus und dem Hauptmann Kornelius. Stichwort: „Was Gott rein gemacht hat, das nenne du nicht verboten.“ Apg.10,15
(Jochen König)