Predigtthema: Ich bin so frei! Freiheit um jeden Preis? Nein, Freiheit zum Verzicht!
1 Erläuterungen zum Text
1.1 Bibelübersetzung
Für die exegetische Erarbeitung eines Bibeltextes empfiehlt sich die Benutzung verschiedener Bibelübersetzungen (Textvergleich). Für die Lesung des Predigttextes im Gottesdienst empfehle ich den Text der „Basisbibel“. Die Texte der Basisbibel sind im Internet verfügbar: www.basisbibel.de. Grundsätzlich sollte für das Lesen eine Übersetzung verwendet werden, die sich durch Nähe zum sog. „Urtext“ und gleichzeitig durch gute Verständlichkeit der Sprache auszeichnet.
1.2 Anmerkungen zu 1Kor 9,1-15
9,1: Unser Abschnitt setzt mit vier rhetorischen Fragen ein. Sie knüpfen unmittelbar an das zuvor Geschriebene an (8,13): Paulus würde lieber ganz auf den Genuss von Fleisch verzichten, als seinen Bruder in Christus zu etwas zu verleiten, was dieser für falsch hält. Daraus ergibt sich der Sinn der nachfolgenden Frage (9,1): Ja, Paulus ist so frei, auf das Ausleben seiner Freiheit zu verzichten. Die folgenden drei weiterführenden Fragen lassen den Grund seiner Freiheit erkennen: Christus.
Rhetorische Fragen dienen nicht dem Informationsgewinn. Als sprachliches Mittel haben sie eher den Charakter von Behauptungen. Rhetorische Fragen lassen also keine informative Antwort erwarten. Stattdessen dienen solche Fragen dazu, die Wirkung einer Aussage zu verstärken.
9,2: Das Votum von Paulus lässt erkennen: Seine Berufung zum Apostel ist umstritten. In diesem Zusammenhang ist der kulturelle Hintergrund zu bedenken: Für die Griechen entsprach körperliche Arbeit nicht der Würde eines freien Bürgers. Ein Handwerker war nach damaliger Überzeugung kaum zum Militärdienst geeignet, besaß im politischen Leben keine Urteilskraft und konnte noch viel weniger zur Weisheit gelangen. Insofern fand Paulus wenig Verständnis, da er seine Missionstätigkeit mit Handarbeit verbunden hat, um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Das wird als Argument dazu beigetragen haben, den Aposteldienst von Paulus in Frage zu stellen.
Wer aber hat das Apostelamt von Paulus bestritten? Es sieht ganz danach aus, dass diese Personen Paulus bekannt waren und außerhalb von Korinth zu suchen sind. Trotzdem sah er sich auch in der Gemeinde von Korinth genötigt, die Legitimität seines Apostelamts mit Nachdruck zu unterstreichen. Die Existenz dieser Gemeinde ist eine sichtbare Bestätigung – wie ein prägendes Siegel – für die Echtheit des Aposteldienstes von Paulus. Denn sie verdankt ihre Existenz ausschließlich dem Herrn, in dessen Namen Paulus wirksam ist.
9,3-6: Paulus verteidigt sich vehement gegen die Bestreitung seines Apostelamtes. Denn von der Legitimität seines Dienstes hängt die Glaubwürdigkeit seiner Botschaft als persönliches Zeugnis von Jesus Christus ab. Mit einer Kette von weiteren rhetorischen Fragen argumentiert Paulus und setzt voraus: seinen Lesern sind die Antworten klar. Paulus hat das Recht und die Freiheit auf Versorgung durch die Gemeinde. Sogar seine Ehefrau hätte mitversorgt werden müssen, wäre Paulus verheiratet gewesen. Dafür gibt es konkrete Beispiele, nämlich die übrigen Apostel, die Brüder von Jesus und Petrus. Sie alle sind mit ihren Ehefrauen von den jeweiligen Gemeinden versorgt worden. Warum also sollen Paulus und sein Mitarbeiter Barnabas keinen Anspruch darauf haben?
9,7: Grundsätzlich sind Fragen der Versorgung in allen Berufssparten geregelt. Das wird anhand weiterer rhetorischer Fragen unterstrichen. Die Argumentation läuft darauf hinaus: Niemand tut etwas, ohne davon profitieren zu können. Was in der Welt beruflicher Tätigkeit üblich ist, hat auch Relevanz für die Gemeinde und ihre Verkündiger (Apostel).
9,8-12a: Paulus stützt seine Argumentation nicht nur auf Erfahrungen beruflicher Tätigkeit, sondern überbietet sie durch einen Hinweis auf die Schrift. Die Torastelle 5Mo 25,4 ist ein Beleg dafür, dass im Gottesrecht auch der Tierschutz berücksichtigt ist. Der Ochse, der den Dreschschlitten über den Getreidehaufen zieht (2Sam 24,22) oder mit seinen Hufen die Körner austritt (Mi 4,12f), soll davon profitieren können. Ihm soll also nicht das Maul zugebunden werden, so dass er nicht fressen kann. Die Beachtung dieser Bestimmung gehörte zu den Verhaltensweisen, durch die sich ein Jude von einem Heiden unterschied.
Mit weiteren rhetorischen Fragen verweist nun Paulus auf einen tieferen Sinn dieser Bestimmung. Er teilt mit dem Judentum die verbreitete Auffassung: Gott hat sein Gesetz mit Blick auf den Menschen gegeben. Gottes Interesse gilt also nicht vordergründig den Ochsen, sondern der Verkündigung seines Heils. Folglich können Verkündiger auf Versorgung durch die Gemeinde hoffen, so wie ein pflügender und dreschender Landwirt nach der Ernte des Getreides auf Teilhabe am Ertrag hoffen kann (vgl. 3,5ff).
In der Tat haben andere Verkündiger dieses Recht auf Versorgung in Anspruch genommen. Das ist völlig in Ordnung. Gemeint sind Personen, die in der Zeit nach Paulus in Korinth gewirkt haben, z.B. Apollos. Dann aber haben Paulus und seine Mitarbeiter als Gemeindegründer erst recht einen Anspruch darauf.
9,12b: Nach diesem sehr deutlichen Statement überrascht die Entscheidung, die Paulus und seine Mitarbeiter („wir“) getroffen haben: Sie verzichten auf ihr Recht, von der Gemeinde versorgt zu werden. Dieser Verzicht geschieht aus gutem Grund, nämlich um des Evangeliums willen. Die Verkündigung des Evangeliums soll vor dem Verdacht geschützt werden, lediglich dem Brot- oder Gelderwerb zu dienen. Nicht nur der Verzicht auf Versorgung, sondern „alles“ (vgl. 4,11-13) ist dem Evangelium zugeordnet.
9,13f: Die Argumentation von Paulus läuft nun auf ein Wort des Herrn hinaus. Es wird vorbereitet durch einen allgemein bekannten Hinweis auf die Tätigkeit von Priestern („Wisst ihr nicht…?“). Nicht nur unter den Juden (4Mo 18,8-32; 5Mo 18,1-8) war festgelegt, dass die für den Opferkult zuständigen Bediensteten einen Anteil der dargebrachten (Opfer-)Gaben zur eigenen Versorgung erhalten sollen. In gleicher Weise sollen auch Verkündiger des Evangeliums von den Gaben leben können, die ihnen im Zusammenhang ihres Dienstes zugewendet werden. So hat es Christus angeordnet (Lk 10,7), als er seine zwölf Jünger ausgesendet hat.
9,15: Trotzdem unterstreicht Paulus erneut mit Nachdruck seinen Verzicht auf Versorgung, obwohl sie ihm zugestanden hätte. Auch in Zukunft will er nicht von der Gemeinde versorgt werden. Im Gegenteil: Paulus wird weiterhin an seiner Praxis festhalten, neben seinem Aposteldienst seinen Lebensunterhalt durch handwerkliche Tätigkeit zu verdienen (vgl. Apg 18,2f). Diese Entscheidung ist ihm so wichtig, dass er mitten im nachfolgenden Satz erregt abbricht: „Lieber möchte ich sterben…“ Den Lesern bleibt überlassen, diesen Satz im Sinne von Paulus zu Ende zu führen: „… als von jetzt an anders zu verfahren.“ Zudem will Paulus auf keinen Fall, dass sein Ruhm geschmälert wird. Was heißt das? Übt er Verzicht, um Beachtung zu finden und gefeiert zu werden? Nein, Paulus meint es anders: Sein Ruhm ist Christus. Folglich darf sein Werk im Herrn keinen Schaden nehmen. Ein Schaden ist aber zu befürchten, wenn sein Engagement fürs Evangelium entlohnt werden würde. Das könnte zu Missverständnissen führen (s. oben 9,12b). Um dem zu entgehen, übt Paulus Verzicht aus Freiheit.
2 Hinweise zu Lehre und Leben
2.1 Paulus und seine Berufung
Aufgrund kritischer Stimmen sieht sich Paulus zu einer Stellungnahme herausgefordert: Ist er ein Apostel oder nicht? Bereits zu seinen Lebzeiten hat es Personen gegeben, die dies vehement bestritten haben. In unseren Tagen beziehen manche Bewegungen den Apostel-Titel auf Personen in ihren eigenen Reihen (z.B. Neuapostolische Kirche).
Wer also ist ein Apostel? Paulus betont (9,1): Er hat Jesus, den Herrn, gesehen. Zugleich hat er als Verkündiger und Gemeindegründer in Korinth gewirkt. Bleibt die Frage: Ist jeder Missionar ein Apostel? Bei der Nachwahl von Matthias zum zwölften Apostel wurde Wert darauf gelegt (Apg 1,21): Ein Apostel muss ein Augenzeuge von Jesus gewesen sein, der ihn während seiner irdischen Wirkungszeit begleitet hat. Ist dann Paulus doch kein Apostel?
Im Galaterbrief äußert sich Paulus zu seiner Berufung als Apostel (1,15f). Er verbindet seine Berufung mit dem Ereignis von Damaskus, stellt dies aber äußerst zurückhaltend dar. Er berichtet nur grundsätzlich von der „Offenbarung“ (Gal 1,12.15f), von der „Erscheinung“ (1Kor 15,8), von dem „Sehen“ des Herrn (1Kor 9,1) und der „Erkenntnis Christi“ (Phil 3,8). Die Umstände der Christusbegegnung werden nicht näher beschrieben. Lediglich das Faktum und das Ziel seiner Berufung zum Apostel werden von Paulus benannt. Eine Selbstdarstellung liegt Paulus fern, aber ihm liegt daran, die Gemeinden zu überzeugen.
Paulus lässt auch keinen Zweifel daran, dass seine Berufung allein auf Gott als Subjekt seiner Berufung zurückzuführen ist. Gott hat sich souverän entschieden, nicht Paulus. Aufgrund von Gnade, nicht aufgrund von besonderen menschlichen Voraussetzungen, ist Paulus berufen. Die Offenbarung des Sohnes geht allein auf Gottes Initiative zurück. Ebenso das Anvertrauen des Evangeliums und der Auftrag zur Heidenmission. Die Hinwendung von Paulus zu Christus ist von Gott selbst veranlasst, bewirkt und geschenkt. Das bedeutet zugleich: Das Evangelium stammt nicht von Menschen, sondern Paulus hat es unmittelbar von Christus empfangen. Darum hat das Evangelium höchste Relevanz für die Menschen in Korinth wie für die Menschen in unserer heutigen Gesellschaft.
2.2 Paulus und sein Anspruch
Wer das Evangelium verkündigt, soll auch davon leben können. Diesen Anspruch formuliert Paulus nicht nur für sich selbst als Apostel, sondern auch für die anderen Mitarbeiter im Dienst der Verkündigung (1,4: „wir“). Dabei geht es um eine Grundversorgung (9,4: „Essen und Trinken“) und nicht um ein luxuriöses Leben.
Diese irdische Seite des Gemeindelebens wird nicht verschwiegen oder dem Selbstlauf überlassen, sondern nüchtern und realistisch geregelt. Mitarbeit in der Gemeinde darf vergütet werden. Offensichtlich war es in den Anfängen der Gemeinde nötig, gute Ordnungen zu begründen und zu etablieren, die heute eher selbstverständlich erscheinen.
In unseren Tagen ist die Frage der Versorgung von Mitarbeitern in der Gemeinde in der Regel gelöst. Von daher rücken andere Themen mehr in den Fokus der Gemeinden, z.B. das Verhältnis von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern. Die Kritik, der Paulus ausgeliefert war, unterstreicht: Alle Bemühungen von Gemeindearbeit werden nur Früchte tragen, wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Vertrauen zueinander haben. Das Miteinander von Haupt – und Ehrenamtlichen ist zunächst ein geistlicher Prozess. Dabei kommt es auf eine geschwisterliche Zusammenarbeit und ein loyales Miteinander als Partner in einem Dienst an. Die Bereitschaft, Verantwortung zu teilen und den jeweils anderen Mitarbeitern Kompetenz zuzutrauen, ist die Grundlage für eine effiziente Arbeit. Unverzichtbar sind zugleich durchschaubare Strukturen und klare Regelungen der Zuständigkeiten einschließlich der Leitungsverantwortung. Das stetige Bemühen um ein gutes Zusammenspiel von Ehren- und Hauptamtlichen wird den Kernaufgaben der Gemeinde dienen. Das wird ohne Kompromissbereitschaft und damit ohne Verzicht nicht möglich sein. Das ist der Anspruch von Paulus: alles soll dazu dienen, dass das Evangelium die Menschen in ihrer Lebenswelt erreicht.
2.3 Paulus und sein Verzicht
Was ist los? Auf der einen Seite betont Paulus vehement, was ihm und den Mitarbeitern angesichts ihres Einsatzes für das Evangelium zusteht. Auf der anderen Seite betont er noch vehementer, selber auf die ihm zustehenden Rechte stets verzichtet zu haben. Das wirkt auf den ersten Blick so, als habe Paulus allergrößtes Interesse, in seinem Verzicht sich selbst darzustellen. Denn das gibt es: Menschen, die sich mit unentgeltlicher, ehrenamtlicher Arbeit nur hervorheben und bewundert werden wollen.
Ein anderes Bild ergibt sich, wenn der Druck in den Blick genommen wird, dem Paulus ausgesetzt war. Es gab ausreichend Gegner, die ihn und seinen Dienst als Apostel massiv in Frage gestellt haben. Vor diesem Hintergrund erscheint es verständlich, dass Paulus solche Kritik nicht widerspruchslos hinnimmt, sondern sich selbst „ins rechte Licht rücken“ möchte. Dabei geht es nicht vordergründig um seine Person, sondern um die Wahrheit des Evangeliums, die von ihm vertreten wird als apostolischer Zeuge von Jesus Christus.
Noch ein anderes ergibt sich aus der Argumentation von Paulus im Zusammenhang des vorangehenden Kapitels. Der Verzicht auf ausgelebte Freiheit um der Glaubensgeschwister willen (8,13) legt es nahe, selbst mit gutem Beispiel voranzugehen. In der Tat wird im Dienstverständnis von Paulus sichtbar: Freiheit ist nicht Freiheit, die um jeden Preis ausgelebt wird, sondern Freiheit zum Verzicht.
Der Gedanke des Verzichts findet in unserer Gesellschaft zunehmend Resonanz. „Wie zahlreich sind doch die Dinge, derer ich nicht bedarf“, wusste schon der Philosoph Sokrates vor mehr als 2000 Jahren. Zu dieser Einsicht kam er beim Bummeln über den Athener Marktplatz. Auch in unserer heutigen Gesellschaft verabschieden sich zunehmend Menschen vom Konsum. Sie sortieren Überflüssiges aus, teilen sich ein Auto oder verabschieden sich von Gelüsten und schlechten Gewohnheiten, nach dem Motto: „Weniger ist mehr.“ Überfluss schafft offensichtlich Überdruss. Verzicht aber führt zur Freiheit.
Der von Paulus gelebte Verzicht führt nicht zur Freiheit, sondern kommt aus der in Christus gewonnen Freiheit. Sie ist kein Ausdruck einer Flucht vor Überfluss und Überdruss. Die Versorgung durch die Gemeinde würde ihm ohnehin keinen üppigen Lebensstil erlauben. Paulus verzichtet aus anderen Gründen. Paulus verzichtet nicht, um Freiheit zu gewinnen, sondern weil er in Christus Freiheit gewonnen hat, ist er frei, zu verzichten. Sein Verzicht geschieht aus Verantwortung gegenüber dem Evangelium. Er will unbedingt den Eindruck vermeiden, das Evangelium könnte von ihm nur um persönlicher Vorteile willen verkündigt werden. Um solche Missverständnisse gar nicht erst aufkommen zu lassen, übt er Verzicht auf die Versorgung durch die Gemeinde. Nicht um irgendwelcher Vorteile willen, sondern aus Berufung und um der Menschen willen verkündigt Paulus das Evangelium. Das soll erkennbar bleiben. Der oft formulierte Vorwurf, der christliche Glaube würde Menschen unfrei machen, ist also völlig haltlos. Im Gegenteil: Der Glaube an Christus entbindet von dem Zwang, Freiheit um jeden Preis ausleben zu müssen. Stattdessen beinhaltet er die Freiheit zum Verzicht um einer höheren Sache willen – konkret um des Evangeliums von Christus willen.
Der Verzicht von Paulus auf Versorgung durch die Gemeinde in der Pionierphase der Weltmission kann nicht zum Allgemeinprinzip erhoben werden. Er kann aber zum Anlass genommen werden, die eigene Haltung als Mitarbeiter der Gemeinde zu prüfen: Welche Bedeutung haben Ansprüche und Rechte für Mitarbeiter der Gemeinde und wie weit reicht die Freiheit zum Verzicht tatsächlich? In diesem Zusammenhang kann durchaus überlegt werden, inwieweit das Engagement für das Evangelium auch in unseren Tagen von der Freiheit zum Verzicht lebt.
3 Bausteine für die Predigt
3.1 Predigtziel
Die Predigt soll dazu ermuntern, Freiheit nicht um jeden Preis auszuleben, sondern in der von Christus geschenkten Freiheit der eigenen Berufung zu folgen und dabei nicht nur zustehende Rechte in Anspruch zu nehmen, sondern auch um des Evangeliums willen Verzicht zu üben.
3.2 Predigtthema und Gliederungsvorschlag
Die Zusammenarbeit von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern im Rahmen heutiger Gemeindearbeit ist geregelt – abgesehen von möglichen Spannungen und Konflikten, die entstehen können. Auch Fragen der Versorgung dürften kein Problem sein. Von daher empfiehlt es sich, nicht das Thema der Versorgung von Mitarbeitern, sondern eher das Thema „Freiheit“ in der Predigt zu thematisieren. Nun wird in den Texten 1Kor 8-10 (Predigttexte der aufeinanderfolgenden Sonntage) immer wieder das Thema „Freiheit“ berührt. Um Doppelungen zu vermeiden, empfiehlt es sich, Freiheit vor allem im Zusammenhang des Dienstes für das Evangelium hervorzuheben, die auch Verzicht beinhalten kann und sich gerade darin als Freiheit erweist.
Ich bin so frei! Freiheit um jeden Preis? Nein, Freiheit zum Verzicht!
- Ich bin so frei, der eigenen Berufung zu folgen
Eine Berufung in den Dienst der Gemeinde kann innerhalb und außerhalb der Gemeinde auf Unverständnis und Widerstand stoßen. Auch Paulus musste sich mit scharfer Kritik an seinem Aposteldienst auseinandersetzen. Mit erheblichem Aufwand (16 rhetorische Fragen) sucht er das Gespräch mit den Christen in Korinth, ums sie für die Wahrheit des Evangeliums zu gewinnen. Die Freiheit in Christus erlaubt es nicht, vermeintliche Berufungsgewissheit im Alleingang und um jeden Preis gegen die Gemeinde auszuleben. Aber sie ermöglicht es, trotz Unverständnis an der Gewissheit interner und externer Berufung festzuhalten und diese zu gestalten.
- Ich bin so frei, um des Evangeliums willen Verzicht zu üben
Jede Gemeinde hat eine Fürsorgepflicht für ihre Mitarbeiter – sowohl für ehrenamtliche als auch für hauptamtliche Mitarbeiter. Dabei geht es nicht nur um den finanziellen Aspekt einer angemessenen Versorgung, sondern auch um die Anerkennung und Wertschätzung des Einsatzes von Mitarbeitern. Die Freiheit in Christus erlaubt es aber nicht, in der Gemeinde nur aus eigennützigen Gründen persönlicher Vorteile mitzuarbeiten. Stattdessen ermöglicht sie das Ja zur Mitarbeit auch dann, wenn sie mit vermeintlichen Nachteilen oder ausbleibender Wertschätzung verbunden ist. Mitarbeit kann in Situationen führen, in denen es nötig ist, um des Evangeliums willen Verzicht zu üben. Weil Christus zur Freiheit befreit hat, eröffnet er die Chance, Verzicht aus Freiheit zu leben. Damit kann Gemeinde in der Gesellschaft zum Modell gelebter Freiheit werden.
Christoph Müller