Lukas

Predigthilfe vom 8. Juli 2012 – Lukas 18, 15-17

Monatsthema: Kraft zur Hoffnung

Predigtthema: Hoffnung für Machtlose

Bibelstelle: Lukas 18,15-17

Verfasser: Thomas Richter

Eine Predigthilfe enthält Hinweise für die Verkündigung und ersetzt deshalb nicht das eigenständige Erarbeiten des Bibeltextes und das Weitergeben der vom Herrn aus dem Predigttext persönlich gehörten Beauftragung zur Botschaft. Unsere Predigt folgt dabei dem Grundsatz Jesu: „Aus der Fülle des Herzens redet der Mund“ (Mt 12,34b). Nur wo der Herr selbst uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)! „So sind wir nun Gesandte an Christi Statt“ (2Kor 5,20a). So suchen wir in der Predigtvorbereitung nach dem, was der Herr uns durch das Wort des Predigttextes sagen will. Es geht um seine Botschaft und wir sind seine Botschafter. Deshalb hören wir zwar auch auf andere Botschafter, z.B. durch die Hinweise der Predigthilfe, verkündigen aber die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufgetragen wird! „Redet jemand im Auftrag Gottes, dann soll er sich bewusst sein, dass es Gottes Worte sind, die er weitergibt“ (1Petr 4,11a – NGÜ).

1. TEXT- UND PREDIGTHILFSMITTEL

Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).

Hilfen zur Auslegung und Anwendung des Predigttextes (Lk 18,15-17) bieten z.B.

* Gerhard Maier. Lukas-Evangelium 2.Teil. Edition C Bibelkommentar Bd. 5. Hänssler (S. 391-394)

* Fritz Rienecker. Das Evangelium des Lukas. Wuppertaler Studienbibel NT. R. Brockhaus (S. 427f)

* Norman Crawford. Was die Bibel lehrt Bd. 3: Lukas. CV Kommentarreihe NT. Christliche Verlagsgesellschaft (S. 375f)

* John Charles Ryle. Lukas – Vers für Vers. Bd. 3: Kap 16-24. 3L-Verlag (S. 95-99)

* Theodor Zahn. Kommentar zum Neuen Testament. Bd. 3: Das Evangelium nach Lukas (http://bitflow.dyndns.org/german/TheodorZahn/Kommentar_Zum_Neuen_Testament_Band_03_Buecher_42_1913.pdf – S. 613-615)

Beachtenswerte Textanmerkungen und Parallelstellen zum Predigttext bietet die MacArthur Studienbibel (http://bitflow.dyndns.org/german/JohnMacArthurStudienbibel/42-Das_Evangelium_Nach_Lukas.pdf; S. 1462).

Zur Beschäftigung mit dem Predigttext hilft das Anhören (im Sinne von Apg 17,11b) der Predigt von Jürg Birnstiel vom 13.04.1994 mit dem Titel „Wie Kinder ins Reich Gottes“ (Lk 18,15-17). Diese Predigt findet ihr unter www.sermon-online.de, wenn ihr unter „erweiterte Suche“ die Felder „Bibelstelle“ [z.B. Lukas 18] und „Autor“ [z.B. Birnstiel, Jürg] ausfüllt.

Für die Textlesung bietet die „Neue Genfer Übersetzung“ eine gut verständliche, lesbare und zuverlässige Übersetzung unseres Predigttextes (http://www.ngue.info/online/lesen).

2. TEXT- UND PREDIGTZUSAMMENHANG

In Anlehnung an die Jahreslosung fragen wir uns in diesem Jahr, wie die „Kraft“ Jesu in uns so mächtig sein kann, wie er es will und schenkt. Gegenwärtig beschäftigen wir uns an Hand von Lk 17 + 18 mit dem Themenfeld „Hoffnung“ (Monatsthema: Kraft durch Hoffnung) und fragen uns, wie wir durch die Kraft Jesu so leben können, dass deutlich wird welche Hoffnung uns erfüllt. In der chronologischen Folge von Lk 17+18 zeigen wir so im Juni und Juli, dass es Hoffnung gibt für Ratlose – Ausweglose – Erwartungslose – Rechtlose – Ahnungslose – Machtlose (= Predigtthema) – Orientierungslose – Verständnislose – Hilflose. Auf der Grundlage unseres Predigttextes (Lk 18,15-17) entfalten wir im Rahmen dieser Predigt, wie es zu einem rettenden Glauben kommt und was eine Glaubensbeziehung ist. Bitte beachtet hierzu auch die Parallelstellen bei Mt 19,13-15 und Mk 10,13-16.

Zum Nachdenken:

„Es muss in der Welt eine Feindschaft gegen das Kind geben. Eine sehr hintergründige, eine sehr mächtige Feindschaft“ (Paul Schütz – vgl. Jes 9,5).

„Die Entkindung ist die Entmenschung des Menschen: Sie ist sein Tod. Er kann nicht mehr leben“ (Paul Schütz).

Worin besteht der Unterschied zwischen einem „kindlichen“ und einem „kindischen“ Wesen? Was ist im Glauben angemessen?

3. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN

Pastor Jens Plinke gibt zu unserem Predigttext folgende Anmerkungen (in Auszügen vom Mai 2005 aus http://www.a-m-d.de/hauskreise/impulse/archiv/2004-2005/):

* Der Text im Überblick

Die theologisch und glaubensmäßig so zentrale Erzählung von der Kindersegnung kann in ihrer Bedeutung für uns heute nicht in einer einzigen Kern-Aussage ausgedrückt werden – sie entfaltet sich in der Nähe Jesu in drei Facetten:

a) Lasst die Kinder zu mir kommen! In dieser energischen Einladung erweist sich diese Geschichte in der Bibel als eine unter vielen Zuwendungen Jesu zu denen, die gesellschaftlich nicht viel gelten, am Rande stehen wie damals die Frauen, die Zöllner, die Sünder – und eben die Kinder. In der Nähe Jesu erleben diese ihre Stellung so ganz anders als sonst in der Gesellschaft,

– wo sie nicht ‚für voll’ genommen werden,

– wo sie noch nicht erwachsen genug sind, um in der Erwachsenenwelt volle Wertschätzung zu erfahren.

Jesu volle Wertschätzung im Namen seines Vaters im Himmel strömt ihnen in diesen energischen Worten entgegen:

b) Wehret ihnen nicht! Das Verhalten Jesu zeigt hier seine gesellschaftskritische Seite. Gegen den Widerstand seiner Jünger – und d.h. seiner ‚Glaubensgenossen’ – ruft er die Kinder zu sich. Alle Art von Kinderfeindlichkeit in Gesellschaft und Kirche scheint ihn – und damit Gott selber – ins tiefste Herz zu treffen.

c) Wer nicht das Reich Gottes annimmt wie ein Kind, der wird keinen Zugang zu ihm finden! Hier zeigt sich, wer wirklich geschickt ist für das Reich der Möglichkeiten Gottes: nicht die, die eine Erwachsenenwelt als ‚geschickt’ empfindet – nämlich die, die etwas vorzuweisen haben an Tüchtigkeit, Erfolg usw. – sondern die, die erwartungsvoll mit leeren Händen vor Gott stehen, um sich von Gott in aller Selbstverständlichkeit beschenken zu lassen (vgl. die erste Seligpreisung in Mt 5).

* Der Text unter der Lupe

Vers 15 – genauer übersetzt: ‚Sie brachten  s o g a r  Kind l e i n…..‘ (bei Markus lesen wir: „Kinder“!). Damit will Lukas wohl den Gegensatz stärker herausheben zwischen den (scheinbar verstehenden) Erwachsenen und den (scheinbar so unverständigen) Neugeborenen – griech: ‚brephoi’. Diese sind dem Augenschein nach in ihren Lebensregungen noch den neugeborenen Tieren sehr ähnlich: ‚Sie schreien, trinken, schlagen, machen ‚unter sich’ und sonst – was sind sie schon‘? In Palästina erhalten Kinder häufig das Segensgebet von ihren Eltern. Darin wird dargestellt, dass der Gesegnete sich unter einer ‚höheren’ Bewahrung befindet und im Segen spüren darf, dass er für deren Einhaltung selber nicht einstehen kann – und es auch nicht muss.

Vers 17:  Hier wechselt Lukas den Begriff für ‚Kind‘:  ‚paidion’ meint allgemeiner das Kind bis etwa zum Alter von sieben Jahren, das noch besonders unter der Fürsorge der Mutter steht. Später werden dann üblicherweise die Buben erziehungsmäßig mehr in väterliche Hände gegeben.

Ein Vergleich mit der Parallelstelle in Mk 10 lässt uns fragen, warum Lukas die Schilderung der ‚non-verbalen’ Zuwendung Jesu zu den Kindern nicht erwähnt – wie er sie ‚liebevoll anrührte‘, ‚in den Arm nahm‘, ‚segnete‘. Manche Ausleger vermuten, diese Schilderung fehle, weil Lukas dem Jesus-Wort in Vers 17 vom Gottesreich als Höhepunkt  nichts mehr folgen lassen wollte – gewissermaßen aus den ‚Niederungen’ zwischenmenschlicher Beziehungen. Noch radikaler als in den Markus- und Matthäus-Parallelen erfahren wir also bei Lukas keine Einzelheiten und nähere Umstände. Dass man Kinder zu einem berühmten Rabbi brachte, damit er sie segnete, das wird in außerbiblischen Quellen überliefert. Das soll vor allem am Tag vor dem großen Versöhnungsfest gewesen sein. Dabei wurden dann die Kinder ermahnt, gehorsam zu sein und die Tora zu lernen und zu befolgen.

Dass der Weg ins Gottesreich über die Person Jesu geht, das veranschaulicht Jesus, indem er dem Wort die Tat beifügt. Er tut damit mehr als ein Rabbi getan hätte :

– er schloss sie in die Arme’,

– er nimmt sie an sein Herz wie der Vater den verlorenen Sohn,

– er nimmt die Kinder an – und damit sind sie von Gott angenommen, ohne Vorleistung.

Das leibhaftige Nahekommen und Berühren der Kinder durch den segnenden Jesus – auch wenn das bei Lukas nicht ausdrücklich erwähnt wird – unterstreicht die Fülle seiner Zuwendung und lässt spüren, dass der erbetene Segen den ganzen Menschen meint und heilsam durchfluten will: den Leib, die Seele und den Geist

Den Vers 17 kann man übrigens auf zweierlei Weise übersetzen:

– Derjenige, der das Reich Gottes nicht empfängt so, wie man ein Kind empfängt!

– Derjenige, der das Reich Gottes nicht so annimmt, wie ein Kind etwas annimmt!

Erkennen Sie den Unterschied? Zwei Facetten eines Satzes! Zwei Wegweiser – in ein und denselben Satz ‚eingepackt’ – um uns zwei Bedeutungen vom Glauben nahe zu bringen! Die 1. Bedeutung stellt am Glauben heraus, wie lebens- und zukunftsvoll das ist, was uns von Gott her aus dem Reich seiner Möglichkeiten mitten hinein in unser eigenes Leben gereicht wird – eben wie ein Kind, das uns geschenkt wird.Die 2. Bedeutung stellt am Glauben heraus, wie wohl und angemessen wir uns Gott gegenüber mit unseren leeren Händen empfinden können. Wir brauchen uns vor Gott nicht zu schämen – wie es ein Kind ja auch nicht tut, wenn es ganz selbstverständlich etwas von uns Erwachsenen will. Welcher Bedeutungsspur wir auch folgen – auf beiden Wegen macht Jesus uns deutlich: Das Reich der Möglichkeiten Gottes kann nur in einer Grundhaltung empfangen werden, die ein Kind auszeichnet. ‚Wie ein Kind’ meint:

– bereit zu vertrauen – den Möglichkeiten Gottes mehr zu vertrauen als den eigenen Fähigkeiten und Mittel

– bereit, sich etwas schenken zu lassen – ohne in den Bedenken hängen zu bleiben, ob man dieses Geschenkes auch ‚würdig‘ sei. Kinder demonstrieren uns, wie man sich über Geschenke freuen kann.

– den Vater im Himmel einfach ‚Vater’ sein lassen, der nicht erst nach unseren (frommen) Leistungen fragt, um uns dann bei Wohlwollen gnädig zu sein“ (in Auszügen aus Bibel aktuell Nr. 101 vom Mai 2005 aus http://www.a-m-d.de/hauskreise/impulse/archiv/2004-2005/).

4. PREDIGTGLIEDERUNGEN

Es gibt Hoffnung für Machtlose, wenn wir:

a) von Jüngern lernen

b) von Kindern lernen

c) von Jesus lernen

 

oder

a) Störung darf sein

b) Umdenken muss sein

c) Freude wird sein