Monatsthema: Kraft zur Hoffnung
Predigtthema: Hoffnung für Ahnungslose
Bibelstelle: Lukas 18,9-14
Verfasser: Thomas Richter
Eine Predigthilfe enthält Hinweise für die Verkündigung und ersetzt deshalb nicht das eigenständige Erarbeiten des Bibeltextes und das Weitergeben der vom Herrn aus dem Predigttext persönlich gehörten Beauftragung zur Botschaft. Unsere Predigt folgt dabei dem Grundsatz Jesu: „Aus der Fülle des Herzens redet der Mund“ (Mt 12,34b). Nur wo der Herr selbst uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)! „So sind wir nun Gesandte an Christi Statt“ (2Kor 5,20a). So suchen wir in der Predigtvorbereitung nach dem, was der Herr uns durch das Wort des Predigttextes sagen will. Es geht um seine Botschaft und wir sind seine Botschafter. Deshalb hören wir zwar auch auf andere Botschafter, z.B. durch die Hinweise der Predigthilfe, verkündigen aber die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufgetragen wird! „Redet jemand im Auftrag Gottes, dann soll er sich bewusst sein, dass es Gottes Worte sind, die er weitergibt“ (1Petr 4,11a – NGÜ).
1. TEXT- UND PREDIGTHILFSMITTEL
Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
Hilfen zur Auslegung und Anwendung des Predigttextes (Lk 18,9-14) bieten z.B.
* Gerhard Maier. Lukas-Evangelium 2.Teil. Edition C Bibelkommentar Bd. 5. Hänssler (S. 382-390)
* Fritz Rienecker. Das Evangelium des Lukas. Wuppertaler Studienbibel NT. R. Brockhaus (S. 422-426)
* Norman Crawford. Was die Bibel lehrt Bd. 3: Lukas. CV Kommentarreihe NT. Christliche Verlagsgesellschaft (S. 372-375)
* John Charles Ryle. Lukas – Vers für Vers. Bd. 3: Kap 16-24. 3L-Verlag (S. 87-93)
* Theodor Zahn. Kommentar zum Neuen Testament. Bd. 3: Das Evangelium nach Lukas (http://bitflow.dyndns.org/german/TheodorZahn/Kommentar_Zum_Neuen_Testament_Band_03_Buecher_42_1913.pdf – S. 611-613)
Beachtenswerte Textanmerkungen und Parallelstellen zum Predigttext bietet die MacArthur Studienbibel (http://bitflow.dyndns.org/german/JohnMacArthurStudienbibel/42-Das_Evangelium_Nach_Lukas.pdf; S. 1461f). Anregungen und Hilfen zur Vorbereitung bietet auch die Predigten zu Lk 18,9-14 von Carsten Linke unter http://www.berg-giessen.de/download/predigten/text/2006-10-15_CL_Lk_18_9-14 und von Martin Luther unter http://bitflow.dyndns.org/german/MartinLuther/Lukas_18_9_14.html.
Zur Beschäftigung mit dem Predigttext hilft das Anhören (im Sinne von Apg 17,11b) der Predigt von Winrich Scheffbuch vom 10.08.1991 mit dem Titel „Ein ärgerliches Tribunal“ (Lk 18,9-14). Diese Predigt findet ihr unter www.sermon-online.de, wenn ihr unter „erweiterte Suche“ die Felder „Bibelstelle“ [z.B. Lukas 18] und „Autor“ [z.B. Scheffbuch, Winrich] ausfüllt.
Für die Textlesung bietet die „Neue Genfer Übersetzung“ eine gut verständliche, lesbare und zuverlässige Übersetzung unseres Predigttextes (http://www.ngue.info/online/lesen).
2. TEXT- UND PREDIGTZUSAMMENHANG
In Anlehnung an die Jahreslosung fragen wir uns in diesem Jahr, wie die „Kraft“ Jesu in uns so mächtig sein kann, wie er es will und schenkt. Gegenwärtig beschäftigen wir uns an Hand von Lk 17 + 18 mit dem Themenfeld „Hoffnung“ (Monatsthema: Kraft durch Hoffnung) und fragen uns, wie wir durch die Kraft Jesu so leben können, dass deutlich wird welche Hoffnung uns erfüllt. In der chronologischen Folge von Lk 17+18 zeigen wir so im Juni und Juli, dass es Hoffnung gibt für Ratlose – Ausweglose – Erwartungslose – Rechtlose – Ahnungslose (= Predigtthema) – Machtlose – Orientierungslose – Verständnislose – Hilflose. Auf der Grundlage unseres Predigttextes (Lk 18,9-14) entfalten wir in der Verkündigung das untrügliche Kennzeichen wahrer Frömmigkeit: „Gott, vergib mir sündigem Menschen meine Schuld“ (V. 13)! Als Fazit gilt dann: „Jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden; aber wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden“ (V. 14).
3. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN
Ausführliche Anmerkungen zum Predigttext enthält der Predigttipp von Albrecht Wandel vom 11.05.2003 zu Lk 18,1-14 (Erbarmen für Rechtlose) unter www.studienbibel.de.
Prof. Caig Blomberg gibt unter der Überschrift „Gleichnisse mit zwei Hauptaussagen“ folgende Hinweise zu unserem Predigttext (ohne Fußnoten in Auszügen zitiert nach Craig L. Blomberg. Die Gleichnisse Jesu: Ihre Interpretation in Theorie und Praxis. Wuppertal: R. Brockhaus, 1998. S. 227-230): „Dieses Gleichnis […] enthält die gleiche Art von Kontrast zwischen guten und schlechten Charakteren wie in den bereits behandelten Stellen, jedoch mit einer überraschenden Umkehrung der Rollen. Die Gleichnisse vom reichen Mann und armen Lazarus und vom barmherzigen Samariter weisen die stärksten Parallelen auf. Der einzige Unterschied ist, dass es hier keine dritte, vereinigende Person gibt, die zwischen den beiden anderen richtet. In gewissem Sinne übernimmt Jesus selbst die Rolle des Richters, indem er im Schlussvers des Abschnitts verkündet, wie Gott die Gebete der beiden Männer bewertet. Jesus bringt jedoch keinen dritten Aspekt zusätzlich zu den beiden offenkundlichen Feststellungen, dass der eine Mann gerecht gesprochen wird und der andere nicht. In der Tat spricht die ganze Struktur des Gleichnisses dafür, es als eine Erzählung mit zwei Hauptaspekten anzusehen, wobei der abrupte Wechsel vom Pharisäer zum Zöllner den Gegensatz zwischen diesen beiden Personen hervorhebt. Die Struktur kann als A-B-A-B-B-A-A-B umrissen werden, wobei A für die Handlungen des Pharisäers und B für die des Zöllners steht.
1. A: Pharisäer (V. 10a)
2. B: Zöllner (V. 10b)
3. A: Pharisäer (V. 11f)
4. B: Zöllner (V. 13a)
5. B: Zöllner (V. 14a)
6. A: Pharisäer (V. 14b)
7. A: Pharisäer (V. 14c)
8. B: Zöllner (V. 14d)
Der schnelle Wechsel der beiden Elemente an der fünften und sechsten Stelle dieses Überblicks unterstreicht den Höhepunkt mit der Umkehrung der Stellungen der Hauptfiguren und verdeutlicht den Schock, den das Urteil Jesu im ursprünglichen Kontext hervorgerufen haben muss. Heutige Stereotypen der Pharisäer dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Zuhörer Jesu im 1. Jh. durchweg erwartet hätten, dass der Pharisäer und nicht der Zöllner der Held der Geschichte ist. Andererseits geht der Verdacht zu weit, dass es sich bei der Darstellung des Pharisäers um eine Karikatur handele, die auf keinen real lebenden Juden als Sitz im Leben Jesu zugetroffen hätte. Die Konsequenz einer solchen Auffassung wäre, dass man einen Teil des Gleichnisses oder sogar die ganze Perikope als nicht authentisch ansehen und als spätere antijüdische Polemik betrachten würde. Im Judentum gab es sowohl arrogante als auch bescheidene Pharisäer, wie der Talmud selbst zugibt (bSota 22b). Das Standardgebet, in dem der fromme Jude Gott dafür dankt, dass er kein Sklave, kein Heide oder keine Frau ist (vgl. bMenachot 43b), entspricht der Haltung, mit der sich Jesus hier auseinandersetzt (vgl. auch Paulus in Gal 3,28). Weder in den Handlungen noch in den Gebeten der beiden Männer finden sich wirklich außergewöhnliche Elemente, ausgenommen vielleicht die Tatsache, dass sich der Zöllner an die Brust schlägt, denn diese dramatische Geste war gewöhnlich für Frauen reserviert und kam bei Männern nur in Zeiten extremer Gemütsbewegung vor. Aus diesem Grund kommt das Gleichnis einer reinen Beispielgeschichte am nächsten, wobei jeder der beiden Männer für alle ihnen ähnlichen Menschen steht – entweder selbstgerecht oder bußfertig.
V.14b, der als einziger Teil des Gleichnisses häufig als nicht authentisch betrachtet wird, bringt diese Ergebnisse auf den Punkt und darf deswegen nicht außer acht gelassen werden. Dass dieser Schlusssatz auch an anderer Stelle erscheint (Mt 18,4;23,12; Lk 14,11), ist kein Gegenargument, denn diese Regel trifft in zahlreichen Zusammenhängen zu. V.14a deutet ein so radikales Urteil an, dass eine Begründung erforderlich wird. Die Zusammenfassung des Verhaltens der beiden Männer als Selbsterhöhung und Selbsterniedrigung ist treffend. Keine Bedeutung hat auch die Tatsache, dass ein ausdrücklicher Hinweis auf die Buße als notwendiger Grund für die Rechtfertigung fehlt. Es handelt sich um die Zeit vor der Kreuzigung, und der normale Zeitpunkt, zu dem diese beiden Männer öffentlich im Tempel beten würden, wäre ohnehin zu einer Stunde des Opfers. In der Tat könnte der Ausruf des Zöllners ‚Gott, sei mir Sünder gnädig‘ […] mit ‚Bitte vergib mir‘ übersetzt werden. Der Bezug zur Rechtfertigung macht den Ausgang des Gleichnisses tatsächlich zu einem der am stärksten ‚paulinischen‘ Teile der Verkündigung Jesu.
Das Gleichnis umfasst also zwei Aussagen, die kaum besser zusammengefasst werden können als durch Jesu eigenen Refrain: 1) Wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden, und 2) wer sich, selbst erniedrigt, der wird erhöht werden. Die Anwendungsmöglichkeiten sind zahlreich, aber die wichtigste impliziert die Erhöhung oder Erniedrigung von Individuen durch Gott im Jüngsten Gericht. Welche der beiden Haltungen auch immer unsere Beziehung zu Gott in diesem Leben widerspiegelt, das Gegenteil wird unsere Stellung im Jenseits kennzeichnen. Die Freuden und Leiden in Lukas Seligpreisungen (Lk 6,20-26) liefern wahrscheinlich den besten biblischen Kommentar zu diesem Gleichnis“ (ohne Fußnoten in Auszügen zitiert nach Craig L. Blomberg. Die Gleichnisse Jesu: Ihre Interpretation in Theorie und Praxis. Wuppertal: R. Brockhaus, 1998. S. 227-230).
Grundsätzliche Hinweise zur Auslegung von Gleichnissen finden sich z.B. bei Helge Stadelmann / Thomas Richter. Bibelauslegung praktisch: In zehn Schritten den Text verstehen. 4. Aufl. Witten: SCM R. Brockhaus, 2010. S. 108-111.
4. PREDIGTGLIEDERUNGEN
Nach Gottfried Voigt:
Mit Gott im reinen – wie ist das möglich?
a) Ich soll nicht der Pharisäer sein
b) Ich kann nicht der Zöllner sein
c) Gott will für mich sein
oder nach Carsten Linke:
a) Ihr Auftreten
b) Ihr Gebet
c) Ihr Lohn
oder nach Reinhold Rückle:
a) Der Standpunkt des Pharisäers
b) Der Standpunkt des Zöllners
c) Der Standpunkt Jesu
d) Und wo stehe ich?