1.Mose

Predigthilfe vom 8. April 2018 – 4. Mose 6, 22-27

Predigtthema:         Unterwegs unter dem Segen Gottes – der Aaronitische Segen

Predigttext:              4. Mose 6,22-27 und Epheser 1,3-14; Psalm 121 (Vorschlag zur Textlesung)

Die Predigtreihe für den Monat April und Mai behandelt Texte aus dem 4. Buch Mose und steht unter dem Hauptgedanken:

In der Wüste unterwegs – nicht mehr in Ägypten, noch nicht im verheißenen Land

Die Erfahrungen des Volkes Israels auf dem Weg ins verheißene Land lassen sich sehr praktisch auf das Glaubensleben eines Christen anwenden. Der Christ ist wie das Volk Israel auf einer Durchreise. In dieser „Zwischenzeit“ steht der Gläubige unter dem Segen, der Führung und Leitung Gottes. Die Predigthilfen laden ein, nicht nur die geschichtlichen Hintergründe zu studieren, sondern vor allem auch auf Gottes Leitungs- und Führungsweise zu achten und davon zu lernen, wie der HERR mit seinem Volk in dieser „Zwischenzeit“ umging.

  1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).

Hintergrundinformationen zum 4. Buch Mose findet man im Buch:

John MacArthur, Basisinformation zur Bibel, CLV, 2001 Bielefeld – ab Seite 40

Kostenlos zum Download: https://clv.de/clv-server.de/wwwroot/pdf/255644.pdf

1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext

Der Bibeltext behandelt den Aaronitischen Segensspruch, der auch Priestersegen genannt wird und traditionell vom Abschluss eines kirchlichen Gottesdienstes vom Priester oder Pfarrer, meist mit erhobenen Händen der Gemeinde zugesprochen wird. Doch der in der jüdischen Gottesdienstliturgie beheimatete Segenspruch (zur Zeit des zweiten Tempels oder gegenwärtig in den Synagogen), wurde erst im Mittelalter in die allg. Kirchenliturgie übernommen. Das Neue Testament bezeugt den Gebrauch des Aaronitischen Segens in der christlichen Gemeinde nicht. Erst bei Franz von Assisi (1182-1226) findet man die Verwendung des Segens als fester Bestandteil der römisch-katholischen Messfeier. Luther und Calvin übernahmen den Segensspruch als Abschluss der Gottesdienstliturgie (Martin Luther, Deutsche Messe, Wittenberg 1523 und Johannes Calvin, Forme des prières, 1542).

Zum Verständnis des Textes ist daher wichtig zu erklären: Was bedeutet Segen? Wem gilt der Aaronitische Priestersegen und was hat dieser mit Jesus und uns als Gemeinde zu tun? Welche Bedeutung und Funktion hatte das alttestamentliche Priestertum?

Ein kurzer geschichtlicher Überblick:

Das Volk Israel befindet sich in der 40-jährigen Wüstenwanderung, in der Gott die gottesdienstlichen Ordnungen an der Stiftshütte (Opfergesetz, Priestergesetz und Festzeiten) eingeführt hat.

  1. Buch Mose: Nach dem Auszug aus Ägypten (ca. 1450 v.Chr.) befreite Gott das Volk aus der Knechtschaft und führte es durch das Rote Meer bis an den Berg Sinai. Gott macht das Volk Israel zu seinem Eigentum und zu einem Königreich von Priestern (2Mo 19). Sie erhielten die Gebote und Anordnungen Gottes (2Mo 20) und traten in den gegenseitig verpflichtenden Gesetzesbund (2Mo 24) ein. Dann gibt Gott den Auftrag zum Bau der Stiftshütte, damit unter den gottesdienstlichen Ordnungen der HERR unter seinem Volk wohnen kann (2Mo 25).
  2. Buch Mose: Gott benennt die gottesdienstlichen Ordnungen (Opfergesetz und Priestergesetz) und zeigt auf, unter welchen Vorrausetzungen das Volk (und der einzelne Mensch) Versöhnung und Gemeinschaft mit Gott haben kann. Da ohne ein Opfer und einen Priester kein Zugang zu Gott möglich ist, beruft Gott Aaron und seine Söhne in diese besondere Vermittlerrolle und macht sie zu Priestern seines Volkes (3Mo 8)!
  3. Buch Mose: Um die praktischen Aufgaben an der Stiftshütte und seinen Geräten zu besorgen, sonderte Gott den Stamm Levi von den 12 Stämmen aus. Sie sollen den praktischen Dienst am Heiligtum ableisten (4Mo 3). Den drei Söhnen Levis (Gerson, Kahat und Merari) wurden unterschiedliche Aufgaben zugewiesen (4Mo 4). Die von Kahat abstammenden Enkel waren unter anderem Mose und Aaron, die nicht nur für die Gerätschaften im Allerheiligsten zuständig waren, sondern eben auch zum besonderen Priesterdienst auserwählt wurden (3Mo 8).

Wichtig zu beachten:

  • Aaron als Hohepriester hatte eine exklusive Vermittlerrolle zwischen Gott und dem Volk. Seine Söhne sollten ihn in dieser Aufgabe unterstützen. Der Hohepriester, war der eigentliche Nahebringer (hebr. Kohen). Er hatte die Aufgabe das sündige Volk mit dem heiligen Gott zu versöhnen. So brachte er am Jom Kippur, am alljährlichen Versöhnungstag (3Mo 16), das Blut des Sühneopfers an die Bundeslade ins Allerheiligste. Als Fürbitte-Träger und Anwalt betete er stellvertretend für das Volk und bat um Sühne und Vergebung.
  • In Jesus Christus wird diese Vermittlerrolle erfüllt. Er ist der wahre Hohepriester der durch das Opfer seiner selbst (Heb 7,27; 9,12.26), uns mit Gott versöhnt und durch seine Vermittlerrolle den Zugang zu Gott geschaffen hat (Gal 3,20). In Jesus Christus wurde der alttestamentliche Aaronitische Priesterdienst erfüllt (Heb 8,1f; 9,14)!

Dies ist zu beachten, da wir sonst Gefahr laufen, erfüllte alttestamentliche Gottesdienstformen (Opfer-, Priester und Segenshandlungen) in die neutestamentliche Gemeinde zu übernehmen. Trotz des neutestamentlichen allg. Priestertums müssen wir festhalten, dass Prediger oder Pfarrer nicht die neutestamentlichen Hohepriester sind, die über den Segen Gottes verfügen um „segnend“ vor der Gemeinde zu stehen.

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes

Hilfen zur Auslegung bieten z.B.:

  • John Walvoord und Roy Zuck, „Das Alte Testament“ erklärt und ausgelegt (Hänssler-Verlag)
  • Wuppertaler Studienbibel
  • Kommentarreihe von Warren W. Wiersbe „Sei zuverlässig – Ein Leben führen, das für Gott zählt. Studien des Alten Testamentes 4Mose 1-36“ (CV, Dillenburg)
  • Hilfreiche Querverweise in die ganze Bibel bietet die Thompson Studienbibel
  • Hilfreiche Infos zum Text liefert hier die MacArthur Studienbibel (gibt es als pdf zum Downloaden auch auf sermon-online.de)

Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes

4Mo 6,22-23             Die Autorität und Herkunft des Segens

4Mo 6,22       Der Herr befiehlt, das Volk zu segnen

Ausgangspunkt des Segens war Gott und setzt Gottes Offenbarung und Wirken voraus. Legitimation und Autorität des Segnens liegt im ausdrücklichen Befehl vom Segensspender (Gott). Hier ist zu fragen, ob wir als Christenmenschen wirklich den Auftrag haben Menschen oder Gemeinden zu segnen?

4Mo 6,23       Die Priester waren beauftragt das Volk zu segnen

Als Segensvermittler hat der Herr das Priestergeschlecht (Aaron und seine Söhne) innerhalb des Volkes Israel auserwählt. Sie hatten das Privileg am Tempel des Herrn zu dienen. Ihnen war der Zugang zum Heiligtum in die Gegenwart Gottes gestattet. Von hier aus sollten sie das Volk segnen. Der Priesterdienst war ein auf Personen begrenzter Mittlerdienst.  Es war somit kein allgemeiner Auftrag bei dem jeder den anderen hätte segnen können. Heute wird der Segen von Jesus, dem wahren Hohepriester vom Himmel aus dem Zugesprochen, der glaubt (Eph 1,3).

  • Es war kein universeller Segen für alle Nationen

Der Aaronitische Segen war kein weltweiter Segen der über alle Nationen gesprochen wurde, sondern er gilt explizit den Kindern Israels. Dieses Volk war von Gott berufen, wurde aus Gnade erwählt, aus Liebe von der Gefangenschaft befreit und von Gott selbst zum Eigentum gemacht (2Mo 19). Wenn es jemals ein Volk gab, das gesegnet war, dann war es das Volk Israel. Gott gab diesem Volk sein heiliges Wort, schenkte ihm das Gelobte Land und lebte unter ihnen im Heiligtum und er gab diesen Priestersegen keinem anderen Volk.  Somit ist klar, dass dieser Priestersegen vornehmlich dem Volk Gottes gehört. Erst mit Jesus Christus wird der Inhalt des Segens allen Nationen zugänglich (Gal 3,8).

  • Der Segen geschieht im Zuspruch von Gottes Wort

Aaron und seine Söhne sollten zum Volk sprechen. Der Segen geschah im Wort! Es war kein Ritual und keine mystische Handlung, sondern lediglich die Wiedergabe der Verheißung und Zusage Gottes, die sie selbst vom Herrn empfangen haben.

Das Segnen war kein wünschen eigener Gedanken oder Vorstellungen, sondern das Segnen war ein zusprechen von Gottes Wort.

4Mo 6,24-26             Der Inhalt des Segens

Der Inhalt des Priestersegens in 4Mo 6,24-26 besteht aus drei doppelten Segenssprüchen, wobei der zweite Teil jeden Segensspruchs den jeweiligen Segensinhalt beschreibt. Dabei ist eine Steigerung in den drei aufeinanderfolgenden Segenssprüchen zu erkennen. Interessante Parallelstellen finden sich in Psalm 121 und Psalm 91.

Manche Ausleger sehen in dem dreiteiligen Segen einen Hinweis auf die Dreieinigkeit Gottes, was aber nicht wirklich belegbar ist. Andere Belegstellen sind hierfür aussagekräftiger (z.B. 1Mo. 1,26; 3,22; Jes 45,12-16).

4Mo 6,24       Im ersten Segensspruch fällt auf, dass der Segen allein vom Herrn kommt. Er, der Schöpfer und Erschaffer der Welt, ist der Segensgeber. Wenn auch das Wort Segen hier allgemein gehalten ist, so fallen zwei Konkretisierungen auf.

  • Allgemein über das Volk Israel, aber konkret für den Einzelnen.

Die direkte Anrede in der Singularform macht den allgemeinen Segen zum persönlichen Wort.  Der Segen des Volkes Israel betrifft immer den Einzelnen. Der Heilssegen in Jesus ist nie kollektiv, sondern immer persönlich (vgl. Ps 121,3ff dein, dich).

  • Der Segen als eine heilvolle Kraft, die bewahrt

Das hebr. Wort (schamar) kann auch übersetzt werden mit „erhalten“, „behüten“, „darüber wachen“, „aufpassen“, „bewahren“, „retten“ oder „sichern“ (Bsp.: Datensicherung) und meint damit die Bewahrung vor dem Unglück, dem Bösen oder Verlust in der Welt. (vgl. Ps 121,3ff 4x behütet dich und Gott schläft nicht).

Diese Heilsgewissheit ist durch Gottes heilsvolle Kraftwirkung (Segen) möglich.

Exkurs Wortbedeutung: Unterschiedliche Formen von „Segen“

  1. Das deutsche Wort „segnen“ kommt aus dem Altgermanischen und bedeutet „das Zeichen des Kreuzes machen, bekreuzigen, segnen“. Es ist eine Entlehnung aus dem lat.-kirchenlatein von „signare“: „Mit einem Zeichen versehen, bezeichnen, siegeln, versiegeln. (z.B. Signatur einer E-Mail). Ähnlich auch dem lat. Begriff von Signum = „Zeichen, Merkzeichen, Kennzeichen, Vorzeichen“.
  2. Das hebräische Wort „barakh“ meint von der Grundbedeutung her eine „Heilskraft“, „einer der mit einer heilschaffenden Kraft begabt ist“.

In Bezug auf Menschen steht der Begriff weitgehend für gesegnet, beschenkt oder glücklich sein.

  • Das kann auf irdischen Segen bezogen sein, wie Wohlstand, äußerlicher Friede, Gesundheit, zahlreiche Nachkommenschaft oder ein erfolgreicher Ernteertrag usw. (5Mo 28).
  • Aber auch als ein geistlicher Segen, wie Gottesfurcht, Friede und Versöhnung und eine vertraute Beziehung mit Gott (4Mo 6,24-26).
  • Der Segen (die Erweisung seiner Heilsmacht) wird damit auch zum Gegenstand von Lob. Auf Gott bezogen meint „barakh“ auch Gott segnen, loben, preisen, grüßen und danken.

3. Das griechisch Wort „eulogeo“ bedeutet gut reden (eu= gut; logeo = reden).

  • Es meint: Gott preisen und loben, Gott rühmen und erheben, indem man Gutes von ihm sagt.
  • An einigen Stellen wird es auch gebraucht um Gott etwas zu weihen, Gott
  • zu danken bzw. etwas zum Guten für den eigenen Gebrauch zu erbitten (Mk 8,7; Lk 9,16; 1Kor 10,16).

Im Neuen Testament gibt es nur wenige Stellen, die uns zum direkten segnen auffordern. Wenn, dann bezieht es sich meist auf die Feindesliebe. Als Reaktion auf ihren Hass sollen wir uns diesen Menschen mit Freundlichkeit und Wohlwollen zuwenden (z.B. Lk 6,27f; Röm 12,14; 1.Kor 4,12; 1Petr 3,9).

Der Aaronitische Segen ist kein Zuspruch von irdischen Heilsgütern, sondern nimmt Bezug auf den himmlischen und geistlichen Heilssegen der sich in Jesus Christus erfüllt.

Im Segen (Zeichen) des Kreuzes wurde die heilsschaffende Kraft dem Menschen zugänglich (Röm 5,8). Im Segen des vollkommenen Heils gibt es Gewissheit, dass der Herr uns vor dem Bösen in der Welt bewahrt. Dies hat Jesus seinen Jüngern zugesagt (Joh 16,33; 1Joh 5,4) und im Hohepriesterlichen Gebet erbeten (Joh 17,15). Beachte Joh 17,14 – „ich haben ihnen Dein Wort gegeben“. Die Gewissheit des Segens liegt auch hier im Wort Gottes!

4Mo 6,25       Seine Persönlichkeit wendet sich uns zu

Das leuchtende Angesicht (heb. panim) Gottes bedeutet eine positive und freundliche Zuwendung. Gottes Angesicht und Persönlichkeit strahlt wie der Lichtglanz (Ps 67,1-2; Off 1,16; Mat 17,2). Es erleuchtet, erfreut und verändert die Menschenherzen. Beispiel: Wie großartig ist es und welche Herzwallungen kommen auf, wenn jemand den du liebst und begehrst, dich anblickt und anlächelt und sich dir persönlich zuwendet. Wie schmerzhaft und verletzend ist es aber, wenn dir jemand den Augenkontakt verweigert und sich bewusst wegdreht.

Eigentlich ist es dem Menschen nicht möglich Gott in seiner Heiligkeit zu sehen (2Mo 33,20). Doch Gottes Barmherzigkeit ermöglicht die gnädige und persönliche Zuwendung, wie sie z.B. Jakob am Pniel erlebte. Das strahlende Angesicht Gottes machte seine Seele gesund (1Mo 32,31). In Jesus Christus leuchtet Gottes Freundlichkeit uns Menschen. „Als aber die Güte und Menschenliebe Gottes unseres Heilandes erschien…“ Tit 3,4. Gott hat uns in Jesus Christus sein Angesicht positiv zugewandt.

4Mo 6,26       Sein Anblick schafft Versöhnung und Frieden 

Das „erheben“ des Angesichtes ist ein Ausdruck von „akzeptieren“ oder „vergeben“. Der Herr erhebt sein Angesicht wie ein König oder Richter, der das geneigte Haupt erhebt und damit die Geste seiner Zustimmung und Bestätigung gibt, indem er uns anblickt. Ähnliches sehen wir bei Petrus und Judas am Ende der Evangelien. Jesus erhob sein Angesicht und blickte Petrus an – in diesem Moment wurde sein Herz zur Umkehr bewegt (Lk 22,61-23,1). Judas Ischariot hatte sich dagegen von Gottes Angesicht abgewandt und ging in die verlorene Nacht hinaus (Joh 13,30). Er lies wie Kain den Kopf hängen. Sie akzeptierten nicht ihre Sünde und verloren den Blick auf Gottes Gnade. Beide fielen in die dunkelste Finsternis der Verzweiflung und kamen unter den Fluch des Gerichts. Es bedeutet immer Gericht, wenn Gott sein Angesicht abwendet (Jes 54,8).

Im Gegensatz dazu bringt Gottes Angesicht den Frieden. Das hebräische Wort Shalom ist weit mehr als das nicht Vorhandensein von Krieg. Mehr als irdischer Friede. Shalom wird dem Sünder durch Jesus Christus zuteil, wenn er Vergebung erfährt. Dann erlebt er wahren Frieden mit Gott (Röm 5,1). Jesus ist unser Friede (Eph 2,14). Durch den Segen (Signum) vom Kreuz ist Friede mit Gott möglich (Kol 1,20). Jesus gibt nicht wie die Welt (Joh 14,27) sondern er gibt inneren und ewigen Herzensfrieden, der uns selbst in Kriegs- und Notzeiten in der Welt getrost macht (Joh 16,33).

Der Inhalt des Priestersegens ist kein materialistischer Wohlstandssegen, sondern spricht

1) von der Gemeinschaft mit Gott,

2) von der Bewahrung der Seele in dieser Welt

3) von der Gnade und Freundlichkeit Gottes und

4) dem Heil und Frieden in Jesus Christus.

4Mo 6,27       Segen ist nur im Namen des HERRN gewährleistet

Der Schlüssel zum Segen liegt im Namen Gottes (vgl. Ps 121,1-2). Die Erfüllung des priesterlichen Segens liegt in dem Namen Jesu. In keinem anderen Namen ist das Heil und nur in ihm sind die Segnungen des Himmels verfügbar (Apg 4,12). Wer Jesus hat und an ihn glaubt, der ist bereits mit dem Hohepriesterlichen Segen gesegnet.

Menschen haben keine Verfügungsgewalt über den Segen

Zu beachten gilt, dass der Priestersegen als ein Segenswunsch formuliert ist. Es ist ein Bittgesuch und ein Wunsch für das Volk. Damit wird ein Zweifaches deutlich:

  1. Die Priester konnten nicht einfach über den Segen verfügen. Aaron und seine Söhne konnten den Segen des HERRN lediglich erbitten, aber nicht darüber bestimmen. Ebenso wenig konnte Bileam über Fluch und Segen verfügen, als er im Auftrag von Balak das Volk Israel verfluchen sollte. Hier verwandelte der HERR den Fluch in Segen (4Mo 23+24), denn was Gott gesegnet hat, kann der Mensch nicht verfluchen.
  2. Der messianische Segen war über das Volk Israel noch nicht gekommen. Es war ein prophetischer Segenswunsch, der sich erst mit dem Kommen des Messias erfüllen sollte. Aaron konnte dem Volk nicht den Heilssegen übermitteln. Dazu war ein anderer Hohepriester notwendig – Jesus Christus selbst!

       2. Verstehen, worum es geht

2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)

Es ist eine wichtige Frage, was der Text und der Segen für uns heute zu bedeuten hat. Wie schon angeführt, ist es wichtig die heilsgeschichtliche Bedeutung des Priestersegens zu benennen. Es geht um den Heilssegen nicht um irdischen Wohlstand!

Es geht auch nicht darum, den in unseren Gemeinden oft verwendeten Abschlusssegen oder den Gebrauch von Segensliedern zu diskreditieren. Aber wir sollten doch immer wieder auch unser eigenes Segensverständnis hinterfragen und bewusstwerden, warum wir oft gerade diesen Priestersegen verwenden?

Die Bibel begründet selbst die heilsgeschichtliche und messianische Erfüllung des Priestersegens.

  • Jesus Christus ist der wahre Hohepriester der das Volk segnet (Heb 2,17; 5,5; 6,20; 7,26; 8,1; 9,11).
  • Die alttestamentlichen Opfergesetze und Priestergesetze haben sich in Jesus Christus erfüllt (Mt 5,17ff; Röm 10,4).
  • Jesus betet das Hohepriesterliche Gebet. (Joh 17).
  • Die neutestamentliche Gemeinde kennt den Gebrauch des Priestersegens nicht.
  • Die kirchliche Tradition hat den Priestersegen erst im Laufe der Zeit (Mittelalter) zum festen Bestandteil seiner Gottesdienstliturgie gemacht.
  • Wer an Jesus glaubt ist in Jesus Christus bereits vom Himmel her mit allem geistlichen Segen gesegnet (Eph 1,3).
  • Dem gläubigen Menschen der mit Jesus lebt, mangelt es an nichts. Er hat alles was er zum Glaubensleben benötigt (2Pet 1,3).
  • Die Erfüllung des Priestersegens steht für sein irdisches Volk Israel noch aus. Wenn Jesus in Herrlichkeit wiederkommt wird Israel den verheißenen irdischen und geistlichen Segen ererben (Ps 29,11; Ps 67; Jes 65,16; Sach 10,6.12).

2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)

Der erste Sonntag nach Ostern eignet sich auch dazu auf die „Zwischenzeit“ von Ostern und Pfingsten hinzuweisen. Mit der Himmelfahrt ist Jesus als der Hohepriester in den Himmel aufgefahren um dort für uns vor Gott zu erscheinen (Heb 9,24).

Bevor Jesus in den Himmel aufgefahren ist segnete er seine Jünger (Lk 24,51). Zwischen Himmelfahrt und Pfingsten waren die Jünger mit dem Segen Gottes unterwegs – doch mit Pfingsten haben die Jünger das Verheißene erlangt. Der Segen des Heiligen Geist rüstete sie mit allem aus, was Jesus verheißen hatte. Sie waren somit unter dem Segen Gottes.

Der Mensch hat einen inneren Wunsch, gesegnet zu sein – was auch immer der Mensch konkret darunter versteht. Segen impliziert etwas Gutes, Erfolgreiches. Segen, als Anteil am Glück, an Gesundheit und Gelingen im Leben. Doch was nützt irdischer „Segen“, z.B. Erfolg, Wohlstand und Gesundheit, wenn die Seele nicht gerettet ist und das Herz keinen Frieden hat?

Selbst Menschen, die offensichtlich eine der Bibel widersprechende Lebenspartnerschaft eingehen, haben den Wunsch nach einer christlichen Ehesegnung oder -trauung und wollen im Namen Jesu gesegnet werden. Viele Kirchen und Gemeinden reagieren darauf. Sie segnen jeden und alles. Vermehrt findet man auch Angebote von Segnungsgottesdiensten. Ein Raum der Stille und der Segnung stehen zur Verfügung, „in dem ich die heilsamen und heilenden Kräfte Gottes erfahren kann“ oder „Wir spüren und schmecken Gottes Segen und Gnade, wir sind eingeladen uns an den Segensstationen mit Handauflegung segnen und, wenn gewünscht, auch salben zu lassen.“ – so zwei Zitate aus der Homepage zweier Kirchengemeinden. Neben Tiergottesdiensten, in denen Menschen ihre Haustiere segnen lassen, werden auch Motorräder, Gebäude und Häuser gesegnet. Was bedeutet Segen und wer kann überhaupt unterwegs sein im Segen Gottes?

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)

Menschen suchten den Segen aber nicht den Segnenden. Der Segen ist nur mit den Segnenden zu haben. Esau wollte zwar den Segen, wollte aber nichts von Gott wissen. Daher bekam er den Segen nicht, auch wenn er ihn mit Tränen suchte. Jakob wollte den Segnenden nicht mehr loslassen und klammerte sich an ihn, bis er den Segen empfangen hatte. Was suchen wir?

Jeder, der an Jesus glaubt empfängt vollen Segen. In Jesus Christus ist der Segen des Heils allen Menschen zugänglich geworden, die an sein Erlösungswerk glauben (Gal 3,8). Der Heilssegen wird vollkommen und ganz zugänglich! Allein im Glauben schenkt Gott seinen Segen. Es benötigt keine mystischen Segenshandlung, Handauflegungen, Rituale durch Priester oder Prediger die der Gemeinde den Segen zusprechen. Glauben wir, dass Gott uns in Jesus bereits allen Segen geschenkt hat?

Immer mehr wollen, kann Undankbarkeit, Unzufriedenheit oder Unwissenheit ausdrücken. Mehr Segen, mehr Fühlen, mehr Erleben, mehr Erfahren, mehr Gaben besitzen wollen. Große Mehrkonferenzen suggerieren, dass Jesus allein nicht genügt und dass in bestimmten gottesdienstlichen Formen „Mehr“ drin ist. Doch wer Jesus hat, hat alles und ist bereits mit jedem geistlichen Segen beschenkt (Eph 1,3). Mehr als die Segnungen die wir in Jesus bereits besitzen gibt es nicht. Was suchen wir mehr als die Gemeinschaft mit Jesus?

Mach aus dem Segen eine konkrete Fürbitte

Segen impliziert oftmals eine mystische Übertragung von Heilskräften, Wohltaten oder Glück. Aber für diese Art von Segnungen gibt es keine Verheißung im Wort Gottes.

Selbst ein Segensgruß oder der Wunsch um Gottes Segen bleibt unkonkret und gleicht einer frommen Floskel. Wäre da nicht ein deutlich formulierter Geburtstagswunsch oder ein ausdrückliches Gebet oder die Zusage aus einem Bibelwort sinnvoller?

Möglichkeiten sind z.B.:

  1. Christenmenschen in Not oder Krankheit nicht nur Gottes Segen wünschen, sondern Gottes Nähe und Geborgenheit zusprechen. Ein Bibelwort mitteilen, dass ihnen Gottes Gnade und Treue zusagen und sie vertrauen können, dass auch Notzeiten zum geistlichen Nutzen und zur Ehre Gottes dienen (Röm 8,28).
  2. Kinder „segnen“, in dem wir konkret für ihre Anliegen beten und Fürbitte leisten, dass sie sich von Jesus führen lassen und Vertrauen und Gehorsam lernen.
  3. Für Ungläubige beten, dass sie Jesus als ihren Herrn erkennen und Gottes Heil erfahren. Ungläubigen Gottes Segen für ihren von Gott getrennten Lebenswandel zuzusprechen ist daher eher widersprüchlich.

Wir wollen nicht segnen sondern ein Segen sein. Wir sollten mehr Fürbitte für unsere Mitmenschen tun und mit unserem Leben und Verhalten anderen ein Segen und Wohlwollen sein. Das meint, ihnen gut und freundlich zugewandt zu sein. Gut von ihnen reden, ihnen Gutes tun, ganz im Sinne von Heb 13,16, Gal 6,10; 1Thess 5,15; 2Thess 3,13.

  1. Sagen, wo es hingeht

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?

Als Christen dürfen wir die Gewissheit haben, dass wir im Glauben an Jesus Christus bereits Gesegnete sind. Wir benötigen keine anderen Segensvermittler noch Segensmittel oder Segenshandlungen. In Jesus haben wir schon alles.

Der alttestamentliche Priestersegen hat sich in Jesus erfüllt. Besondere Segensrituale- oder Handlungen zu praktizieren und ihnen eine überhöhte geistliche Bedeutung oder Kraftquelle zu zumessen ist biblisch unbegründet und vermischt den christlichen Glauben mit Religion und Mystik.

Die irdischen Segensverheißungen für das Volk Israel dürfen nicht mit den neutestamentlichen und geistlichen Segnungen der Gemeinde verwechselt werden. Der geistliche Segen, mit dem wir gesegnet sind, bedeutet nicht körperliche Unversehrtheit oder ein Recht auf Wohlstand und äußerlichen Frieden. Der irdische Segen ist zeitlich – aber in Jesus haben wir ein ewiges und bleibendes Heilsgut empfangen.

Wir verkündigen Gottes Wort, damit Menschen den wahren Segen (das Heil in Jesus) erfahren.

3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?

  • In Jesus Christus ist uns alles geschenkt und gegeben, was zum christlichen Leben in dieser Zwischenzeit dient (2Pet 1,3).
  • In Jesus Christus sind wir mit allen geistlichen Segen gesegnet worden (Eph 1,3). Der ganze Reichtum Gottes steht uns bereit.
  • In Jesus Christus wird uns auch der zukünftige Segen, der Seelenseligkeit und das verheißene Erbe zuteil werden (Röm 8,32).

Der Abschlusssegen im Gottesdienst sollte eine Fürbitte sein, die mittels einer Zusage oder Verheißung aus Gottes Wort geschieht. Hier kann der Abschnitt von 4Mo 6,24-26, einer von vielen möglichen Bibeltexten gebraucht werden – aber in dem Wissen, dass Gläubige in Jesus Christus diesen Segen bereits besitzen.

Andere geeignete Bibelworte sind z.B.: Jud 24-25; Heb 13,20-21; 1Thess 5,23-24; Phi. 4,6-7

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

Wir sind unterwegs unter dem Segen Gottes

  • und haben bereits in Jesus alles
  • und begnügen uns mit dem Vorhandenen
  • und wollen anderen ein Segen sein

Jesus der wahre Hohepriester – Wir sind unterwegs mit Jesus…

  1. als gesegnete mit der Bewahrung zum Heil
  2. als gesegnete mit der Gnade seiner Barmherzigkeit
  3. als gesegnete mit dem Frieden durch Versöhnung

Der Aaronitsche Segen, wie er sich in Jesus erfüllt

  • In Jesus Christus sind wir zum Heil bewahrt
  • In Jesus Christus hat sich Gott mir gnädig zugewandt
  • In Jesus Christus haben wir Frieden mit Gott

4Mo 6,22-23             Die Autorität und Herkunft des Segens

4Mo 6,24-26             Der Inhalt des Segens

4Mo 6,17                   Der Empfänger des Segens

3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?

Sie haben Panzer gesegnet

Geprägt von den Erlebnissen des zweiten Weltkrieges blickt ein 97 Jahre alter Mann zurück und erinnert sich. Es waren die letzten Kriegsmonate in Russland, als der Befehl kam und die restlichen Überlebenden der deutschen Soldaten, meist junge Burschen, zur letzten Offensive antreten mussten. Zwei Militärpfarrer aus beiden Konfessionen ließen die Kompanien im Freien versammeln. Mit verzagten Herzen, verfrorenen Beinen und der Todesangst ins Gesicht geschrieben, hofften die jungen Soldaten von den Geistlichen dem Schutz und der Gnade Gottes anbefohlen zu werden. Doch zum Entsetzen aller Soldaten, sagte der alte Mann tief enttäuscht: „Sie haben nicht mal für uns gebetet. Sie haben nur die Panzer gesegnet!“ Verbittert und mit unvergesslichen Bildern, die sich in sein Gedächtnis gebrannt haben, kann er bis heute solche geistlichen Segenshandlungen nicht nachvollziehen.

Das Wort des Segens ist wirksam

Im 18. Jahrhundert, als Dänemark und Schweden miteinander kriegten, lag der Schwede vor der Stadt Altona und drohte sie niederzubrennen. Das Unglück abzuwenden, ging der Pfarrer Johann Sasse mit einigen Bürgern hinaus zu dem schwedischen General Steenbock. „Habt Erbarmen mit der unschuldigen Stadt, um der Wunden Jesu willen!“ Der Schwede stieß ihn zurück. Der Pfarrer wollte sich nicht abweisen lassen, sondern suchte auf alle mögliche Weise das Herz des Generals zu gewinnen. „Bei Gott“, rief dieser aus, „ich handle auf höheren Befehl!“ – „Nun, wenn es das ist“, antwortete der Pfarrer, „wenn Sie wirklich auf höheren Befehl eine arme Stadt abbrennen müssen und unschuldig sind an der grausigen Tat, so wagen Sie es und nehmen Sie jetzt den Segen des Herrn, der einst Richter zwischen uns sein wird, zu derselben hin: Der Herr segne dich und behüte dich, der Herr lasse sein Angesicht über dir leuchten und sei dir gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir seinen Frieden! Amen.“

Von dieser Stunde an gingen Glück und Stern für ihn unter, und als er eines Tages mit seiner ganzen Armee die Waffen strecken und sich den Dänen ergeben musste, bekannte er einem Geistlichen: „Ich habe wohl manchen Fluch mitgenommen von denen, gegen die ich Krieg geführt habe, aber keiner von allen liegt so schwer auf meiner Seele wie jener Segen des Predigers von Altona. Der wird im Todeskampf mich noch foltern.“ – Das Wort schneidet schärfer als jedes Messer und jedes Schwert. Das Wort „anatomiert“ den Menschen. Es scheidet Materielles und Geistiges in ihm, Seelisches und Geistliches, Recht und Unrecht, Wahrheit und Lüge, Egoismus und Liebe. Das Wort allein trifft den wunden Punkt, wie bei General Steenbock. Es ist der große unfehlbare „Anatom“ in jedem Menschenleben.

Klaus Eberwein