Maleachi

Predigthilfe vom 7. April 2024 – Maleachi 1,6-2,9

Predigtthema:           Gott ehren – aber richtig

1.      Sehen was dasteht

1.1.   Hilfsmittel

Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).

Hilfreich ist ein Überblick über das ganze Buch Maleachi (Bibelproject):

1.2.   Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes

1.2.1.     Einleitungsfragen Buch Maleachi

Als Autor des Buches kann Maleachi identifiziert werden (Mal 1,1). Der Name bedeutet „mein Bote/Engel“ oder „Bote des Herrn“. Dies führt dazu, dass es auch sein könnte, dass Maleachi nur ein Titel oder ein Namenszusatz ist. Es gibt im Buch aber keine weiteren biografischen Angaben zu Maleachi.

Die Zeit, in welcher Maleachi aufgetreten ist, lässt sich nicht zweifelsohne feststellen. Allerdings ist gewiss, dass sie nach der Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft handelt, da der Tempeldienst wieder aufgenommen wurde und somit es nach der Fertigstellung des zweiten Tempels ist (wurde 515 v.Chr. fertiggestellt).

Es ist also wahrscheinlich, dass Maleachi entweder zwischen 480 – 450 oder aber um ca. 430 v.Chr. gewirkt hat. Wahrscheinlicher ist zweiteres, da dies in die Abwesenheit Nehemias (er war eine kurze Zeit am Hof des persischen Königs ca. 433-424) fallen würde und Nehemia in Neh. 13 auch die Missstände von Maleachi aufnimmt und ebenfalls thematisiert.

Das Buch Maleachi beginnt mit einem Appell Gottes an sein Volk (1,2-5): Er macht ihnen klar, dass er sie auserwählt hat und er sie immer noch liebt. Das weitere Buch ist dann in zwei größere Abschnitte unterteilt 1,6-2,9 Die Rede zu den Priestern und 2,10-3,21 die Rede zum Volk. In beiden großen Abschnitten werden in Dialogform Missstände von Gott angeprangert (z.B. Mischehen 2,10-16; Auflehnung gegenüber Gott 2,17; 3,7; Geben des Zehnt 3,8).

Maleachi möchte, dass das Volk wachgerüttelt wird, dass sie umkehren zu Gott und ihm wieder treu sein sollen und dass sie Gott wieder erkennen.

Einige Themen werden sowohl hier als auch später im NT behandelt (Jakob und Esau: Mal 1,2-3 | Röm 9,13; Umkehr zu Gott: Mal 3,7 | Jak 4,8; Gott der Goldschmied: Mal 3,3 | 1.Petr. 1,7)

1.2.2.     Kontext

Vorher:
Der Kontext des Predigttextes beginnt mit der Vorstellung Maleachis in 1,1: Er gibt die Worte, die er von Gott gehört hat an das Volk weiter.

In Mal 1,2-5 geht es dann um Gottes Liebe zu seinem Volk: Gott erinnert sein Volk, dass er es geliebt hat (1,2) und Gott zeigt auf, dass er eben Israel und nicht Esau geliebt und auserwählt hat (1,2-3). Gott zeigt hier seine unverdiente, erwählende und souveräne Liebe zu seinem Volk. Gerade vor dem Hintergrund und der Rückkehr aus dem Exil gewinnt dies eine besondere Bedeutung: Gott steht zu seinem Volk, auch wenn, wie dann folgt, sein Volk abtrünnig ist, sie eigene Wege gehen und nicht mehr treu sind.

Nachher:
Ab Mal 2,10 spricht Maleachi dann ein weiteres Übel an: Die Mischehen, die das Volk eingegangen sind, sind nicht gut und ebenfalls ein Bruch zu Gott und seinem Gebot. Hier beginnt der Predigttext für den nächsten Sonntag.

1.2.3.     Versauslegung und Hinweise

Im ersten Teil des Predigttextes geht es um die falsche Anbetung Gottes (Mal 1,6-14). In den Versen 6-10 werden die falschen Opfer der Priester und des Volkes thematisiert. In den Versen 11-14 geht es dann um die Entweihung des Namens Gottes.

Vers 6
In Vers 6 benutzt Maleachi zwei Vergleiche, um etwas deutlich zu machen (Herr – Diener; Vater – Sohn): Er stellt die großen Fragen: „Wo ist meine Ehre?“ „Warum ehrt ihr mich nicht?“. Gott wird hier als Vater und Herr identifiziert (dazu auch Jes. 63,16; Jer. 31,9). Im damaligen Kontext, und auch beim Volk Israel, war es selbstverständlich, dass man den Vater ehren soll (vgl. Ex 20,12; und es gab empfindliche Strafen, wenn man seinen Eltern keine Ehre entgegenbrachte, vgl. Ex 21,15; 20,17).

Gott fragt das Volk: „Bin ich denn euer Vater?“. Die Antwort des Volkes hätte hier lauten müssen „Ja du bist unser Vater, du hast uns erwählt, wir gehören dir (Vgl. Ex 19,5-6; Dtn. 32,6; Jes. 64,7). Stattdessen antworten sie mit einer Gegenfrage. Die Antwort ist geprägt von Hochmut und fast schon Zynismus.

Wichtig ist hier, dass hier zwar die Priester angesprochen werden, diese aber immer ein Gradmesser für das Volk waren. Wenn diese also Gott nicht ehrten, ist nicht davon auszugehen, dass die große Masse des Volkes anders handelte. Dies zeigt sich dann auch in den Versen 8-10, der sich nicht ausschließlich an die Priester richtet, sondern das ganze Volk.

Vers 7
In Vers 7 geht Gott auf den Einwand der Gegenfrage ein: Er macht deutlich, dass das Volk auf seinem Altar (wahrscheinlich der Brandopferalter; vgl. Hes. 44,16) unreine Speisen opfert, also Dinge tut, die ihn nicht ehren, die nicht dem Gesetz und den Geboten entsprechen. Die Reaktion darauf ist wiederum eine Gegenfrage, welche dann Gott veranlasst in Vers 8 noch deutlicher zu werden.

Vers 8
In Vers 8 prangert Gott ganz klar die Opferpraxis des Volkes an: Sie bringen blinde, lahme und kranke Tiere und opfern diese Gott. Zwar sind die Priester in der Verantwortung, dass dies eben nicht geschieht, aber das Volk hat hier auch einen Anteil und ist ebenso von den klaren Worten Maleachis angesprochen. Der Grund für dieses Verhalten liegt auf der Hand: Die Menschen wollten die gesunden und starken Tiere behalten, sie wollten keine wertvollen und wichtigen Tiere weggeben. Ihr finanzieller und materieller Reichtum war ihnen wichtiger als Gott Ehre zu erweisen und sein Gebot zu halten. Dies zeigt dann auch welchen Stellenwert ihre Opfer hatten. Gerade der sarkastische Vergleich „Würdet ihr diese Tiere euren Fürsten bringen“, macht deutlich, dass die Menschen damals so etwas wahrscheinlich niemals tun würden, aber bei Gott dachten sie sich vielleicht: „Das passt, das geht schon, für den reicht es“. Es ist absurd, seinem Fürsten ein gutes Opfer zu bringen, aber Gott ein mangelhaftes Opfer anzubieten. Der Grund für Gottes Reaktion ist, dass er in seinem Wort an sein Volk solch ein Verhalten ganz klar als falsch und inakzeptabel aufgezeigt hat (Vgl. Lev. 22,20-25; Dtn. 15,21; 17,1). Somit zeigt sich, dass die Menschen respektvoller gegenüber menschlichen Autoritäten umgingen als mit Gott.

Damit wird deutlich, dass es dem Volk hier nur um einen Ritus ging, sie verstanden nicht, warum sie eigentlich nicht irgendein Tier, ihm nicht irgendetwas opfern konnten, sie hatten die tiefe geistliche Dimension verloren: Es ist ein Zeichen des Vertrauens auf Gott, es zeigt, dass Gott nur das Beste verdient, es erweist ihm Ehre, wenn man ihm das Beste gibt und eben nicht irgendetwas, was man gerade übrighat oder etwas was man nicht gebrauchen kann.

Vers 9
Maleachi stellt hier eine rhetorische Frage. Nein, Gott würde eben niemand gnädig sein, der ihn nicht ehrt, der seine Gebote nicht hält. Denn gerade der Gehorsam gegenüber Gott wird von den Menschen und den Priestern nicht eingehalten. Sie treten Gottes Gebote mit Füßen und ehren ihn nicht durch ihr Tun.

„Es geht ihm darum, dass wir in Wort und Tat, in Denken und Tun bekennen, wer Gott für uns ist, was er für uns ganz persönlich bedeutet.“(Hausoul Raymond R., „Das Buch Maleachi“, 376.)

Vers 10
Das führt zu Vers 10, wo Gott dann sagt „o dass doch jemand die Türe des Tempels abschließen würde“: besser keine als falsche, als geheuchelte Opfer, denn daran hat Gott keinen Gefallen. Gott möchte nicht, dass etwas getan wird, weil es ein Ritus ist, ihm geht es um echte, wahre Nachfolge und Gehorsam ihm gegenüber. Unmissverständlich heißt es hier „Ich habe keinen Gefallen an euch und ich verabscheue das Opfer, das ihr mir bringt“ (vgl. dazu auch Jes. 1,13; Mal. 2,13). Es kommen hier unweigerlich auch Parallelen zu den Söhnen Elis auf, die ebenfalls den Dienst vernachlässigten, Gott durch ihr Tun nicht ehrten und zu ihrem eigenen Vorteil handelten (2.Sam 2,12-36).

Im zweiten Teil des ersten Abschnitts rückt nun die Entweihung des Namens Gottes in den Fokus:

Vers 11
In Vers 11 stellt sich die Frage: Auf was bezieht sich Maleachi hier? Ist es eine Aussage, die sich wirklich gerade in den Nachbarvölkern erfüllt, die sich bald erfüllen wird, oder doch erst am Ende der Zeit erfüllen wird? Hausoul spricht sich hier, zurecht, dafür aus, dass es sich, auch aufgrund von Mal 3,1-5, um ein zukünftiges Ereignis handelt. Es geht also nicht darum, dass die Heidenvölker um Israel zur damaligen Zeit gerechte oder richtige Opfer Gott gegenüber brachten, sondern dass dies erst noch passieren wird (Vgl. Jes. 2,2-4).

Der Ausdruck „vom Aufgang der Sonne, bis zu ihrem Niedergang“ ist eine Metapher für die ganze Welt (Vgl. dazu Ps 50,1). Der Name des Herrn steht hier im Mittelpunkt: Er steht am Anfang, in der Mitte und am Ende des Verses und er findet seinen Höhepunkt in Mal. 1,14, wo Gott sagt „Ich bin ein großer König“. Der Name Gottes soll verehrt werden und damit ist nicht ausgedrückt, dass allein sein Name verehrt werden soll, sondern der Ausdruck weist darauf hin, dass Gott, der Herr als Person, als Allmächtiger Vater, als Schöpfer, verehrt werden soll.

Auch die Frage, die in Vers 6 gestellt wird („Wo ist meine Ehre?“) wird hier durch ein „die Heiden werden mich ehren, sie werden mich verherrlichen“ beantwortet.

Vers 12
In diesem Vers kommt es zu einer Wiederholung. Bereits in Vers 7 macht Gott den Menschen deutlich, dass sie ihn eben nicht ehren, ja dass sie ihn sogar entehren durch ihr Tun und ihre Worte (Sie halten den Altar des Herrn und die Opfer darauf für unwichtig und unheilig). Die Priester haben keine Achtung und keinen Respekt vor der ihnen anvertrauten Aufgabe. Die Priester schauen nicht auf Gott, sondern auf sich, der Tempeldienst und die Opfer verkommen zu einem reinen Ritual. Der Glaube wird zu einem Lippenbekenntnis.

Vers 13
Das Volk hat sogar den Mut, all diese Opfer, all ihr Tun als Mühsal zu bezeichnen. Mit dieser Haltung gegenüber Gott und den Opfern machen sie Gott zornig. Gott hasst falsche Opfer, es ist ihm ein Gräuel (Vgl. Dtn. 17,1). Er hasst dies falsche, geheuchelte Frömmigkeit. Dann wiederholt er erneut die Anschuldigungen aus Vers 8, wo er die falschen Opfer anprangert. Allerdings kommt hier der Begriff „geraubt“ hinzu (Auch Raub und Diebstahl waren dem Volk untersagt Vgl. Ex 20,15; Lev 19,11; Dtn. 5,19). Doch hier könnte es auch sein, dass die Menschen entweder gestohlene Tiere opfern wollten oder aber Tiere, die im Sterben lagen.  

Es zeigt sich, dass „der Gottesdienst […] für sie öde und langweilig [war]. Seufzen und Stöhnen gehörten zur Tagesordnung. Die Verehrung Gottes war nur noch eine Last für die Israeliten, denn sie dachten, der Dienst Gottes würde ihr Leben erleichtern und angenehmer machen“. ( Hausoul Raymond R., „Das Buch Maleachi“, 385)

Vers 14
Im letzten Vers dieses ersten Abschnittes wird es dann noch einmal sehr deutlich, wenn Gott sagt, dass manche meinen, sie können ihm ein schlechtes Opfer bringen, obwohl sie ihm gelobt haben, ein gutes zu bringen. Es wird ihnen nicht zum Wohlgefallen dienen (Vgl. Lev. 22,19). Die Konsequenz daraus steht am Anfang des Verses: So jemanden nennt Gott hier einen Betrüger und er wird verflucht für sein Tun.

Auch hier wird die Frage aus Vers 6 beantwortet („Wo ist mein Respekt?“): Gott sagt, dass ihm Respekt gebührt, weil er ein großer König ist (Vgl. Ps 95,3).

Die Strafrede gegen die Priester kann man wiederum in zwei große Blöcke unterteilen: 2,1-3 wo es zuerst um die Entehrung des Namens Gottes durch die Priester und die damit einhergehenden Konsequenzen geht und dann 2,4-9, wo die Priester an ihre Wurzeln erinnert werden und Gott aufzeigt, was es bedeutet Priester zu sein: was wahrer Priesterdienst sein soll.

Mal 2,1
In diesem Vers richtet sich Maleachi direkt an die Priester, dieser Abschnitt ist ganz ihnen und ihrem Fehlverhalten gewidmet. Es leitet eine Drohung gegen sie ein und wir sehen dann in Vers zwei, was es damit auf sich hat.

Vers 2
Wenn sie die Worte Gottes nicht ernst nehmen, wenn sie nicht hören und gehorchen den Worten Gottes (das hebr. Verb שׁמע = ,Schama‘ meint hier ein Hören und dann danach handeln), dann hat dies klare Konsequenzen. Der Auftrag und das, was sie tun sollen, wurde auch schon in 1,6-14 klar: Sie sollen Gott ehren, sie sollen ihm dienen und die Gebote halten. Wenn sie dies nicht tun, wird er sie verfluchen (Vgl. Dtn. 27,15-26; 28,15-68). Gott macht hier unmissverständlich klar, dass er konsequent ist, dass er zu seinem Wort steht und dies auch umsetzen wird. Er wird sie verfluchen und er wird den Segen, den sie aussprechen, in Fluch verwandeln. Die Priester hatten vergessen, dass sie den Segen nicht besitzen, nicht darüber verfügen können, er ihnen gar nicht gehört oder sie ihn nicht erschaffen können. Sondern sie sind auf Gott angewiesen, er ist derjenige, der Segen bewirken kann, der wirklich segnen kann.
Definition Segen= „Ein Wunsch, Ausdruck oder Geschenk für das Wohl eines anderen. Im Falle göttlichen Segens ist es eine Handlung zugunsten des Gesegneten.“ (David Witthoff, Lexham-Glossar Kulturelle Konzepte, 2014)

Vers 3
Wörtlich beginnt dieser Vers mit „siehe ich schelte/bedrohe eure Samen/Nachkommen“. Man könnte aber auch mit der LXX (Septuaginta) übersetzen „Siehe ich trenne euren Arm ab“. Die Aussage ist die Gleiche: Gott macht klar, dass er sie von ihrem Dienst abziehen wird, dass er ihren Dienst nicht segnet und ihnen, symbolisch gesprochen, den Arm abschlägt (das Hände heben war eine Bewegung des Segnens: Vgl. dazu Aaron in Lev 9,22; auch Jesus Lk. 24,50), dass sie gar nicht mehr segnen können und ihre Nachkommen bedroht, dass die nächste Generation nicht mehr Dienst tun wird für ihn.

Im zweiten Teil heißt es dann, dass der Unrat, oder Kot auf sie geschmissen wird. Das hebr. Wort (פֶּרֶשׁ = ,peresch‘) bedeutet aber eigentlich Innereien oder Gedärme. Diese durften nicht im Tempel entsorgt werden, sondern es gab die klare Anweisung, dass sie vor das Lager gebracht werden mussten und dort verbrannt wurden (Vgl. Ex. 29,14; Lev 4,11-12; 8,17; Num. 19,5).

Gott sagt hier: Die Priester werden von dem Tempel entfernt werden müssen, sie haben keinen Platz dort. Sie sind Unrat und unrein, sie dürfen nicht im Tempel sein. Hill bringt es sehr deutlich zum Ausdruck: „No more radical condemnation of the Aaronid line can be imagined.’” = Eine radikalere Verurteilung der aaronidischen Linie kann man sich nicht vorstellen“. (Andrew E. Hill, Haggai, Zechariah and Malachi: An Introduction and Commentary, 309.)

Im dritten Teil werden dann die Priester erneut angesprochen und es findet eine Rückschau statt: Gott zeigt auf, was die wahre Priesterschaft bedeutet, und bezieht sich dabei auf den Bund zu Levi (2,4). Der Höhepunkt ist dann in Vers 8, wo es klar heißt, dass die aktuellen Priester vom Weg abgewichen sind und sogar Menschen zu Fall bringen.

Der Fokus verändert sich hier: Es geht nicht mehr ausschließlich um das Opfern und Entehren von Gott, sondern auch um ihre Aufgabe als geistliche Leiter.

Vers 4
Dieser Vers macht deutlich, dass Gott dies bereits tut, er setzt um, was er in Vers 3 angekündigt hat. Es geht Gott darum, dass der Bund mit Levi bestehen kann. Nun findet sich kein expliziter Bundschluss zwischen Gott und den Leviten. Der Bund Gottes mit den Leviten bezieht sich auf die Auserwählung des Stammes Levi (Num. 3,14-45; 18,23-24; DTN 12,12). Dieser Stamm erhielt kein Land, sondern sollte Gott dienen und den Opferdienst ausführen (Num. 3,44-48; 18,8-24; Auch kann sich dies noch expliziter auf den Bund Gottes mit Pinhas beziehen, wo Gott ihm genau dieses Priestertum zusichert Num. 25,10-13).

Im neuen Testament wird diese Exklusivität des Priestertums auf alle Gläubigen ausgeweitet: „Und auch ihr als lebendige Steine erbaut euch zum geistlichen Hause und zur heiligen Priesterschaft, zu opfern geistliche Opfer, die Gott wohlgefällig sind durch Jesus Christus.“ (1.Petrus 2,5; nochmals in 2,9).

Vers 5
In Vers 5 wird ausgeführt, worin dieser Bund bestand: Leben und Frieden und Furcht vor dem Herrn. Er bekam also alles, was er zum Leben brauchte, Gott sorgte für ihn und die Priester. Gott zeigt sich ihm und er fürchtete seinen Namen, sie hatten aber keine Angst, sondern schauten auf zu ihm als dem Schöpfer und allmächtigen Gott, ja er machte sie ehrfürchtig, indem er sie erkennen ließ, wer er ist.

Vers 6+7
In den nächsten beiden Versen wird dieser Bund mit Levi genauer beleuchtet: Er wandelte auf Gottes Wegen, er hielt sich an die Weisungen Gottes, er wandelte vor ihm, redete nichts Unwahres, war aufrichtig und hielt Menschen von der Sünde ab.

Er war Gott gehorsam, er lehrte das Volk und war ein wahrer Priester Gottes, der sich für die Menschen einsetzte, ihnen half und Gottes Bote war. Sie sollten das Volk geistlich führen, es anleiten und Gottes Lehre den Menschen bringen.

Vers 8
Nun folgt aber die Situationsanalyse auf dieses Vorbild von Levi: „ihr aber“ zeigt bereits den Gegensatz an. Die Priester sind eben nicht auf dem Weg Gottes geblieben und noch schlimmer, sie sind nicht nur selbst abgekommen, sondern sie haben auch andere zu Fall gebracht (vgl. auch Hesekiel prangert diese falschen Priester an Hes. 22,26). Sie brechen die Gebote Gottes, lehren das Volk nicht richtig: Sie kommen ihrer Aufgabe nicht nach. Aus den Ermutigern und Ärzten des Volkes (wahre Priester) sind Räuber und Verführer geworden.

Auch Jesus verurteil gerade solch ein Verhalten (Mt. 18,6-9), aufs schärfste: Er ruft „Wehe dem Menschen, der zum Abfall verführt“. Es zeigt, wie ernst es Jesus und der Bibel ist gerade die gute Lehre, die Botschaft Gottes zu verkünden, nicht abzuweichen, sondern wirklich zu Gott zu führen, keine eigenen Wege zu gehen.

Ganz hoffnungslos ist die Situation aber nicht, wenn man Mal 3,3-4 liest stellt man fest, Gott wird sie reinigen, er will, dass sie ihren Dienst wieder ausführen sollen.

Vers 9
Gott hat die Priester gerade dafür bestraft, er hat sie verächtlich und niedrig gemacht. Er hat sie herabgesetzt, ihnen ihre Würde, Anerkennung und Arbeit weggenommen bei dem Volk, weil sie eben seine Wege, seine Gebote nicht halten, sondern stattdessen ungerecht handeln. Sie schauen die Person an = sie sind parteiisch, bewerten nicht objektiv (Vgl. Lev 19,15; Dtn. 10,17; Ps 82,2).

Unweigerlich klingen bei diesem letzten Abschnitt die Worte aus Jes. 50,6 an, wo Gott auch darüber klagt, dass die Priester ihre Aufgabe nicht erfüllen, dass sie die Herde eben nicht führen.

Dies ändert sich dann auch kategorial im Neuen Testament, wenn Jesus sagt „ich bin der gute Hirte“ (Joh. 10,11.14). Er führt und leitet, weil es die Menschen nicht konnten, weil sie immer wieder abfielen oder abfallen werden.

2.      Verstehen worum es geht

2.1.   Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Heilsgeschichtliche Einordnung)

Maleachi handelt in der Zeit nach dem babylonischen Exil (s. oben). Der Tempel ist wieder aufgebaut, der Messias aber immer noch nicht da. Nach Maleachi schweigt Gott 400 Jahre, bis dann Johannes der Täufer auftritt als nächster Prophet und von der Ankunft Jesus zeugt und das Volk zur Buße aufruft.

2.2.   Predigtanlass

Es ist die erste Predigt im April und es ist der Start der Maleachi-Predigtreihe. Das Thema im April ist: „Mit Gott leben – von ganzem Herzen“. Es ist der erste Sonntag nach Ostern.

Es soll allerdings nicht darum gehen, hier ausschließlich Apelle zu predigen, sondern auch zu erkennen, dass Jesus der Hirte und Priester ist, auf den es ankommt (Vgl. Hebr. 7).

2.3.   Anwendungen / Fragestellungen

  • Welche Opfer bringen wir? Geben wir Gott das Beste, was wir haben, oder sind unsere Opfer auch krank, gestohlen, blind oder lahm?

Was sind wir bereit Gott zu geben, oder was geben wir ihm wirklich? Ist es unsere übrige Zeit, das Geld was am Monatsende übrig ist, die Energie, die wir noch haben, nachdem wir gearbeitet haben, und Sport gemacht haben und uns um unsere Familie gekümmert haben. Wie kann unser Opfer aussehen? Was tun wir aus Gewohnheit oder Pflicht?

  • Was ist die Motivation unseres Tuns? Alle äußeren Dinge, wie großartiges Licht, toller Sound, gute Rhetorik, brillante Logik, gute Arbeit ist alles nichts, wenn nicht alles Gott zur Ehre dient. Wenn es ich nicht verherrlicht, sondern aus unlauteren und falschen Motiven getan wird.  Vgl. dazu Römer 12,1-2 was ist ein wahres Opfer für uns heute?
  • Auch wir Christen können nichts tun, wir können nicht heilen, nichts vollbringen, sondern sind auf den Vater angewiesen, auf den Geist Gottes in uns. Er wirkt, nicht wir! Wir können nicht segnen bzw. keinen göttlichen Segen produzieren, besitzen oder darüber verfügen, wie wir wollen!
  • Was bedeutet es für uns persönlich Gott zu ehren?

3.      Sagen wo es hingeht

  • Es scheint von außen, dass alles gut ist: Das Volk ist zurück im Land, der Tempel ist aufgebaut, die Priester verrichten wieder ihren Dienst, aber der Schein trügt!!! Es ist ein falscher, ein heuchlerischer Dienst. 
  • Ist der Dienst ein Lippenbekenntnis? Was ist in unserem Leben ein Lippenbekenntnis?
  • Was bedeutet es Gott zu ehren?
  • Gott macht unmissverständlich klar, dass er der Segensgeber ist, und ein Abfall und ein Nichterfüllen des Auftrages Konsequenzen für die Priester hat.
  • Sind wir uns unserer Rolle als Priesterschaft (Vgl 1. Petrus 2,1-5) bewusst? Was heißt das für uns? Sind wir bemüht darum, dass andere Menschen (geistlich) nicht stolpern?
  • Wir dürfen wissen, dass Jesus der Hirte ist, der eben seine Schafe nicht auf einen falschen Weg führt, sondern dass er sein Leben für uns, seine Schafe gelassen hat (Joh. 10,14-15).

3.1.   Predigtziel

Das Ziel dieser Predigt ist es aufzudecken, was falsche Opfer sind, was sind falsche Routinen, was leere Bekenntnisse, was sind falsche Priester und dass wir einen Hohepriester haben, der nicht versagt wie die menschlichen Priester.

Wie sieht unsere geistliche Realität aus? Bringen wir auch falsche oder unwürdige Opfer? Was sind gute Opfer? Was gefällt Gott, was sollen wir tun? Wie sollen wir uns ihm gegenüber verhalten? -> Wir sollen ihn und seinen Namen ehren, all das, was wir tun, zu seiner Ehre tun. Und wir dürfen auch Priester sein: Gott möchte uns dafür gebrauchen, dass wir Segen weitergeben, dass wir Menschen begleiten, sie auf den richtigen Weg leiten, ihnen zeigen, dass Jesus der Hohepriester ist, dass er der Hirte ist, auf den man sich verlassen kann, dass er unser Hohepriester ist.

3.2.   Gliederung / Entfaltung

Als mögliche Gliederung kann folgende Einteilung dienen. Natürlich kann auch davon abgewichen werden.

  1. Entehrt durch falsche Anbetung 1,6-1,14
  2. Konsequenz der falschen Anbetung 2,1-3
  3. Wahre Priesterschaft 2,4-9

Von McArthur:

  1. Missachtung von Gottes Altar 1,6-14
  2. Missachtung von Gottes Herrlichkeit 2,1-3
  3. Missachtung von Gottes Gesetz 2,4-9

Von Eckhard Löffler:

  1. Gottes Ehre
  2. Ungeteilte Herzen
  3. Gottes neue Priesterschaft

3.3.   Predigtthema

Mit all unserem Tun sollen wir Gott ehren, kein Lippenbekenntnis leben, sondern ihm dienen, seine Gebote halten, ihm nachfolgen.

Wir sind hineingenommen in Gottes Plan, auch wir sind Priester und sollen Menschen den Weg weisen, auch wir dürfen Teilhaben an Gottes Rettungsplan für diese Welt. Aber wir merken auch, dass wir immer wieder scheitern, dass wir auf Jesus als den einen wahren Hohepriester angewiesen sind, dass es nicht auf uns ankommt, sondern wir unter und mit ihm dienen dürfen.

3.4.   Veranschaulichungen/ Beispiele / Zitate

  • „Mögen wir das Evangelium predigen und manchmal dafür Worte verwenden“ – Franz von Assisi

 (Wolfgang Götz)