Monatsthema: Gott schafft Neues, indem er…
Predigtthema: … den Rückblick ermöglicht
Bibelstelle: Jesaja 30, 8-18
Verfasser: Eckhard Löffler
Vorbemerkungen:
„Aber ihr habt nicht gewollt…“ (V 15b): unangenehmer Eckpfeiler, allerdings kein hilfreicher Einstieg für die Predigt.
Ablehnung von Stillesein und nicht auf den Herrn warten macht tatsächlich alles nur noch schlimmer.
Jesaja will trotz allem „auf Jahwe hoffen und auf ihn harren“ (8, 17). Grundtenor: „SO soll euch geholfen, SO sollt ihr gerettet werden“ (V 15).
Textbausteine:
V 8 Wo Sünden sich sammeln (1), kann kein einfacher Federstrich Abhilfe schaffen.
Jesaja lässt seine abgelehnten Warnungen nun protokollieren. Die eigentlichen Prophetenworte waren mündlich. Gründe für diese besondere Aufzeichnung waren weder der Hang zur akribischen Sammelwut (2) noch frühe Rachegedanken. Gott selbst war der Auftraggeber. Denkbar wäre ein öffentliches Plakat gewesen, wie Luther seine 95 Thesen dem Volk mitteilte. Vor Zeugen angefertigt bleibt diese Schrift Zeugnis.
Gott verstummt nicht, weil einige „wichtige“ Persönlichkeiten nicht mehr nach ihm fragen. Sein Wort bleibt unangreifbare Wahrheit und Richtschnur für alle Zeiten (Mt 24, 35). Verächter, Verdreher und Verkürzer des Gottesworts fallen unter sein Gericht (Offb 22, 19).
V 9 Widerspenstigen können schriftlich festgelegte Rahmenrichtlinien helfen. (3)
Wie wichtig waren Maßstab und Wortlaut der Heiligen SCHRIFT bei allen Änderungs- und „Verbesserungsvorschlägen“ im Lauf der Jahrhunderte!
„Verlogen“ meint die aktive Ablehnung des Gottesworts. (4)
V 10f Wer nicht hören WILL, KANN es auch verlernen und schließlich verstocken.
Gottes Wort enthält NICHT zuerst das, was Menschen gern hören wollen, im Gegenteil: Ohren, Augen und Herzen sind in den Sündenfall mit einbezogen. Menschen meinen, nur glauben zu „können“, was ihnen „einsichtig“ erscheint. Selig sind aber, die nicht sehen und doch glauben, d. h. Gottes Wort vertrauen (Jo 20, 29). Viel schlimmer wäre, Gottes Wort zu kennen, die Wahrheit zu wissen, aber sie trotzdem nicht zu WOLLEN. Gott solle sich mit Vergeben begnügen, das wäre doch „SEIN Handwerk“. (5)
Den Leuten nach dem Mund reden ist eine selbstsüchtige Schwäche, die nicht nur Politiker heimsucht.
„Lass mir meine Ruhe!“ fordert der Toleranzgedanke bis heute. Aber das „Lass mir MEINEN Frieden!“ war immer auch das Hauptproblem der Friedensforscher, sogar Anlass für Streit und Kriege. Die meisten Menschen sind für Ruhe und Frieden, aber hauptsächlich für IHREN Frieden. Das Problem: „Sie KENNEN den Weg zum Frieden nicht mehr“ (Jes 59, 8). „F! F! und ist doch kein Friede!“ (Jer 6, 14). (6) Man will in Ruhe gelassen werden, ist aber selbst voller Unruhe.
Schalom/Gottesfriede meint die Ruhe in Gott, nicht die „Ruhe“ auf einem UN-lebendigen und deshalb stillen Friedhof. (7) Neutestamentlich: CHRISTUS IST UNSER FRIEDE (Eph 2, 14).
V 12ff WEIL Israel Gottes Wort gehört hatte, seinen Rat aber bewusst ablehnte, vertraute es oft selbstsüchtigen Politikern und Propheten. Militärs rieten zur Reiterei, der damals stärksten Waffengattung.
Praxisbeispiel Tonkrug: Ein Haarriss trennt zuerst unsichtbar, leitet aber den Zerbruch ein.
Das Volk Israel wird bis zum Tag, an dem endlich die „Decke“, die den Blick auf Christus verhindert oder verdunkelt, verschwindet (2. Ko 3, 14ff.; V10), auf SICHTBARE Mächte setzen: Die Israel-Geschichte seit
der Staatsgründung war bisher leider auch eine Geschichte von Machtbündnissen und Selbstvertrauen. (8) Dieses Volk wird aber trotzdem bald seinen Messias Christus und die eigene Unzulänglichkeit erkennen.
ISRAELFREUNDE sind in unserer Zeit gesucht, keine Israelfanatiker, die über das Ziel hinaus schießen.
So lange Menschen zu Gottes ganzem Wort NEIN sagen, werden sie ihre Grenzen kennen lernen.
Der Text schlägt durchgängig UMKEHR vor. Haltmachen, die Richtung ändern, stille halten. Wer dazu keine Zeit einplant, bleibt in der ewigen Unruhe des „Nicht-Schaloms“.
Einschub: Solange es das Böse in der Welt gibt, wird niemand die Notwendigkeit von rechtmäßiger Macht bestreiten. Weil aber die Aufrüstung zu allen Zeiten mit der Sorge wegen der Gewalt der Feinde begründet wurde, kommt es zur Steigerung und zum Aufschaukelung von Macht – bis hin zum Nachbarstreit über herabfallende Blätter im Herbst. Die große Weltgeschichte wird nicht von Christen gemacht. Aber die „Stillen im Lande“ ziehen sich deshalb nicht in den inneren Frieden ihres Herzens und ihrer Gemeinschaft zurück. Jesaja weiß sich mitverantwortlich durch mutigen Einspruch, Glauben und Gebet!
Wer gewiss ist, dass Gott unter allen Umständen das letzte Wort spricht, braucht nicht nervös zu werden.
V 16f Teure Waffen bringen noch keinen Sieg. Das Volk, aus dem David, der Goliathbezwinger stammte, konnte nie aus eigener Kraft gewinnen. Bis heute! „Das Streitwagenkorps steigert nur die Geschwindigkeit des Untergangs!“ (Dieter Schneider). Geistlicher Tod hatte oft zu tun mit gehetzten Bemühungen, mit Tempo. „Ihr sprecht: NEIN, sondern … ! DARUM … DARUM… !“ Der Bruch ist selbstverschuldet.
„IHR habt nicht gewollt…“. Die Frustration des Jesaja hat ihren Ursprung nicht in ihm selbst, sondern im Gottesverhältnis seiner Freunde.
ANDEREN muss aber trotzdem geholfen werden! Der Missionsgedanke lebt schon im AT.
Das Wort SEELSORGE kommt im NT zwar nicht vor, aber das ANLIEGEN. Jesus, auch Paulus, leidet darunter, wenn andere von der Gotteswirklichkeit ahnen oder wissen, aber nicht WOLLEN (Mt 23, 37).
V 18 Gericht und Gnade gehören zusammen. Eins wäre sinnlos ohne das Andere.
„DARUM harrt (wartet) der Herr“ im Blick auf seine Vergebung, dass er von der Antwort seines Volkes, seiner Leute abhängig macht.
Neues kann entstehen, wenn Gott die Herzen erreicht. Und das geschieht durch Gnade und Barmherzigkeit.
„Wohl allen, die…“, ein Glückwunsch, der in Psalm 1 ausgeführt wird. Jesus übernimmt diesen Begriff in seinen Seligpreisungen.
Gott baut goldene Brücken: Umkehr – Stillesein – Hoffen auf Ihn bringen Ruhe und Stärke. Fazit: Ohne Zweifel auf Gottes Hände sehen und auf ihn warten! In der Stille wird unsere Zeit in Ewigkeit verwandelt. Stille werden und erkennen, dass der Herr Gott ist (Ps 100, 3).
„Durch Stillesein und Hoffen würdet ihr stark sein!“ Irdisches Hoffen erwartet, dass im Bereich des menschlich Denk- und Überschaubaren sich die Dinge zum Guten wandeln könnten. (9) Gott schenkt mehr: Auf ihn hoffen heißt, über alle Gedanken-, Zeit- und Raumgrenzen hinweg mit Gottes Allmacht rechnen zu können.
Ihm vertrauen, nicht unserer Klugheit, unseren Erfahrungen, unserem Hang zur Anpassung.
„Wenn ihr stille bliebet, könnte euch geholfen werden.“;
„Befiehl dem Herrn deine Wege …; Sei stille dem Herrn und warte auf ihn!“ (Ps 37, 5.7), Kernsätze des AT. (10)
Gliederungsvorschlag
Gott schafft Neues
1. in der Umkehr
2. im Stillesein und Hoffen
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Fußnoten
(1) Sogar die WELT weiß von der automatischen Vermehrung der Sünde.
Friedr. Schiller, 1789, Die Piccolomini, 5, 1: „Das eben ist der Fluch der bösen Tat, dass sie fortzeugend Böses muss gebären“.
Äschylus im Agamemnon: „Die gottlose Tat erzeugt mehr die ihrem Geschlecht gleichen“:
Hamlet in der „Dänischen Geschichte“, der Quelle für Shakespeares Hamlet: „Das eben ist der Fluch der Schuld, dass sie immer wieder Reiz und Veranlassung zu neuer Schuld enthalten muss.“
(2) Goethe in Faust I, Vers 1966f: „denn was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen“…
(3) In jedem Kindergarten, in jeder Eltern-Kinder-Beziehung, in jedem Staatswesen gelten Abmachungen.
(4) Ein Hauptanliegen Luthers: „Das Wort sie sollen lassen stahn!“ (aus Ein feste Burg… Iwwd 311, 4)
(5) « Dieu pardonnera – c´est son métier! » = Gott wird vergeben, das ist ja sein Handwerk. (Voltaire, 1694-1778, in einem christlichen Internat erzogen, über Monate mit einer gläubigen Hugenottin befreundet. Obwohl er die sog. Aufklärungszeit mit begründete, konnte er Gottes Wort offensichtlich nie ganz vergessen.)
(6) Dieter Schneider, Wuppertaler Studienbibel: „In der Anhäufung von nichtvergebener Schuld liegt eine Zerstörungskraft, die selbständig weiterarbeitet.“
(7) Friedr. Schiller, Don Carlos, 1,10: „König: Seht in meinem Spanien Euch um. Hier blüht des Bürgers Glück in nie bewölktem Frieden; und diese Ruhe gönn‘ ich den Flamändern. Marquis: Die Ruhe eines Kirchhofs!“
(8) – bis hin zum Abstreiten, in Dimona keine Atombomben entwickeln zu können / entwickelt zu haben.
(9) Vom Knacken des Jackpots über alle Krankenhausaufenthalte, finanziellen Engpässe und menschlichen Streitigkeiten.
(10) Luther hat in seiner Jesaja-Vorlesung 1527-29 seinen Studenten zu unserer Stelle eine Story erzählt, hier in Übersetzung: „Da war nämlich vor einer Reihe von Jahren ein Bischof von Magdeburg, ein Graf von Bichingen. Als dieser vom Kollegium zum Bischofsamt genötigt worden war, geschah es von ungefähr, dass der Sachsenherzog wegen irgendeines Grolls sich anschickte, ihm den Krieg ins Land zu tragen. Als der Bischof davon Kunde erhalten hatte, rüstete er, als schliefe er einen tiefen Schlaf, keine bewaffnete Macht aus, sondern kümmerte sich um seine Gemeinden, ließ sich in ihnen oft sehen und war auf Schriftlesung und Predigt bedacht, als sei gar kein Krieg zu befürchten. Während ein Spion des Sachsenherzogs sich am Hofe des Bischofs aufhielt und gerade die Meldung eintraf, der Herzog von Sachsen habe den Feldzug bereits in Gang gebracht, sagte der Bischof: Meinetwegen – ich kümmere mich um meine Gemeinden, Gott aber wird für mich kämpfen. Diese Äußerung nahm der Spion mit hinaus und ließ sie an den Sachsenherzog gelangen. Sofort wurde von dem trefflichen Fürsten der Feldzug abgeblasen und das Heer entlassen. Er antwortete nämlich so: „Er sei viel zu sehr der Unterlegene, als dass er gegen jenen kämpfen könne, der Gott zum Mitkämpfer habe“ (WA 25, 203).
So würde es in der Welt öfter zugehen, wenn wir Gottes Wort ernster nähmen.