Jesaja

Predigthilfe vom 14.1.2007 – Jesaja 38, 1-22

Monatsthema: Gott schafft Neues, indem er…
Predigtthema: … den Ausblick gewährt

Bibelstelle: Jesaja 38, 1-22

Verfasser: Eckhard Löffler

Vorbemerkungen
Hiskia regierte ca. 29 Jahre (719-691 v. Chr.; 2. Kön 18, 2). Seine Krankheit und die Genesung fallen zeitlich in die Mitte. Anschließend lebte er noch 15 Jahre (V 5) – siehe auch Paralleltext 2. Kön 20, 1-11.
Jesaja war DER Prophet des AT. Und weil Prophetie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aus der Sicht Gottes erklärt, beschreibt Jesaja ab Kapitel 40 auch Entwicklungen, die z. T. in der Zukunft liegen.
Jesaja heißt Jahwe heilt, Jahwe errettet.
2 Themenbereiche: Hiskias Krankheit und sein Lobpsalm.

Textbausteine
V 1 „Zu der Zeit“ ist eine übliche Redewendung und bindet die Geschichte ein (z. B. 1. Mo 2, 4; Mt 3, 1; Luk 2, 2, – s. Konkordanz).
„Todkrank“ bedeutete den Tod. (1)
Jesaja hatte das Vertrauen aufeinander folgender Könige. Archivar, Biograf, Sekretär, Erzieher (des Hiskia) und wohl auch Arzt am Königshof (2. Kön 20, 7; Jes 38, 21).
„Bestelle…“ (wörtl. „Gib Anordnung für dein Haus“), d. h. ordne, solange du noch kannst. (2)
V 2f Das „Gesicht zur Wand“ beschreibt weder Trotz noch kindhaftes Schmollen, sondern Hiskia wendet sich von allem ab, was ihn beeinflussen kann und redet mit Gott. Allerdings sehr menschlich, indem er versucht, Gott seine Verdienste vorzuhalten, wie oft er Gott zugewandt gelebt hatte; V 2b wörtl. „das in deinen Augen Gute habe ich getan“.
Hiskia war sicher: Wenn Gott gedenkt, greift er ein. Kein theatralisches Weinen. Wer ehrlich weint, ist am Ende. „Tränen sprechen eine Sprache, die Gott versteht.“ (Dieter Schneider) Dürfen Männer weinen? (3)
V 4 Gott redet nicht daher (Ps 33, 9). Sein Wort GESCHIEHT! (Jer 1, 2; Hes 1, 3: Jona 1, 1; Tob 14, 6).
Von der Schöpfung bis zur Herrlichkeit ist Gottes Wort dynamis.
V 5 Gott erhört Gebete. Seine Ziele sind zwar unveränderlich, aber er lässt durch ernstes Gebet über die Wege dahin mit sich reden. (4) Er unterliegt nicht selbstgemachten Zwängen.
Logisch-wissenschaftlich Geprägte haben hier ein Problem. Sie halten sich an unverbrüchliche Regeln und Gesetze, die nicht auf Liebe, Gnade, Vergebung, Neuanfang gründen.
V 5 „Geh hin!“ Glaube und Gehorsam kann nicht nur „auf dem heimischen Sofa“ gelebt werden. (5)
Wenn Gott hört und sieht, sind menschliche Anliegen in den besten Händen.
„Siehe!“ heißt „Achtung, aufgepasst!“, auch wenn die natürliche Augen noch nichts sehen, ist Gott am Werk.
15 Jahre sind eine Gnadenfrist. Der Tod ist damit aber nicht beseitigt, nur aufgeschoben (s. Lazarus Jo 11, 43f).
V 7f Gott setzt oft Zeichen (Regenbogen, Bundeszeichen, usw.). Er bekräftigt DAS WORT durch mitfolgende Zeichen (Mk 16, 20). Wunder und Zeichen sind Hinweise auf die Allmacht Gottes. Naturwissenschaft und Wunder sind für Gott derselbe Bereich.
Sonnenzeiger/Sonnenuhren zeigen durch ihren Schatten die Tageszeit an.
Zur „Uhr des Ahas“ siehe ausführlicher auch 2. Kön 20, 8-11. Jes 7 wird Ahas durch Jesaja zum Glauben gerufen, der ihm Jesus als Zeichen ankündigt (Jes 7, 14).
Schattenrisse abändern ist aus menschlicher Sicht unmöglich.

V 9 Dank kommt nach der Erfahrung von Bedrängnis über die Bitte um Hilfe bis zum Eingreifen Gottes.
V 10 „Der Mensch denkt und Gott lenkt!“, eine Redewendung ohne Herkunftsnachweis, aber mit millionisch vielen Beispielen.
V 12 Das Abbrechen der Hütte, des Zeltes war Zeichen einer Veränderung des Lebensbereiches (4. Mo 9, 18; 2. Ko 5, 1; Hebr 11, 8f).
Der Gläubige im AT kennt den Vergleich seines Lebens mit dem Faden des Webers, der einmal abgeschnitten wird (Hiob 7, 6) (6), ähnlich dem Abbrennen eines Kerzendochts.
Alle Lebenskraft ist erloschen: Verschmachten beschreibt das kläglich-hilflose Verenden eines Lebewesens.
Jeder Stolz und alles Selber-Können haben ein Ende. Nur der Hilferuf bleibt.
Luthers Thema: Gesetz und Evangelium. Unseren verdienten Tod vor Augen brachte Jesus eine neue Gerechtigkeit, Erlösung und Heil (Rö 4, 25 – 5, 1ff; 8, 1ff).
V 15ff Hauptthema: ER hat´s getan. Der Herr hat geholfen (V 20). Grund auch für alle Christuszeugnisse.
V 17 Luthers Übersetzung „Trost“ gehört im Deutschen zur Wortfamilie Treue, vertrauen, Vertrag, vertragen. Echter Trost hat immer seinen Rückhalt im zuverlässigen Herrn.
Wörtl. „Zum Heil wurde mir die Bitternis, bitteres Leid.“ (siehe auch rev. Elberfelder). „Der Weg durch die Verzweiflung war nötig, weil das Heil nicht anders offenbar geworden wäre.“ (Dieter Schneider). (7)
Die rev. Elberfelder Übersetzung titelt den Abschnitt „Vom Segen der Krankheit“.
„Seele“ ist für den Hebräer der ganzheitliche Mensch, nicht nur sein frommes Innenleben. (8)
V 20 Erlebte Hilfe hat Folgen (Ps 66, 13ff; Ps 118, 17; Lebensbilder von Paulus und Missionaren bis heute).
Grund zum Feiern! (Ps 66 u. a.) Lobpreis gehört zum Gottesdienst, aber nicht nur um menschlicher Erfahrungen willen, sondern WEIL GOTT IST.
V 21f Jesaja war auch Arzt. Trotzdem lässt er einen Kollegen übliche Medizin verschreiben. Feigenkuchen kann wohl Geschwüren schädliche Substanzen entziehen.
Bei allen Glaubenserfahrungen verzichtet Jesaja nicht auf ordentliche, ärztliche Versorgung und anerkannt wirksame Medikamente. Auch der große Glaube an Gottes Heilkräfte wird nicht die gesundheitsfördernden Mittel der Medizin ablehnen.
Hiskia kann wieder jubeln, weil er als Kranker vom Gottesdienst ausgeschlossen war, nun aber wieder teilnehmen darf. „Gott loben, das ist unser Amt!“ (aus: Nun jauchzt dem Herren, alle Welt…, V 5)

Gliederungsvorschlag
Gott schafft Neues
1. Er hilft verstehen und schafft Ausblicke
2. Ihn loben, das ist unser Amt
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Fußnoten
(1) Weder Notrufnummern noch Notfallärzte. Keine Intensivstationen. Wer „todkrank“ war, starb meistens.
(2) „Haus“ schließt Hiskia samt seiner Verwandtschaft ein, auch in geistlicher Hinsicht.
Also 1. Ordne deine Vergangenheit gegenüber Gott und deinen Leuten. 2. Für das Morgen besteht für Väter und Verantwortliche eine Fürsorgepflicht. Sie haben Nachfolger, d. h. vorerst Anbefohlene für ihren künftigen Einsatz im Reich Gottes zeitig und ausreichend anzuleiten. Hiskia war König:
Praxis: Welche Politiker sehen über den Tellerrand ihrer zeitlichen Verantwortung hinaus? WELCHE WICHTIGKEIT wird „verdienten, unersetzlichen“ Mitarbeitern zugemessen? Welche Bezirks- und Gemeinschaftsleiter sehen ihre Verantwortung darin, NACHFOLGER ZEITIG zu suchen und anzuleiten? Viele Bauernhöfe, Betriebe, Geschäfte, sogar einzelne Missionswerke überdauerten kaum/nicht, weil ihre „verdienten Gründerväter“ nicht abgeben konnten.
Vorschlag: Wer in der Gemeinschaftsbewegung über 65 Jahre zählt und noch keinen qualifizierten Nachfolger eingewiesen hat, sollte den Rat seines Verbandes einholen oder einholen lassen, weil im Lauf der Jahre schon viele in Frage gekommene, begabte Persönlichkeiten abwanderten.
(3) Männer halten eher die aktuelle Politik oder Fußballergebnisse zum Weinen. J. A. Bengel fragte zu Offb 7, 17 und 21, 4: „Was soll Gott den Männern denn mal abwischen, wenn sie gar nicht mehr über SICH weinen können?“
(4) Weshalb sind eigentlich ausgerechnet Gebetsversammlungen so schlecht besucht?
„Gebet ist in unserer Zeit die höchste Form von Energieentfaltung“ (Walter Tlach).
Z.B. 1. Mo 6, 6 „Es reute ihn, dass er die Menschen gemacht hatte; V 8 „Aber Noah fand Gnade“.
Oder Jona 3, 10 „Als aber Gott ihr Tun sah, … reute ihn das Übel … und er tat´s nicht“.
Oder 2. Petr 3, 9: „Der Herr verzögert nicht die Verheißung, … sondern er hat Geduld mit euch und will nicht …“.
(5) Jesus ordnet oft an: „Geht hin …“ (s. Konkordanz).
Gehen hat allgemein mit Fortschritt zu tun: Von Jesus fort/weg (Judas Mt 27, 5), zu ihm hin (Jo 1, 42), auf Sein Wort hin zu Anderen (Mk 16, 15), oder um Sein Wort im eigenen Leben umzusetzen (Jo 5, 14; Jo 6, 68).
(6) siehe Lied: „Meinen Jesus lass ich nicht“ (Iwdd 270): V3 „Wenn der Lebensfaden bricht…“.
(7) Zum Segen gehörte für Jakob ein chronisches Hüftleiden (1. Mo 32, 32), für Paulus ein „Pfahl im Fleisch“ dazu (2. Ko 12, 7). Für viele Jesusleute bis heute zählen ihr Vorleben mit Leiden, Schuld und Zerbruch dazu.
Wenn der Herr uns stolze Menschen nicht anders von unseren hohen Rössern bewegen kann, geht es manchmal nicht ohne göttliches Abbremsen. Gläubige Kranke wissen darüber Bescheid.
Lied „Herr, du hast uns gerufen“, V3: „Du führtest uns in Nöte, du nahmst uns unsre Kraft. Auf keine andre Weise hättst du es sonst geschafft.“ (Iwwd 290).
(8) Das Gewissen beisst und schlägt, der Magen rebelliert, das Herz schlägt vor Freude, bleibt vor Schreck fast stehen, „Mein Herze geht in Sprüngen…“ (P. Gerhardt), Kniee werden weich, die Vergangenheit lastet auf den Schultern (Ps 32, 3). Psychosomatische Zusammenhänge wurden in der Medizin erst in den letzten Jahrzehnten ernster genommen.