Monatsthema: Gott schafft Neues, indem er…
Predigtthema: …den Durchblick schenkt
Bibelstelle: Jesaja 40,27-31
Verfasser: Eckhard Löffler
Vorbemerkungen
Jesaja gilt als DER Prophet und Theologe im AT. (1) Sein Gottesverständnis definiert er genau und manche Stücke lesen sich wie Ansätze zu einer lehrhaften Verdichtung des Glaubens.
Mit Kap. 40 beginnt das sog. Buch des Trostes und der Erlösung (bis Kap. 66). Gott kehrt heim mit seinem Volk. Müde Gewordene werden durch Gottes Schöpferherrlichkeit ermuntert und neu gestärkt.
Textbausteine
V 27 Israel fühlte sich verlassen: Resignation und Trotz. Gott hat uns aus den Augen verloren. Vgl. V 26: Wer sämtliche Sterne kennt und ordnet, wird auch ausreichend Kraft für unseren „kleinen“ Alltag haben.
V 28 Der die Erde komplett geschaffen hat, kennt auch die kleinsten Winkel bis ans Ende der Welt.
Gott hat weder Regenerationskuren noch Aufbauspritzen, weder Urlaub noch Entmüdungsbäder nötig. Er wird nicht matt und nicht müde.
Wer von Schöpfung spricht, meint damit, dass das Leben seinen Urgrund von „außerhalb“ bezog, nicht aus uns selbst. D.h. aber: Gott will mich! Er sagt JA zu mir. Keiner muss mit seinen Schicksalsschlägen kämpfen mit Windflügeln. (2)
V 29 ER will seine unerschöpfliche Macht Anderen mitteilen. Müde macht ihn nicht seine Weltregierung, aber der „heuchlerische Gottesdienst seines Volkes“ (Dieter Schneider) (Jes 1, 14; 7, 13).
Ein Hinweis auf Jesus (Mt 11, 28ff), das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt trägt (Jo 1, 19; Jes 53, 4).
Gottlose, Alleskönner, „autonome“ Menschen leiden kaum unter ihrem Unvermögen.
V 30 Das Volk hatte erlebt, wie fremde Mächte die Stärkeren waren und die eigenen jungen Krieger müde wurden und erlahmten. Müdigkeit steckt an wie das Gähnen und lähmt Gedanken, Muskeln, den ganzen Körper.
V 31 „Auf den Herrn harren“ deutet nicht zuerst auf „nichtsdenkende Fromme“ hin. Harren ist mehr als nur Abwarten: Ein Wissen vom Stärkeren, der einmal ALLES ordnen wird. Gottes Kraft hat eine ganze Welt samt uns in Gang gesetzt, wie sollte Ihm etwas zu viel werden können. (3)
Schwingen (wörtl.: Schwungfedern) (4) und neue Kraftreserven ermöglichen den neuen Flug.
Gott ist Erlöser und Neuschöpfer. „Er gibt nicht nur Kraft zum Tragen, auch Kraft zum Fliegen!“ (K. Elliger).
Dabei geht es nicht um ein „Abheben aus realen Verhältnissen“ in fromme Traumwelten. Fromme Träumer und Schaumschläger gab es immer mehr als genug. Aber das Volk Gottes ging mit beiden Beinen auf der Erde zielgerichtet ins verheißene Land zurück. Startbefehl und Zielpunkt waren von Gott und gehörten zusammen. Jeder Aufbrechende sollte wissen, wohin es geht. (5)
Leute, die von der Kraftzufuhr Gottes leben, die „auf den Herrn harren“, erwarten noch Großes, das über ihre Vorstellungskräfte hinausgeht. Sie leben im „Aufwind“ Gottes. (6) Die Kraft, die sie „beschwingt“, ist nicht die eigene, denn nicht vorhandene Kräfte können nicht mobilisiert werden.
Das Heil, die Wiedergeburt, die Neuausrüstung des Menschen liegen „extra nos“ (Luther), „außerhalb von uns“ und unserer Macht. Im Menschen wird kein „guter Kern“ verstärkt, kein Glutrest unter der Asche wiederentfacht. Der Ofen ist aus und der Mensch ohne Gott letztlich leblos, schwunglos.
Christusnachfolger sind Mutmacher, weil ihre Hoffnung nicht aus eigener Fabrikation stammt. Gott kann alles zum Guten wenden. (7)
Christus ist unser Leben (Rö 14, 8; Gal 2, 20). Das Seil der Hoffnung (3) zieht nach vorn.
Gliederungsvorschlag
Neue Menschen aus Gottes Kraft (nach Gottfried Voigt)
1. Gott hat die Macht
2. Gott wird nicht müde
3. Gott macht uns jung
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Fußnoten
(1) Gerhard von Rad: „Das gewaltigste theologische Phänomen im AT“, wobei Gottes selbst sicher noch gewaltiger ist…
(2) Miguel Cervantes: Don Quijote
(3) Im Hebräischen sind die Wörter für Harren und Hoffen verwandt mit dem Begriff Schnur, Seil.
Hoffnung „zieht“ uns. Man hat am Vorabend einer schönen Urlaubsreise mehr Schwung, als wenn man von ihr zurückkehrt. Hoffenden „wachsen Schwingen/Schwungfedern“ (V 31), sie werden „beschwingte“ Menschen.
(4) Schwungfedern tragen und bewegen vorwärts. (www.digitalefolien.de/biologie/tiere/voegel/feder.html,
s. auch www.lilienthal-museum.de/olma/dokvo38.htm
Wie ein idealer Klettverschluss verhaken sich die Hakenstrahlen einer Feder mit den angrenzenden Bogenstrahlen der Nachbarfeder. Junge Vögel kennen diesen Mechanismus noch nicht und erfahren beim ersten Fall/Flug, dass Gott sie hervorragend ausgestattet hat.
(5) Anekdote: „Manchmal plaudern Start und Ziel miteinander: Es sagt das Ziel: `Stände ich nicht hier – wäre jeder Start ziellos.´ Und der Start sagt: `Das ist schon richtig, aber denke einmal, ich wäre ziellos, was dann?´ Das Ziel: `Das wäre mein Tod!´ Da lächelt der Start: `Jaja, so ist es. Wir gehören zusammen, Herr Vetter.´“
(6) Beispiel: Einer der ersten, die in Württemberg das Fliegen probiert haben, war ein einfacher Schneider. In Ulm lebte er, dieser Albrecht Berblinger. Am Anfang des vorletzten Jahrhunderts baute er sich sein Fluggerät, ein halb starres, halb bewegliches Gestell. Nähen konnte er ja und was fliegen heißt, das sah er an Adlern ab, die er in den Lüften schweben sah. Er staunte über diese Fähigkeit – und er dachte: Das möchte ich auch – so fliegen können … Und er spürte etwas, was nach oben tragen kann. Er nutzte die Aufwinde, ließ sich und sein Fluggerät von ihnen tragen, er fuhr als einer der ersten Menschen von dieser Tragkraft der Luft – bis der Landesfürst kam, und der wollte den Schneider von Ulm fliegen sehen. Er wollte, dass der verrückte Flugpionier seine Künste an der Donau vorführen sollte. Am 31. Mai 1811 geschah es dann: Über die Donau sollte der Schneider fliegen, so wollte es der Landesherr. Aber Berblinger wollte nicht – er ahnte etwas von den Abwinden, die nach unten ziehen. Aber es war vergeblich, dass er sich wehrte. Der Fürst verlangte, dass er seine Absprungrampe an der Donau aufbaute, und unter großem Hallo der Zuschauer stürzte er kläglich in die Donau. Später sang man in einem Volkslied spöttisch über ihn: „Der Schneider von Ulm hat´s Fliegen probiert.“ Aber ein Reinfall war es doch nur, weil es die falschen Winde waren über der Donau. Dort drüben an den Hängen der Alb – da hätte es Aufwinde gegeben. Jesaja 40 will uns erinnern, dass es göttliche Aufwinde gibt, neue Kraft zum Auffahren mit Flügeln wie Adler, zum Laufen und Nicht-müde-werden. Aufwinde gegen die innere Mattigkeit, Aufwinde gegen den Frust (nach Prälat Ulrich Mack, Christustag 1996).
(7) Bibl. Beispiele:
– Ps 36, 10: Bei dir ist die Quelle…; Ps 87, 7: Alle meine Quellen sind in dir! (Hier ist zwar die Rede von Zion, der Stadt Gottes, aber ihr Sein und Wirken bestimmt eben auch Gott allein.)
– Als der alte Abraham auf eigene Kraft vertraute und Gott vorgriff, entstanden Probleme. Ismael war nicht Folge des Vertrauens auf Gottes Wort.
Große Versuchung: Menschen wollen Gott zu Hilfe kommen, wenn es ihnen zu lange dauert.
– Hagar irrt in der Wüste – hoffnungslos (1. Mo 21, 14ff). Wie leicht erschöpft sich alles Empfangene, wenn Not und Durst schlimmer werden.
– Hanna (1. Sam 1f): Göttliche Möglichkeiten durchbrechen unsere Unmöglichkeiten.
– Josua vor Jericho (Verheißungen: Jos 1, 9; Jos 6, 2); Josuas Antwort: Vertrauen auf Gottes Wort.
– Prophetenwitwe in Zarpath (1. Kön 17): Verheißung 1. Kön 17, 14; Umsetzung 1. Kön 17, 16.
– David in Ziklag. Istzustand 1. Sam 30, 4-6; Gottvertrauen V6b.
– u.v.a.