Monatsthema: Leben ohne Kompromisse vor dem Herrn
Predigtthema: Dem Herrn aus ganzem Herzen geben
Bibelstelle: Maleachi 3,6-12
Verfasser: Eckhard Löffler
Vorbemerkungen
Die Unveränderlichkeit Gottes wird mit unserer Pflicht, uns zu ändern, verglichen. „Bekehrung ist das Gebot der Stunde!“ (G. Maier).
Erklärungen und Tipps:
V 6.7a Gott ist nicht wetterwendisch. Hiob beklagte schon die Unzuverlässigkeit seiner Brüder „Ihr habt treulos gehandelt wie ein Wildbach, wie das Bett der Wildbäche, die vergehen“ (Hi 6, 15). Und Jeremia klagte sogar zeitweilig über Gott „Ja, du bist für mich wie ein trügerischer Bach, wie Wasser, die nicht zuverlässig sind.“ (Jer 15, 18). Die Sturzbäche suchen sich nach heftigem Regen immer neu in Wadis ihren Weg. Auf ihren Routenverlauf ist kein Verlass. Einem Gott, der sich ständig wandelt, könnte man nicht trauen, auf ihn wäre kein Verlass. Aber Gott IST vertrauenswürdig (Ps 33, 4) im Gegensatz zu Menschen (Ps 78, 8.57; Rö 1, 31; 2. Tim 3, 4).
Der Herr erfüllt die Bundespflicht gegenüber seiner Bundesgemeinde, die allerdings IHRE Bundespflicht vernachlässigt und ignoriert. Die Unzuverlässigkeit ist seit dem Sündenfall zur Versuchung und Erbschuld geworden.
Die „Natur Jakobs“ bestand teilweise aus Hinterlist und Tücke, Übervorteilung und Betrug. (1) Die Notwendigkeit der Veränderung (Erneuerung) liegt also auf Seiten der Gemeinde: In ihr waren Anpassung und Wechsel beständig geworden.
V 7b Gott deckte Sünde nicht zuerst auf, um endgültig zu verurteilen, sondern um zu helfen. Seine Hilfe kennt nur eine Vorbedingung: Umkehr, Bekehrung. Der Mensch „wendet“ (auch hebr. Bedeutung), dreht um, kommt heim (Lk 15, 11ff; Jo 6, 37). Das ist der einzige Weg zur so genannten „Selbstfindung“. (2)
Aber auch Gott will sich „bekehren“ von der Abwendung vom Menschen, die der Mensch selbst bewirkt hat, zur Zuwendung, – von Zorn und Gericht zur Gnade.
V 7c WARUM sollen wir uns bekehren? Hier geht es nicht um die Halsstarrigkeit des damaligen Gottesvolkes. Diese Frage ist höchst aktuell und verweist auf die menschliche Selbstgerechtigkeit, die von Kindesbeinen an „selber groß“ und selbstständig sein will. Israel wusste immer, was Bekehrung beinhaltet. Die Frage ist: WARUM? Ein schwacher Trost ist, dass überhaupt gefragt wurde. Das Verhältnis zu Gott war also noch nicht ganz unerheblich geworden.
V 8 Gott berauben ist der Todesstrafe würdig (Achan in Jos 7; Ananias in Apg 5). (3) Jesus erinnert: „Gebt Gott, was Gottes ist“ (Mt 22, 21; Mk 12, 17; Lk 20, 25). Und der Blickwinkel bleibt nicht verengt auf Kirchendiebe beschränkt, sondern erweitert auf die Tatsache, dass Kinder Gottes Gott gehören, mit allem, was ER ihnen anvertraut hat.
Der ständige Wechsel zwischen Antwort und Rückfrage ist bis heute typisch für alle jüdischen Talmud-Thora-Schulen.
„ZEHNTER und Abgabe“ bedeuten eine Art Steuer, die im weltlichen und religiösen Bereich gebräuchlich war. Sie gründet sich auf einem Rechtsverhältnis: Aller Besitz ist nur verliehen. (4) In Israel waren weltliche Zehnte an die Könige und Besatzungsmächte abzuliefern (1. Sam 8, 15.17; 1. Makk 10, 31; 11, 35).
Die Erzväter überließen Gott den Zehnten teil ihrer Erträge (1. Mo 8, 22). Dann erhielten die Leviten diesen Teil, weil sie auf Ackerland verzichten mussten (3. Mo 27, 30ff). Die Leviten gaben von ihren „Steuereinnahmen“ den Zehnten an die Priester ab (4. Mo 18, 25ff). Alle 3 Jahre erhielten die Leviten, Armen, Witwen und Waisen diese Gabe (5. Mo 14, 28f; 26, 12ff).
Grund dieser Abgaben war immer: ALLES, was wir „besitzen“, gehört letztlich nicht uns, sondern Gott. (5)
Unter ABGABEN fielen die Beiträge zur Stiftshütte (2. Mo 25, 1ff; 35, 4ff), Teile aus der Kriegsbeute (4. Mo 31, 32ff) und Landesteile in der Endzeit (Hes 45, 1).
Die Begriffe Abgabe, Erstlinge und Zehnter beschrieben alles, was dem Herrn, den Priestern und Leviten zustand.
Offensichtlich gaben die Israeliten weniger, als Gott ihnen vorgeschlagen und zugetraut hatte. Aber das lag nicht an der schwierigen Lage der damaligen Wirtschaft, – die war ja nur die Folge der Abnabelung vom Herrn. (6) Man hatte die Selbstversorgung in die eigenen Hände genommen, aber der Mensch ist letztlich eben nicht autonom und zittert vor Wetterumschwung, Unwettern, Erderwärmung oder –abkühlung, u. a. (siehe auch Hag 1, 5f).
„Das Wohl eines Landes hängt davon ab, ob sich seine Bewohner nach dem lebendigen Gott richten.“ (G. Maier)
V 9 Offenbar beraubten nicht nur die Priester und Leviten ihren Gott, sondern das ganze Gottesvolk. Der Spendenrückgang war keine Folge von Armut und Teuerung sondern wuchs aus dem gestörten Verhältnis zu Gott.
Der Fluch hat hier keinen Ewigkeitscharakter, sondern Gott bleibt zur Wiederannahme seiner so „selbstständigen“, besser ausgedrückt: „selbstsüchtigen“ Leute bereit (siehe V7b).
V 10 Kaum ein Maleachi-Vers ist so berühmt geworden – und vom Hörensagen kennen viele Gemeinde- und Bezirkskassiere den genauen Wortlaut besser als ihren eigenen Konfirmationsspruch.
Hier ist aber daran zu erinnern, das die christliche Gemeinde mit allen Mitgliedern dem Herrn mit Haut und Haar gehört. IHM verdankt sie alles und deshalb gehört ihm ALLES, – über die täglichen Kalendereintragungen (Ps 31, 16), die privaten Kontostände (Kol 3, 17) bis hin zu den Regeln beim Essen (1. Ko 10, 31). (7)
Die alte Zehnten-Regel in Israel ist ein Vorschlag, den Gotteskinder beherzigen dürfen. Niemand MUSS, weil IHM ja alles gehört. (8)
Nimm du mich ganz hin….
Gott prüfen ist ein überraschender Vorschlag. Sonst prüft ER die Menschen. (9)
Gott ist bereit, sich testen zu lassen, (10) und nicht nur beim Zehnten. Wer sein Wort anerkennt und umsetzt, wird erfahren, dass es einen lebendigen Gott gibt und auch erleben, wie Er ist (Jo 7, 17).
Praktische Ratschläge dazu: Christen haben nicht gesetzmäßig den Zehnten Teil ihrer Einkünfte an ihre Gemeinde oder Missionen zu entrichten. 1. Sie sind völlig frei im Blick auf die Höhe ihrer Spenden. Sie gehören dem Herrn und Gott sieht ihr Herz an (1. Sam 16, 7), 2. Ihre eigene Gemeinde sollte hier Vorrang haben, 3. Die Äußere Mission sollte ihren Anteil haben, aber 4. man darf sich bei der zunehmenden Flut der „dringenden Bettelbriefe“ mit Geschwistern des Vertrauens beraten. Klartext: Notschreiben unbekannter Missionen, die finanzielle Unterstützung anmahnen, dürfen getrost dem Papierkorb anvertraut werden.
Gott wird auch diese Einrichtungen begleiten, ernähren und schützen wenn sie umfassend auf sein Wort bauen.
„Und ich will Segen herabschütten im Übermaß“ könnte die idealste Geldanlage aller Zeiten sein, wenn Unsere Wohlergehen und Kontenstände wirklich das Wichtigste wären.
Der SEGEN wurde im AT eher handgreiflich verstanden: Große Äcker, volle Ernten, viele Kinder, hohe Kontenstände, eine Fülle von Gütern (1. Mo 39, 5; 49, 25f; Ps 21, 4; 84, 7; Spr 10, 6). Das wirkt sich bis heute aus. (11) Segen will fast jeder. (12)
V 11 Die „Fresser“ waren wohl die damals sehr großen Heuschreckenschwärme (Joel 1, 4; 2, 25).
Gegenwind gab und gibt es genug bei allem, was Landwirte und Industrielle anstellen. Aber: Gott ist dabei!
Viele warten auf Gottes Hilfe, wenn sie klug sind (Ps 145, 15).
V 12 Das Land Israel wurde tatsächlich gegen alle Erwartungen wieder zum Blühen gebracht. Gott hat es so versprochen. Menschen waren und sind beteiligt. Deshalb geht in der Politik und Praxis Israels sehr Vieles menschlich zu. Kein Land der Welt mit ureigener Vorgeschichte kann sich darüber erheben und besserwisserisch Ratschläge erteilen.
Ein Superversprechen. Heiden (das heißt: die Welt) wird das Gottesvolk des AT UND nebenbei auch des NT einmal glücklich preisen.
Wenn der Herr das Haus baut (Ps 127), – wird´s immer was, auch wenn es sehr lange dauern sollte.
Gliederungsvorschlag
1. Auf den Herrn kann man sich verlassen
2. Seine Leute gehören ihm ganz
3. Er wird´s wohl machen (siehe auch Ps 37, 5.7)
Liedvorschläge siehe unten (8)
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Fußnoten
(1) Die Namen in biblischer Zeit waren nicht nur Rufmittel, sondern kennzeichneten die jeweilige Person. Darum haben Namensänderungen tiefere Bedeutung (1. Mo 32, 29). Aus Simon, Jonas Sohn (Jona = Taube, auch ein Bild für deren Flatterhaftigkeit) wird Petrus (= der Fels; Jo 1, 42).
Der hebr. Name Jaakhob hängt mit dem Wortstamm qb zusammen, von dem sowohl aqeb = Ferse wie das Zeitwort aqab = betrügen, hintergehen abgeleitet sind. Deshalb werden als Bedeutungen angenommen: »Er hält die Ferse fest« und »Er betrügt« (vgl. 1.Mo 25, 26; 27, 36; Hos 12, 4).
(2) Kirchenvater Augustin: „Mein Herz ist unruhig, bis es Ruhe findet in dir.“
(3) Raub in Tempeln und Diebstahl in Kirchen war und ist nichts Ungewöhnliches.
(4) In der Spätantike entwickelten sich die Beziehung zwischen herrschenden Personen und Untergebenen auf einem herrschenden Konsens, der allgemein üblich und anerkannt war.
In der römischen Kultur war es üblich, dass ein Patron (reicher römischer Bürger) automatisch seine freigelassenen Sklaven weiterhin in einem Abhängigkeitsverhältnis behielt (Klientelverhältnis). Dieses besagte, dass die Klientel ihren Patron, wenn dieser es wünschte, im Kriegsfall zu begleiten und zu beschützen hatte, an Gerichtstagen diesen als lautstarke Partei zu begleiten sowie wenn dieser im öffentlichen Leben stand, ihm als Assistenten zu dienen und ihn zu Repräsentationszwecken in die Öffentlichkeit zu begleiten hatte.
Hiergegen hatte der Patron seinen Klienten rechtliche und tatsächliche Unterstützung in allen Lebensbeziehungen zu gewährleisten. Auch ein römischer Bürger, Nichtrömer und sogar ganze Völker im römischen Reich konnten sich in ein Klientelverhältnis begeben.
Im germanischen Bereich verstand man unter LEHEN das ausgedehnte Nutzungsrecht an einer fremden Sache, das sich auf eine Verleihung seitens des Eigentümers gründet, die zugleich zwischen diesem und dem Berechtigten das Verhältnis wechselseitiger Treue hervorruft. Lehensleute und ihre Vasallen hatten an ihre Herren regelmäßige Abgaben zu liefern.
(5) Und jemand (Zinzendorf?) sagte, dass Gott später einmal nicht fragen wird, ob wir den Zehnten ordentlich abgeliefert haben, sondern wie viel vom Rest, den Gott auch anvertraut hat, bei uns für welche Zwecke hängen geblieben ist.
(6) Überraschend ist, dass gerade arme Gotteskinder oft verhältnismäßig viel opfern. Hier gilt offensichtlich nicht die Regel, möglichst viel für sich behalten zu müssen. Ein großes Vertrauen in Gottes Fürsorge wird sichtbar. Reichtum erhöht nicht zwangsläufig die Spendefreudigkeit (Mk 10, 17ff; Lk 12, 16ff. 48).
(7) Deshalb schrieb Johann Sebastian Bach über seine Musikwerke: Soli Deo Gloria – ALLES zur Ehre des Herrn.
(8) Siehe Lieder in Iwdd: 207 Nimm mein Leben; 212 Nimm du mich ganz hin
(9) Prüfung hat im NT auch die Bedeutung von Erprobung. Wie eine staatlich geprüfte Krankenschwester ihre Abschlussprüfung unter keinen Umständen noch einmal durchmachen will, ist sie doch froh über die Folgen.
Jemand sagte: In den Prüfungen durch Gott kommen wir immer einen Schritt weiter, aber meistens in der Richtung, in der wir uns vorher befanden. D. h. leider auch: Not lehrt nicht nur beten, sondern auch fluchen.
(10) Den Mitarbeitern der Stiftung Warentest, die an Gott kein Interesse haben, bleibt nur der argumentative „Ausweg“, dass man sich in dieser Einrichtung nur um Waren kümmert…
(11) Z. B. die „Geschäftsleute des vollen Evangeliums“, eine schnell berühmt gewordene Richtung pfingstlerisch ausgerichteter Gruppen. 1984 wurde noch unter dem Namen „Geschäftsleute des vollen Evangeliums Internationale Vereinigung“ eingeladen. Nachdem der geistliche Hintergrund zu bekannt geworden war, nannte man sich um in „Christen im Beruf“: Wer nur richtig auf Gott vertraut, bleibt gesund, wird reich und glücklich. Die Gruppen mit Wohlstandsversprechen entstanden überwiegend in Amerika, aber auch in Deutschland wird damit geworben: WENN du … , DANN wird Gott….
Der lebendige Gott, der seine GNADE allen anbietet (1. Tim 2, 4; Ps 103, 11), ist auf unsere Vorgaben und Leistungen nicht angewiesen.
(12) Helmut Thielicke: „Wenn Gott segnet, immer nur her damit. Ein Zentner Segen mehr macht uns kein Problem.“ Aber beim WEITERGEBEN klemmt es.
2 Beispiele:
1. Jeder Bananen-Großhändler öffnet seine Tore im Hamburger Hafen weit, wenn frische Ware angeliefert wird. Wenn er aber mal auf seinem „Segen“ sitzen bleiben wollte, würde ihm alles unter der Hand verderben.
2. Das Volk Israel hatte in der Wüste Ernährungsprobleme (2. Mo 16) und betete um Unterstützung. Gott versprach Hilfe und setzte ein Limit fest. Und als man MEHR einsammeln wollte, als Gott gab, verfaulte der Segen Gottes in den Taschen.
Gottes Segen kann man nicht konservieren. Er ist immer frisch oder gar nicht.