Lukas

Predigthilfe vom 4. Januar 2015 – Lukas 15, 1-10

Predigtthema: Jesus nimmt die Sünder an
Predigttext: Lukas 15, 1-10

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext
Finden wir z.B. in „Das Neue Testament“ erklärt und ausgelegt von John Walvoord und Roy Zuck (Hänssler-Verlag)
Und natürlich in diversen Studienbibeln, von denen man als Verkündiger verschiedene haben sollte.
1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Hilfen zur Auslegung bieten z.B.
* Wuppertaler Studienbibel
*Edition C

Bitte studiert auch den hilfreichen Predigttipp von Thomas Richter zum 09.10.2011 unter www.studienbibel.de zu Lukas 15, 1-10 oder von Matthias Köhler zum 30.03.2003 unter www.studienbibel.de.

Anmerkungen:
V 1: „Zöllner“ und „Sünder“ waren damals für viele Leute gleichbedeutend.

V 3: Adressat sind ganz klar die Pharisäer und Schriftgelehrten, also „die Frommen“ ihrer Zeiten. Die Gleichnisse sind also in ihrer Intention nicht „direkt“ missionarisch oder seelsorgerlich: „Schau, wie lieb Jesus dich, den Sünder, hat.“
Sondern sie sind eher indirekt missionarisch bzw. fodern zur aktiven Mission heraus: „Schau, wie lieb Jesus den Sünder hat, und nun mache es ihm nach und suche auch das Verlorene“.

V 4: Jesus formuliert als Frage und es ist tatsächlich eine spannende Frage, wie viele Hirten oder in diesem Fall sogar Besitzer tatsächlich 99 Schafe in der Wüste alleine lassen würden, um ein verlorenes Schaf zu suchen. Der betriebswirtschaftliche Schaden dürfte am Ende weitaus größer sein, wenn ein wildes Tier über die 99 schutzlosen Schafe herfällt, als wenn das eine Tier einfach abgeschrieben wird. Die Frage ist, ob dieser Hirte nicht tatsächlich irdisch betrachtet sogar „dumm“ ist, wenn er die 99 zurück lässt, es ist eine „irrationale Liebe“, die gerade in diesem ersten Gleichnis zum Ausdruck gebracht wird. Oder man könnte es auch anders sagen: Niemand wird verloren gegeben, egal was es kostet. Und wenn der gute Hirte sein eigenes Leben gibt, wie viel mehr darf er das Leben der übrigen Schafe „aufs Spiel setzen“.

V 7: Hier ist die eigentliche Pointe des Gleichnisses: Die Pharisäer meinen, dass sie die Buße gar nicht nötig haben und damit bleiben sie letztlich „in der Wüste zurück“, was evtl. auch die Komponente des Gerichtes beinhaltet: Wer nicht erkennt, dass er selber der Sünder ist, der bleibt geistlich gesprochen in der Wüste zurück und das ist ein Ort des Todes.

Insgesamt liefert dieses Gleichnis zwei Ansatzpunkte für den Frommen:
1. Erkennt er eigentlich, dass er selber auch Sünder ist?
2. Hat er den Sünder abgeschrieben und ist ihm seine eigene Gerechtigkeit genug oder geht er los und hilft anderen (Verlorenen), diese Gerechtigkeit auch noch zu finden, damit die Freude im Himmel umso größer ist?

V 8-9: Die Drachme ist im Wert dem Denar gleich. Der Denar ist nach Mt 20,2 ein guter Tageslohn für einen Erntehelfer. Nach einer Summe in der Höhe eines Tageslohnes würden wir wahrscheinlich tatsächlich alle etwas intensiver suchen, wenn wir es verloren haben. Wie viel mehr in damaliger Zeit, als viel mehr Leute viel näher am „Existenzminimum“ gelebt haben als heute.
Auch hier geht es also um etwas, was dem Besitzer wirklich etwas bedeutet.

Beide Gleichnisse benutzen das Bild des verlorenen eigenen Besitzes, damit würde zusätzlich zum Ausdruck gebracht werden, dass Jesus die Verlorenen als etwas ansieht, was ihm wirklich gehört, bzw ganz fest zum ihm gehört. Er sucht nicht irgendetwas (z. B. eine bestimmte Blume, die ihm noch gar nicht gehört), sondern er sucht etwas was seinen ureigentlichen Platz bei IHM hat.
2. Verstehen, worum es geht

2.1 Hinweise für situative Überlegungen
Das neue Jahr hat gerade begonnen, es ist der erste Sonntag im neuen Jahr.
Der Text liefert eine gute Grundlage, um uns die Basics des Glaubens für das kommende Jahr neu vor Augen zu führen:
1. Die „Perspektive des Verlorenen“: Die Gute Nachricht, dass Jesus den Sünder liebt und sucht! Er sucht, was verloren ist!
2. Die „Perspektive des Frommen“ einnehmen und sich neu bewusst machen, dass wir im Sinne des Missionsbefehles nun auch den Sünder suchen sollen und es nicht bei unserer eigenen Rettung bzw. Gerechtigkeit belassen sollen!

Liedvorschlag „Jesus nimmt die Sünder an“, Lieder zum Thema „Jesus, zu dir kann ich so kommen wie ich bin“, „Ich darf ehrlich sein vor dir“
2.2 Hinweise für hermeneutische Überlegungen
Der Abschnitt ist ein Gleichnis. Bei Gleichnissen geht es in der Regel um einen Hauptpunkt, der deutlich werden soll. Auf diesen Hauptpunkt sollte sich dann der Verkündiger konzentrieren. Einzelheiten des Gleichnissen dürfen nicht „überinterpretiert“ werden, das mündet häufig in einer willkürlichen Deutung, die dann nicht mehr für jeden Nachvollziehbar ist. Allerdings scheint diese Gefahr bei diesem Abschnitt nicht unbedingt gegeben.
2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen
Der Text dürfte bei den vielen Hörern sehr bekannt sein, von daher ist es eine gewisse Herausforderung, darüber zu predigen: Man wird nur schwer etwas wirklich neues dazu sagen können. Aber letztlich liegt es ja nicht in unserer Kraft, sondern Jesus muss das Wunder bewirken, etwas evtl. altbekanntes ganz neu zum Klingen zu bringen.
3. Sagen, wo es hingeht

Da es zum Zeitpunkt der Vorbereitung schon Anfang Dezember 2014 ist, habe ich nicht die Zeit, mir andere Predigten dazu anzuhören. Schaut also selber unter www.sermon-online.de, ob ihr etwas hilfreiches findet. Wenn ihr unter „erweiterte Suche“ die Felder „Bibelstelle“ und „Autor“ ausfüllt, findet ihr evtl. was zu diesem Text.

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Ich halte die Predigt, damit ein neues Bewusstsein dafür entsteht, dass Christus die Verlorenen sucht. Das führt mir meinen eigenen Wert vor Augen, denn so hat er mich auch gesucht. Es führt mir den Wert der „anderen Sünder“ vor Augen, denn sie sucht Christus sucht sie mit der gleichen Intensität!
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
„Verlorene gesucht!“ oder „Jesus sucht Verlorene“

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
Zwei Punkte:
a) Jesus sucht Verlorene – Jesus sucht dich!
Zeitlich sollte dieser Punkt eher etwas kürzer sein, weil er nicht der eigentliche Fokus des Textes ist. Aber natürlich ist der Punkt wichtig, denn zum Einen braucht auch der fromme Hörer den Zuspruch, dass Christus ihn sucht und erretten will. Und zum Anderen wird die Grundlage für den zweiten Punkt gelegt, dass Christus wirklich jeden, auch den „schlimmsten Sünder“ sucht!
b) Jesus sucht Verlorene – suchst du mit?
Auf der Grundlage von Punkt a) darf dieser Punkt dann der etwas ausführlichere sein: Ist mir meine Gerechtigkeit und meine Rettung genug, ich bin froh, dass ich in den Himmel kommen und das wars, und wenn ich „Sünder“ sehe, z. B. irgendwelche Obdachlosen, die schon morgens um 11.00 Uhr betrunken scheinen, denke ich dann „wie kann man nur!“?
Oder ist mir bewusst, dass jeder noch so schlimme Sünder von Gott geliebt und gesucht wird? Gott will jeden Menschen finden und nun sind wir durch den Missionsbefehl beauftragt, für und mit Jesus zu suchen und das Verlorene zu finden und zu Jesus zu bringen. Beten wir immer wieder neu für ein Herz voll „glühender Retterliebe“
3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?

Immer wieder ist z. B. in den Verkehrsnachrichten von „Gaffern“ die Rede, durch die z. B. Staus auf der Gegenfahrbahn entstehen oder Krankenwagen/Feuerwehr nicht zum Einsatzort durchkommt. – Sind wir nur „fromme Gaffer“, die die Sünde der Menschen sehen und darüber diskutieren und dabei letztlich der eigentlichen Rettung im Wege stehen? Oder sind wir tatsächlich „Rettungskräfte“?

Als Veranschaulichung sind auch Menschen geeignet, die tatsächlich „alles“ aufgegeben haben, um Verlorene zu suchen und ihnen die Gute Nachricht zu sagen, Leute, die dafür auch in Elendsvierteln oder Ghettos leben, wie z. B. Bill Wilson

(Mirko Lau – bei weiteren Fragen zu Text und Predigt stehe ich gerne zur Verfügung: )