Galater

Predigthilfe vom 30. Mai 2021 – Galater 5, 13-26

Jahresthema:Für ein gutes MITEINANDER
Predigtthema:Einander nicht provozieren
Predigttext:Galater 5, 13-26
Autor:Tobias Schurr

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

1 Überblick über das Jahresthema 2021

Ein gutes Miteinander, wer wünscht sich das nicht? Eine Gemeinschaft, die unser Leben bereichert, belebt und stärkt, wollen wir doch alle. Gott hat uns Menschen so geschaffen, dass wir auf Gemeinschaft angelegt sind. Und obwohl wir uns nach Gemeinschaft sehnen und auch auf Gemeinschaft hin gemacht sind, erleben wir, dass menschliche Gemeinschaft sehr zerbrechlich ist und sehr leicht gestört oder sogar zerstört werden kann. Diese Herausforderung sehen wir auch im Miteinander von Christen in der Gemeinde und es ist aus diesem Grund immer wieder sehr wichtig darüber nachzudenken, wie Gemeinschaft gelingen kann, wie unser Miteinander von Gott geprägt, immer mehr wachsen kann.

In der Bibel sehen wir, dass es Gott ein großes Anliegen ist, dass seine Kinder in seinem Sinne Gemeinschaft leben und er gibt uns viele Aufforderungen, wie Miteinander gelingen kann. In unserem Jahresthema wollen wir im Jahr 2021 (jeweils am letzten Sonntag des Monats) dieses Miteinander bedenken und uns von Gott prägen lassen. Unser großer Wunsch ist es, dass unsere Gemeinden dadurch gemeinsam in ihrer Beziehung zu Jesus und auch in ihrer Beziehung zueinander wachsen. Und wir beten, dass durch die Art wie sie miteinander leben auch für andere immer mehr sichtbar wird, welcher Herr sie zusammengeführt hat.

Umrahmt wird dabei unser Jahresthema von der großen Aufforderung, die Jesus seinen Jüngern mitgibt (Joh 15) und die auch Paulus aufgreift (Röm 13,8-10), dass wir uns als Kinder Gottes untereinander lieben sollen (Januar & Dezember). Unter diesem Oberthema lassen sich schlussendlich alle anderen Themen, die wir unter dem Jahresthema behandeln, zusammenfassen. Die Liebe, die Jesus auf unvergleichliche Weise vorgelebt hat ist eine Liebe, die bereit ist, sich für den anderen hinzugeben. Eine Liebe, die ein großes Zeugnis für unseren Gott ist.

  • Diese Liebe äußert sich zunächst darin, dass wir als Kinder Gottes bereit sind, uns gegenseitig in Liebe anzunehmen (Februar), weil wir wissen, dass Christus derjenige ist, der uns in Liebe angenommen hat.
  • Weiter zeichnet sich dieses Miteinander in Liebe dadurch aus, dass Kinder Gottes bereit sind einander zu dienen (März). Auch dies hat Jesus vorgelebt und war bereit sein Leben als Lösegeld für uns zu geben.
  • Ein liebevolles Miteinander lebt auch davon, dass wir aufeinander achten und uns dazu ermuntern im Glauben wirklich dran zu bleiben (April) und in der Heiligung zu leben.
  • Für eine gute Gemeinschaft ist es zudem wichtig unnötige Konflikte zu vermeiden und sorgfältig darauf zu achten, andere nicht auf falsche Weise zu provozieren (Mai).
  • Echtes Miteinander unter Glaubensgeschwistern lebt auch davon, dass wir füreinander im Gebet einstehen (Juni), weil wir genau wissen, wie abhängig wir alle davon sind, dass unser Herr uns führt, leitet und bewahrt.
  • Zu diesem füreinander einstehen, gehört natürlich auch, dass wir als Kinder Gottes umeinander wissen, die Verbindung zueinander suchen und so als Nachfolger Jesu eine Einheit bilden (Juli).
  • Weil wir auch als Christen immer wieder untereinander schuldig werden, ist auch das Thema Vergebung ein sehr wichtiger Grundstein für ein gutes Miteinander (August). Auch hier haben wir in Jesus Christus ein großes Vorbild, was Vergebung bedeutet. Und gleichzeitig ist Jesus derjenige, der echte Vergebung erst ermöglicht, weil er für unsere Schuld am Kreuz gestorben ist.
  • Geistliches Miteinander beinhaltet auch, dass wir lernen uns in eine geistliche Gemeinschaft einzuordnen. Dazu gehört, dass wir verstehen, wie Gott sich das Miteinander unter seinen Kindern vorgestellt hat und die Bereitschaft sowohl demütig Verantwortung zu übernehmen wie auch sich auf eine gute geistliche Weise unterzuordnen (September).
  • Das Leben als Christ ist kein Sprint, sondern eher ein Langstreckenlauf, bei dem es immer mal wieder auch Durststrecken gibt. Auch hier braucht es ein gutes geistliches Miteinander, um uns immer wieder zu einem Leben in der treuen Nachfolge anzuspornen und nicht müde zu werden die Liebe Gottes in die Welt zu tragen (Oktober).
  • Geistliche Durststrecken und Herausforderungen können immer wieder auch entmutigend sein und auch hier ist es ein Geschenk Gottes, dass er uns als Glaubensgeschwister zusammengestellt hat. So können wir uns gegenseitig ermutigen die richtige Ausrichtung zu behalten und den Blick auf Jesus, auf sein Werk und auf seine Wiederkunft nicht zu verlieren (November).

Schlussendlich bleibt die Liebe, das Oberthema, das unser Miteinander zusammenhält. Wenn wir aus der Liebe Jesu leben, wenn seine Liebe unser Leben prägt, wird dies auch in einem guten Miteinander unter Glaubensgeschwistern, in der Liebe zueinander sichtbar werden. Bildlich dargestellt könnte das Thema so aussehen: Unser „Miteinander“ ist eine Frucht mit verschiedenen Beeren, die sich ergänzen und von denen jede einzelne sehr wichtig ist. Im Laufe des Jahres werden wir die einzelnen Beeren nacheinander betrachten.

Eine PowerPoint-Vorlage mit der Grafik findet ihr unter: https://christusbund.sharepoint.com/:p:/s/medien/EQTQFa12LktBqBCcQsW9qmcBi9et5hf-ZzzoObTt-zou1g?e=Xauf41

2. Erklärung zum Bibeltext (Gal 5,13-26)

2.1 Hinweise zum Textverständnis

Das Thema Freiheit ist im Galaterbrief sehr zentral. Paulus ist erschüttert darüber, als er von der Irrlehre hört, die in den Gemeinden in Galatien grassiert. Die Christen in Galatien standen in der Gefahr die Freiheit des Evangeliums, also die Freiheit, die sie in Jesus Christus hatten, wieder aufzugeben. Es gab die Tendenz sich wieder beschneiden zu lassen, mit der Überzeugung, dass man erst dann ein richtiger Christ wäre. Paulus betont dagegen, dass eine solche Haltung die Freiheit in Christus zunichtemacht und zu einer Knechtschaft unter dem Gesetz führt. Wer diesen Weg wählt, der lebt nicht aus der Gnade Christi. Gerade in den ersten Versen von Kapitel 5 betont Paulus dies sehr stark.

Diese Freiheit in Christus, die Paulus so unterstreicht, ist aber keinesfalls mit einer Beliebigkeit zu verwechseln. Wir sehen z.B. im Römerbrief (Kap 6), dass Paulus in dieser Richtung Vorwürfe gemacht wurden. Die Gegner von Paulus behaupteten, seine Gnadenlehre würde zu einem leichtfertigen Umgang mit Sünde verleiten und damit echte Heiligung verhindern. Paulus ist es wichtig, dass die Christen verstehen, dass ein solcher leichtfertiger Umgang mit Sünde seiner Gnadenlehre zutiefst widerspricht, weil sie eben die Gnade Jesu mit Füßen treten würden.

So betont er auch in Gal 5,13, wie wichtig es für Nachfolger Jesu ist, die geschenkte Freiheit im richtigen Rahmen zu leben.

Vers 13 gibt die Grundlinie vor. Christen sind durch Jesus Christus in die Freiheit gerufen, in ein echtes Leben, das nicht mehr unter der Sklaverei der Sünde und der Anklage durch das Gesetz steht (vgl. Röm 8,2-4). Es ist ein Leben, in dem eine echte, lebendige Beziehung zu Gott endlich wieder möglich ist. Doch diese Freiheit bringt eine große Verantwortung mit sich. Eine Verantwortung vor Gott, der dieses Leben ermöglicht. Wenn wir nun dieses neue Leben in Freiheit mit den alten Prinzipien und Ordnungen füllen, die das Leben ohne Gott gezeichnet haben, dann zerstören und widersprechen wir durch unser Leben all dem, was das neue Leben ausmacht.

Diese alten Prinzipien, die Fokussierung auf das eigene Ich, sollen der Vergangenheit angehören, eine neue Ausrichtung soll das Leben von Kindern Gottes prägen: dienende Liebe. Also genau die Haltung, die Jesus selbst auf vollkommene Weise vorgelebt hat, als er bereit war für uns sündige Menschen am Kreuz zu sterben und unsere Schuld zu bezahlen (vgl. Joh 13,1ff; Phil 2,6-7; …).

Vers 14-15: Dieses Leben in der Freiheit Christi soll ein Leben sein, das dem Nächsten in Liebe begegnet. Paulus scheint bei den Galatern aber eine andere Haltung wahrzunehmen. Zumindest deutet Vers 15 darauf hin, dass die Christen dort in Streitigkeiten untereinander lebten. Anstatt sich gegenseitig in Liebe zu stärken, sieht Paulus die Gefahr, dass sich die Gemeinde Jesu dort innerlich zerfleischt. Genau diese Selbstzerstörung ist ein Grundkennzeichen von Sünde. Sünde hat niemals die Erbauung von Menschen zur Folge, sondern schlussendlich den Tod (Röm 6,23).

Vers 16-18: Echte Nachfolge ist, solange wir als Kinder Gottes noch in dieser Welt sind, immer ein Ringen. Paulus beschreibt in Vers 16-18 diesen grundlegenden Konflikt. Fleisch und Geist, also unser altes Leben und das neue Leben, das wir in Jesus Christus haben, streiten gegeneinander. Als Christen leiden wir darunter, dass wir immer wieder auch das tun, was wir nicht wollen (vgl. Röm 7,19). Auch nach der Bekehrung sind wir in unserem täglichen Leben auf Gottes Gnade und Vergebung angewiesen. Und wir sind beauftragt, nach Heiligkeit in unserem Leben zu streben. Diese Heiligung können wir nicht aus unserer Kraft bewirken, vielmehr sind wir darauf angewiesen, dass der Heilige Geist uns mehr und mehr von den Begierden des Fleisches befreit. Der Heilige Geist lehrt uns die Freiheit in Christus richtig zu leben.

Vers 19-21: Paulus wird nun konkret und zählt auf, was er unter den Werken des Fleisches versteht, die einem Leben in der Freiheit Christi widersprechen. Wenn wir diese Aufzählung näher betrachten, merken wir, dass die Werke des Fleisches alle Lebensbereiche des Menschen umfassen. Solche Listen von Untugenden finden wir noch an anderen Stellen im Neuen Testament (z.B. Röm 1,29-31; 2.Tim 3,2-5). Paulus führt hier nicht näher aus, was er unter den einzelnen Schlagwörtern versteht. Ihm geht es mehr darum, die Galater vor den fatalen Konsequenzen zu warnen. Wenn wir den Schlusssatz von Vers 21 richtig verstehen wollen, müssen wir den Zusammenhang mit Vers 17 herstellen. Paulus hat sehr deutlich gemacht, dass jeder Christ mit den Versuchungen des alten Lebens kämpft und dass jeder Christ auch sündigt. Paulus hat deshalb in Vers 21 nicht die einmalige Tat im Blick, sondern einen Lebenswandel, der von den Werken des Fleisches dominiert wird. Von Vers 18 her sehen wir, dass es Paulus um die Frage geht, wer die Regierung in unserem umkämpften Leben innehat. Ist es der Heilige Geist oder sind es die Begierden der alten sündigen Natur?

Vers 22-23: Im wunderbaren Kontrast zu den Werken des Fleisches stellt Paulus die Frucht des Heiligen Geistes vor. Zuerst und über allem steht die Liebe gewissermaßen als Zusammenfassung der ganzen Frucht. Die Aufzählung der Frucht des Geistes dürfen wir nicht so verstehen, dass es eben einzelne Früchte wären, aus denen der Christ nach Belieben auswählt. Die Frucht des Geistes beschreibt das eine geistliche Leben, das der Heilige Geist in den Kindern Gottes wirkt. Gerade die direkte Gegenüberstellung der Werke des Fleisches und der Frucht des Geistes zeigen den radikalen Unterschied. Man kann den einzelnen Aspekten der Frucht des Geistes geradezu das entsprechende Unkraut des Teufels gegenüberstellen, das versucht die Frucht zu zerstören. Wenn wir versuchen die Frucht des Geistes greifbar zu machen und konkret zu beschreiben, müssen wir sehen, dass die Frucht des Geistes eine Widerspiegelung von Gottes wunderbarem Charakter ist. Jesus Christus hat das Wesen Gottes in seinem Leben sichtbar gemacht und so ist es eine Hilfe zu schauen, wie die Frucht des Geistes auf wunderbare Weise im Leben Jesu sichtbar wurde.

Die Frucht des Geistes, die ein Leben in der echten Freiheit Christi kennzeichnet, steht in wunderbarem Einklang mit Gottes Gesetz. Jesus Christus hat uns freigemacht vom Gesetz. Wir sind in Christus gerecht gesprochen. Und nun bewirkt der Heilige Geist in den freigemachten und gerecht gesprochenen Menschen ein Leben, das mehr und mehr mit dem Gottes Gesetz übereinstimmt. Und wir sind aufgefordert dieses Wirken des Geistes in unserem Leben zuzulassen und zu unterstützen.

Vers 24: In diesem Vers ist die Zeitform sehr wichtig. Paulus spricht hier von etwas, das bei einem Christen in der Vergangenheit geschehen ist. Für einen Christen gilt, dass das alte Leben mit Jesus Christus gekreuzigt ist. Genau das betont Paulus auch in Röm 6,11, wo er die Christen auffordert, sich im Blick auf die Sünde für gestorben zu halten. Jesus hat am Kreuz wirklich für die Sünde bezahlt. Er hat uns aus der Macht der Sünde und des Todes befreit. Wenn ein Mensch zum Glauben an Jesus kommt, dann geschieht genau das, dass sein altes Leben stirbt und er zu einem neuen Leben in Christus wiedergeboren wird.

Vers 25: Dieses neue Leben gilt es aber nun auch wirklich zu leben. Und das hat immer zwei Seiten, die uns Paulus in unserem Abschnitt schon sehr deutlich gemacht hat. Es gilt all das radikal abzulegen, was dem Leben in Christus widerspricht und nach dem zu streben, was der Heilige Geist in unser Leben hineinlegen möchte. Paulus redet hier nicht von einem passiven Abwarten, sondern von einem aktiven Nachfolgen. Der griechische Begriff, den Paulus hier für „folgen“ verwendet, hat einen militärischen Hintergrund und er bedeutet gewissermaßen in der Linie des Heiligen Geistes bleiben. Ein Soldat, der in einer militärischen Ordnung geht, bestimmt nicht die Richtung oder die Geschwindigkeit, nein er achtet schlicht darauf, dass er Schritt hält.

Als Glaubensgeschwister gehen wir miteinander auf diesem Weg der Nachfolge, geleitet durch den Heiligen Geist (vgl. Röm 8,14).

Vers 26: Paulus schließt den Abschnitt ab, indem er noch einmal auf das geistliche Miteinander zu sprechen kommt, womit er in Vers 13-15 den Abschnitt begonnen hat. Und damit zeigt er auch noch einmal, wie wir mit der Freiheit umgehen sollen, die wir in Christus haben. Paulus hat schon in den ersten Versen deutlich gemacht, dass Liebe das Miteinander unter Christen prägen soll. Als Kinder Gottes haben wir die Verantwortung, unsere Glaubensgeschwister in ihrer Beziehung zu Jesus zu stärken. Zu diesem Auftrag passt es nicht, wenn wir uns selbst in den Mittelpunkt stellen. Auch Streit, Neid und das gegenseitige Herausfordern passt nicht zu einem liebevollen Umgang miteinander. Paulus erinnert hier noch einmal an die Situation, die in den galatischen Gemeinden zu finden ist. Statt eines liebevollen Miteinanders hat er davon gehört, wie die Christen dort miteinander in Streit stehen. Paulus hat in unseren Versen gezeigt, dass ein solcher Streit eben keine Lappalie ist, sondern dass es im Kern um die Frage geht, ob wir unser neues Leben in Christus wirklich leben. Egoismus und Lieblosigkeit in der Gemeinde ist ein grundlegendes geistliches Problem und ein Zeichen dafür, dass eben nicht der Geist regiert, sondern die alten Begierden des Fleisches.

Dieses Regieren des Fleisches sieht man besonders daran, wenn jeder sich um sich selbst dreht und sein eigenes Bestes an oberste Stelle stellt. Dieser Egoismus ist besonders deshalb so gefährlich, weil er so ansteckend ist. Heiko Krimmer beschreibt in seinem Kommentar diese Ansteckungsgefahr sehr treffend: „Wenn solcher Selbstruhm und Geltungsdrang in die Gemeinde eindringt, dann ist die ganze Gemeinde gefährdet. Es kommt zum ‚einander reizen‘ und zum ‚einander neiden‘. Der Ruhmsüchtige ‚fordert den anderen heraus‘. Der wird dadurch verführt, seine eigenen Verdienste und Leistungen herauszukehren, und wenn er solche nicht vorzuweisen hat, entsteht der Neid.“

Ein solches Miteinander widerspricht dem Wesen der Gemeinde Jesus völlig.

2.2 Weitere Hilfen zum Verständnis des Predigttextes

Hilfen zur Auslegung bieten z.B.

  • Krimmer, Heiko; Galaterbrief (Edition C Bibelkommentar)
  • De Boor, Werner; Der Brief des Paulus an die Galater (Wuppertaler Studienbibel)
  • Ryken, Philip Graham; Galatians (Reformed Expository Commentary)

3 Erklärungen zum Thema (Einander nicht provozieren)

Paulus betont in diesem Abschnitt, wie wir mit der Freiheit, die wir durch das neue Leben in Christus haben, umgehen sollen.Wir haben gesehen, dass Paulus sehr deutlich vor dem Streit in der Gemeinde warnt und von Vers 26 her verstehen wir, dass Paulus eine Hauptursache für den Konflikt in der galatischen Gemeinde in der Ich-Bezogenheit und daraus resultierend im gegenseitigen Herausfordern und Beneiden sieht. Mit „einander provozieren“ beschreibt Paulus also eine Verhaltensweise, die genau das Gegenteil von „einander ermuntern“ darstellt, was wir letzten Monat bedacht haben. Statt den Mitchristen zu ermutigen, den Blick auf Gott zu lenken, wird er dazu angestachelt, die eigenen Möglichkeiten und Fähigkeiten in den Mittelpunkt zu stellen und seinen Stand vor Gott und den Geschwistern von diesen abhängig zu machen.

3.1 Einander nicht provozieren – welche Folgen hat es, wenn wir uns daran orientieren?

  • Die Gemeinde Jesu lebt davon, dass sie den im Blick hat, auf den es wirklich ankommt. Sie ist auf dem Prinzip aufgebaut, dass wir einander lieben und einander dienen sollen.
  • Dieses liebevolle Miteinander stärkt uns als Glaubensgeschwister, es schafft eine Geborgenheit und ermöglicht es vor allem, dass wir im Glauben wachsen können.
  • Wenn wir als Christen lernen, den anderen eben nicht zu provozieren, nicht herauszufordern, auf die eigenen Leistungen zu schauen, helfen wir uns immer wieder den Blick auf den zu richten, der der Anfänger und Vollender unseres Glaubens ist.

3.2 Einander nicht provozieren – was sind die Konsequenzen, wenn wir uns nicht daran orientieren?

  • Wenn es in der Gemeinde um die Ehre von Menschen geht und man sich gegenseitig dazu anstachelt, wird es in der Gemeinde unweigerlich zu einer Art von pseudogeistlichem Wetteifern kommen, das dem Evangelium widerspricht.
  • Anstatt Jesus in den Mittelpunkt zu stellen, werden menschliche Leistungen zentral. Schlussendlich besteht die Gefahr, dass die nicht mehr Jesus die Hoffnung ist, um die es geht, sondern die eigene geistlichen Errungenschaften.
  • Menschlicher Hochmut wird gefördert und es bleibt kein Platz für echte Demut.
  • Dem Neid unter Glaubensgeschwistern wird Tür und Tor geöffnet.
  • Es besteht die Gefahr, dass Gemeinde nicht mehr ein Ort sein kann für Sünder, die kommen und aus der Gnade Christi leben, sondern ein Ort für „geistliche Superhelden“ die scheinbar von Sieg zu Sieg eilen.
  • Außerdem geht der Blick für die wahre Frucht des Heiligen Geistes verloren, die zutiefst daraus erwächst, dass wir den Blick demütig von uns selbst wegnehmen und ihn auf Christus und durch Christus auf den Nächsten richten.

3.3 Einander nicht provozieren – worin liegen die Schwierigkeiten bei der Umsetzung?

  • Die alten Begierden des Fleisches kämpfen immer noch in uns und als Christen ringen wir darum, dass unser neues Leben in Christus immer mehr Gestalt gewinnt.
  • Wir alle sind anfällig für die Versuchung uns selbst in den Mittelpunkt zu stellen, oder auf unsere Fähigkeiten zu vertrauen.

3.4 Einander nicht provozieren – wie geht unsere Gesellschaft damit um?

  • Wir leben in einer Gesellschaft, in der auf menschliche Leistung und Fähigkeit sehr stark geachtet wird. Die Gefahr besteht, dass der Wert eines menschlichen Lebens daran gemessen wird, was er zu leisten imstande ist, oder wie er sich äußerlich präsentiert.
  • Durch das gegenseitige Vergleichen und Bewerten besteht eine große Gefahr von Neid und Missgunst, aber auch von Hochmut bzw. Niedergeschlagenheit.
  • Im Gegensatz dazu leben wir als Christen von der wunderbaren Botschaft, dass Gott uns als seine Kinder angenommen hat, obwohl wir es nicht verdient haben und es uns auch niemals verdienen werden können. Wir sind Sünder, die aus Gottes Gnade leben.

4 Veranschaulichungen

4.1 Einander nicht provozieren – wie hat Jesus uns „einander ermuntern“ vorgelebt?

  • Jesus war ein Lehrer, der Menschen wirklich provoziert hat. Aber er hat Menschen auf eine Art und Weise herausgefordert, die genau das Gegenteil von dem war, was Paulus in Gal 5,26 im Blick hat.
  • Jesus hat Menschen nicht angestachelt, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Er hat vielmehr immer deutlich gemacht, wie sehr wir Menschen ihn und seine Gnade brauchen. Jesus hat die Menschen auf Gott und sein Reich ausgerichtet.
  • Dies zeigt sich an ganz unterschiedlichen Stellen. Wenn Jesus in der Bergpredigt die echte Dimension von Gottes Geboten erklärt (Mt 5,17ff), dann nimmt er uns Menschen jegliche Chance, uns auf unsere fromme Leistung zu berufen. Er führt uns zu dem Punkt, an den wir demütig sagen müssen: Meine Hoffnung liegt niemals in meiner eigenen Gerechtigkeit, ich bin darauf angewiesen, dass Gott mich gerecht macht.
  • Im Kleinen sehen wir es, als die Jünger Jesu von ihrem Missionseinsatz zurückkommen und voller Freude berichten, dass die Dämonen ihnen untertan sind. Jesus fängt den potenziellen Hochmut der Jünger ein und fordert sie auf, sich stattdessen darüber zu freuen, dass ihre Namen im Himmel geschrieben sind, also dass Gott ihnen gnädig ist (Lk 10,20).

4.2 Einander nicht provozieren – welche weiteren Beispiele finden wir in der Bibel?

  • In der Gemeinde in Korinth haben sich verschiedene Parteien gebildet, die jeweils für sich einen besonderen geistlichen Anspruch erhoben haben. Paulus geht in 1.Kor 2-3 auf diese Parteiungen ein und fordert die Korinther auf, sich eben nicht auf menschliche Namen zu verlassen, sondern auf Christus zu vertrauen. Paulus lädt die Korinther ein, sich auf Gottes Weisheit zu verlassen und sich nicht durch das Vertrauen auf menschliche Stärke gegenseitig herauszufordern.

4.3 Einander nicht provozieren – was lehrt uns das über die Gemeinde?

  • Gemeinde ist von Gott zusammengestellt als ein Leib mit ganz unterschiedlichen Gliedern. Dieser Leib zeichnet sich dadurch aus, dass er ein Haupt hat, das alles zusammenhält. Der Leib dreht sich nicht um sich selbst, oder um einzelne Glieder, er dreht sich um das Haupt. Als einzelne Glieder brauchen wir einander und haben nicht das Recht uns über andere zu erheben (vgl. 1.Kor 12,12ff).
  • In Hebräer 12,1-2 zeigt sich dieses Prinzip deutlich. Nachdem in Hebräer 11 die ganzen alttestamentlichen Glaubenshelden angeführt werden, folgt in Kapitel 12 die Aufforderung auf Jesus Christus den Anfänger und Vollender des Glaubens zu schauen. Die Glaubensgeschwister sollen sich nicht gegenseitig herausfordern, auf ihre eigenen Fähigkeiten zu schauen, vielmehr sollen wir uns ermuntern Jesus Christus in den Blick zu nehmen und alles von ihm zu erwarten.

5 Anwendung

5.1 Wie werden wir von Jesus ausgerüstet, um einander nicht zu provozieren?

  • Der Heilige Geist richtet unseren Blick auf Jesus. Er bewirkt in uns die Frucht des Geistes und rüstet uns aus im Kampf gegen die Begierden des alten Menschen.
  • Jesus nimmt uns an, trotz unseres Versagens und unserer Schuld. Er lädt uns ein, auf ihn und seine Gnade zu vertrauen und nicht auf unsere Fähigkeiten.
  • Gott schenkt uns seine Weisheit, um unser Leben in seinem Sinne zu gestalten und so in seinem Sinne zu leben. Gerade diese Weisheit brauchen wir, um erkennen zu können durch welches Verhalten wir unsere Glaubensgeschwister evtl. provozieren oder neidisch machen.

5.2 Was sollen wir in unserem Leben unternehmen?

  • Wir sollten uns als Christen immer wieder selbst im Licht Gottes prüfen. Wo stehe ich in der Gefahr meine eigenen Fähigkeiten und Leistungen in den Mittelpunkt zu stellten, anstatt auf Jesus zu vertrauen? Wo vergleiche ich mich mit anderen oder provoziere andere, auf ihre eigenen Leistungen zu schauen.
  • Anstatt einander zu provozieren, sollen wir uns gegenseitig ermuntern und uns die wunderbaren Wahrheiten des Evangeliums vor Augen halten.
  • Wenn unser Leben von Dankbarkeit gegenüber Gott geprägt ist, stehen wir viel weniger in der Gefahr, uns über den Vergleich mit anderen Menschen zu definieren.

6 Sagen, wo es hingeht

6.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?

Die Predigt soll das Miteinander in der Gemeinde fördern. Die Hörer sollen erkennen, dass wir als Geschwister in der Gemeinde Verantwortung füreinander tragen. Sie sollen ermutigt werden, einander ganz bewusst auf Jesus auszurichten und darauf zu achten, nicht die eigenen Leistungen oder Reichtümer in den Mittelpunkt zu stellen und so die Geschwister zu provozieren.

6.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?

Einander nicht provozieren

6.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

  1. Freiheit bedeutet nicht Freibrief (V.13-15)
  2. Geist und Fleisch passt nicht zusammen (V.16-24)
  3. Lasst uns einander nicht zum Egoismus provozieren, sondern uns helfen den Weg des Geistes zu gehen (V.25-26)

(Tobias Schurr)