| Jahresthema: | Für ein gutes MITEINANDER |
| Predigtthema: | Einander dienen |
| Predigttext: | Johannes 13, 1-17 |
| Autor: | Tobias Schurr |
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1 Überblick über das Jahresthema 2021
Ein gutes Miteinander, wer wünscht sich das nicht? Eine Gemeinschaft, die unser Leben bereichert, belebt und stärkt, wollen wir doch alle. Gott hat uns Menschen so geschaffen, dass wir auf Gemeinschaft angelegt sind. Und obwohl wir uns nach Gemeinschaft sehnen und auch auf Gemeinschaft hin gemacht sind, erleben wir, dass menschliche Gemeinschaft sehr zerbrechlich ist und sehr leicht gestört oder sogar zerstört werden kann. Diese Herausforderung sehen wir auch im Miteinander von Christen in der Gemeinde und es ist aus diesem Grund immer wieder sehr wichtig darüber nachzudenken, wie Gemeinschaft gelingen kann, wie unser Miteinander von Gott geprägt, immer mehr wachsen kann.
In der Bibel sehen wir, dass es Gott ein großes Anliegen ist, dass seine Kinder in seinem Sinne Gemeinschaft leben und er gibt uns viele Aufforderungen, wie Miteinander gelingen kann. In unserem Jahresthema wollen wir im Jahr 2021 (jeweils am letzten Sonntag des Monats) dieses Miteinander bedenken und uns von Gott prägen lassen. Unser großer Wunsch ist es, dass unsere Gemeinden dadurch gemeinsam in ihrer Beziehung zu Jesus und auch in ihrer Beziehung zueinander wachsen. Und wir beten, dass durch die Art wie sie miteinander leben auch für andere immer mehr sichtbar wird, welcher Herr sie zusammengeführt hat.
Umrahmt wird dabei unser Jahresthema von der großen Aufforderung, die Jesus seinen Jüngern mitgibt (Joh 15) und die auch Paulus aufgreift (Röm 13,8-10), dass wir uns als Kinder Gottes untereinander lieben sollen (Januar & Dezember). Unter diesem Oberthema lassen sich schlussendlich alle anderen Themen, die wir unter dem Jahresthema behandeln, zusammenfassen. Die Liebe, die Jesus auf unvergleichliche Weise vorgelebt hat ist eine Liebe, die bereit ist, sich für den anderen hinzugeben. Eine Liebe, die ein großes Zeugnis für unseren Gott ist.
- Diese Liebe äußert sich zunächst darin, dass wir als Kinder Gottes bereit sind, uns gegenseitig in Liebe anzunehmen (Februar), weil wir wissen, dass Christus derjenige ist, der uns in Liebe angenommen hat.
- Weiter zeichnet sich dieses Miteinander in Liebe dadurch aus, dass Kinder Gottes bereit sind einander zu dienen (März). Auch dies hat Jesus vorgelebt und war bereit sein Leben als Lösegeld für uns zu geben.
- Ein liebevolles Miteinander lebt auch davon, dass wir aufeinander achten und uns dazu ermuntern im Glauben wirklich dran zu bleiben (April) und in der Heiligung zu leben.
- Für eine gute Gemeinschaft ist es zudem wichtig unnötige Konflikte zu vermeiden und sorgfältig darauf zu achten, andere nicht auf falsche Weise zu provozieren (Mai).
- Echtes Miteinander unter Glaubensgeschwistern lebt auch davon, dass wir füreinander im Gebet einstehen (Juni), weil wir genau wissen, wie abhängig wir alle davon sind, dass unser Herr uns führt, leitet und bewahrt.
- Zu diesem füreinander einstehen, gehört natürlich auch, dass wir als Kinder Gottes umeinander wissen, die Verbindung zueinander suchen und so als Nachfolger Jesu eine Einheit bilden (Juli).
- Weil wir auch als Christen immer wieder untereinander schuldig werden, ist auch das Thema Vergebung ein sehr wichtiger Grundstein für ein gutes Miteinander (August). Auch hier haben wir in Jesus Christus ein großes Vorbild, was Vergebung bedeutet. Und gleichzeitig ist Jesus derjenige, der echte Vergebung erst ermöglicht, weil er für unsere Schuld am Kreuz gestorben ist.
- Geistliches Miteinander beinhaltet auch, dass wir lernen uns in eine geistliche Gemeinschaft einzuordnen. Dazu gehört, dass wir verstehen, wie Gott sich das Miteinander unter seinen Kindern vorgestellt hat und die Bereitschaft sowohl demütig Verantwortung zu übernehmen wie auch sich auf eine gute geistliche Weise unterzuordnen (September).
- Das Leben als Christ ist kein Sprint, sondern eher ein Langstreckenlauf, bei dem es immer mal wieder auch Durststrecken gibt. Auch hier braucht es ein gutes geistliches Miteinander, um uns immer wieder zu einem Leben in der treuen Nachfolge anzuspornen und nicht müde zu werden die Liebe Gottes in die Welt zu tragen (Oktober).
- Geistliche Durststrecken und Herausforderungen können immer wieder auch entmutigend sein und auch hier ist es ein Geschenk Gottes, dass er uns als Glaubensgeschwister zusammengestellt hat. So können wir uns gegenseitig ermutigen die richtige Ausrichtung zu behalten und den Blick auf Jesus, auf sein Werk und auf seine Wiederkunft nicht zu verlieren (November).
Schlussendlich bleibt die Liebe, das Oberthema, das unser Miteinander zusammenhält. Wenn wir aus der Liebe Jesu leben, wenn seine Liebe unser Leben prägt, wird dies auch in einem guten Miteinander unter Glaubensgeschwistern, in der Liebe zueinander sichtbar werden. Bildlich dargestellt könnte das Thema so aussehen: Unser „Miteinander“ ist eine Frucht mit verschiedenen Beeren, die sich ergänzen und von denen jede einzelne sehr wichtig ist. Im Laufe des Jahres werden wir die einzelnen Beeren nacheinander betrachten.

Eine PowerPoint-Vorlage mit der Grafik findet ihr unter: https://christusbund.sharepoint.com/:p:/s/medien/EQTQFa12LktBqBCcQsW9qmcBi9et5hf-ZzzoObTt-zou1g?e=Xauf41
2 Erklärung zum Bibeltext (Johannes 13, 1-17)
Die Verse 18-20 behandeln vor allem den Verrat von Judas. Deshalb ist es besser, sich auf die Verse 1-17 zu konzentrieren.
2.1 Hinweise zum Textverständnis
Vers 1: Unser Abschnitt wird mit einer doppelten Grundaussage über Jesus eingeleitet. Zunächst unterstreicht Johannes, wie genau Jesus wusste, dass sein Weg ans Kreuz unmittelbar bevorsteht und dass dieser Weg der Wille seines Vaters ist. „Seine Stunde ist gekommen“ unterstreicht genau diese Wahrheit, dass es sich um den Willen und Plan des Vaters handelt, in den sich Jesus mit ganzem Herzen hineingibt.
Zugleich stellt uns Vers 1 die unvergleichliche Liebe Jesu vor Augen, die sein Handeln bis zum Tod am Kreuz bestimmte. Diese Liebe Jesu ist die Grundlage für sein hingebungsvolles Dienen seinen Jüngern gegenüber, was auch in der Fußwaschung so deutlich sichtbar wird.
Vers 2: Was für ein Kontrast zwischen der wunderbaren Liebe Jesu und der Bosheit, die sich in den Handlungen des Teufels zeigt, der Judas zu seinem Verrat anstiftete. Jesus kannte seinen Verräter und trotzdem wusch er Judas in seiner demütigen Liebe die Füße.
Vers 3-5: Johannes bringt hier auf wunderbare Weise die Hoheit und Macht Jesu und seine Demut zusammen. In vollem Bewusstsein, dass er Gott, der Sohn, ist, legt sich Jesus das Tuch um und beginnt damit seinen Jüngern die Füße zu waschen. Dieses ‚Füße waschen‘, war eigentlich die Arbeit für einen sehr niedrigen Sklaven. Manche Juden damals bestanden darauf, dass diese Arbeit sogar zu niedrig für jüdische Sklaven wäre.
Jesus tut in seiner Liebe zu seinen Jüngern diesen Dienst und er bringt dadurch symbolisch zum Ausdruck, was er in den nächsten Stunden für seine Jünger tun wird. Gleichzeitig will Jesus seinen Jüngern eine wichtige Lektion geben, dass eine solche Dienstbereitschaft auch ihr Leben prägen soll.
Vers 6-9: Wir sehen bei Petrus eine große Verwunderung und auch Ablehnung dessen, was Jesus tut. Für Petrus scheint klar zu sein, dass diese Handlung nicht mit dem Status von Jesus zusammenpasst. An dieser Reaktion von Petrus und der Antwort, die ihm Jesus darauf gibt, sehen wir einmal mehr, wie wenig die Jünger sich das stellvertretende Leiden und Sterben Jesu vorstellen konnten.
Die erste Antwort von Jesus nimmt uns in die heilsgeschichtliche Situation hinein, in der die Fußwaschung stattfand. Erst nach Jesu Auferstehung erkannten die Jünger die Dimension der Ereignisse. Der Heilige Geist schloss ihnen die Wahrheit über Jesus auf. Gleichzeitig sehen wir in Jesu Antwort auch eine liebevolle Einladung an den verständnislosen Jünger, trotz seiner Frage dranzubleiben und auf Gottes Erklärung zu warten. Erst nach der Auferstehung werden die Jünger verstehen, dass die Fußwaschung ein Hinweis auf das stellvertretende Leiden und Sterben Jesu war.
Petrus lässt sich von der ersten Antwort von Jesus nicht beruhigen. Er ist leidenschaftlich für seinen Herrn unterwegs, er hat Jesu Macht und auch seine Herrlichkeit mit eigenen Augen gesehen. Er weiß, dass Jesus der Herr ist und er der Diener und das Handeln von Jesus passt für Petrus absolut nicht zu diesem Verhältnis.
Das Verhalten von Petrus ist hier typisch menschlich. Auf der einen Seite hat er etwas von Jesu Größe erkannt. Aber dann tut Jesus etwas, das Petrus nicht nachvollziehen kann. Statt nun in dieser Situation auf Jesus zu vertrauen und ihn machen zu lassen, meint Petrus, er müsse seinen Herrn korrigieren.
Aber Jesus erklärt seinem Jünger erneut, dass diese symbolische Handlung der Fußwaschung auf etwas viel Größeres verweist und es um viel mehr geht als um saubere Füße. Es geht um die Frage, wer wirklich zu Jesus gehört. Nur derjenige, dem Jesus die Sünde abgewaschen hat, der gehört wirklich zu ihm. Sonst hat er keinen Anteil an dem ewigen Erbe, das Jesus Christus für uns erworben hat.
Mit dieser Antwort trifft Jesus Petrus ins Herz, so dass seine ursprüngliche Ablehnung sich um 180 Grad wandelt. Petrus erkennt, wenn es um mein himmlisches Erbe geht, dann reicht es nicht, wenn mir nur die Füße gewaschen werden. Der Rest muss auch gewaschen werden.
Gerhard Maier formuliert hier sehr passend: „Der Leser wird hier bemerken, wie schwer es uns Gott recht machen kann“ (Edition C, S.69f). Einen Vers vorher war es Petrus noch zu viel, was Jesus tat, nun ist es ihm zu wenig.
Vers 10-11: Es scheint, als ob Jesus auf die Reaktion von Petrus hin, das Bild etwas ausweitet. Er redet hier nun von zwei verschiedenen Waschungen. Im Hintergrund steht wahrscheinlich ein Brauch in der damaligen Zeit, dass sich die Gäste, bevor sie sich aufmachten, zuhause noch badeten. Sie kamen also frisch gebadet, bei ihrem Gastgeber an, und hatten es nur nötig an den Füßen gereinigt zu werden, weil dort der Staub der Straße hing.
Jesus bringt also eine erweiterte Anwendung der Fußwaschung. Es gibt geistlich gesehen, die erste Waschung, die Reinigung vor Gott bei der Bekehrung, die einen Menschen in Jesu Gerechtigkeit vollkommen und gerecht vor Gott stehen lässt. Diese Reinigung findet einmal ganz grundsätzlich im Leben statt und gilt für immer. Durch sie haben wir ein ewiges Erbteil bei Gott in Christus.
Nun wendet Jesus das Bild der Fußwaschung auf unser geistliches Leben nach der Bekehrung an. Auch Kinder Gottes sündigen in ihrem Leben immer wieder und brauchen die Vergebung Gottes. Es ändert sich also nichts an ihrem Stand als Gerechtfertigte vor Gott und doch brauchen sie es, dass Jesus ihnen immer wieder vergibt, ihnen die Füße wäscht, damit sie im Glauben weitergehen können.
Jesus sieht den Glauben der Jünger. Sie vertrauen ihm und folgen ihm nach. Sie sind also ganz grundsätzlich rein und doch brauchen sie in ihrem Alltag immer wieder die Reinigung durch ihren Herrn.
Eine Ausnahme fügt Jesus hier an, und wir sehen einmal mehr, wie genau Jesus über die Ereignisse, die kommen sollten, Bescheid wusste. Judas vertraute Jesus nicht, er glaubte nicht und gehörte so auch nicht zu Jesus.
Gerade dieser Verweis auf Judas bewahrt hier vor einem falschen rituellen Verständnis. Die Fußwaschung an sich, bewirkte bei den Jüngern keine geistliche Reinigung, sie machte nur saubere Füße. Es geht Jesus aber um die geistliche Realität, die er durch die Fußwaschung ausdrücken will. Die Fußwaschung verweist auf das, was Jesus am Kreuz tun wird
Vers 12-17: Ab Vers 12 eröffnet Jesus ein weiteres Thema, das er durch die Fußwaschung verdeutlichen möchte. Die Jünger sollen in der Fußwaschung die demütige Dienstbereitschaft von Jesus erkennen und werden selbst dazu aufgefordert ihr Leben in einer solchen Dienstbereitschaft zu leben. Jesus erinnert seine Jünger kurz vor seinem Tod noch einmal sehr deutlich daran, dass er es ist, der in der Beziehung zu seinen Jünger der Herr ist. Aber als Herr ist Jesus bereit seinen Jüngern als dienendes Vorbild voranzugehen und sie sind aufgefordert, seinem Beispiel in dieser Haltung zu folgen.
So stellt gerade der Bericht von der Fußwaschung diesen doppelten Blick auf Jesus ins Zentrum. Auf der einen Seite ist Jesus völlig einzigartig. Er ist der eine Sohn Gottes, er ist der Retter. Auf der anderen Seite war Jesus ganz Mensch und er hat ein vollkommenes Leben geführt, das als Vorbild für unser eigenes Leben dienen soll.
Schließlich unterstreicht Jesus in diesen Versen erneut, wie wichtig es ist das von Jesus Gehörte auch in die Tat umzusetzen. Schon am Ende der Bergpredigt hat Jesus dieses Grundprinzip sehr deutlich über seine Lehre gestellt. Ein Leben in der Nachfolge erfüllt sich eben nicht im Wissen, sondern im Tun. In Jak 2 wird dieser Zusammenhang zwischen Glauben und Werken auf sehr klare und herausfordernde Weise dargestellt.
2.2 Weitere Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Hilfen zur Auslegung bieten z.B.
- Maier, Gerhard. Johannesevangelium (Edition C Bibelkommentar)
- De Boor, Werner. Das Evangelium des Johannes (Wuppertaler Studienbibel)
- Köstenberger, Andreas: John (Baker Exegetical Commentary)
- Hughes, R. Kent. John – That you may believe (Preaching the word)
3 Erklärungen zum Thema (Einander dienen)
Einander dienen ist ein grundlegendes Thema im Neuen Testament, das besonders von Jesus selbst angesprochen wurde. Neben der Fußwaschung ist auch der Abschnitt sehr grundlegend, in dem Jakobus und Johannes um die Plätze zur Rechten und Linken von Jesus bitten (Mt 20,20-28; Mk 10,35-35). Gerade dieses Ereignis zeigt, wie grundsätzlich für Jesus das dienende Miteinander unter seinen Nachfolgern ist, und wie sich diese Haltung diametral von dem unterscheidet, was in dieser Welt gilt. Wie bei der Fußwaschung verweist Jesus auch in diesem Abschnitt auf sein eigenes Vorbild.
In Mt 18,1-5; Mk 9,33-37 und Lk 9,43-45 hebt Jesus ebenfalls die Dienstbereitschaft unter den Jüngern heraus, nachdem sie sich darüber unterhalten haben, wer der Größte unter ihnen sei.
Aber nicht nur Jesus spricht darüber, dass wir als seine Nachfolger einander dienen sollen. Der Dienst untereinander wird im Neuen Testament immer wieder aufgegriffen. So sehen wir in der Urgemeinde, dass der Dienst füreinander auch in der praktischen Hilfe grundlegend für die Gemeinde ist. In Apg 4,32ff lesen wir, wie die ersten Christen ihren Besitz teilten und so keiner Mangel leiden musste. In Apg 6 setzten die Apostel extra sieben Armenpfleger ein, die sich u.a. besonders um die Anliegen der Witwen in der Gemeinde kümmerten (Apg 6,1ff). Für Paulus ist es z.B. sehr wichtig, dass die Christen ihre Freiheit, die sie in Christus haben, nicht missverstehen, sondern dass sie diese Freiheit nutzen, um einander in Liebe zu dienen (Gal 5,13f). In Philipper 2 fordert Paulus die Gemeinde in Philippi dazu auf, den anderen höher zu achten als sich selbst und das, was den anderen betrifft, in den Blick zu nehmen. Auch hier dient Jesus als das vollkommene Vorbild für diese dienende Haltung (Phil 2,1-11).
Petrus betrachtet die Gemeinde als eine Dienstgemeinschaft, in der jeder die Gabe, die Gott ihm gegeben hat, einsetzen soll, um dem anderen zu dienen. Dieser gegenseitige Dienst ist ein Weitergeben der Gnade Gottes (1Petr 5,10f).
Der gegenseitige Dienst unter Glaubensgeschwistern soll das Miteinander in der Gemeinde charakterisieren und so das liebende und dienende Herz Jesu widerspiegeln.
3.1 Einander dienen – Welche Folgen hat es, wenn wir uns daran orientieren?
- Die Gemeinde spiegelt ihren Herrn wider und ehrt ihn.
- Der Heilige Geist wirkt in der Gemeinde.
- Die Gemeinde zeigt, dass sie nicht von dieser Welt ist, indem sie Gottes Maßstäbe lebt, die völlig anders als die Maßstäbe dieser Welt sind.
- Jeder einzelne in der Gemeinde erfährt, dass ihm gedient wird.
- Jeder einzelne erlebt das Vorrecht, ein Diener zu sein, so wie es Jesus vorgelebt hat.
- Die Gemeinde verschmilzt zu einer dienenden Einheit.
- Die Gemeinde wirkt in dienender Liebe in ihre Umwelt hinein.
3.2 Einander dienen – Was sind die Konsequenzen, wenn wir uns nicht daran orientieren?
- Die Gemeinde wird grundlegend in ihrer Einheit geschwächt.
- Die Gemeinde wird von enttäuschten Erwartungen geprägt.
- Geistliches Wachstum wird verhindert. Zum einen, weil anderen nicht gedient wird, aber auch dadurch, dass die Glaubenserfahrung des Dienens nicht da ist.
- Es entsteht ein Nährboden für Spaltungen, Gruppierungen, Konkurrenzdenken.
- Die Geborgenheit geht verloren.
- Die Gemeinde lebt nicht zur Ehre Gottes.
3.3 Einander dienen – Worin liegen die Schwierigkeiten bei der Umsetzung?
- Jesus gibt uns mit seinen Aussagen zu diesem Thema einen entscheidenden Schlüssel, indem er ganz schlicht den Kontrast zwischen einer dienenden Haltung, wie sie in seiner Gemeinde gelebt werden soll, und einer herrschenden Haltung, wie sie in der Welt vorherrscht, aufzeigt.
- Unsere „alte Natur“ drängt uns immer wieder dazu, dass wir uns selbst in den Mittelpunkt stellen, dass sich unsere Gedanken darum drehen, wie wir dastehen und was uns dient.
- Es braucht immer wieder die Ausrichtung auf unseren Herrn, damit wir wirklich in seinem Sinne Diener sein können.
- Eine Schwierigkeit besteht auch darin, dass es ein Dienen gibt, das bei tieferem Betrachten von herrschenden Motiven geleitet wird und deshalb falsch ist. Wenn ich versuche, durch mein Dienen andere Menschen an mich, statt an Jesus zu binden, wirke ich oberflächlich vielleicht wie ein Diener, stelle mich und meine Ziele aber doch in den Mittelpunkt, anstatt wirklich Jesus und den anderen im Blick zu haben. Dadurch wird vermeintliches Dienen zur Manipulation.
3.4 Einander dienen – Wie geht unsere Gesellschaft damit um?
- Jesus selbst beschreibt die Motive dieser Welt, als sehr selbstbezogen und auf‘s Herrschen ausgerichtet. Natürlich gibt es in dieser Welt viel Dienst, der getan wird und viele Menschen, die wirklich aufopfernd anderen dienen. Dennoch nehmen wir wahr, dass die „größer-, höher-, weiter“-Mentalität unsere Welt sehr stark durchdringt. In vielen Bereichen des Lebens geht es ganz schlicht darum, sich durchzusetzen und besser zu sein als andere. Dieses Denken prägt uns, ob wir das wollen, oder nicht.
- Zudem müssen wir sehen, dass es Jesus ja um mehr als nur die reine Tat des Dienens geht. Es geht um ein Dienen aus der Beziehung zu Gott heraus. Also kein Dienen um sich selbst als guter Mensch zu beweisen und damit vor Gott gut dazustehen. Es geht um Dienst als dankbare Antwort auf die Liebe Gottes, die wir in unserem Leben erfahren haben. Unser Dienen soll zur Ehre Gottes geschehen und nicht um uns vor Gott besser zu machen. D.h. wir müssen über die reine Tat hinausschauen und auch die geistliche Motivation betrachten, um einen Dienst geistlich beurteilen zu können. So ist es wichtig, dass wir menschlichen Dienst dankbar würdigen, aber dass wir gleichzeitig den Gottesbezug nicht aus den Augen verlieren.
4.1 Einander dienen – Wie hat Jesus uns „einander dienen“ vorgelebt?
- Das ganze Leben von Jesus ist eine Veranschaulichung, was es bedeutet anderen zu dienen.
- Den Höhepunkt des Dienens sehen wir am Kreuz. Jesus trägt unsere Schuld, er gibt sein Leben für uns, damit wir für immer mit ihm leben können.
- Die Art und Weise wie Jesus sich noch am Kreuz um seine Mutter sorgt und auf den Verbrecher eingeht, der neben ihm am Kreuz hängt, sind absolut bewegende Beispiele seines Dienens.
4.2 Einander dienen – Welche weiteren Beispiele finden wir in der Bibel?
- Aquila und Priscilla kümmern sich sowohl um Paulus wie auch um Apollos (vgl. Apg 18).
- Rut und Boas: Im Buch Rut finden wir wunderbare Beispiele, wie Dienen aussehen kann. Rut dient ihrer Schwiegermutter auf liebevolle Weise. Aber auch Boas ist bereit, sich mit seinen Möglichkeiten für Rut und Noomi einzusetzen und ihnen so zu dienen.
- Lukas ist für mich auch ein Beispiel für eine hingebungsvolle Dienstbereitschaft. Im 2.Timotheusbrief lesen wir, dass Lukas der letzte ist, der noch bei Paulus im Gefängnis ist (2.Tim 4,11).
- …
4.3 Einander dienen – Was lehrt uns das über die Gemeinde?
- Die Aufforderung von Jesus, dass seine Jünger einander dienen sollen, zeigt ganz grundsätzlich, wie die Gemeinde Jesu aufgebaut sein soll. Gemeinde soll eine dienende Gemeinschaft, oder eine Gemeinschaft von Dienern sein, die sich gegenseitig trägt und unterstützt.
- Gerade die Vorstellung von der Gemeinde als Leib unterstreicht, wie wichtig es ist, einander zu dienen. So wie die einzelnen Körperteile sich gegenseitig unterstützen und ergänzen, sind wir als Glaubensgeschwister aufgefordert einander in Liebe zu dienen, und so den ganzen Körper zu stützen. Das Bild macht auch sehr deutlich, dass es in der Gemeinde eben keine „Alleskönner“ gibt, sondern dass jeder auf den Dienst der anderen angewiesen ist.
- Auch die Ausstattung der Gemeinde mit Gaben des Geistes unterstreicht, wie Gott seine Gemeinde auf das gegenseitige Dienen angelegt hat. Jeder einzelne ist beauftragt, mit der Gabe, die Gott ihm anvertraut hat, den anderen zu dienen und sie so in ihrer Nachfolge zu unterstützen und voranzubringen. Dies unterstreicht zum einen unsere Abhängigkeit von Gott, aber eben auch das Aufeinander-angewiesen- sein unter Glaubensgeschwistern.
5.1 Wie werden wir von Jesus ausgerüstet, um einander zu dienen?
- Alles beginnt damit, dass Jesus uns ein neues Leben schenkt. Er ist Gott selbst, der uns dient. Er gab sein Leben für uns, damit wir in ihm neues Leben haben können.
- Durch den Heiligen Geist, der in uns wohnt, werden wir befähigt unser Leben immer mehr so zu leben, wie es zu unserer neuen Identität in Jesus Christus passt.
- Jesus befreit uns von unserer Ich-Zentriertheit, indem wir in ihm echte und ewige Annahme erfahren dürfen. Weil wir in Jesus tiefen Frieden und Geborgenheit erleben, werden wir befreit unsere Glaubensgeschwister in den Blick zu nehmen und ihnen von Herzen zu dienen.
- Auf der anderen Seite sehen wir, dass Jesus uns auch demütig macht, damit wir bereit werden, uns von anderen dienen zu lassen.
5.2 Was sollen wir in unserem Leben unternehmen?
Jesus fordert von seinen Jüngern, dass das „einander dienen“ eine Lebenseinstellung sein soll. Folgende Schritte können uns helfen, dass diese Lebenseinstellung immer tiefer in uns verankert wird:
- Wir müssen uns immer wieder vor Augen stellen, wie Jesus uns gedient hat und diesen Dienst mit dankbarem Herzen annehmen.
- Wir wollen darum beten, dass Gott unser Herz offen macht, für das, was die anderen brauchen. Wir wollen ihn darum bitten, dass er uns dienstbereite Herzen schenkt.
- Zudem ist es wichtig, uns immer wieder bewusstzumachen, dass Gott uns beauftragt hat unseren Geschwistern zu dienen.
- Wir sollen als Christen unseren Glaubensgeschwistern dienen. Aber sie sind nicht unsere Herren. Wir haben einen Herrn, und dieser Herr legt auch fest, wie wir dienen sollen. Die Frage ist also nicht, was will der andere, sondern was will Gott von mir für den anderen. Wir wollen also vor Gott fragen:
- Wie kann ich dem anderen dienen, immer mehr ein Leben zur Ehre Gottes zu führen.
- Wo braucht es Trost, Korrektur, Ermahnung, Ermutigung, …
- Wenn es um‘s Dienen geht, beginnt es nicht mit den großen Hilfsaktionen, sondern mit dem ganz schlichten liebevollen Dienst im Kleinen. Dass wir einfach da sind, wenn die Geschwister uns brauchen, dass wir gerne ein liebevolles Wort weitergeben, dass wir bereit sind mitanzupacken.
- Wir wollen uns gegenseitig in der Gemeinde auch immer wieder zum Dienen ermutigen und anspornen.
- Es ist hoffentlich deutlich geworden, dass man Dienen nicht auf eine Liste von einzelnen Taten reduzieren kann, die eben getan werden müssen. Dienen ist so vielfältig wie das Leben und es soll ein Ausdruck unserer Liebe zu Gott und unserem Nächsten sein. Unsere Herausforderung bleibt, im konkreten Fall immer zu überlegen und Gott zu fragen: Herr, wie möchtest du mich hier und jetzt als deinen Diener gebrauchen? Wie kann ich als dein Kind ein Segen für die anderen sein?
6.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Die Hörer sollen neu verstehen, wie grundlegend das Miteinander unter Christen auf gegenseitiges Dienen angelegt ist. Sie sollen erkennen, dass wir durch Dienen Jesus nachfolgen und seine Liebe ganz praktisch weitergeben.
Die Hörer sollen ermutigt werden, in ihrem Leben immer mehr eine Gesinnung des Dienens zu entwickeln.
6.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Einander dienen
6.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
- Bedient vom König der Könige (Joh 13,1-17)
- Was hindert uns zu dienen? (z.B. Mt 20,20-28; Mt 18,1-5)
- Wie werden wir wahre Diener? (z.B. Gal 5,13f; Phil 2,1-4; 1.Petr 5,10f)
Warm-up-Runde (Möglichkeiten)
- Was hast du heute/in dieser Woche zum Thema „einander dienen“ erlebt?
- Was würdest du sagen: „Echtes Dienen bedeutet…“
Fragen zur Texterarbeitung (Möglichkeiten)
- Was ist der Schlüsselvers im Abschnitt?
- Wie kommt das Thema im Text-Abschnitt vor?
- Ist das Thema zentral? Ist es eher eine Nebenbemerkung?
- Welche biblischen Beispiele zum Thema „einander dienen“ fallen uns ein?
Fragen zum Thema/zur Veranschaulichung/zur Anwendung (s.o.)
- Einander dienen – Welche Folgen hat es, wenn wir uns daran orientieren?
- Einander dienen – Was sind die Konsequenzen, wenn wir uns nicht daran orientieren?
- Einander dienen – Worin liegen die Schwierigkeiten bei der Umsetzung?
- Einander dienen – Wie geht unsere Gesellschaft damit um?
- Einander dienen – Wie können wir diesen Auftrag von Jesus in unserer Gemeinde stärken?
Schluss-Runde (Möglichkeiten)
- Wo würdest du jetzt ein Ausrufezeichen setzen?
- Mit wem musst du jetzt über was reden?
- Was willst du jetzt Jesus sagen?
- Was willst du ab sofort anders machen?
- Was ist jetzt dran für dich?
(Tobias Schurr)