| Jahresthema: | Für ein gutes MITEINANDER |
| Predigtthema: | Einander annehmen |
| Predigttext: | Römer 15, 1-13 |
| Autor: | Tobias Schurr |
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1 Überblick über das Jahresthema 2021
Ein gutes Miteinander, wer wünscht sich das nicht? Eine Gemeinschaft, die unser Leben bereichert, belebt und stärkt, wollen wir doch alle. Gott hat uns Menschen so geschaffen, dass wir auf Gemeinschaft angelegt sind. Und obwohl wir uns nach Gemeinschaft sehnen und auch auf Gemeinschaft hin gemacht sind, erleben wir, dass menschliche Gemeinschaft sehr zerbrechlich ist und sehr leicht gestört oder sogar zerstört werden kann. Diese Herausforderung sehen wir auch im Miteinander von Christen in der Gemeinde und es ist aus diesem Grund immer wieder sehr wichtig darüber nachzudenken, wie Gemeinschaft gelingen kann, wie unser Miteinander von Gott geprägt, immer mehr wachsen kann.
In der Bibel sehen wir, dass es Gott ein großes Anliegen ist, dass seine Kinder in seinem Sinne Gemeinschaft leben und er gibt uns viele Aufforderungen, wie Miteinander gelingen kann. In unserem Jahresthema wollen wir im Jahr 2021 (jeweils am letzten Sonntag des Monats) dieses Miteinander bedenken und uns von Gott prägen lassen. Unser großer Wunsch ist es, dass unsere Gemeinden dadurch gemeinsam in ihrer Beziehung zu Jesus und auch in ihrer Beziehung zueinander wachsen. Und wir beten, dass durch die Art wie sie miteinander leben auch für andere immer mehr sichtbar wird, welcher Herr sie zusammengeführt hat.
Umrahmt wird dabei unser Jahresthema von der großen Aufforderung, die Jesus seinen Jüngern mitgibt (Joh 15) und die auch Paulus aufgreift (Röm 13,8-10), dass wir uns als Kinder Gottes untereinander lieben sollen (Januar & Dezember). Unter diesem Oberthema lassen sich schlussendlich alle anderen Themen, die wir unter dem Jahresthema behandeln, zusammenfassen. Die Liebe, die Jesus auf unvergleichliche Weise vorgelebt hat ist eine Liebe, die bereit ist, sich für den anderen hinzugeben. Eine Liebe, die ein großes Zeugnis für unseren Gott ist.
- Diese Liebe äußert sich zunächst darin, dass wir als Kinder Gottes bereit sind, uns gegenseitig in Liebe anzunehmen (Februar), weil wir wissen, dass Christus derjenige ist, der uns in Liebe angenommen hat.
- Weiter zeichnet sich dieses Miteinander in Liebe dadurch aus, dass Kinder Gottes bereit sind einander zu dienen (März). Auch dies hat Jesus vorgelebt und war bereit sein Leben als Lösegeld für uns zu geben.
- Ein liebevolles Miteinander lebt auch davon, dass wir aufeinander achten und uns dazu ermuntern im Glauben wirklich dran zu bleiben (April) und in der Heiligung zu leben.
- Für eine gute Gemeinschaft ist es zudem wichtig unnötige Konflikte zu vermeiden und sorgfältig darauf zu achten, andere nicht auf falsche Weise zu provozieren (Mai).
- Echtes Miteinander unter Glaubensgeschwistern lebt auch davon, dass wir füreinander im Gebet einstehen (Juni), weil wir genau wissen, wie abhängig wir alle davon sind, dass unser Herr uns führt, leitet und bewahrt.
- Zu diesem füreinander einstehen, gehört natürlich auch, dass wir als Kinder Gottes umeinander wissen, die Verbindung zueinander suchen und so als Nachfolger Jesu eine Einheit bilden (Juli).
- Weil wir auch als Christen immer wieder untereinander schuldig werden, ist auch das Thema Vergebung ein sehr wichtiger Grundstein für ein gutes Miteinander (August). Auch hier haben wir in Jesus Christus ein großes Vorbild, was Vergebung bedeutet. Und gleichzeitig ist Jesus derjenige, der echte Vergebung erst ermöglicht, weil er für unsere Schuld am Kreuz gestorben ist.
- Geistliches Miteinander beinhaltet auch, dass wir lernen uns in eine geistliche Gemeinschaft einzuordnen. Dazu gehört, dass wir verstehen, wie Gott sich das Miteinander unter seinen Kindern vorgestellt hat und die Bereitschaft sowohl demütig Verantwortung zu übernehmen wie auch sich auf eine gute geistliche Weise unterzuordnen (September).
- Das Leben als Christ ist kein Sprint, sondern eher ein Langstreckenlauf, bei dem es immer mal wieder auch Durststrecken gibt. Auch hier braucht es ein gutes geistliches Miteinander, um uns immer wieder zu einem Leben in der treuen Nachfolge anzuspornen und nicht müde zu werden die Liebe Gottes in die Welt zu tragen (Oktober).
- Geistliche Durststrecken und Herausforderungen können immer wieder auch entmutigend sein und auch hier ist es ein Geschenk Gottes, dass er uns als Glaubensgeschwister zusammengestellt hat. So können wir uns gegenseitig ermutigen die richtige Ausrichtung zu behalten und den Blick auf Jesus, auf sein Werk und auf seine Wiederkunft nicht zu verlieren (November).
Schlussendlich bleibt die Liebe, das Oberthema, das unser Miteinander zusammenhält. Wenn wir aus der Liebe Jesu leben, wenn seine Liebe unser Leben prägt, wird dies auch in einem guten Miteinander unter Glaubensgeschwistern, in der Liebe zueinander sichtbar werden. Bildlich dargestellt könnte das Thema so aussehen: Unser „Miteinander“ ist eine Frucht mit verschiedenen Beeren, die sich ergänzen und von denen jede einzelne sehr wichtig ist. Im Laufe des Jahres werden wir die einzelnen Beeren nacheinander betrachten.

Eine PowerPoint-Vorlage mit der Grafik findet ihr unter: https://christusbund.sharepoint.com/:p:/s/medien/EQTQFa12LktBqBCcQsW9qmcBi9et5hf-ZzzoObTt-zou1g?e=Xauf41
2 Erklärung zum Bibeltext (Römer 15,1-13)
2.1 Hinweise zum Textverständnis
Unser Abschnitt dreht sich sehr stark um das Miteinander zwischen Schwachen und Starken im Glauben. Es wird damit das Thema fortgeführt, das Paulus bereits in Röm 14 begonnen hat. Paulus führt schon in Kapitel 14 sehr deutlich aus, dass wir als Nachfolger Christi die Verantwortung haben, auf das Gewissen unserer Geschwister zu achten und ihnen eben keinen Anstoß und kein Ärgernis zu bereiten. Christen sollen bereit sein auf Teile ihrer eigenen Freiheit zu verzichten, wenn dies für den Glauben des anderen förderlich ist.
Vers 1+2: Nachdem Paulus in Kapitel 14 schon mehrmals explizit von den Schwachen oder den Schwachen im Glauben gesprochen hat, nennt er hier die andere Seite, die Starken, zu denen er sich selbst auch zählt. Was nun folgt ist eben nicht ein frommer Wunsch, den Paulus den reifen Christen weitergibt, nein er beschreibt ihre geistliche Verpflichtung. Die Starken sollen nicht auf die Schwachen in Glauben herabschauen, sondern sie vielmehr tragen. Die griechische Formulierung unterstreicht, dass es sich hierbei um eine dauerhafte Verpflichtung handelt. Mit diesem Verhalten spiegeln sie das Verhalten Jesu wider, der sich auch unserer Schwachheiten angenommen hat (vgl. Mt 8,17). Interessant ist, dass Paulus hier nicht davon spricht, den anderen zu helfen ihre Schwäche zu überwinden, sondern dass die Starken die Schwachen tragen sollen. Hier sehen wir ein Prinzip der Gemeinde. Die Einschränkung des Nächsten wird zu einer Möglichkeit ihm zu dienen und damit Gemeinde zu bauen. Zugleich lehnt Paulus ein egoistisches und selbstgerechtes Verhalten ab (vgl. Röm 14,7), und fordert zur praktischen Nächstenliebe unter Christen auf. Diese Ausrichtung auf den Nächsten soll das Denken und Handeln der Nachfolger Jesu prägen.
Vers 3+4: Als Beispiel für dieses Verhalten dient Jesus selbst. Jesus ist nicht nur unser Retter. Er ist in seinem Verhalten auch unser ethisches Vorbild. Auch z.B. in Phil 2,5-8 fordert Paulus dazu auf dem Vorbild Jesu nachzueifern. Paulus zitiert an unserer Stelle Ps 69,10, ein Psalm, der als Vorankündigung der Leiden des Messias verstanden wird. Der Auslöser für diese Gedanken des Paulus lag wohl in den Auseinandersetzungen der römischen Gemeinde im Blick auf die Reinheits- und Sabbatgebote. Wahrscheinlich haben die geistlich „Schwachen“ den „Starken“ vorgeworfen, sie würden durch ihren freieren Umgang mit diesen Ordnungen des Alten Bundes Gottes Gebote missachten. Ganz ähnlich spielte es sich im Leben von Jesus ab, dem immer wieder von den frommen Schriftgelehrten und Pharisäern vorgeworfen wurde, er würde Gottes Gebote nicht achten.
Paulus unterstreicht die Wichtigkeit dieses Zitats, indem er betont, dass das Alte Testament auch für die Gemeinde Jesu zur Belehrung geschrieben wurde. Obwohl der Psalm schon alt ist, hat er ganz aktuelle Bedeutung für die Gemeinde in Rom. Sie sollen dadurch in ihrer Glaubenshoffnung gestärkt werden. Es ist immer wieder die sehr aktuelle Frage an die Gemeinde Jesu, ob sie die Bibel als Wort Gottes für sie annimmt und danach lebt. Wo dies nicht geschieht, wird Gemeinde zwangsläufig auf Irrwege abgleiten.
Vers 5+6: Paulus formuliert sein Gebetsanliegen, seinen Herzenswunsch für die Gemeinde in Rom. Einheit, Eintracht untereinander, wie es zur Gemeinschaft mit Jesus Christus passt. Einheit, die sich wunderbar im gemeinsamen Lob Gottes ausdrückt. Paulus erinnert damit an manches, was er in den vorangehenden Kapiteln betont hat. In Röm 12,5 schreibt er, dass Christen ein Leib in Christus sind, in Röm 12,16 fordert er die Christen auf nach Einmütigkeit zu streben, in Röm 13,8 zur gegenseitigen Liebe. In Röm 14,13 warnt Paulus davor sich gegenseitig zu richten und in Röm 14,19 ermuntert er die Gemeinde nach Frieden untereinander zu streben. Wir merken, wie der Wunsch nach Einheit Paulus bewegt und wie er gleichzeitig weiß, dass es Gottes gnädiges Wirken braucht, damit diese Einheit wirklich gelebt werden kann.
Vers 7: Dieser Vers bildet das Zentrum für unser Predigtthema und schließt gewissermaßen als eine Art Zusammenfassung das vorher Gesagte ab. „Darum“ bzw. „deshalb“ gibt sehr klar den Verweis auf die vorhergehende Thematik im Umgang zwischen „Starken“ und „Schwachen“. Paulus formuliert einen Appell, der das geistliche Miteinander unter Glaubensgeschwistern auszeichnen soll: „gegenseitiges Annehmen“. Die Unterschiede, die uns vielleicht trennen könnten, sollen das Miteinander in der Gemeinde eben nicht bestimmen. Diese Unterschiede können sehr vielfältig sein. In den Versen zuvor spricht Paulus von Menschen mit unterschiedlicher Glaubensreife. In den folgenden Versen wird Paulus das Thema Juden und Heiden ansprechen. In der Gemeinde Jesu soll gegenseitiges Annehmen herrschen.
Wieder zeigt Paulus, wo der Maßstab für dieses Annehmen liegt: So wie wir durch Christus angenommen wurden. Paulus hat in den ersten Kapiteln des Römerbriefes die Verlorenheit der Menschen sehr deutlich beschrieben (Röm 1,19 – 3,20). Er hat ganz klar gezeigt, dass Menschen umsonst gerechtfertigt werden, allein durch Glauben an Jesus Christus (Röm 3,22ff)
Die Erfahrung, dass Jesus sie angenommen hat, soll seine Nachfolger tief prägen. Wir sind verpflichtet unsere Glaubensgeschwister ebenso anzunehmen. Nur wo dieses Annehmen gelebt wird, entsteht wirklich geistliche Einheit und Gott wird in seinem Sinne geehrt. Deshalb geht es immer wieder darum zu verstehen: Wie hat Christus mich angenommen und was bedeutet das für mein Verhalten gegenüber meinen Glaubensgeschwistern.
Sehr wichtig ist, dass wir die letzten drei Worte dieses Verses beachten. Das letzte Ziel von allem, was Jesus getan hat, war die Ehre seines Vaters. Auch unser Leben soll etwas sein zur Ehre Gottes (vgl. Eph 1,1-14). Wenn wir uns also gegenseitig annehmen sollen als Christen geht es um mehr als nur um ein gutes Miteinander in der Gemeinde. Es geht um die Frage: Wie gestalten wir unser Leben, unsere Gemeinschaft so, dass Gottes Herrlichkeit sichtbar wird und wir so zu seiner Ehre leben.
Wenn wir nach Parallelstellen für das griechische Wort suchen, das in unserem Abschnitt mit annehmen übersetzt wird, dann sticht der Philemonbrief ins Auge. In Vers 17 fordert Paulus Philemon auf seinen entlaufenen Sklaven Onesimus so auf- oder anzunehmen, wie er Paulus auf- oder annehmen würde.
Vers 8-12: Wir sehen in diesen Versen, wie Paulus darauf eingeht, dass das Wirken Jesu sowohl für Juden wie auch für Heiden relevant ist. Jesus selbst betont, dass er zuerst zum Haus Israel gesandt ist (vgl. z.B. Mt 15,21ff; siehe auch Gal 4,4), aber er sendet dann seine Jünger aus in die ganze Welt.
Der zweite Aspekt aus dem Wirken Jesu, den Paulus hier anschneidet ist die Tatsache, dass Jesus bereit war zu dienen (vgl. z.B. Mk 10,43ff & Phil 2,7). Paulus beschreibt hier auf sehr kompakte und doch tiefgreifende Weise, was im Dienst Jesu sichtbar wurde. Durch Jesus wurde Gottes Wahrhaftigkeit im Blick auf seine Verheißungen sichtbar. Gott steht zu seinen Versprechen. Zugleich wird auf unüberbietbare Weise Gottes Barmherzigkeit sichtbar. Gottes Heilshandeln in Christus gilt sowohl Juden als auch Heiden.
Paulus zeigt durch die Zitate aus dem Alten Testament (Ps 18,50; 5.Mose 32,43; Ps 117,1; Jes 11,10), dass das Wirken des Messias über die Grenzen Israels hinaus schon von Anfang an Gottes Plan war. In der Gemeinde soll nun diese gottgewollte und von Jesus zusammengeführte Einheit gelebt werden, und zwar auf eine Art und Weise, die Gott Ehre macht.
Vers 13: Der abschließende Vers unseres Abschnittes ist eine Fürbitte von Paulus für die Gemeinde in Rom. Bei allen Aufforderungen zum richtigen Verhalten bleibt doch absolut bestehen, dass wir im Blick auf unser geistliches Leben von der Kraft Gottes abhängig sind, der uns mit seiner Hoffnung, mit seiner Freude und mit seinem Frieden erfüllen muss. Gerade im Miteinander zwischen Juden und Heiden in der Gemeinde wird deutlich, dass Gott zurecht als Gott der Hoffnung angeredet wird. Durch sein Heilshandeln in seinem Sohn hat er dieses Miteinander, diese Einheit erst ermöglicht.
2.2 Weitere Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Hilfen zur Auslegung bieten z.B.
- Krimmer, Heiko. Römerbrief (Edition C Bibelkommentar)
- Schnabel, Eckhard. Der Brief des Paulus an die Römer: Kapitel 6-16 (Historisch Theologische Auslegung)
- Lüthi, Walter. Der Römerbrief
- De Boor, Werner. Der Brief des Paulus an die Römer (Wuppertaler Studienbibel)
3 Erklärungen zum Thema (Einander annehmen)
3.1 Einander annehmen – Welche Folgen hat es, wenn wir uns daran orientieren?
- Einander annehmen ist grundlegend für das Miteinander in der Gemeinde. Die Basis besteht nicht in unserer Toleranzfähigkeit, sondern darin, dass wir durch Christus angenommen sind. Dieses Annehmen durch Christus ist der Maßstab für unser eigenes Verhalten.
- Eine Gemeinde, in der gegenseitiges Annehmen gelebt wird, spiegelt ihren Herrn wider. Sie ist ein Ort, an dem Menschen geistliche Geborgenheit erleben, weil sie durch die Glaubensgeschwister in ihrem Glauben gestärkt werden.
- Ein Miteinander in gegenseitigem Annehmen ist auch ein Zeugnis für die Menschen, die die Gemeinde beobachten (vgl. Joh 13,35)
3.2 Einander annehmen – Was sind die Konsequenzen, wenn wir uns nicht daran orientieren?
- Fehlendes Annehmen verhindert echte geistliche Gemeinschaft.
- Es besteht die große Gefahr, dass sich in der Gemeinde Gruppierungen oder Spaltungen bilden.
- Geistliches Wachstum wird verhindert, weil wir nicht bereit sind uns zu öffnen, wenn wir uns nicht angenommen wissen.
3.3 Einander annehmen – Worin liegen die Schwierigkeiten bei der Umsetzung?
- Einander annehmen fordert uns immer wieder heraus, den Blick auf den anderen zu richten und ihn in seiner besonderen Art wahrzunehmen und anzunehmen. Dazu braucht es Demut und die Bereitschaft, sich selbst auch immer wieder zu hinterfragen oder hinterfragen zu lassen.
- Einander annehmen benötigt auch eine gute Kommunikation in der Gemeinde, in der miteinander und nicht übereinander geredet wird.
- Einander annehmen, bedeutet natürlich nicht, zu allem „Ja und Amen“ zu sagen. Als Christen sind wir aufgefordert in der Wahrheit zu leben und für die Wahrheit einzustehen. Es wird immer wieder eine Herausforderung bleiben hier eine klare Unterscheidung zu treffen. Wo kann ich den anderen stehen lassen und soll mich selbst zurücknehmen, weil es um die Frage eines starken oder schwachen Gewissens geht? Wo geht es dagegen um Gottes Gebote, für die wir eintreten sollen, also um nicht um „stark und schwach“ sondern um „gehorsam und ungehorsam“?
3.4 Einander annehmen – Wie geht unsere Gesellschaft damit um?
- Angenommen zu sein ist ein Grundbedürfnis, das wahrscheinlich alle Menschen verspüren. Deshalb umgeben wir uns gerne mit Menschen, bei denen wir merken, wie dieses Bedürfnis gestillt wird.
- Trotzdem sehen wir auch, dass sehr viel Ausgrenzung und Ablehnung im menschlichen Miteinander zu finden ist (z.B. Mobbing, Verleumdung, Shitstorms, …)
- Leider sehen wir auch viele Fälle, in denen der Wunsch „angenommen zu sein“ dazu führt, dass Menschen alles tun, um anderen zu gefallen. Gerade eine „Like-, Dislike- Kultur“ bietet hierfür einen besonderen Nährboden.
- Als Christen dürfen wir die wunderbare Einladung verkünden, dass alle, die an Christus glauben, für immer angenommen sind.
4.1 Einander annehmen – Wie hat Jesus uns „einander annehmen“ vorgelebt?
In unserem zentralen Vers (Röm 15,7) gibt uns Paulus das Annehmen durch Jesus als Maßstab für unser eigenes Annehmen vor. Einige Beispiele aus dem Leben von Jesus zeigen uns, was annehmen bedeuten kann.
- Der Umgang von Jesus mit Petrus: Petrus hat Jesus verleugnet und doch lädt Jesus Petrus ein, wieder zu ihm zurückzukehren (Joh 21,15ff). Jesus vergibt Petrus und setzt ihn in seinen Dienst ein.
- Die Art und Weise, wie Jesus den Verstoßenen der Gesellschaft begegnet ist, zeigt wie er Menschen annimmt. Besonders in seinem Umgang mit Aussätzigen, die er trotz ihrer Krankheit berührt, wird dies deutlich (vgl. Mt 8,1ff).
- Im Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lk 15) beschreibt Jesus, wie Gott Menschen, die zu ihm umkehren, mit offenen Armen annimmt.
4.2 Einander annehmen – Welche weiteren Beispiele finden wir in der Bibel?
- Eine Person, bei der wir geistliches Annehmen sehen können, scheint mir Barnabas zu sein. Von Barnabas ist zwischen Apg 9 und 15 immer wieder die Rede. Zunächst lesen wir, wie Barnabas bereit ist, den neu bekehrten Saulus wirklich anzunehmen. Er setzt sich für ihn ein und vertritt Saulus auch vor den Aposteln (vgl. Apg 9,27). Dann einige Jahre später kam es wieder zu einer Situation, in der Barnabas zeigte, dass er bereit war, Menschen anzunehmen. Johannes Markus hatte Paulus und Barnabas auf der ersten Missionsreise verlassen (vgl. Apg 13,13). Die Umstände werden nicht genauer beschrieben, aber Paulus war nicht mehr bereit Johannes Markus auf die zweite Missionsreise mitzunehmen. Barnabas dagegen nahm den jungen Mitarbeiter wieder an, und ging mit ihm auf Missionsreise (vgl. Apg 15,36ff).
4.3 Einander annehmen – Was lehrt uns das über die Gemeinde?
- Gott hat seine Gemeinde als einen Leib eingerichtet. Jesus ist das Haupt und jeder Christ ist ein Teil dieses Leibes. Diese Glieder sind unterschiedlich, mit verschiedenen Fähigkeiten und Begrenzungen. Damit sich der Leib Christi gut entwickeln kann, braucht es natürlich auf der einen Seite die liebevolle, gehorsame Unterordnung unter das Haupt. Es braucht aber auch ein Miteinander unter den Gliedern, das von Liebe und gegenseitiger Ergänzung geprägt ist. Ein solches Miteinander gelingt nur da, wo Christen bereit sind einander wirklich anzunehmen.
- Wo dieses Annehmen fehlt wird der Leib geschädigt, echte und tiefe Gemeinschaft wird verhindert.
- Als Bild könnte man evtl. die Abstoßungsreaktion des Körpers im Blick auf ein transplantiertes Organ heranziehen. Die Erfahrung, dass wir durch Jesus angenommen sind, will uns helfen ein falsches, ungeistliches Abwehrsystem herunterzufahren, damit wir bereit sind die anderen in ihrer eigenen Art anzunehmen.
5.1 Wie werden wir von Jesus ausgerüstet um einander anzunehmen?
- Jesus nimmt uns an und macht uns damit auch von uns selbst los.
- Er rüstet uns mit seiner Liebe aus, damit wir den anderen, auch wenn er so anders ist als wir, wirklich von Herzen annehmen können.
- Jesus will uns die Weisheit geben, damit wir erkennen können, wo Annehmen einfach stehenlassen bedeutet, und wo auch Korrektur benötigt wird (vgl. Jak 1,5).
5.2 Was sollen wir in unserem Leben unternehmen?
- Wir treten für unsere Geschwister im Gebet ein, besonders für die, mit denen wir uns schwertun.
- Wir machen uns bewusst, wie Jesus Christus uns angenommen hat.
- Wir nehmen den anderen ganz bewusst als geliebtes Kind Gottes an.
- Wir erkennen die Unterschiedlichkeit, auch in der geistlichen Reife.
- Zudem wollen wir darüber nachdenken, welche Auswirkungen unser Tun auf den Glauben unserer Geschwister hat und erkennen, was ihren Glauben beschweren könnte.
- Wo es möglich und geistlich geboten ist, wollen wir uns auch im Blick auf unsere Freiheit gerne zurücknehmen, um unseren Geschwistern keinen Anstoß zu geben.
- Wir wollen miteinander im Gespräch sein, um uns gegenseitig zu verstehen, unseren Glauben zu stärken und das gegenseitige Annehmen zum Ausdruck zu bringen.
- Wir studieren das Wort Gottes, um immer mehr zu erkennen, wo wir den anderen stehen lassen können und wo Korrektur nötig ist.
- Den Glauben und das Glaubenswachstum der Geschwister wollen wir als wichtiges Anliegen sehen.
- Wir streben danach, dass Gottes Ehre durch unser Leben gefördert wird.
6.1 Predigtsituation – wann halte ich diese Predigt?
Wir halten diese Predigt in einer Situation, in der wir besonders wahrnehmen, wie wichtig es ist, dass wir uns als Geschwister gegenseitig annehmen. Gerade im Umgang mit der aktuellen Pandemie und den daraus resultierenden Einschränkungen sehen wir große Unterschiede unter Glaubensgeschwistern. Solche Unterschiede haben das Potential einen Keil in Gemeinden zu treiben und damit die Gemeinschaft zu belasten. Hier ist es ganz entscheidend, dass wir immer neu lernen und praktizieren uns gegenseitig in der Liebe Christi anzunehmen und damit die Einheit in der Gemeinde zu stärken.
6.2 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Die Hörer sollen erkennen, dass es ganz grundlegend für unseren Glauben ist, unsere Glaubensgeschwister anzunehmen. Außerdem sollen die Hörer sehen, dass gegenseitiges Annehmen absolut entscheidend für geistliche Gemeinschaft in der Gemeinde ist.
6.3 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Einander annehmen
6.4 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
1. Von Christus wunderbar angenommen
2. Mit unterschiedlichen Menschen zusammengestellt – von den Starken und Schwachen im Glauben
3. Den anderen annehmen – beauftragt, den anderen im Glauben zu stärken
Warm-up-Runde (Möglichkeiten)
- Wie hast du heute / in dieser Woche erlebt, dass du angenommen worden bist?
- Was würdest du sagen: „Echtes Annehmen bedeutet…“
Fragen zu Texterarbeitung (Möglichkeiten)
- Was ist der Schlüsselvers im Abschnitt?
- Wie kommt das Thema im Text-Abschnitt vor?
- Ist das Thema zentral? Ist es eher eine Nebenbemerkung?
- Wie kommt das Thema im Brief an die Römer vor?
Fragen zum Thema / zur Veranschaulichung / zur Anwendung (s.o.)
- Einander annehmen – Welche Folgen hat es, wenn wir uns daran orientieren?
- Einander annehmen – Was sind die Konsequenzen, wenn wir uns nicht daran orientieren?
- Einander annehmen – Worin liegen die Schwierigkeiten bei der Umsetzung?
- Einander annehmen – Wie geht unsere Gesellschaft damit um?
Schluss-Runde (Möglichkeiten)
- Wo würdest du jetzt ein Ausrufezeichen setzen?
- Mit wem musst du jetzt über was reden?
- Was willst du jetzt Jesus sagen?
- Was willst du ab sofort anders machen?
- Was ist jetzt dran für dich?
(Tobias Schurr)