Matthäus

Predigthilfe vom 31. Dezember 2023 – Matthäus 22,34-40

Jahresthema: WEGweiser zum Leben – die zehn Worte Gottes  
Predigtthema: Das größte Gebot – das Doppelgebot der Liebe  

Gottesdienst Einleitung:   1.Johannes 4,7-21           (Vorschlag zur Textlesung)

1. Sehen, was dasteht 

Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung). 

1.1 Allgemeine Hinweise zum Jahresthema  

Einleitung zum Jahresthema „WEGweiser zum Leben – die zehn Worte Gottes“!  
Die 10 Gebote (2Mo 20,1-17 und 5Mo 5,6-21), auch Dekalog genannt, haben sowohl für das Judentum als auch für das Christentum eine zentrale Bedeutung. Die „zehn Worte“, wurden von Gott persönlich und handschriftlich verfasst und auf Stein festgehalten – sozusagen in Stein gemeißelt. Das macht schon die außergewöhnliche Stellung dieser Gebote deutlich und Gottes Herzensinteresse, dass menschliches Miteinander in Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Familie, wie in diesen Geboten beschrieben, gelingt.

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes 

Grünzweig, Fritz, Edition C Bibelkommentar NT, „1.Timotheus“, Band 18, Hänssler Verlag. 
Wiersbe, Warren.W, „Kommentar NT Timotheus bis Offenbarung“ Band III, CLV. 
MacDonald, W., „Kommentar zum Neuen Testament“, 7. Auflage., Bielefeld: CLV. 
Mc Quilkin, Robertson, Biblische Ethik -Eine Einführung in biblisch begründetes Denken und Handel. CLV  

1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes 

Das Doppelgebot der Liebe ist nicht Bestandteil der 10 Gebote – aber als Jesus von einem Experten des Gesetzes gefragt wurde nach dem wichtigsten Gebot, da hat der Sohn Gottes selbst eine Zusammenfassung formuliert, die sowohl die Gebote wie auch den Willen Gottes auf seine einmalige Art und Weise mit zwei Zitaten aus der Schrift zusammenfasst: 

»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt « (5.Mose 6,5). Dies ist das höchste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (3.Mose 19,18). In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.                                                                                                                 Matthäus 22,37-40

Die rabbinische Tradition kennt 613 Gebote. Davon werden 248 positiv (du sollst) und 365 negative (du sollst nicht) formuliert.

Die Frage, bei so vielen Forderungen, nach dem höchsten bzw. wichtigsten Gebot erscheint durchaus legitim. Es ging dem studierten Pharisäer und Experten der Schriften darum herauszubekommen, was das entscheidende Handeln unseres Lebens ausmachen soll.

Die Antwort Jesu sollte zunächst nicht überraschen, sondern für einen orthodoxen Juden selbstverständlich sein.
Jesus zitiert aus 5.Mose 6,5 – der *Schma Jisrael, dem Credo des Judentums: „Du sollst den HERRN, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft.“

Ein orthodoxer Jude schrieb diese Worte auf und steckte sie in eine Mesusot (Kapseln an den Türpfosten). Auch heute noch an jeder Hoteltür bzw. jedem jüdischen Haus sichtbar angebracht.

Zum anderen wurden diese Worte in einem Lederbeutel verstaut, der zur Gebetszeit mit Lederriemen sowohl an den Händen als auch an der Stirn befestigt wurde (siehe Anweisungen in 5.Mose 6,6-9).

Es sollte eine visuelle Erinnerung sein, dass mein Leben (die Türen des Hauses), mein Handeln (Gebetsriemen an den Händen), sowie mein Denken (die Ledertasche an der Stirn) geprägt sind von der Liebe zu Gott. Diese Liebe gegenüber Gott sollte von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit aller Kraft – mit allem, was ein menschliches Leben ausmacht und antreibt – gelebt werden.

Dieses Zitat war den Juden sehr wohl bekannt und vertraut – bis zum heutigen Tag.

In 3.Mose 19 schreibt Mose Anweisungen Gottes auf, die das Miteinander zwischen Gott und seinem Volk sowie das zwischenmenschliche Miteinander regeln sollen.

Als Ausgangsbasis heißt es dort in 3.Mo.19,2 
„Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig, der HERR, euer Gott.“
In Vers 18 wird dann ausdrücklich formuliert: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst; ich bin der HERR.“
Nächstenliebe ist somit keine Option, sondern eine Forderung, die uns als Heilige auszeichnen soll, weil wir Kinder des Heiligen sind.

Der zweite Teil der Antwort Jesu scheint dann eher überraschend gewesen zu sein, denn Jesus verschmelzt dieses zweite Zitat »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« aus 3.Mose 19,18) untrennbar mit dem Gebot Gott zu lieben.

* Das Schma Jisrael oder Schema Jisrael (hebräisch שְׁמַע יִשְׂרָאֵל šma‘ yiśra’el, deutsch ‚Höre, Israel!‘) gehört zu den wichtigsten Gebeten des Judentums. Es ist benannt nach den Anfangsworten eines Abschnitts aus der Tora Dtn 6,4–9 EUund ist ein zentraler Bestandteil des Abend- (Maariw, hebr. מעריב) und des Nacht- und Morgengebets (Schacharit, hebr. שחרית). Innerhalb der Gebete ist mit dem Schma Jisrael die Rezitation von drei Abschnitten aus der Tora sowie den vorausgehenden und nachfolgenden Lobsprüchen gemeint.   (Wikipedia)

2. Verstehen, worum es geht 

2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung) 

In Matthäus 22,36 wird Jesus nach dem *höchsten (Luther) Gebot gefragt

In Vers 38 ergänzt Jesus selbst: Das ist das *höchste und **größte (Luther) Gebot.

*höchste         μέγας megas ; groß bzw. größer oder das größte im Sinne von wichtig
**größte         πρῶτος prōtos ; edrste (Chef-) Stelle
                   πρό      pro eine Präposition.; vor im Sinne von Priorität bzw. vor-Stellung = ganz vorne dran

Jesus bestätigt mit seiner Zusammenfassung des Gesetzes, dass die Liebe Gott gegenüber und die Liebe dem Nächsten gegenüber absolute Priorität haben soll.

Liebe – hier steht das Wort Agape. Es geht um bedingungslose Liebe, die wir mit unserem ganzen Sein Gott und unserem Nächsten gegenüber ausleben sollen.

Schnell wird jedem klar – das gelingt nur stümperhaft.
Auch wenn ich mich noch so anstrenge – bedingungslose Liebe kann ich von mir aus nicht leisten, egal wie sehr ich mich auch anstrenge.
Und das ist wohl auch einer der entscheidenden Punkte, die Jesus mit seiner Aussage treffen möchte – wir, als (gefallene) Menschen, sind nicht von uns aus in der Lage diese Forderung Gottes nach Liebe zu erfüllen!

2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass) 

Sich an Spielregeln zu halten ist nicht sehr schwierig. Selbst im Straßenverkehr gelingt es uns dank modernster Technik, dass wir Geschwindigkeitsbeschränkungen und rote Ampeln dementsprechend beachten. Wenn es um eine Aktivität geht, dann können wir uns schon disziplinieren und eine gewisse Routine an den Tag legen – uns korrekt verhalten.

Das gilt auch, was unser geistliches Leben betrifft. Wir haben uns die äußerliche Routine angewöhnt und können eine fromme Kulisse nach außen hin mit unserem Verhalten durchaus erfolgreich leben – aber Gottes Forderung ist eine ganz andere! Er will nicht (nur) korrektes Verhalten, sondern liebevolles Verhalten! Und dann auch noch ein von Liebe geprägtes Verhalten, das bedingungslos gelebt wird – also egal, ob Gott oder mein Nächster für mich gerade liebenswert erscheint oder nicht.

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung) 

Wir sind aufgefordert unser Christsein grundsätzlich zu überdenken.  
Zunächst gilt es zu fragen, was mir in meinem Christsein das Wichtigste ist. Bei Jesus nachgefragt wird dann schnell die Liebe – eben unsere innere Haltung und nicht unser äußeres Handeln in den Mittelpunkt gerückt.

Es wird klar, dass Gottes Art (Gott = Liebe) eben auch unsere Art sein soll. Schließlich sind wir seine Kinder und sollen das widerspiegeln, was den Vater ausmacht (Seine DNA auch unsere DNA).

Galater 5,22 („Die Frucht des Geistes aber ist Liebe“) macht deutlich:

  • Diese Liebe ist eine Frucht des Geistes Gottes … und nicht ein Resultat meiner Anstrengungen

1.Johannes 4,7-21

V.7       Liebe zu Gott drückt sich immer in Liebe zu Seinen Geschöpfen (dem Nächsten) aus.
            Liebe hat ihren Ursprung in Gott. (Liebe ist von Gott)
V.9       Gottes Liebe wurde „sichtbar“ (… darin ist erschienen die Liebe Gottes, …)
            und genau so muss unsere Liebe sichtbar werden an anderen Menschen. (V.21)
V.10     Gottes Liebe braucht es zuerst
            Gottes Liebe macht sich auf
            Gottes Liebe gibt sich ganz hin
V.11     Gottes Liebe ist vorbildhaft und soll von uns an den Nächsten weitergegeben werden.
V.16     Gottes und Liebe ist untrennbar und wer zu IHM gehört lebt in der Liebe.
V.17     Gottes Liebe schenkt Zuversicht bis in alle Ewigkeit.
V.19     Wir können nur bedingungslos lieben, weil ER uns zuerst bedingungslos geliebt hat.

3. Sagen, wo es hingeht 

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt? 

Jesus will uns durch seine Worte deutlich machen: 

  • Für Gott hat Liebe die höchste Priorität
  • Gottesliebe resultiert unweigerlich in Nächstenliebe
  • Liebe hat ihren Ursprung in Gott und kann nur durch IHM gewirkt und gelebt werden
  • In unserer Gottesbeziehung und unseren zwischenmenschlichen Beziehungen geht es
    zunächst um eine von Liebe geprägte Einstellung, die sich nach außen auswirkt.

Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt? 

Die Antwort Jesu nach dem höchsten Gebot macht deutlich, dass es Gott zunächst um unser Herz und nicht um unser Handeln geht.

Jesus macht durch die Verknüpfung der zwei Zitate klar, dass Gottesliebe ohne Nächstenliebe unmöglich und damit geheuchelt ist.

Jesu Worte zeigen, dass Gottes Reden in seinem Wort und auch die Fleischwerdung seines Wortes von Liebe geprägt sind.

Jesus macht deutlich, dass Gottes Liebe zu uns Liebe zu IHM und Nächstenliebe zur Folge hat.

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt? 

  1. Gottes Anliegen ist Liebe 
  2. Gottes Sohn lebt Liebe
  3. Gottes Geist wirkt Liebe 

3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt? 

Einstieg

Am Ende des Jahres schaut man gerne mal zurück und fragt sich: Was war denn so richtig gut bzw. das Schönste oder Beste, das Größte oder das Wichtigste in diesem Jahr?
Eine Geburt, der Haus- oder Wohnungskauf, ein neuer Job oder die Beförderung. Eventuell auch die Verlobung oder Hochzeit oder aber die Genesung einer Krankheit oder die Bewahrung bei einem Unfall?
Wenn wir unser geistliches Leben anschauen und zurückblicken, was war da das Größte?
Und was ist für Gott das Größte und Wichtigste in meinem Leben?
Der Sohn Gottes wird danach gefragt und gibt eine doppelte Antwort in unserem heutigen Predigttext aus Matthäus 22,34-40

Illustration:    Kreuz 
a) senkrechter Balken steht für die Liebe zu Gott
b) waagrechter Balken steht für die Liebe zum Nächsten
c) nur durch Jesus kann diese „Doppelliebe“ gelebt werden

                                    „Nicht die Nägel hielten Jesus am Kreuz, sondern seine Liebe.“

(Jochen König)