Predigtthema: Ein Eselsritt mit Bedeutung
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1. Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext
Parallele Berichte über den Einzug Jesu in Jerusalem finden sich in allen drei anderen Evangelien (Mk 11,1-10; Mt 21,1-9; Lk 19,28-40). Die für den Palmsonntag namensgebenden Palmzweige werden aber nur bei Johannes direkt erwähnt. Der Textabschnitt markiert einen Übergang zwischen den zwei großen Teilen des Johannesevangeliums. Diese sind einmal „Das Buch der Zeichen“ – benannt nach den sieben großen Zeichen die Jesus in den Kapiteln 1-12 tut und andererseits „Das Buch der Herrlichkeit“, dass die letzte Woche vor der Kreuzigung beschreibt. Unser Text schließt an die Auferweckung des Lazarus an – das letzte der sieben Zeichen. Die Ereignisse, die hier passieren sind eine direkte Folge der Lazarus-Geschehnisse, wie auch der Text deutlich macht. Andererseits wird mit diesem Text der Einzug Jesu in Jerusalem eingeleitet – und damit auch die Ereignisse, die schlussendlich zu seiner Kreuzigung führen werden.
1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Hilfen zur Auslegung bieten z.B.
- Maier, Gerhard. Johannes-Evangelium in Edition C Bibelkommentar Neues Testament.
- Henry, Matthew. Matthäus-Johannes in Der neue Matthew Henry Kommentar
- MacDonald, William. Kommentar zum Neuen Testament
1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes
V.12: „Am nächsten Tag“ – damit befinden wir uns fünf Tage vor dem Passahfest, also der Sonntag der Passionswoche. Jerusalem war zu dieser Zeit voll mit religiösen Pilgern. Der Historiker Josephus berichtet von einem Passah ungefähr dreißig Jahre nach unserem Text, an dem 2,7 Millionen Menschen teilnahmen. Von einer ähnlichen Größenordnung können wir wahrscheinlich auch hier ausgehen. Auf irgendeine Art und Weise verbreitet sich in der Stadt auf jeden Fall die Kunde, dass Jesus bald eintreffen wird – möglicherweise verbreitet von Menschen, die in Bethanien bei der Auferweckung von Lazarus dabei waren.
V.13: Bei den Palmzweigen handelt es sich vielleicht einfach um die Zweige von Dattelpalmen. Möglicherweise aber auch um Lulabs, eine Art Strauß, der beim Laubhüttenfest benutzt wurde und auch Palmzweige enthielt. Warum aber wählt die Menge das Symbol des Palmzweigs? Bereits zur Zeit der Makkabäer wurde Simon Makkabäus mit dem Schwenken von Palmzweigen in Jerusalem empfangen, im Laufe der Jahre wurde die Palme ein Symbol für Judäa und damit ein nationales, eigentlich sogar nationalistisches Symbol. Das Schwenken der Palmzweige weist also wahrscheinlich auf die Hoffnung der Menge hin, dass hier endlich der ersehnte messianische Befreier erscheint, der Judäa von der Fremdherrschaft befreien wird. Berichte über Jesu Einzug finden wir in allen Evangelien, Johannes hält sich mit Details aber sehr zurück. Der Fokus liegt eher darauf, was die Menge tut, als was Jesus tut. „Gesegnet sei wer im Namen des Herrn kommt“ ist aus Psalm 118,26 entnommen – einem Teil der Psalmengruppe (Ps 113-118) die an Passah- und Laubhüttenfest gesungen wurden. „Er ist der König Israels“ ist eine Hinzufügung der Menge und weist auf die messianischen Erwartungen an Jesus hin.
V.14-15: Für Johannes agiert Jesus in diesem Text nicht, er reagiert eher. Der Fokus liegt auf der Handlung der Menge, was Jesus tut, wird hier nur knapp zusammengefasst. Er reitet auf einem Esel ein. Die Menge preist ihn als König – und Jesus lehnt das nicht ab. Aber er zeigt mit der Wahl seines Reittiers, was für eine Art von König er ist – und unterläuft damit wahrscheinlich auch die Erwartung der Menge. Die erwarten den Einzug auf einem prächtigen Pferd – was sie bekommen ist ein Esel. Jesus Königtum ist keines von militärischer Gewalt (für die das Pferd stand), sondern eines von Frieden, Gnade und Barmherzigkeit. Das Schriftzitat, auf das hier (lose) Bezug genommen wird findet sich in Sacharja 9,9. „Fürchte dich nicht“ findet sich aber dort nicht und stammt wahrscheinlich aus Jes 40,9 – solche Mischzitate sind für NT-Zitate des AT nicht ungewöhnlich.
V.16: Hier finden die Jünger wieder Erwähnung – im letzten Kapitel wurden sie kaum erwähnt. Wie kann es sein, dass sie nicht verstehen, was die Menge zu verstehen scheint? In Wirklichkeit entgeht beiden Gruppen die tatsächliche Bedeutung der Ereignisse hier. Die Menge sieht in Jesu Kommen die Erfüllung von AT-Prophezeiungen – aber andere als solche, die in V.14-15 angesprochen werden. Das Jesus gerade ganz andere Stellen des AT erfüllt (auch durch die Wahl seines Reittieres) entgeht ihnen. Und die Jünger erinnern sich erst nach der Kreuzigung an die entsprechenden Passagen und verstehen so erst hinterher, was wirklich passiert ist.
V.17-18: Wieso erhält Jesus so einen glorreichen Empfang in Jerusalem, wo er doch von den Oberen bereits mit einem Todesurteil bedacht ist (Joh 11,53)? Um das zu erklären, erwähnt Johannes hier die Verbindung zur Auferweckung von Lazarus. Durch die Berichte von diesem Wunder hat Jesus die Menge (temporär) auf seiner Seite.
V.19: Die Pharisäer sind frustriert. Solange die Menschen auf der Seite Jesu stehen, sind ihnen die Hände gebunden. Gleichzeitig steckt auch eine Ironie hinter ihren Worten, die ihnen selbst verborgen bleibt. In Mt 16,26 spricht Jesus selbst davon, dass es einem Menschen nichts nützt die Welt zu gewinnen, wenn er dabei sein Leben verliert. Jesus hat (zumindest scheinbar) die Welt gewonnen – und wird bald sein Leben verlieren. Aber das ist nicht das Ende. Der Verlust seines Lebens wird schlussendlich neues Leben schenken – und vielleicht nicht die ganze Welt, aber zumindest die Gemeinde Jesu für ihn gewinnen.
2. Verstehen, worum es geht
2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)
Für uns als Christen sitzt Jesus bereits auf dem Thron zur Rechten des Vaters. Er ist König in jeder Hinsicht. Die Frage an jeden Einzelnen ist jetzt nur noch, ob er Jesus auch erlaubt, seinen Königstatus auch in seinem Leben zu verwirklichen.
2.2 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)
Welche Erwartungen habe ich an Jesus? Die Menschenmenge hat ein klares Bild von ihrem zukünftigen König. Davon, wie Jesus zu sein hat. Jesus lässt sich aber nicht vor diesen Karren spannen. Er ist, wie er ist. Das wird grundsätzlich dazu führen, dass sich die Menschenmenge gegen ihn wendet. Was liebe ich mehr? Jesus – oder mein Bild, das ich von ihm habe, das ich mir passend zurechtgebogen habe?
3. Sagen, wo es hingeht
3.1 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Jesus trifft in Jerusalem ein. Sehr zur Begeisterung der Menschenmassen. Sie erhoffen sich einen Jesus als starken Anführer und machtvollen Befreier. Was sie bekommen, ist den eselreitenden Diener. Die Hoffnung auf Spektakel und Machtdemonstrationen bleibt vergeblich. Eigentlich wird hier nicht Jesus zugejubelt, sondern einer Fantasie – in der der wirkliche Jesus gar keinen Platz mehr hat. Wo stehe ich in Gefahr Jesus nicht König sein zu lassen, sondern ihn für meine Zwecke einzuspannen?
3.2 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
a) Der kommende König (V.12-16)
b) Der missverstandene König (V.17-19)
3.3 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?
In jedem Disneyfilm ist der gute Prinz eine quasi immer vorhandene Figur – groß, stattlich, hoch zu Ross und edelmütig. Wir haben sofort ein inneres Bild vor Augen, wie ein Prinz oder König sein sollte. Im ersten Moment entspricht Jesus vielleicht nicht diesem Bild – sondern lieferte vielleicht eine eher unspektakuläre Erscheinung. Aber das täuscht – denn was er bietet, ist mehr König als irgendein Mensch es je sein könnte. Der wirkliche gute Prinz, den unsere Geschichten sehnsüchtig erwarten. In Jesus gewinnt er wirklich Gestalt.
(Lukas Streeb)