Thema: Jesus scheidet die Geister
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk.10,16a)!
1. Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext
Jesus hatte wunderbar gewirkt. Er hatte aus 5 Fischen und zwei Broten den natürlichen Hunger der weitaus mehr als 5000 Menschen gestillt.
Nachdem Jesus sich zunächst von der Menge entfernt hatte, weil sie ihn zum Brotkönig machen wollten, forderte er sie bei der nächsten Begegnung dazu auf:
Johannes 6,27
„Schafft euch Speise, die nicht vergänglich ist, sondern die bleibt zum ewigen Leben. Die wird euch der Menschensohn geben; denn auf dem ist das Siegel Gottes des Vaters.“ Dass ewiges Leben unmittelbar mit dem Glauben an ihn zusammenhängt, dazu waren die Menschen damals nicht bereit. Auch unter seinen Jüngern gab es Spaltung, als Jesus bezeugte, dass niemand zu ihm kommen kann, es sei denn, dass sein himmlischer Vater dies imitierte. Dass Glaube und Rettung allein auf Gnade und den Glauben an Jesus basierten und nicht auf einer Leistung, die der Mensch vollbringen könnte, das war für viele dann doch inakzeptabel. So verließen ihn viele seiner Jünger.
1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Hilfen zur Auslegung bieten z.B.
- Wiersby Bible Commentary
- MacArthur Studienbibel
- Wuppertaler Studienbibel
- Edition C Bibelkommentar
1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes
V.1
Jesus bewegte sich in Galiläa nicht, weil er Angst vor den (frommen) Juden hatte, sondern weil seine Zeit zu Sterben noch nicht gekommen war – und nach nichts anderem trachteten diese anscheinend frommen Juden.
Einer der Gründe für ihre Mordgedanken war der, dass Jesus das Sabbatgebot brach und der zweite Grund war (wohl noch gravierender), dass Jesus Jahweh als seinen Vater bezeichnete und sich damit selbst zu Gott machte – siehe Joh. 5,9-16.
Jesus hatte sich schon davor in Galiläa aufgehalten
Joh.6,22-59 spielt in Kapernaum, einem Fischerdorf im Norden Israels, am Nordufer des Sees Genezareth.
Zur geographischen Orientierung
siehe Karte:

V.2
Das Laubhüttenfest , auch bekannt als Sukkot, ist eines der wichtigsten Feste im jüdischen Kalender. Es wird bis zum heutigen Tag sieben Tage lang gefeiert (dieses Jahr vom 17.-23.Oktober´24). Es erinnert an die 40-jährige Wanderung der Israeliten durch die Wüste, nachdem sie aus Ägypten befreit worden waren. Der Name „Sukkot“ bezieht sich auf die Laubhütten oder temporären Unterkünfte, die die Israeliten während ihrer Wüstenwanderung gebaut haben.
Gott selbst hatte diese Gedenk- und Feierwoche angeordnet (3.Mose 23,33-44).
Es war zum einen ein Rückblick auf Gottes Rettungstat, als er sein Volk aus Ägypten führte, sowie die Erinnerung, dass Gott seine Versprechen wahr macht und sein Volk bewahrte auf dem Weg sie ins verheißene Land brachte. Dieses Fest war gleichzeitig auch ein Erntedankfest – ein Dank an Gott für die Früchte des Landes, die Er hatte wachsen lassen.
V.3
Jesu hatte mindestens 6 Halbgeschwister (Halbgeschwister darum, weil Josef ja nicht Jesu leiblicher Vater war) davon waren 4 Brüder und die anderen Schwestern.
Siehe Matthäus 13:55-56 (oder auch Mk.6,1-6)
„Ist er nicht der Sohn des Zimmermanns? Heißt nicht seine Mutter Maria und seine Brüder Jakobus und Josef und Simon und Judas? Und seine Schwestern (also mindestens zwei), sind sie nicht alle bei uns?“
Die Brüder sind anderer Meinung als Jesus. Sie unterbreiten ihm den Vorschlag eben doch nach Judäa zu gehen und auf dem Laubhüttenfest aufzutreten, damit er und seine „Werke“ (sie meinten wohl Wunder) sehen würden.
V.4
Die menschliche Logik der Brüder war, dass man in einer möglichst großen Öffentlichkeit auftreten muss, um gesehen zu werden und um „etwas zu gelten“.
V.5
Obwohl sie Familie waren und Jesus ja sicherlich gut kannten und ihn erlebt hatten, wird den vier Brüdern hier Unglaube attestiert, was ihren Bruder Jesus und dessen Anspruch als Sohn Gottes betraf.
V.6+8
Jesu Entschluss steht. Es war (noch) nicht die richtige Zeit jetzt (schon) nach Jerusalem zu gehen. Seine Zeit war noch nicht erfüllt. Er hatte noch kein „Go“ von seinem Vater.
V.7
Hier wird nochmals aus Jesu Sicht erklärt, warum „die Welt“ ihn hasst. Er ist und bleibt dieser „Stolperstein“, ein Stein des Anstoßes für die weltlich denkenden und lebenden Menschen, denn sie werden durch seine Worte und sein Leben hinterfragt und entlarvt, dass ihre Werke (ihr Tun bzw. Verhalten) böse (nicht gottgefällig) sind.
V.9
Gesagt, getan! Jesus tut das, was er sagt.
V.10
Kein öffentliches Auftreten, so wie die Brüder es vorgeschlagen hatten, sondern sozusagen „under cover“ um nicht vorzeitig oder unnötig Aufsehen zu erregen.
V.11
Die Juden –waren damit auch die gemeint, die ihn unbedingt tot sehen wollten?
Offensichtlich hatten viele Juden schon damit gerechnet, dass Jesus sich auf dem Fest zeigen würde. Sie hielten Ausschau (suchten) nach ihm – wohl aus den unterschiedlichsten Gründen, was in den nächsten beiden Versen deutlich wird.
V.12
Die Meinung über Jesus war zweigeteilt und hätte wohl gegensätzlicher nicht ausfallen können. Die einen attestierten Jesus: Er ist gut. Die anderen waren überzeugt, dass Jesus die Leute verführte – ihnen den verkehrten Weg aufzeigte.
V.13
Noch gab´s keine öffentliche Diskussion über die Person Jesu – und vor allem die Pro-Jesus-Leute hielten sich zurück, denn sie hatten Angst vor eventuellen Konsequenzen von den Juden, die Jesus tot sehen wollten.
2. Verstehen, worum es geht
2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)
Einmal mehr wird in diesem Bericht des Johannes deutlich, dass Jesus eben nicht gekommen ist, um in den Augen der Welt „groß rauszukommen“, sondern dass er kam, um den Willen Gottes, seines Vaters zu erfüllen.
So groß vielleicht die Versuchung auch war und auch die Erwartung von fast allen, die um Jesus herum lebten, sich in dieser Welt einen Namen zu schaffen – Jesus lebte treu nach seinem Motto aus Matthäus 20,28:
„… so wie der Menschensohn nicht gekommen ist, dass er sich dienen lasse,
sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.“
Jesus Streben hat zunächst nichts mit einer weltlichen Machtstellung zu tun.
Er ist bestrebt den Willen seines Vaters in aller Demut zu leben, sein Leben schließlich am Kreuz zu lassen, um damit dem Tod und der Sünde die Macht zu nehmen und so allen, die das im Glauben fassen, das ewige Leben zu schenken.
2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)
Groß rauskommen in dieser Welt – das ist mehr denn je eine Motivation von vielen.
Ob das nun über viele Follower im Internet passiert, das Anstreben einer dementsprechenden beruflichen Position oder auch ein Amt im ehrenamtlichen Umfeld.
Selbst in christlichen Gemeinden besteht die große Gefahr, dass Menschen ihren Wert und den anderer darin sehen, welches Amt sie in der jeweiligen Gemeinde bekleiden.
Gerade auch Verkündiger können diesem Denken schnell verfallen und sich mit ihren von Gott gegebenen Gaben in den Vordergrund zu spielen, statt als Botschafter Christi auf IHN hinzuweisen.
2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)
Unser Text zeigt deutlich auf, was Jesus wichtig war und was Menschen um ihn herum wichtig ist, die nicht im persönlichen Glauben stehen.
Es geht in dieser Welt sehr stark darum sich selbst zu verwirklichen und seine Gaben möglichst so publikumswirksam umzusetzen, dass man optimal davon profitiert. Es geht also darum, sich selbst in einem möglichst guten Licht zu präsentieren, um beliebt, bewundert und dann auch befördert oder geachtet zu werden.
Im Gegensatz dazu geht es Gott – und so hat ER es selbst vorgelebt in Jesus – nicht um weltlichen Reichtum, Macht, Einfluss oder Ansehen, es geht darum Gottes Auftrag für mich mit Seiner Hilfe in aller Demut zu erfüllen – auch wenn man damit bei den Menschen nicht unbedingt punkten kann.
Damit ist dann auch selbstverständlich, dass ich mich nicht nach meinem eigenen Zeitplan, sondern nach dem göttlichen Zeitplan richte, so wie Jesus das in unseren Versen auch tat.
3. Sagen, wo es hingeht
Die Einflüsse in dieser Welt auf unser Leben und unser Verhalten sind riesig.
Alle scheinen am besten zu wissen, was wir für ein erfolgreiches Leben zu tun haben.
Dabei gerät schnell aus dem Blick, dass Gott allein am besten weiß, was für uns gut ist, und wie unser Auftrag fürs Leben am besten gelingt.
Was für Jesus galt, gilt auch uns: „Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.“
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Wir wollen uns neu bewusst machen, dass wir als Christen nicht das Ansehen dieser Welt, sondern das Wohlwollen Gottes im Blick haben sollen. Nicht die Meinung und der Zeitplan von Menschen sollte unser Leben bestimmen, sondern der Wille Gottes.
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Unser Auftrag als Christ ist nicht selbst groß rauszukommen, sondern den Christus groß zu machen, der sich für uns kleingemacht hat.
3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
a) Bestimmt vom Umfeld (V. 1-5)
Der „weltliche“ Mensch sucht irdischen Erfolg und stellt sich selbst in den Mittelpunkt
b) Bestimmt von Gott (V. 6-9)
Der Christ stellt den Christus in den Mittelpunkt und nicht sich selbst.
c) Bestimmt zur Entscheidung (V. 10-13)
Wer sich für ein Leben im Willen Gottes entscheidet, hat sich automatisch gegen ein Leben der Selbstverwirklichung entschieden.
(Jochen König)