Thema: Jesus lehrt überirdisch
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk.10,16a)!
1. Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext
Zusammenhang
Zunächst hatte Jesus zu seinen leiblichen Halbbrüdern gesagt, dass er (noch) nicht zum Laubhüttenfest gehen würde – jetzt hatte er wohl die Anweisung von seinem himmlischen Vater dazu bekommen. So hatte er sich aufgemacht in die wirtschaftliche und geistliche Metropole, Jerusalem. Eine Konfrontation mit der geistlichen Elite schien unvermeidbar und die letztliche Konsequenz, seine Verhaftung und seinen Kreuzestod, hatte Jesus unmittelbar vor Augen (siehe Joh.8,28-29).
1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Hilfen zur Auslegung bieten z.B.
- Wiersby Bible Commentary
- Life Application Study Bible NIV – Study Bible Notes
- MacArthur Studienbibel
- Wuppertaler Studienbibel
- Edition C Bibelkommentar
- Courson´s Application Commentary (3.Vols.)
1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes
V.14
Jesus geht nicht nach Jerusalem, um sich als Brotkönig oder Wunderheiler feiern zu lassen. Er ging nach Jerusalem in den Tempel (Haus seines Vaters), um dort die Menschen zu lehren.
Priorität ist die Erklärung des Wortes Gottes und nicht Wunder.
Römer 10:17
„So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi.“
V.15
Die Zuhörerschaft war verwundert (θαυμάζω thaumazō = wundern, erstaunt sein) weil sie wussten, dass Jesus nie eine theologische Ausbildung genossen hatte und trotzdem so über Gottes Wort sprach. Priorität ist nicht eine theologische Ausbildung, um Gottes Wort zu verstehen und es „vollmächtig“ auslegen zu können. Es braucht Gott selbst in meinem Leben, der das Wort aufschließt.
Johannes 14,26
Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.
Apostelgeschichte 4,13
13 Sie sahen aber den Freimut des Petrus und Johannes und wunderten sich; denn sie merkten, dass sie ungelehrte und einfache Leute waren, und wussten auch von ihnen, dass sie mit Jesus gewesen waren.
V.16
Jesus erklärt, warum er so Wort Gottes lehrt wie er es tut – das Geheimnis ist, dass die Lehre nicht von ihm kommt, es nicht an ihm oder seinem besonderen Intellekt festzumachen ist, sondern dass hinter der Art und Weise seiner Lehre der steckt, der ihn gesandt hat.
Wichtig = Lehre nicht dich selbst oder setze nur auf deinen Verstand
Wenn dein „Lehren“ einen Unterschied machen soll, dann muss sie direkt vom „Auftraggeber“ kommen – von Gott
Zusage an die Wirkkraft (Wirkungsgarantie) von Gottes Wort: Jesaja 55,10-11
„Denn gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt und nicht wieder dahin zurückkehrt, sondern feuchtet die Erde und macht sie fruchtbar und lässt wachsen, dass sie gibt Samen zu säen und Brot zu essen, so soll das Wort, das aus meinem Munde geht, auch sein: Es wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen, sondern wird tun, was mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende.“ (siehe auch Johannes 7,38)
V.17
Der Prüfmaßstab, den Jesus an das Lehren anlegt: Wer bereit ist den Willen Gottes zu tun, der wird erkennen (γινώσκω ginōskō ; from a prim. root γνω- gnō-; to come to know, recognize, perceive) ob diese Lehre vom Auftraggeber direkt (von Gott) oder eben von Jesus (dem Menschen) ist. Wort Gottes kann erlebt werden, bzw. wird sich als wahr und praktikabel in unserem Leben erweisen.
Wer also bereit ist tatsächlich den Willen Gottes zu tun, der wird auch erkennen, dass alles, was Jesus sagte, direkt dem Willen Gottes entspricht.
Umkehrschluss: Wer erst gar nicht bereit ist den Willen Gottes zu tun, der wird wohl auch Jesus nicht als „Sprachrohr“ Gottes akzeptieren.
V.18
Wer die Intention hat von sich selbst zu reden, der ist eben auch an seinem eigenen Image bzw. seiner eigenen Ehre interessiert. Als „Botschafter an Christi statt“
(2.Korinther 5,20) geht es weder um unsere eigene Meinung, unsere eigenen Ideen oder unsere eigene Ehre – es geht einzig und allein darum, die „Regierung“ und deren Interessen in einem fremden Land zu vertreten. Genau das ist Jesu und letztlich auch unser Auftrag.
V.19-20
Wie wenig diese Frommen bereit waren, sich an Gottes Gebote zu halten, wenn es ihnen persönlich nicht passte, das macht Jesus dadurch deutlich, dass er ihre Mordgedanken offenlegt und auf das Gebot „Du sollst nicht töten!“ hinwies.
V.21-23
Jesus macht sehr deutlich, dass diese Frommen zweierlei Maß anlegten.
Wenn es um die Beschneidung eines jüdischen Jungen am 8. Tag ging (1.Mose 17.9-14 / 3.Mose 12,3), dann durfte man das an einem Sabbat tun, aber dass Jesus einen Menschen am Sabbat heilte, das war in ihren Augen nicht möglich.
V.24
Die Aufforderung Jesu nicht nach den sichtbaren, sondern nach gerechten Aspekten zu richten zielt darauf, dass sich der Mensch nicht über das Gesetz stellen und nach seinem Gutdünken auslegen und leben sollte. Zum andern ging es Jesus immer darum, dass das Gesetz um des Menschen willen geschaffen wurde – eben um ihm zu helfen – und nicht der Mensch um des Gesetzes Willen, um ihn kaputt zu machen. (siehe Markus 2,27)
(Verse 40 – 52)
Hier wird berichtet, dass Jesu Worte durchaus Wirkung gezeigt haben.
Nicht dass alle Jesus darum richtig einsortiert bekamen, aber selbst diejenigen, die angetreten waren, um ihn zu verhaften, waren beeindruckt von seinem Reden.
Die Argumente derer, die Jesus als Scharlatan abtaten, hätten schon damals auf Grund einer einfachen Recherche alle widerlegt werden können. Kein Wunder, denn Jesus ist die Wahrheit, spricht die Wahrheit und handelt wahrhaftig.
2. Verstehen, worum es geht
2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)
Wort Gottes war schon am Anfang der Welt der entscheidende Aspekt bei der Schöpfung und so ist das auch bei der „Neuschöpfung“ des Menschen. Es geht nicht darum, dass Menschen das selbst schaffen könnten – auch nicht durch Einhalten von Gottes Gesetzen. Es braucht Gottes Hineinreden in unser Leben und genau dazu kam Jesus auf diese Welt im Sinne von Johannes 1,14:
„Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“
2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)
Wie schnell ist es passiert, dass wir uns selbst über das Wort Gottes setzen und es so auslegen und gebrauchen, wie es für uns am besten scheint. Wir versuchen die Bibel allein mit unserem Verstand zu begreifen und zu erklären und versäumen dabei deren Autor aus dem Blick zu verlieren.
2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)
Letztlich ist die Bibel ein Brief Gottes an uns Menschen. Und einen persönlichen Brief kann nur der richtig verstehen, der den Verfasser des Briefes auch gut kennt. So ist das auch mit der Bibel. Nur wer Gott persönlich kennt, ihn in sich trägt, der kann die Bibel richtig verstehen, durch die Hilfe seines Geistes danach leben und mit seiner Autorität auch dieses Wort weitergeben.
Gerade auch als Verkündiger stehen wir in der Gefahr Wort Gottes „aus sich selbst zu reden“ und uns schlaue Gedanken zu machen und rhetorisch eine gute Predigt zu erstellen. Es geht vielmehr darum, dass wir innerlich vor Gott auf die Knie gehen, ihn bitten, dass er uns sein Wort auftut, damit es dann auch „das bewirkt, wozu er es ausgesandt hat“.
3. Sagen, wo es hingeht
Ein überzeugender Lebensstil oder eine effektive Predigt hängen nicht von meinen Fähigkeiten, meiner Ausbildung oder meinen Anstrengungen ab. Damit Menschenherzen und Lebensgewohnheiten sich tatsächlich verändert braucht es die Autorität des Wortes Gottes und bei mir als seinem Botschafter eine enge und lebendige Beziehung zu Gott selbst.
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Gottes Wort hat verändernde Kraft.
Wenn wir in unserem Leben und in unseren Gemeinden und in der Welt Veränderung wünschen, dann kann dies letztlich nur durch sein Wort geschehen.
Wort Gottes können wir anderen nur dann „wirkungsvoll“ weitergeben und weiterleben, wenn wir in engster Verbindung mit Gott selbst stehen und seinen Geist in uns wirken lassen.
Was für ein Privileg für alle Kinder Gottes „Botschafter an Christis statt“ sein zu dürfen.
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Unser Auftrag als Christen ist es Gott und sein Wort zu reflektieren. Das geht nur, wenn ich, wie der Sohn Gottes, in engster Gemeinschaft mit ihm lebe und mich ganz unter seinen Willen stelle.
Dann kann (und will) Gott durch mich reden und dadurch Menschen mit seiner Liebe erreichen und verändern.
3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
a) Gottes Wort im Zentrum (V.14 )
b) Gottes Wort in Vollmacht (V.15-18)
c) Gottes Wort in uns (V. 38)
3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?
Illustration zu Jesaja 55,10-11 >Wirkungsgarantie des Wortes Gottes<
Ein Glas, gefüllt mit verschmutztem Wasser nehmen. So sieht zunächst unser Leben ohne Gott aus – durch Sünde verunreinigt. Einen 1,5ltr. Wasserkrug nehmen mit frischem Wasser. Das soll (wenn auch nur begrenz darstellbar) Gott sein. Rein, heilig – eben ohne Sünde.
Mit dem klaren Wasser das Glas mit dem schmutzigen Wasser „befüllen“ (eine Schüssel zum Auffangen des überfliesenden Wassers). Schon nach kurzer Zeit wird deutlich – wer sich durch das reinigende Wort Gottes füllen lässt, der wird mehr und mehr so, wie das, was Gott ausmacht (geheiligt) – eben zum klaren und reinen Wasser.
Wort Gottes hat Veränderungs-Garantie!
(Jochen König)