Matthäus

Predigthilfe vom 3. März 2019 – Matthäus 7, 1-6

Monatsthema:         Mit Jesus unterwegs

Predigtthema:         Vom Richten und Helfen

Zur Gottesdiensteinleitung:       Röm 2,1-2 oder Jes 33,22

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

  1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).

1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext

Das Monatsthema gibt uns ganz praktische Tipps für ein Leben mit Jesus. Immer wieder verbindet Jesus den Glauben mit dem Gehorsam, die Liebe mit der Tat (Joh 14,21+24). Auch Jakobus, der Halbbruder Jesu sagt später „dass der Glaube ohne Werke tot ist“ (Jak 2,20f). Ganz offensichtlich soll sich der Jesusglaube in der Ethik und am Verhalten dem Nächsten gegenüber sichtbar werden. Aber nicht als ein Weg zur Gerechtigkeit, sondern als ein Beweis des wahren Glaubens. Nicht als ein religiöser und äußerlicher Formalismus, der in der Werksgerechtigkeit endet, sondern als eine innere Angelegenheit des veränderten Charakters durch Jesus Christus.

Die folgenden vier Predigttexte stammen aus der bekannten Bergpredigt Jesu, die leider oft missverstanden wird. Es ist so wichtig zu verstehen, dass die Bergpredigt kein Plan Gottes zur Erlösung ist (wer dies alles tut wird dadurch gerettet werden). Es ist kein Masterplan zum Weltfrieden (eine Gesellschaftstransformation hin zur sozialen Gerechtigkeit als Schaffung des Friedens auf Erden). Durch alle Kapitel der Bergpredigt (Mt 5-7) hindurch geht es nicht nur um äußerliche Verhaltensregeln oder Gesetzlichkeit, sondern um eine innere Herzenshaltung, die zum Ausdruck kommt, wenn man mit Jesus unterwegs ist. Die Bergpredigt möchte Anwendung im Leben eines Christen finden und darum dient der Inhalte der kommenden Predigten zum Prüfstein für die Echtheit und Glaubwürdigkeit unseres Glaubenslebens.

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes

Hilfen zur Auslegung bieten z.B.

*   Fritz Grünzweig. Die Bergpredigt: Antworten auf Fragen von heute. Hänssler, 1985 (S. 187-196).

* Gerhard Maier. Matthäus-Evangelium 1.Teil. Edition C-Bibelkommentar 1 (S. 230-234).

* D. Martyn Lloyd-Jones. Bergpredigt Bd. 2: Predigten über Matthäus 6 und 7. Friedberg: 3L-Verlag, 2004 (S. 179-216).

* Wiersbe, W.Warren. Wiersbe Kommentar NT Band 1 Matthäus bis Apostelgeschichte, CV Dillenburg

Bitte studiert auch die hilfreiche Predigthilfe von Thomas Richter vom 2.5.2010.

https://www.christusbund.de/predigthilfen/predigthilfe-vom-2-5-2010-matthaus-7-1-6/

Diese Predigthilfe ist eine Überarbeitung und Erweiterung der Predigthilfe von Thomas Richter.

1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes

Gleiches Maß für alle                 7,1-6

V.1  Richten bedeutet hier, ein richterliches Urteil verkünden oder fällen. Jemanden strafen, (ab)urteilen, verurteilen oder verdammen oder schlechtmachen. Diese Art von richterlicher Verurteilung oder fadenscheiniger Kritik ist verboten. Einmal, weil Gott das Richten anderer verbietet (Jak 4,11-12), denn schließlich ist nur Gott der Gesetzgeber und Richter (Jer 33,22). Der Grund liegt darin, dass wir als Menschen

a) nicht die Vollmacht und das Recht dafür haben. Es geht uns nichts an, so wenig wie wir z.B. einen Hausknecht eines anderen richten sollen (Röm 14,4).

b) nicht alle Hintergründe kennen, um ein gerechtes Urteil zu fällen (1Kor 4,4-5).

c) selbst durch unsere Sündhaftigkeit keine genaue Wahrnehmung von Gottes Gerechtigkeit haben.

Gott verbietet aber nicht grundsätzlich das Beurteilen. An vielen Stellen fordert Gott immer wieder zur Unterscheidung von Gut und Böse auf. Jesus sagt man soll richtig beurteilen, eben nicht nach Augenschein (Joh 7,24) und nicht nach eigenem Maßstab der Sympathie  (vgl. Spr 17,15; 24,24).

V. 2 Die frommen Pharisäer beurteilten den Glauben der Menschen nach äußerem Schein. Ihre hochmütige Selbstgerechtigkeit führte zur falschen Selbstwahrnehmung und schlussendlich zum falschen Urteilungsvermögen. Die Pharisäer spielten sich zum Richter über andere auf – „spielten Gott“ und bedachten nicht, dass sie selbst von Gott beurteilt werden würden.

Es gibt einen biblischen Grundsatz, dass der Mensch, der andere richtet, im Endgericht mit demselben Maß gerichtet werden wird (Ob 1,15; Joel 4,7-8; Hab 2,8; 2Thes 1,6; Jak 2,13; Off 18,6).

V. 3 Selbstbeurteilung kommt vor Fremdbeurteilung! Bevor wir die Sünde anderer erkennen, sollten wir zuerst unsere eigenen Fehler erkennen und bekennen. Wer sich selbst nicht erkennt, noch beurteilen kann – verletzt den Anderen in seinem Urteil, selbst dann, wenn er dabei Recht hat.

V. 4 Kritik an Anderen, um selbst gut dazustehen, führt zur Selbsttäuschung – das war aber die Art der Pharisäer. Sie erhöhten sich selbst indem sie andere erniedrigten (Lk 18,9-14). Die Blindheit für die eigenen Fehler ist eine Eigenschaft des gefallenen Menschen. Eine fehlende Gotteserkenntnis geht immer auch einher mit einer fehlenden Selbsterkenntnis. Dies ist auch ein Kennzeichen der letzten Zeit. Die Menschen haben immer mehr eine falsche Selbstwahrnehmung – sie glauben alles zu besitzen und wissen nicht, dass sie arm, blind und bloß sind (Off 3,17; 2Pet 1,9).

V. 5 Selbsterkenntnis sollte zur Selbstbeurteilung führen, indem der Christ bereit ist sich selbst zu richten. Das heißt, seine eigenen Fehler zu bekennen und zuzugeben. Das Bild vom Auge zeigt wie schmerzhaft es ist, wenn wir unsere Fehler erkennen und zugeben müssen – aber es führt kein Weg daran vorbei. Nur wer selbst die Schmach, Schande und Reue seiner Sünde erfahren hat, weiß auch seelsorgerlich behutsam und einfühlsam mit den Sünden anderer umzugehen.

Das Bild des Auges ist sehr eindrücklich, um uns bewusst zu machen, wie behutsam wir mit Fehlern anderer umgehen sollen.

Wiersbe warnt bei der Selbstbegutachtung vor zwei Extremen:

  • Die Selbsttäuschung bei oberflächlicher Begutachtung, wenn man nicht ehrlich zu sich selbst ist.
  • Die Selbstverzweiflung bei ständiger Obduktion, wenn man nur noch auf die Fehler von sich schaut.

Die Pharisäer hatten sich hinter ihrem frommen Dienst versteckt, um ihre eigenen Sünden zu verbergen. Das kann jedem Mitarbeiter in der Gemeinde ähnlich gehen, wenn wir in der Aufgabe um Gottes Sache die eigene Beziehung zu Jesus und Herzensreinheit vernachlässigen.

V. 6 Es scheint ein sonderbarer Vers zu sein, aber er ruft zu einer wichtigen Beurteilung und Unterscheidung auf. Christen müssen ein Urteilungsvermögen haben – wir können nicht allen Menschen helfen. Ungläubige, die Gottes Wort und Maßstab nicht kennen, werden keine Hinweise auf einen z.B. falschen ethischen Lebenswandel nachvollziehen können. Warum sollten sie nach Gottes Wort und Willen leben wollen, wenn sie nicht einmal Gott kennen. Wo die Gotteserkenntnis fehlt, da braucht es nicht zuerst die Selbsterkenntnis, sondern das Bewusstsein um Gott.

Wer allerdings Christ ist, Gott kennt, dem sollten wir helfen auch sich selbst klarer zu erkennen.

Wer also meint Ungläubige ethisch bekehren zu wollen, wird eher Hass und Ablehnung erfahren. Ungläubige (Hunde und Säue) benötigen Gotteserkenntnis, dann kommt die Selbsterkenntnis von alleine.

  1. Verstehen, worum es geht

2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)

Die Bergpredigt hat einerseits eine heilsgeschichtliche Bedeutung für das kommende irdische Reich Gottes, wenn Jesus wiederkommt. Auf der anderen Seite findet sie ihre Anwendung bereits heute in der Gemeinde, dem geistlichen Reich Gottes.

Wichtig: Die Bergpredigt ist kein Weg zur Selbstgerechtigkeit oder ein äußerlicher Gesetzanspruch des Christen im Neuen Testament. Vielmehr zeigt es das neue und von Jesus veränderte Herz auf, das den Willen Gottes tun will.

2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)

Hörer sollen sensibel gemacht werden, dass man anderen gegenüber oftmals einen strengeren Maßstab anlegt, als an sich selbst. Dazu gehört eine Transparenz des Verkündigers, der durch persönliche Beispiele diese Tatsache unterstreichen sollte.

Wer kennt nicht das typische Zeigefingersyndrom – wir sehen am Anderen einen Fehler, der uns mächtig ärgert, zeigen mit ausgestrecktem Zeigefinger auf den Anderen und vergessen dabei, dass im selben Moment drei Finger auf uns selbst zeigen.

Wer wurde nicht schon von den eigenen Kindern von Taten überführt, die man Kindern verboten hat, aber selbst tut. Die Kinder sollen die Füße nicht auf den Tisch legen, aber der Vater tut‘s. Die Tochter soll beim Essen nicht am Smartphone sein, aber die Mutter wird ertappt, als sie während dem Essen zum Handy greift.

Solche oder ähnliche Beispiele können als Einstieg ins Thema helfen.

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)

Der Text möchte unsere innere Motivation gegenüber der Beurteilung anderer sensibilisieren.

  • Warum gehe ich auf andere zu und weisen sie auf ihre Fehler hin?
  • Mit welcher Haltung und Art tue ich das?
  • Welche Unterscheidung mache ich z.B. gegenüber Gläubigen oder Ungläubigen?
  • Bin ich gegenüber meinen Fehlern ehrlich und kann diese erkennen und dann auch bekennen?

Anschließende Begriffe lassen sich in der Predigt gut ausführen:

  • Selbstwahrnehmung: Nehmen mich Menschen vielleicht ganz anders wahr, als ich mich selbst sehe?
  • Selbstbeurteilung: Bin ich in der Lage mich selbst zu prüfen und zu beurteilen?
  • Selbsterkenntnis: Erkenne ich die eigenen Fehler und kann sie zugeben?
  • Selbsttäuschung: Lebe ich in einem falschen Selbstbild und lüge mir was vor, weil ich die Wahrheit über mich selbst verdränge?
  1. Sagen, wo es hingeht

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?

Durch eine unsensible Art kann man mit Kritik andere zutiefst verletzen.

Als Christen haben wir in der Gemeinde den gegenseitigen Auftrag, sich in Liebe zu ermahnen, in der Nachfolge Jesu zu ermutigen und bei einer nötigen Lebenskorrektur zu helfen, wenn einer auf Irrwege gekommen ist.

Dieser seelsorgerliche Auftrag benötigt nicht nur Mut, um dem Gegenüber die Wahrheit zu sagen und auf dessen Fehler hinzuweisen, sondern vor allem eine gesunde Selbstwahrnehmung.

Nur wer in der Gotteserkenntnis zur Selbsterkenntnis geführt wurde, kann auch andere in ihrer Selbstwahrnehmung helfen.

Wer selbst den Schmerz seiner eigenen Schuldhaftigkeit und Fehlerhaftigkeit erlebt hat, ist einfühlsam genug um den Anderen angemessen zu helfen.

Nur in der eigens erfahrenen Gnade kommt man vom Richten zum Helfen!

3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?

Christen sollen einander helfen in der Gnade und Barmherzigkeit zu wachsen. Dies geschieht nicht durch richterliche Verurteilung, sondern durch seelsorgerliche Begleitung.

„Brüder, wenn auch ein Mensch von einer Übertretung übereilt würde, so helft ihr, die ihr geistlich seid, einem solchen im Geist der Sanftmut wieder zurecht; und gib dabei acht auf dich selbst, dass du nicht auch versucht wirst!“ Gal 6,1    

Wir aber, die Starken, haben die Pflicht, die Gebrechen der Schwachen zu tragen und nicht Gefallen an uns selbst zu haben. Röm 15,1     

Wir ermahnen euch aber, Brüder: Verwarnt die Unordentlichen, tröstet die Kleinmütigen, nehmt euch der Schwachen an, seid langmütig gegen jedermann! 1Thes 5,14   

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

  • Eine kritische Selbstbetrachtung – sei genau bei dir
  • Eine ehrliche Selbstprüfung – sei ehrlich zu dir
  • Eine mutige Selbstkorrektur – sei konsequent zu dir
  1. Gleiches Maß für alle
  2. Gleiche Augenkrankheit aller
  3. Gleiches Heil für alle

 

  1. Wahre Gotteserkenntnis führt zur Gerechtigkeit
  2. Falsche Selbsterkenntnis führt zur Heuchelei
  3. Echte Christuserkenntnis führt zur Demut

oder nach W.Wiersbe

a) Wir werden gerichtet werden 7,1

b) Wir werden bereits gerichtet 7,2

c) Wir müssen selbst klar sehen, um anderen zu helfen 7,3-5

d) Warum wir andere beurteilen müssen 7,6

3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?

Johannes Seitz (Begründer des Reichsbrüderbundes) hat eine Feststellung getroffen, die bis heute nichts von ihrer Aktualität eingebüßt hat „Es gibt unter den Gläubigen viel Gotteserkenntnis, aber merkwürdigerweise wenig Selbsterkenntnis“.

„Gotteserkenntnis führt stets zu Selbsterkenntnis. Selbsterkenntnis heißt aber immer Erkenntnis unserer Bosheit, unserer Unreinheit, unserer Sündhaftigkeit.“ Benedikt Peters

„In der Beurteilung anderer liegen wir meistens falsch. Das Tragische ist, dass wir unser Augenmerk darauf richten, was jemand nicht ist, anstatt darauf, was er ist oder noch werden kann.“  Brennan Manning

(Klaus Eberwein)