Jahresthema: In Gottes Nähe leben
Predigtthema: Hören!
Predigttext: 1. Sam 3,1-21
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1. Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext
Allgemeine Hinweise und einführende Anmerkungen bieten
MacArthur, John: Studienbibel: http://bitflow.dyndns.org/german/JohnMacArthurStudienbibel/09-Das_Erste_Buch_Samuels.pdf
Darby, John Nelson: Betrachtung über das erste Buch Samuel, (unter http://www.bibelkommentare.de/index.php?page=comment&comment_id=182&structure_id=313&part_id=1210 )
1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Hilfen zur Auslegung von 1. Sam. 3,1-21 bieten z.B.
Wiersbe, Warren W.: Sei erfolgreich. Studien des Alten Testaments. – Dillenburg : Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg.
Gaebelein, Arno C.: Kommentar zum Alten Testament : Band 1: 1. Mose bis 2. Chronik. 1. Aufl. – Dillenburg : Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg
MacDonald, William: Kommentar zum Alten Testament, 1. Aufl. – Bielefeld : CLV
Holland, Martin: Das erste Buch Samuel. Maier, Gerhard [Hrsg.] 1. Aufl.. Wuppertaler Studienbibel, Reihe: Altes Testament. – Wuppertal : R. Brockhaus Verlag,
Walvoord, John F. [Hrsg.] Das Alte Testament erklärt und ausgelegt: Band 1 (Erster Mose bis Zweiter Samuel). 1. Aufl.. Das Alte Testament erklärt und ausgelegt; Hänssler,
2. Verstehen, worum es geht
2.1 Hinweise für situative Überlegungen
Wir sind mitten drin im 1.Samuelbuch. Die bisherigen Predigttexte haben gezeigt, wie Gott an menschlichen Tiefpunkten anknüpft um gnädig neues Leben zu schenken.
6.7. Es wurde gezeigt, wie Hanna nach langem Warten und Leiden an einem persönlichen Tiefpunkt ist und es wird deutlich, wie sie an diesem Punkt mit ihren unerfüllten Wünschen umgeht. Sie ist kinderlos aber nicht gottlos. Deshalb macht sie aus ihrer Not ein Gebet. Gott hört ihr Gebet. (1.Sam.1,1-20)
13.7 Hanna verspricht, ihr zukünftiges Kind Gott zurückzugeben und hält dieses Versprechen ein. Sie lässt den geschenkten Samuel wie versprochen wieder los. (1.Sam.1,21-28)
20.7 Hannas Lobgesang zeigt ihre vertrauensvolle und dankbare Herzenshaltung. Die Loslassende weiß sich von Gott reich beschenkt und lobt und betet an (1.Sam.2,1-10).
27.7 Der Platz, an den der junge Samuel gestellt ist, ist aufgrund der dort wirkenden Priesterschaft alles andere als vertrauenserweckend und menschlich gesehen überhaupt nicht „pädagogisch wertvoll“ für einen jungen Menschen. Die Priesterschaft ist verkommen. Trotzdem – oder gerade deshalb? – ist er von Gott dort hin gestellt. (1.Sam.2,12-26).
Wir überprüfen: Welche Predigten wurden in der Gemeinde gehalten, welche nicht? Es ist Sommerzeit: Einige sind oder waren im Urlaub. Vermutlich können wir nicht voraussetzen, dass jeder alle Information über Samuel mitbekommen hat.
2.2 Hinweise für hermeneutische Überlegungen
Unser Text beschreibt das Ende der Richterzeit. Politisch, sozial und vor allem geistlich war es eine sehr finstere Zeit, in der auf allen Gebieten Anarchie herrschte. „Jeder tat, was ihm recht dünkte.“ Aber auch zu der Zeit gab es Menschen, die den Glauben an Gott hielten und wie ein helles Licht in dieser dunklen Zeit schienen.
Unser Text steht im Zusammenhang mit der Entwicklung von Israel zur Monarchie.
Nachdem Gott durch Leiter wie Mose und Josua das Volk geleitet hatte, geschieht Leitung nach Josua zeitlich punktuell und lokal durch die Richter. Grundsätzlich kann das Volk mit einer Theokratie nichts anfangen und lebt praktisch Anarchie. Der Wunsch nach einer sichtbaren Monarchie wächst. Der Text zeigt, wie Gott trotz allen fragwürdigen Entwicklungen die Fäden in der Hand hat und zunächst im Verborgenen seine Pläne mit Israel weiter verfolgt, die letztlich im Königtum des Messias enden.
„Das Anliegen dieser Bücher (1.Samuel und 2.Samuel) bestand darin, die Geschichte der Gründung der hebräischen Monarchie aufzuzeigen. Folglich umfassen sie (a) die Karriere Samuels, des Königmachers, (b) die Karriere Sauls, des untreuen Königs, der den Bund missachtete und so zum Tyrannen wurde, (c) die Karriere Davids, eines wahrhaftig theokratischen Königs, der die ewige und einzig legitime Dynastie gründete, aus der schließlich der Messias hervorging. (G.L Archer. Einleitung ins Alte Testament. S.152)
2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen
Auch heute erleben Menschen (unsere Zuhörer?) das Schweigen Gottes. Wie erklären wir das? An was kann es liegen, dass wir Gott nicht mehr hören? Welche Rolle spielt festgehaltene Sünde? Krisen können durch Buße zu Chancen werden.
Samuel ist für Eli eine klare Stimme, auch wenn die Botschaft Gericht bedeutet.
Auch heute erleben Menschen (unser Zuhörer?), wie Gott konkret redet, beauftragt und beruft. Mit welchen Beispielen können wir das unterstreichen? Was erleben wir da selber? Welche Rolle spielt hier unsere Stille Zeit?
3. Sagen, wo es hingeht
Zur Predigtvorbereitung hilft das Anhören (im Sinne von Apg 17,11b) der Predigt von David Jaffin: Die Krise Israels und die Berufung Sauls; Wilhelm Busch: Samuel – Richter und Prophet; Siegfried Kettling: Mit Gott in die Zukunft – im Hören auf sein Wort. Diese Botschaft findet ihr unter www.sermon-online.de, wenn ihr unter „erweiterte Suche“ die Felder „Bibelstelle“ [z.B. 1. Samuel 1] ausfüllt. Die Predigt vom 24.10.2010 Andreas Weg: Gott spricht zum ersten Mal mit Samuel. Diese Predigt findet ihr unter http://www.sonntagabendtreff.de/themen.
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Gott ist ein Gott, der einen Plan verfolgt, der sich dabei offenbart und redet. Hören wir auf ihn? Gehorchen wir?
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Hören setzt das Reden Gottes und die Fähigkeit zum Hören voraus. Hören soll ins Gehorchen übergehen und wird damit zur Umsetzung der Pläne Gottes beitragen.
Die Predigt soll zeigen, in welcher Situation Samuel das Reden Gottes hört und wie Samuel dann damit umgeht. Samuel nimmt den Auftrag Gottes im Gehorsam an. Das hat Vorbildcharakter für uns. Gott redet – der junge Samuel hört und tut dann das, was Gott sagt.
3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
Walvoord/Zuck
Die göttliche Stimme (3,1-10)
Die göttliche Botschaft (3,11-14)
Samuels Bestätigung (3,15-21)
Warren W. Wiersbe: Gott belohnt Glaubenstreue (3,1-21)
Ein aufmerksames Ohr (3,1-9)
Ein gehorsamer Wille (3,10-14)
Ein demütiges Herz (3,15-18)
Ein gottesfürchtiger Wandel (3,19-21)
3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?
„Wieder sehen wir den Unterschied zwischen der Gottlosigkeit von Elis Familie und der Treue des Jungen Samuels (1.Sam.3,1). Er diente unter der Leitung Elis vor dem Herrn zu einer Zeit, da der Herr nicht sehr oft zu seinem Volk sprach. Die geistlichen Leiter waren verkommen, und Gottes Volk gehorchte seinem Gesetz überhaupt nicht – warum sollte Gott ihnen irgendetwas Neues mitteilen? Es war ein tragischer Tag im Volk Israel, als der lebendige Gott seinem Volk keine Zeichen und prophetischen Botschaften mehr sandte (Ps.74,9; Hes.7,26; Am.8,11-12; Mi.3,6). Das Schweigen Gottes war das Gericht Gottes. Aber Gott unternahm etwas, um die Lage zu ändern, und sprach sein kostbares Wort zu einem Jungen, der hören und gehorchen würde.“ (Wiersbe, S.31)
„Eines der Kennzeichen eines treuen Dieners ist ein aufmerksames Ohr und unmittelbare Reaktion.“ (Wiersbe S.31)
„Wenn Gott keinen gehorsamen Erwachsenen finden kann, beruft er manchmal ein Kind. „Dann mache ich junge Männer zu Obersten“ (Jes.3,4)“ (Wiersbe S.32)
„Gott behält sich durchaus die Freiheit vor, sein Wort zu erteilen oder zu entziehen. So wie es vom Geiste heißt, er wehe, wo er wolle, gilt auch fürs Wort, dass Gott redet, wo er will. Bei diesem majestätischen Erteilen oder Entziehen seines Wortes geht Gott auf seine eigene Weise vor, fast möchte man annehmen, er lasse dabei gelegentlich auch etwas seinen heiligen Humor walten. Wenn ein Versammlungsleiser einem Anwesenden das Wort entzieht, muss dieser entweder schweigen oder den Saal verlassen; Gott aber kann uns sein Wort entziehen, indem er uns geduldig weiterreden lässt und wortverkündigend lässt, ohne dass wir den Saal verlassen“, so dass wir noch lange Zeit meinen, es ei immer noch Gottes Wort, in Wirklichkeit ist es aber nur mehr das, was Christus unter dem „Herr-Herr-Sagen“ versteht und Paulus unter dem „tönenden Erz“ und der „klingenden Schelle“. Es tönt dann noch, es dröhnt vielleicht gewaltig, aber der Motor springt nicht an und der Wagen kommt nicht vom Fleck“ (Walter Lüthi, 22 Predigten, S.58)
Berufungen können ganz unterschiedlich aussehen…
In seinem Buch „Der lebendige Mensch“ erwähnt John Whittle eine Witwe, deren Sohn in die Mission gehen wollte. Diese Entscheidung bekümmerte sie, hoffte sie doch, dass er für seine älter werdende Mutter sorgen würde. Beim Bibellesen stieß sie auf Johannes 3,16. Der Vers sprach sie an, wie nie zuvor. Sie erkannte, dass Gott ihrem Sohn die Möglichkeit gibt zu tun, was er, Gott, schon vorher getan hatte. Sie hatte nun die Möglichkeit, Gottes Mitarbeiterin zu werden und entschied sich auch dafür.
Es kommt darauf an, was Gott vorhat…
Ein junger Mann kam zu Bodelschwingh und sagte, dass er in die äußere Mission gehen wolle. Bodelschwingh schickte ihn zunächst zum Arzt. Dieser stellte fest, dass der körperliche Zustand des jungen Mannes ihn allenfalls ein einziges Jahr in den Tropen ertragen lassen würde. Traurig kehrte er zu Bodelschwingh zurück. Doch dieser fragte ihn nun: „Bist du bereit, dieses eine Jahr hinzugehen und dann zu sterben?“ – „Ja, dazu bin ich bereit“, lautete die Antwort. „Dann geh in Gottes Namen“, meinte Bodelschwingh. Der junge Mann ist draußen alt geworden. Fünfzig Jahre hat er in den Tropen das Evangelium verkündigt. Wenn Gott einen Weg bejaht, schenkt er uns dazu auch die nötigen Lebensjahre. Es mag andrerseits Menschen geben, die krank werden, weil sie dem Ruf Gottes kein Gehör schenken. Und andere sterben vielleicht früher, weil sie sich von Gott nicht brauchen lassen wollen.
Aus „Der getaufte Geldbeutel“
Hören und Gehorchen…
Am Tage des Gerichts werden wir nicht nach unseren Erfolgen gefragt, sondern nach unserem Gehorsam. (Alex Johnson)
Ernst Modersohn (1870-1948) berichtet: Als unsere Kinder noch klein waren, hingen an der Wand drei gestickte Worte, »die drei kleinen G«: ganz, gern, gleich. Wenn Kinder diese drei G gelernt und geübt haben, dann haben sie etwas Wichtiges gelernt fürs Leben. Denn unser Gott verlangt auch, dass wir ganz und gern und gleich gehorchen. Ihn befriedigt und erfreut nur so ein Gehorsam, der ganz und gern und gleich seine Wünsche und Weisungen ausführt.
Ein Bahnwärterkind spielte auf dem Bahndamm, plötzlich kommt ein Zug. Der Bahnwärter bemerkt mit schrecken die Gefahr, in der sein Kind schwebt, und kann ihm nur noch zurufen: „Hinlegen!“ Das Kind, gewöhnt zu gehorchen, legt sich zwischen die Schienen… Ein paar bange Sekunden… Vorbei ist der ratternde Zug – und das Kind erhebt sich und springt seinem Vater in die Arme.
Es wäre eine Idee, aktuelle Lebens- und Berufungsgeschichten zeugnishaft einfließen zu lassen. Wie haben Menschen in der Gemeinde Berufungen erlebt? Wie habe sie das Reden Gottes erfahren?
(Günther Ott)