Monatsthema: Gott bleibt treu – dem, der sich nach Vollendung sehnt
Predigtthema: Die Verheißung hören
Bibelstelle: Offenbarung 1, 1-8
Verfasser: Eckhard Löffler
Vorarbeit
Vor der kurzen Predigtreihe über Texte aus diesem besonderen Bibelbuch ist eine knappe Einführung angebracht, ein Bibellexikon hilfreich.
Der Buchtitel „Offenbarung des Johannes“ hieß ursprünglich die „Offenbarung Jesu Christi“, griech. apokalypsis, d.h. Entschleierung, Enthüllung, auch Erscheinung (z.B. Gal. 1, 12).
Starke Ähnlichkeiten bestehen mit den Büchern Hesekiel und Daniel, wird auch als Fortsetzung der Weissagungen Daniels gesehen.
Der Text wurde in den Gottesdiensten vorgelesen, also eine Veröffentlichung (1).
Das Buch wurde besonders von der „leidenden Gemeinde“ (ecclesia pressa) geschätzt.
Spezielle Ausleger und ihre Bücher gibt es „wie Sand am Meer“. Der Inhalt eignet sich leider auch für spekulative Voraussagen, deshalb ist hier besonders die Hauptregel zu beachten: Nur weitergeben, was wirklich DA STEHT.
Über den VERFASSER macht der Text genügend Aussagen. Die Parallelen zwischen dem Johannes-Evangelium, den Johannes-Briefen und der Johannes-Offenbarung sind deutlich: Der Ausdruck „Lamm“ wird einzig im 4. Evangelium (1, 29 + 36) und in der Offb. auf Christus angewendet (2). Ähnlich das „Wort“ (Jo 1, 1f; 1. Jo 1, 1; Offb 19, 13).
Der griech. Ausdruck für „wahr, echt“ kommt im Johannesevangelium 9mal, im 1. Johannesbrief 4mal, in der Offenbarung 10mal, im kompletten Rest des NT nur 5mal vor.
Der Jünger, „den Jesus lieb hatte“ (Jo 13, 23; 19, 26) ist also Schreiber des Evangeliums und der Briefe samt Offenbarung.
ADRESSATEN waren „seine Knechte“ (Offb 1, 1), zuerst die 7 Gemeinden in Kleinasien, in denen Johannes den letzten Teil seiner Dienstzeit verbrachte, dann aber auch die weltweite Gemeinde Jesu. Die Zahl 7 wird auch „göttliche Vollzahl“ genannt und beschreibt hier die komplette Gemeinde Jesu aller Zeiten (3).
ORT der Abfassung war die Insel Patmos, klein, dürr, unfruchtbar. Die Zeit war ca. 90-95 n. Chr., d.h. die Empfänger hatten z. T. noch das irdische Leben, die Kreuzigung und Auferstehung Jesu aus der Entfernung miterlebt.
ZIEL: Die Offenbarung sollte zuerst die Gemeinden in Kleinasien zur Standhaftigkeit ermuntern. Nöte entstanden Ende des 1. Jahrhunderts durch Anfechtung von Heiden, Behörden und Juden. Irrlehrer, wie Nikolaiten und Kerinthianer und die Gnosis hatten Einfluss gewonnen, Johannes war vom Kaiser Diokletian auf die Insel verbannt worden und starb „hochbetagt“ nach christlichen Zeugnissen des 2. Jahrhunderts.
Predigttipps
V 1f Johannes kannten die meisten und sie wussten fast alles über ihn.
Nichts kann uns so aus dem Kreisen um uns selbst und unsere Gemeinde herausreißen als das Wissen: Der Herr ist da! Nichts kann Einsame und Verfolgte mehr trösten als das „Ich bin doch da!“. Märtyrern war die Nähe ihres Herrn wichtiger als Folter und Schwert der Feinde.
Wörtl. „was geschehen MUSS“, d. h. göttliche Anordnung (Ps 33, 4.9).
„Engel“, dasselbe Wort wie „Bote, bevollmächtigter Gesandter“. Im Altertum galt die Regel: Der Gesandte ist gleich dem Sendenden (4).
Den Sohn Gottes hatte Johannes mit den übrigen Jüngern zusammen ausführlich erlebt und gesehen.
V 3 „Selig“ sagt Jesu auch in den Seligpreisungen (5).
Behalten ist nicht die automatische Folge des Lesens. Oft ein langer Weg: Anhören-Verstehen-Ausprobieren-Anwenden-Einüben-Beibehalten. Endzeiterwartung hielt zu allen Zeiten die Jesusleute wach (Mt 24, 42). Die Erwartungshaltung hält wach (aktuelle Beispiel genug).
V 4 s.o. unter ADRESSATEN.
„Gnade und Friede“ sind Segenswünsche. Wer sie annimmt, gehört zur Gemeinde. Quelle dieser Wünsche ist der ewige Gott, der Heilige Geist und der Sohn (V 5).
V 5 Auch der auferweckte Lazarus (Jo 11) wurde später wieder beerdigt.
Jesu Tun hat Konsequenzen für ALLE.
V 6 wörtl. „zu seinem Königreich gemacht“.
V 7 „Siehe“ steht oft dort, wo man nichts sehen kann (1. Mo 28, 15; Mt 28, 20; Lk 6, 23; Joh 1, 29; Offb 3, 8.11.20; Offb 21, 5). Nicht-Sehen und trotzdem Seligsein spricht Jesus gegenüber Thomas an (Joh 20, 29).
Das „Siehe“ beschreibt auch die Nähe seiner Wiederkunft (6).
V 8 A und O sind Anfangs- und Endbuchstaben des griech. ABC. Gott hat die Welt durch sein Wort geschaffen und wird das letzte Wort behalten. Weltliche Machthaber kommen und gehen (7).
Alle Menschen werden sehen und erleben, wer Gott ist.
Gliederungsvorschlag
1. Gott gibt uns sein Wort
2. Wir leben damit
3. ER setzt sich durch
Fußnoten
(1) Joh. Albr. Bengel: Der Text ist „ein Manifest, wodurch der Erbe aller Dinge, Jesus Christus, bezeugt, dass ihm alle Gewalt im Himmel und auf Erden gegeben sei, und dass er solche Gewalt, alles langwierigen Widerstandes und Trotzes der Feinde ungeachtet, endlich auf das allerherrlichste behaupten wird“.
(2) 1. Petr 1, 19 und Apg 8, 32 weisen auch auf den Zusammenhang hin.
(3) Wer zum Adressatenkreis gehören möchte, muss Jesu Jünger/Nachfolger sein.
(4) Blutige Konsequenzen z. B. in 2. Sam 10.
(5) Im Altertum soll die Insel Cypern „makarios“ genannt worden sein. Ein Erzbischof (Makarios III., 1913-77) nannte sich später danach. Man nannte sie die „Insel, wo die Götter Urlaub machen“. Freundliches Klima, blauer Himmel, grüne Pflanzen, warmes Wasser, usw. Der Werbespruch von Cyperns Fluggesellschaft ist bis heute: „Die Insel, wo die Götter Urlaub machen.“ Gemeint ist das „Rundum-Heil-Zufrieden-Glücklichsein“.
(6) Die Wiederkunft kommt „bald oder schnell“ (Offb 22, 7.12) = dasselbe Wort.
(7) Jedes Jahrhundert gibt Beispiele: Kaiser und Könige, Hitler und Gehilfen, DDR-Honecker und Mitarbeiter. „Die Herren der Welt gehen, unser Herr kommt!“ (Altbundespräsident Heinemann – allerdings wurde der Satz ähnlich auch als Zitat früherer Denker angeführt).