Monatsthema: Gott bleibt treu – dem, der sich nach Vollendung sehnt
Predigtthema: In Schwachheit geduldig
Bibelstelle: Offenbarung 3, 7-13
Verfasser: Eckhard Löffler
Vorbemerkungen
Philadelphia gehört geographisch zu einem Kranz von Sendschreiben-Städten, die wohl untereinander regen Austausch pflegten. Ein frühes Beispiel für Bezirksarbeit. Philadelphia = Bruderliebe (1).
Nur in den Briefen an Smyrna und Philadelphia fehlt der Satz: „Ich habe wider dich…“.
Zur „Gemeinde der schwachen Kraft“ tritt der Machthaber über alles, auch über Himmel und Hölle.
Predigttipps
V 7 „Engel“ sind Himmelswesen, hier aber wahrscheinlich menschliche Gottesboten (griech. derselbe Ausdruck für Engel und Bote). Im AT kommen Engel/Gottesboten auch in Menschengestalt vor, z.B. 1. Mo 18, 1ff.; Hag 1, 13; Mal 2, 7. Gemeint sind hier wahrscheinlich die Verantwortlichen der Gemeinden, wobei der Text der ganzen Gemeinde gilt.
Heilig und wahrhaftig sind Prädikate des ewigen Gottes. Jesus ist Gott! (2) Sein Wort wiegt wie, besser: ist Gottes Wort.
Jesus hat die Schlüsselmacht über die Weltgeschichte, Himmel und Hölle. „Schlüssel Davids“ kommen in Jes 22, 22 vor.
Keine Notfälle, Lebensumstände, „Kollegen“ können den Weg versperren, den der Herr aufschließt (Jo 10, 28).
Jesus blickt, durchschaut Atheismus und erstarrte Frömmigkeit, auch die Selbstsicherheit und Sattheit von „Frommen“ und kann jede Stunde die Gnadenzeit abschließen.
Sehr ernst ist das Zuschließen. Weder Pfarrer, Priester noch Papst können aufschließen, was Jesus verschlossen hat. Sein Wort gilt und wirkt absolut (Ps 33, 4; Jo 11, 25.43f).
V 8 Jesus WEISS!
Er kennt die „kleine Kraft“ des in der Stadt verachteten, geringen Haufens. Wahrscheinlich waren keine „Schlüsselfiguren“, wie Bürgermeister, Betriebsleiter oder höhere Angestellte dabei. Die Gemeinde konnte nicht mit Zahlen glänzen. Vor wem auch?
Philadelphia hat eine OFFENE TÜR in Gottes Reich, zu damaligen Menschen und späteren Bibellesern (3).
Nicht die Höhenlage der Heiligung und Erkenntnis, nicht die reife Erfahrung oder bestimmte Geistesausrüstungen: Die Gemeinde VERTRAUTE Gottes Wort trotz kleiner Kraft.
V 9 Die jüd. Synagoge in Philadelphia war wohl das Widerstandszentrum gegen die Jesusleute (4).
Schlimm, dass aus einer christlichen Synagoge (Jak 2, 2 steht „Synagoge“) ein Wirkungsort Satans werden kann. Ein Vakuum ist nicht möglich: Entweder der Geist von oben oder von unten.
Wer gegen Jesus und seine Gemeinde arbeitet, verkörpert nicht das wahre Israel – das gilt sogar für das heutige Land und Volk Israel. Erst wenn die Juden Jesus erkennen, ist ihre Zukunft geklärt.
Ebenso schaden religiös-christlicher Fanatismus und verbissene, irrtümliche Frömmigkeit:
Philadelphia-Gemeindeleute werden staunen, dass ihnen die ganze Jesusliebe für alle Zeiten gilt.
V 10 Mit Jesus leben ist kein Kinderspiel, sondern eine Schlacht. Unzählige Jesusleute holten sich Vergiftungen in den Bleibergwerken Sardiniens. Frauen kamen wegen ihres Glaubens in Bordelle. Ihre heiligen Schriften wurden verbrannt. Ein WUNDER, dass Gemeinde Jesu unter solchen Verhältnissen überlebt(e). (5) Zig-Tausende haben im vergangenen Jahrhundert Jesus die Treue gehalten und wurden trotz aller Drangsal bewahrt. Viele gingen lieber in den Tod, als Jesus zu verlassen. Trotz allem gilt die Zusage 1. Ko 10, 13: Er hilft uns beim Ertragen.
Der Ausdruck „bewahren VOR der Stunde der Versuchung“ lässt nicht den Schluss einer „Vor-Entrückung“ (also VOR der großen Trübsal) zu, weil das griechische „ek“ auch AUS bedeuten kann.
V 11 „Siehe“ steht nicht im Urtext. Luther übernahm den Ausdruck von ähnlichen Bibelstellen und meint „Achtung! Aufpassen!“ Die Zeit scheint manchmal lang zu sein (2. Petr 3, 9), aber unser Zeitbegriff schränkt Gott nicht ein (Ps 90, 4). Es ist uns nicht erlaubt, die Zeit wissen zu wollen (Apg 1, 7); aber es ist uns geboten, die Zeichen zu beachten (Matth 24, 32f). Das Wort „bald“ drückt im Griechischen gleichzeitig auch schnell, überraschend, rechtzeitig aus.
Zu den endzeitlichen Zeichen unserer Zeit zählt am deutlichsten die Geschichte des Volkes Israel vor und seit dem 5.5.1948, ebenso das Scheitern aller Versuche, die Juden „ins Meer zu werfen“. Gott löst seine Versprechungen nicht immer gleich heute ein, aber seine Wille geschieht (Ps 33, 4).
Schrecklich, wenn Jünger Jesu ihren Glauben verlieren, statt festzuhalten (Hebr 10, 35; 6, 4-6), wenn aus der anfänglichen ersten Liebe eine kümmerliche Nachfolge geworden ist. Nachdenklich sollte uns machen, wenn in unserer Gemeinde niemand mehr zum Glauben findet oder zurückkommt. Bleiben in und Halten an Jesus sind Voraussetzungen für Leben (Jo 15, 5) und Kennzeichen der Überwinder.
V 12 Überwinder sind keine Kraftprotze, im Gegenteil, s. Mt 5, 3-12; 2. Ko 11, 30.
Pfeiler sind Träger. Sie verkraften auch „belastende Querbalken …“. Tragen wir auch andere oder werden wir selbst nur mitgetragen?
Drei Namen schreibt Jesus auf die Pfeiler: Gottes Namen, den Namen des neuen Jerusalems und den neuen Jesus-Namen (Phil 2, 9-11). Wir kennen Jesus nur als den erniedrigten am Kreuz und den verborgenen Herrn der Herrlichkeit. DANN wird man sehen.
V 13 Diesen Vers haben unzählige Gemeinden hochmütig auf sich bezogen in der Meinung, dass sie und nur sie die Überwinder-Gemeinde seien (6).
Die Voraussetzungen für ein Leben wie in der Philadelphia-Gemeinde hat Jesus klar umrissen. Andere Voraussetzungen gibt es nicht, oder es sind Menschensatzungen, bzw. subjektive Verständnisse vom Gotteswort, die langfristig keine Bedeutung haben.
Gliederungsvorschlag 1
1. Offene Türen
2. In Schwachheit geduldig
3. Auf Jesus ist Verlass
Gliederungsvorschlag 2 (nach Gottfried Voigt)
Was die Gemeinde in der großen Erprobung ermutigt
1. die offene Tür
2. das bewahrende Wort
3. die künftige Aufgabe
Fußnoten
(1) Der Stadtname stammt allerdings von ihrem Gründer König Attalus Philadelphus von Pergamon (159-138 v.Chr.).
(2) s. Erkenntnis des Thomas Jo 20.
(3) Viele Gemeinden klagen über „harten Boden“ in ihrem Bereich. Viele Gründe sind denkbar.
(4) Schwierig, wenn z. B. Kirchenvertreter gegen Jesus-Nachfolger agieren.
(5) Erzbischof Firmian von Salzburg verfügte 1731, dass (evangelische) Bibelleser sofort das Land verlassen müssen. Die Exulanten wirkten in ihren Zielgebieten bis an die Ostsee in großem Segen.
(6) Ein Beispiel für viele: In deutschen Städten bildeten sich vor gut 25 Jahren exklusive ORTSGEMEINDEN (nach Watchman Nee durch Witness Lee geleitet), die den Anspruch vertraten, pro Ort könne nur eine, nämlich IHRE Gemeinde die wahre sein. Kirchen, Freikirchen, Gemeinschaften und Evangelische Allianz wurden abgelehnt. Ziel war weniger, Einzelne zum Glauben an Christus zu rufen, als vielmehr IHRE Vorstellung von Gemeindebau zu verwirklichen. Kritiker wurden auch vor weltlichen Gerichten hart attackiert, ein Buch als Gegenschrift verfasst (John So und Jörn Uhlenbruck, 2. Aufl. 1980). Trennungen und Leiden gab es in den früheren Heimatgemeinden vieler Ortsgemeindler. Aber auch innerhalb der sog. Ortsgemeinden ergaben sich große Spannungen, nicht zuletzt in DER „Gemeinde in Stuttgart“, Filderhauptstraße in Plieningen. Die Episode hat sich wohl von selbst erledigt.