Monatsthema: Ganzes Christsein
In der Seelsorge Jesu: Jesus wäscht den Jüngern die Füße
Predigttext: Johannes 13,1-17
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1. Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext
Hilfen zur Auslegung finden sich in den Kommentaren von Gerhard Maier (Edition C Bd. 7) und von Werner de Boor (Wuppertaler Studienbibel).
1.2. Wichtige Gedanken in unserem Abschnitt
Das Johannes¬evangelium baut auf den anderen Evangelien auf und setzt voraus, dass manche Begebenheiten bekannt sind. Johannes will nicht einfach wieder¬holen, was Matthäus, Markus und Lukas schon berichtet hatten. Das Johannes-Evangelium ist ein er¬gänzendes Evangelium; es bringt uns wertvolle Zusatz¬informatio¬nen. Den Bericht über die Fußwaschung finden wir nur bei Johannes.
Mit Kap. 13 beginnt das Gespräch und die Handlung im Obergemach in Jerusalem. Jesus hält sich nicht mehr in der Umgebung der feindlich gesinnten Juden auf, er hat sich mit seinen Jüngern in das Obergemach zurückgezogen. Lukas beschreibt in Kap. 22,15 wie sehr sich Jesus nach dieser engen und intensiven Gemeinschaft mit seinen Jüngern gesehnt hat, bevor er in den Gebetskampf am Ölberg, in die Gerichtsverhandlung und in den Tod am Kreuz gehen musste. Jesus wusste was auf ihn zukommt. Vers 1
1. Die Liebe Jesus zu den „Seinen“.
Es geht hier um den engsten Jüngerkreis, dem Jesus in besonderer Weise die Prinzipien der Nachfolge nahebringt. Er liebte sie bis ans Ende seines irdischen Daseins und wird sie in alle Ewigkeit lieben.
Die Fußwaschung zeigt: Jesus dient seinen Jüngern. Jesus opfert sich für sie auf. Jesus kommt ihnen dabei körperlich nahe. Jesus wollte den Jüngern mit der Fußwaschung seine große, aufopfernde Liebe zeigen, um die es auch im Abendmahl geht. Die Frage ist dann nur: Nehmen wir diesen Liebes¬dienst Jesu an? Lassen wir ihn uns gern gefallen, immer wieder?
2. Die Notwenigkeit von Jesu Dienst für mich.
Für Petrus war es schlicht eine Unmöglichkeit sich von Jesus (seinem Lehrer) die Füße waschen zu lassen. Füße waschen war Sklavendienst und keine Aufgabe für einen Rabbi, einen Lehrer oder gar seinen Herrn. Es ist schon erstaunlich, dass keiner der Jünger auf die Idee kam, diesen Job zu machen. Vermutlich habe sich eben alle mit dreckigen Füßen zu Tisch gelegt.
Nun macht Jesus deutlich: Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir. Auffällig ist, dass Jesus nicht nur von den Füßen spricht. Auch für Petrus ist die Gemeinschaft und das Anteil haben an Jesus lebensnotwendig. Er schwenkt vom ersten Extrem um in das Andere, „nicht nur die Füße, dann bitte auch die Hände und das Haupt, wasche mich ganz.“ Geistlich verstanden hat er die ganze Sache noch nicht, aber er wollte auf jeden Fall Anteil an seinem Herrn haben. Die Fußwaschung ist der Höhepunkt der Liebe Jesu.
3. Konsequenzen aus dem Beispiel Jesu und praktizierte Liebe in der Nachfolge
Jesus gibt seinen Jüngern ein Musterbeispiel für den Umgang miteinander. Erstaunlich ist, dass keiner auf die Idee kam, damit anzufangen und den anderen die Füße zu waschen. Alle waren sich zu gut und wollten sich nicht unter den anderen stellen, es war ja Sklavenarbeit.
Noch nicht einmal an Jesus ihren Lehrer haben sie dabei gedacht. Und sie haben den Liebesdienst der Maria in Betanien miterlebt, als Maria Jesus die Füße salbte. (Johannes 12)
2. Verstehen, worum es geht
2.1 Hinweise für situative Überlegungen
Von Judas bis Petrus, von uns persönlich bis zum letzten Menschen, der über die Erde geht haben wir die Vergebung und das Reinwaschen durch Jesu Blut nötig. Keine Werke und kein noch so gutes Gefühl reicht aus, um vor dem Heiligen Gott bestehen zu können. Sind wir bereit uns von Jesus dienen zu lassen. Immer mehr verbreitet sich die Meinung: „es kann nicht sein, dass Gott seinen Sohn für uns am Kreuz opfern muss“. Jesus kam bei seinem ersten Kommen nicht als Herrscher, sondern als Diener. Wer sich nicht dienen lässt, verweigert das rein werden, die Vergebung und das ewige Leben. Die „schwäbische Art – ich bezahl meine Sache, dann brauch ich nicht danke zu sagen, sitzt tief in unseren Herzen.
2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen
Der Text aus Johannes 13,1-17 ist uns für den 4. Sonntag im Monat gegeben und steht somit unter dem Aspekt der Seelsorge. Jesus will zurechtbringen, korrigieren und einladen zu einem Leben mit ihm. Voraussetzungen dafür hat er geschaffen. Er sehnt sich zutiefst nach seinen Geschöpfen und trauert um jeden, der seine eigenen Wege geht.
Der Mensch ist eingeladen, seinen Stolz herzugeben; Seinen Irrglauben der Selbsterlösung aufzugeben, um sich von Jesus waschen zu lassen.
Es passt zu unserer menschlichen Art, dass keiner der Jünger Schüssel und Handtuch nahm um zu dienen. Es ist der Sohn Gottes, der sich nicht zu gut war, den Sklavendienst zu tun. Umso mehr wird deutlich, dass jeder den Dienst Jesu notwendig hat. Römer 3,23 „Denn alle haben gesündigt und ermangeln der Herrlichkeit Gottes.“
In der Fußwaschung entdecke ich drei Zeichenhandlungen:
a) sie ist ein Symbol für die Wiedergeburt.
Jesus sagt zu Petrus was ich tue verstehst du jetzt noch nicht, aber du wirst es später begreifen. Hinter der äußeren Reinigung steckt das Geheimnis des Kreuzes. Wenn ich dir nicht die Füße wasche, hast du keine Gemeinschaft mit mir. Die Fußwaschung ist Symbol für Reinigung, Umkehr und Wiedergeburt.
b) sie ist Symbol für tägliche Vergebung.
Jesus lehnt den Wunsch nach Waschung des ganzen Körpers ab. Wer ein Bad genommen hat ist ganz rein, wer Jesus sein Leben gegeben hat ist rein. Jetzt geht es „nur“ noch um die Vergebung der Schuld im Leben des Nachfolgers, nicht mehr um das Grundsätzliche. In Christus sind wir aus Gnade ganz rein gemacht. Unsere tägliche Fußwaschung ist noch notwendig, weil wir täglich sündigen, wir sind noch egoistisch, handeln lieblos usw.
c). sie ist ein Symbol für selbstlosen Dienst.
Jesus sagt: „Ihr nennt mich Meister und Herr, und ihr habt recht, ich bin es. Wenn nun ich der Meister und Herr euch die Füße gewaschen habe, sollt auch ihr einander die Füße waschen.“ Vers 13
Wieder liefert Jesus seinen Jüngern ein Modell, ein Musterbeispiel wie sie sich im alltäglichen Christsein verhalten sollen.
3. Sagen, wo es hingeht
Zur Predigtvorbereitung kann die Bibelarbeit von Winrich Scheffbuch hilfreich sein, die sich bei Sermon Online findet (zu Johannes 13,1-17) (www.sermon-online.de).
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Mit dem Beispiel der Fußwaschung können wir ganz konkret die zentrale Botschaft der Stellvertretung Jesu predigen. 1. Joh. 1,7 das Blut Jesu macht uns rein von aller Sünde.
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?J
1. Jesus will Gemeinschaft mit mir.
2. Jesus hat mich völlig rein gewaschen von Schuld und Sünde, ohne seinen Dienst am Kreuz für mich gibt es keine Vergebung, kein Leben und keine Herrlichkeit.
3. Jesu Verhalten ist Musterbeispiel für das Dienen und Handeln in der Gemeinde Jesu und für mein Verhalten in der Nachfolge.
3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
1. Jesu Liebe zu den Seinen, Verse 1-5
2. Jesu Dienst für die Menschen, Verse 6-11
3. Jesu Beispiel für die Nachfolger, Vers 12-17
3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?
Wilhelm Busch erzählt in seinem Buch „Lass dein Heil uns schauen“ auf Seite 89 folgende Geschichte: Ein kleines Mädchen musste jeden Abend ihre Schuhe putzen, ein lästiges Geschäft. Dem Mädchen gingen manche Gedanken durch den Kopf. Plötzlich fragt sie ihren Vater: „Papa, wer putzt eigentlich Gott die Schuhe?“
Zuerst ist der Vater verdutzt und hat nicht gleich die richtige Antwort. „Vielleicht sind es die vielen Engel, die Gott gerne die Schuhe putzen“.
Doch dann fällt ihm die Fußwaschung und die richtige Antwort ein: Gott putzt uns die Schuhe, Gott dient uns.
Hans Pfau