Psalmen

Predigthilfe vom 28.11.2010 – Psalmen 31, 15-25

Monatsthema: Innehalten – Gottesdienst
Predigtthema: In deiner Hand sind meine Zeiten!

Bibelstelle: Psalmen 31, 15-25

Verfasser: Thomas Richter

Ein Predigttipp enthält Hilfestellungen für die Verkündigung und ersetzt deshalb nicht das eigenständige Erarbeiten des Bibeltextes und Studieren von Bibelkommentaren.

1. TEXT- UND PREDIGTSCHWERPUNKT

Volkstrauertag und Ewigkeitssonntag liegen hinter uns. Was liegt nun vor uns? Die Adventszeit eröffnen wir mit einem „Innehalten-Gottesdienst“, wobei der Schwerpunkt auf dem gemeinsamen „zur Ruhe kommen und Hören“ liegt. Wo der Herr bereits bei uns angekommen ist, unser Leben prägt, da können wir getrost seine Ankunft erwarten, weil wir uns gewiss sind, wo wir die Ewigkeit verbringen. Von daher ist im Gottesdienst sowohl ein Rückblick wie auch ein Ausblick hilfreich, damit wir unsere momentane Situation erfassen und darüber froh werden können. Um die Adventszeit „in Ruhe“ beginnen zu können, lautet unser Predigtthema: „In deiner Hand sind meine Zeiten“ (Ps 31,15-25). So soll dieser Gottesdienst aufzeigen, dass unsere Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft beim Herrn in besten Händen ist. Um den Aspekt des Innehaltens zu vertiefen, kann es hilfreich sein, denn Predigttext auf Psalm 31,15+16 einzuschränken und dann unsere Situation („meine Zeiten“) und Gottes Plan („deine Hand“) über den Textzusammenhang aus Psalm 31 zu veranschaulichen und mit unserem Leben zu verbinden.

Als Hinführung zum Predigtthema ist unter anderem das Lied Nr. 336 („Meine Zeit steht in deinen Händen“) aus unserem Verbandsliederbuch („Ich will dir danken“) geeignet. Als Peter Strauch das Lied gedichtet hat, textete er in Strophe 3: „ Es gibt Tage, die bleiben ohne Sinn“ (so noch in unseren Liederbüchern). Mittlerweile hat er diese Strophe überarbeitet und schlägt vor wie folgt zu singen: „Es gibt Tage, die scheinen ohne Sinn“. In den Neuauflagen dieses Liedes ist der Text bereits umgeschrieben, denn hinter dieser Textveränderung steckt eine veränderte theologische Erkenntnis von Peter Strauch, getragen auch von seiner Lebenserfahrung. Dieser Hinweis kann uns helfen, dieses Lied bewusst und in biblischer Ausrichtung zu singen und führt uns mitten hinein in die Situation des Predigttextes und unseres Lebens. Wo dieses Lied vor der Predigt gesungen wird, kann z.B. gerade wegen der notwendigen Textveränderung im Rahmen der Predigt immer wieder darauf Bezug genommen werden und so die verschiedenen Elemente des Gottesdienst eng miteinander verzahnt werden. Hilfreich ist in diesem Fall die bewusste Absprache zwischen dem Gottesdienstleiter und dem Verkündiger.

2. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN

Hilfen zur Auslegung und Anwendung bieten z.B.
* Dieter Schneider. Das Buch der Psalmen – 1.Teil: Psalm 1-50. Wuppertaler Studienbibel. S. 213-220.
* Benedikt Peters. Das Buch der Psalmen – Teil 1: Psalm 1-41. Dillenburg: Christliche Verlagsgesellschaft, 2004. S. 380-396.
* C.H. Spurgeon. Die Schatzkammer Davids – 1. Band: Psalm 1-41(Download unter http://bitflow.dyndns.org/german/CharlesHaddonSpurgeon/Die_Schatzkammer_Davids_2004.pdf ; S. 428-451 der Internetausgabe – sehr empfehlenswert). Bitte betrachtet und bewegt diese Ausführungen von Charles H. Spurgeon zu Psalm 31, sie enthalten eine Fülle von hilfreichen Text- und Predigtanmerkungen.

Hilfreiche Anmerkungen zum Predigttext (Ps 31,23) finden sich auch bei Wilhelm Buch. Die Suchaktion Gottes: Kurzgeschichten der Bibel. Wilhelm Busch Bibliothek Bd. 11 (siehe unter: http://www.clv-server.de/pdf/255681-11.pdf – dort S. 61-67).

Zur Beschäftigung mit dem Predigttext hilft das Anhören (im Sinne von Apg 17,11b) der Predigt von Winrich Scheffbuch vom 24.07.1994 mit dem Titel „Wunderbar ist Gottes Güte“ (Psalm 31,24f). Diese Predigt findet sich unter www.sermon-online.de, wenn Ihr unter „erweiterte Suche“ die Felder „Bibelstelle“ [z.B. Psalm 31] und „Autor“ [Scheffbuch] ausfüllt.

Zum Predigteinstieg [nachfolgendes ist aus dem Gedächtnis zitiert]: Eine kleine Gruppe hat sich aufgemacht in den Ostblock und hat viele Bibeln „im Gepäck“. Sie sollen die Grenze in die Gemeinde geschmuggelt werden. Die Kontrollen sind streng und die Anspannung ist groß. So kaufen die „Schmuggler Gottes“ an der Grenze die falschen Benzingutscheine und als der Fehler bemerkt wird, vergeht viel Zeit bis wieder alles in Ordnung gebracht ist. Zum vereinbarten Treffen mit den Gläubigen werden sie es nicht mehr rechtzeitig schaffen und so entsteht die bange Frage, ob sie überhaupt noch jemanden antreffen werden. Gemeinsam singen sie auf der Fahrt deshalb das Lied: „Meine Zeit steht in deinen Händen. Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir. Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden. Gib mir ein festes Herz, mach es fest in dir“ (Ich will dir danken Nr. 336). So kommen sie an – viel zu spät. Aber nur nach dem menschlichen Zeitplan, nicht nach Gottes Zeitplan. Denn genau zum vereinbarten Zeitpunkt war die Geheimpolizei zur Kontrolle da. Aber Gott hat die menschliche Aufregung an der Grenze benützt, um sie genau zu dem Zeitpunkt ans Ziel kommen zu lassen, der richtig ist – eben zu seiner Zeit und nach seinem Plan. Wie sehr hatte die Gemeinde doch flehentlich gebetet, dass der Bibeltransport „zu spät“ kommt und wie wunderbar hat Gott bereits vor diesen Gebeten angefangen „menschliche Missgeschicke“ zum Segen umzuplanen: „Ich aber, ich habe auf dich vertraut, Herr; ich sagte: Du bist mein Gott! In deiner Hand sind meine Zeiten; rette mich aus der Hand meiner Feinde und vor meinen Verfolgern“ (Ps 31,15f)! Hatte Peter Strauch in seinem Lied zuerst noch gedichtet „es gibt Tage, die bleiben ohne Sinn“ (Iwdd 336,3), so hat Peter Strauch dieses Lied später umgedichtet und in den Neuauflagen heißt es deshalb: „es gibt Tage, die scheinen ohne Sinn“. Wie wahr! Diese Erfahrung haben unsere Geschwister gemacht, diese Erfahrung werden auch wir machen und deshalb sollten wir dieses Lied nur noch nach der neuen Fassung singen, denn unsere Zeit liegt in Gottes Händen und da ruht sie wohl. Nun können wir ruhig werden, ruhig sein in IHM. Deshalb wollen wir innehalten – ruhig werden – uns dem Herrn durch sein Wort wieder neu anvertrauen und wie Joseph bekennen: „Ihr zwar, ihr hattet Böses gegen mich beabsichtigt; Gott aber hatte beabsichtigt, es zum Guten zu wenden, damit er tue, wie es an diesem Tag ist, ein großes Volk am Leben zu erhalten“ (1Mose 50,20). Wie wir das glauben können, wie wir zu dieser Ruhe im Herrn finden, entdecken wir in seinem Wort: Psalm 31,15-25 (= Textlesung)!

„Zu einem Gutsbesitzer kam eines Tages ein vornehmer Besucher. Man setzte sich in den Salon, aß und trank und unterhielt sich. Nicht ohne Stolz trat dann der Hausherr mit seinem Besucher auf den Balkon des Herrenhauses. Von hier aus hatte man einen herrlichen Blick über den größten Teil des Anwesens. Der Gutsbesitzer machte nun eine kreisende Handbewegung und sagte: ‚So weit das Auge reicht gehört alles mir‘. Der Besucher schaute seinen Gastgeber nachdenklich an und erwiderte: ‚Herr Baron, entschuldigen Sie, aber: Das gehört Ihnen nicht, das verwalten Sie nur‘. Ja, wir sind Verwalter. Wir leben mit anvertrautem Gut. Das Kostbarste, was wir haben, sind nicht die Dinge, die wir besitzen, auch wenn sie noch so wertvoll sind. Das Kostbarste, was wir haben, ist unsere Zeit, die Spanne unseres Lebens. Sie ist absolut einmalig. Wir können uns wohl an Vergangenes erinnern, aber wir können es nicht zurückholen. Wir können im Augenblick über die Zeit verfügen, aber wir können sie nicht festhalten. Die Zeit läuft und mit ihr unser Leben. Für die meisten erwächst daraus bewusst oder unbewusst: Sie versuchen aus relativ wenig Zeit möglichst viel herauszuschlagen. Aber ist damit die Einmaligkeit unserer Zeit schon sinnvoll genutzt? Sind wir dadurch schon gute Verwalter? Sinnvoll wird unser Leben eben nicht durch die Dinge, die wir haben und festzuhalten versuchen. Das Rad der Zeit läuft darüber hinweg. Über die meisten, die heute leben, redet in 50Jahren keiner mehr. Wie schnell sind Menschen vergessen! Oft sogar schon zu Lebzeiten. Sinnvolles und Bleibendes kommt in unser Leben nur durch die Beziehung zum lebendigen Gott. Das ist die tröstliche und frohmachende Erfahrung des Psalmdichters David. Meine Zeit, die Spanne meines Lebens, mein Gestern und mein Heute, mein Morgen liegt in deinen Händen. Ich muss nicht ängstlich darum besorgt sein. Ich darf sie in deine Hände legen. Das sind nun nicht die Worte eines Menschen, der ohnehin zur Passivität neigt und die Dinge einfach treiben lässt. Das Umfeld von Psalm 31 und vieler anderer Psalmen zeugt von einem turbulenten Leben. Der steile Aufstieg zum Königsthron gehört dazu wie die tiefe Verstrickung in Schuld. Persönliche Anfeindung, Spannungen in der eigenen Familie, Vertreibung, Flucht, üble Nachrede, Morddrohungen – ihm blieb fast nichts erspart. Aber in dem allen hat sich die Bindung an Gott bewährt. Er ist nicht mit sich selbst und den Verhältnissen allein. Die Hand Gottes ragt hinein in sein Leben. Alles hat einen Bezug zu ihm. Darum kann er im Grunde nichts mehr verpassen. Das gibt ihm mitten in Unruhe und Hektik Ruhe und Gelassenheit“ (Johann Ubben).

3. PREDIGTGLIEDERUNG

„In deiner Hand sind meine Zeiten“, deshalb
a) bitten wir (V. 15-19)
b) bekennen wir (V. 20-23)
c) bezeugen wir (V. 24+25)

oder nach Johann Ubben:
a) Meine Vergangenheit ist umschlossen von ihm
b) Meine Zukunft wird erschlossen von ihm
c) Meine Gegenwart wird gefüllt von ihm

oder nach Walter Schaal:
a) Meine Zeit
b) Deine Hände
c) Was heißt das nun für uns: meine Zeit steht in deinen Händen
* Freiheit
* Geborgenheit
* Vertrauen