Monatsthema: Christus – der Rufende
Predigtthema: Vom Christus hineingenommen
Bibelstelle: Apostelgeschichte 11, 1-18
Verfasser: Jochen König
1. Zusammenhang
Petrus hat gerade in Cäsarea miterlebt, dass Gott die Erlösung durch das Blut Jesu nicht nur den Juden, sondern auch den Heiden zur Verfügung stellt.
Erstaunt und begeistert macht er sich auf, um der Gemeinde und den Verantwortlichen in Jerusalem davon zu berichten.
2. Biblische Parallelen
Apg. 10, 1-44
Der Apostel Petrus erkennt, dass das Heil auch den Nichtjuden zuteil werden soll.
3. Der Aufbau / Gliederung des Textes
V.1-3
Vorwurf an den Apostel Petrus mit Heiden enge Gemeinschaft gehabt zu haben.
V.4-17
Petrus rechtfertigt sein Handeln in Cäsarea:
V.4-10
Petrus berichtet von der dreimaligen Wiederholung der von Gott gegebenen Vision, die aufzeigen soll, dass Gott entscheidet, was rein und unrein und damit bei ihm akzeptiert und verboten ist.
V.11-14
Petrus berichtet von den drei Gesandten aus Cäsarea und deren Hauptmann, Kornelius, der zuvor auch schon eine Engelserscheinung von Gott empfangen hatte. Gott selbst bestätigt durch seinen Geist, dass Petrus mit diesen Männern gehen soll, um den Heiden das Evangelium zu verkünden.
V.15
Gott schenkt den Heiden seinen heiligen Geist.
V.16-17
Petrus gründet seine Erklärung auf Gottes Wort mit einem Zitat Jesu und klärt damit, dass er nicht aus Eigeninitiative gehandelt hat. Es war Gottes Tun und damit in keiner Weise von ihm oder anderen Menschen in Frage zu stellen.
V.18
Die Gläubigen in Judäa erkennen und freuen sich über das Geschenk der Vergebung und Errettung, die Gott nun offensichtlich der ganzen Welt zur Verfügung stellt.
4.Einzelerklärungen
V.1
Die Apostel, übersetzt „Botschafter, Delegierte oder mit einem Auftrag Bedachte“, waren zusammen mit den Brüdern („adelphos“ = leibliche Brüder bzw. Menschen mit den selben nationalen Vorfahren; hier die jüdische Bevölkerung gemeint, die von Abraham abstammt).
Der Anlass: Sie hatten gehört, dass die Heiden („ethnos“ = alle anderen Nationen neben den Juden) Gottes Wort angenommen hatten.
V.2
Die Gläubigen streiten mit Petrus. Man könnte “diakrino“ auch mit „richten, verdammen, vor Gericht stellen oder in Frage stellen“ übersetzen.
V.3
Der Vorwurf, den die Apostel dem Petrus machten, war zweifach:
a) … zu nichtjüdischen Männern wörtlich übersetzt „hineingegangen“, womit „bei jemanden ins Haus hineingehen“ gemeint ist.
b) … mit nichtjüdischen Männern gegessen,
was den Vorwurf der „Verunreinigung“ durch den Umgang und die Tischgemeinschaft mit „Unreinen“, so wie Heiden von den Juden gesehen wurden, hervorrief. Zu beachten, dass Tischgemeinschaft im jüdischen Denken der damaligen Zeit eine stärkere Bedeutung hatte als heute.
Das gemeinsame Essen bedeutete für den Gast Aufnahme in die Haus- und Familiengemeinschaft.
Es war anstößig für einen frommen Juden bei Heiden einzukehren. Darum stießen sich die Pharisäer daran, dass Jesus mit Zöllnern und Sündern an einem Tisch saß (Mt.9, 11).
V.4
Petrus nimmt sich Zeit und „erzählt (ganz genau) von Anfang an“. So könnte man das griechische Wort „archomai“ übersetzen. Das zweite Verb, das Luther mit „der Reihe nach erzählen“ übersetzt, besteht eigentlich aus zwei Worten:
a) ek => aus, heraus
b) tithemi => legen, setzen, stellen
Petrus legt ganz sachlich und der Reihenfolge nach die Tatsachen offen auf den Tisch.
V.5-14
In diesen Versen wird das Geschehen aus dem vorherigen Kapitel berichtet. Dabei ist festzuhalten,
dass Petrus im Bericht an die Apostel und Brüder einige Details erwähnt, die so im vorherigen Bericht nicht festgehalten waren:
o Er sagt, dass das „Tuch … aus dem Himmel“ bis zu ihm „kam“ (V.5)
o Er spricht davon, dass er „gespannt hinschaute“ (V.6).
o Petrus erwähnt die Tatsache, dass ihn „sechs Brüder“ von Joppe nach Cäsarea begleiteten (V.12)
o In Vers 14 wird uns gesagt, dass der Engel Kornelius sagte, dass Petrus „Worte zu ihm reden würde, durch die er und sein ganzes Haus … errettet werden würden“. Dies ist einer der Belege dafür, dass Kornelius vor der Ankunft des Petrus nicht errettet war.
( entnommen aus: Kommentare zum NT von William MacDonald, CLV ; S.524-525 )
V.15
Petrus legt in seinem Bericht Wert darauf, dass der heilige Geist gleich zu Anfang seines Redens auf die dort versammelten Heiden kommt. Dabei ergänzt er mit dem Vergleich: „… fiel der heilige Geist auf sie ebenso wie am Anfang auf uns.“ Er erinnert die gläubigen Juden an Pfingsten, als Gott seinen Heiligen Geist auf sie ausgoss (Apg.2, 1-4).
V.16
Petrus wird an die „Worte des Herrn“ erinnert., Worte Jesu, die in Apg.1, 5 festgehalten sind.
Nachzulesen auch in Mt.3, 11, wo Johannes der Täufer sagt: “Ich taufe euch mit Wasser zur Buße, der aber nach mir kommt (Jesus) ist stärker als ich, und ich bin nicht wert, ihm die Schuhe zu tragen; der wird euch mit dem heiligen Geist und mit Feuer taufen.“
Getauft mit dem heiligen Geist:
Das Verb für taufen „baptizo“ drückt zum einen das Untertauchen aus wie auch die reinigende Wirkung, die Waschen mit Wasser verursacht..
Bei der Taufe mit dem heiligen Geist geht es also ums Untertauchen und damit ums Sterben mit Christus (siehe Kol.2, 12-13), wo wir unserem alten Leben, unserem Ego absagen und sterben und als „neue Kreatur“ auftauchen.
Zum anderen weist es auf die Wirkung des Heiligen Geistes hin, der unser Inneres mehr und mehr in das Ebenbild Gottes verwandeln möchte (siehe 1.Joh.3, 2) und durch den wir die Möglichkeit zur „Erneuerung“ haben (siehe 2.Kor.4, 16).
V.17
Gott „gibt“ den heiligen Geist => „didomai“: geben, gewähren
Gott gibt den Geist als „Gabe“ => „dorea“: Gabe, Geschenk (kann nicht verdient werden,
man hat kein Recht darauf )
Gott nicht wehren => „koluo“: verbieten, widerstehen, verhindern, verleugnen
V.18
Sie hörten => „akouo“: hören, zuhören, Aufmerksamkeit widmen
Sie schwiegen => „hesuchazo“: zur Ruhe kommen, ruhig werden, stille sein
Sie lobten => „doxazo“: ehren, groß machen, preisen, loben
5. Die Spitze des Textes
Die Urgemeinde in Jerusalem erkennt, akzeptiert und lobt Gott darüber, dass das Heil nicht nur den Juden, sondern einer ganzen Welt zur Verfügung steht.
„Als sie das hörten, schwiegen sie still und lobten Gott und sprachen: So hat Gott auch den Heiden die Umkehr gegeben, die zum Leben führt!“ ( Apg.11, 18 )
6. Der Text heute
V.1-3
Außenstehende kommen zum Glauben. Das sollte doch Grund zur Freude sein.
Aber um so erstaunter ist man, wenn man hier liest, dass die Gläubigen (die anderen Apostel inbegriffen) sich nicht mit Petrus freuen, sondern sich mit ihm streiten.
Schnell ist man dabei andere Christen und deren Handeln in Frage zu stellen, zu richten oder gar zu verdammen. Gründe dafür:
o Vorgehensweise ungewohnt
o Methode neu
o Passt nicht ins Schema
o Passt nicht in unser frommes Denken
Wir wollen lernen Gott nicht durch unser Gedankenschema und unsere Vorstellungen klein zu machen und einzuschränken. Wir wollen nicht dem Töpfer vorschreiben, was er aus dem Ton macht und wie er es anstellt. (Siehe dazu auch Jesaja 45, 9-12: „Gott der Souverän“)
V.4
Die Reaktion des Petrus auf die Vorwürfe seiner Glaubensbrüder ist vorbildlich.
Er ist nicht „eingeschnappt“ oder versucht auf Grund seiner Stellung (Ernennung zum „Hirten“ über die Gemeinde persönlich von Jesus erhalten – siehe Joh.21,15) die anderen mundtot zu machen.
Er bleibt ganz ruhig und sachlich und beginnt die Ereignisse im Detail zu erzählen, so wie sie stattgefunden hatten. Oft entstehen ja auch in unseren Gemeinden, in unseren Familien und Beziehungen solche Spannungen, Konflikte und man streitet sich. Da sollte es zunächst nicht darum gehen sein Recht durchzusetzen, sondern den anderen mit hineinzunehmen in das, was Gott tut und dadurch sein eigenes Handeln verständlich zu machen. Auch hier gilt, dass gute Kommunikation in Liebe und Ruhe Sachverhalte klären kann. Auf der anderen Seite ist eine Bereitschaft (und damit auch sich Zeit zu nehmen) eine Voraussetzung, dass solch ein klärendes Gespräch stattfinden kann. Bei solch einer Atmosphäre unter Glaubensgeschwistern wird der Geist Gottes ein Übriges tun, damit sein Wille tatsächlich geschieht.
V.5-11
Petrus scheut sich nicht über seine Zweifel in Bezug auf die Anweisungen des lebendigen Gottes zu berichten.
Solche Offen- und Ehrlichkeit, auch die Tatsache, dass man selbst nicht einfach alles immer versteht und begreift, hilft anderen in ihrer Situation oft viel mehr, als wenn wir nach außen hin ein reibungsloses Christsein demonstrieren. Perfektion auf diesem Gebiet ist nicht nur eine Lüge sich selbst gegenüber, sondern kann andere auch abschrecken. Petrus gibt sogar zu, dass er selbst nach der dritten Wiederholung noch nicht genau wusste, was er mit dieser Vision anfangen sollte.
Schön, wenn auch wir „alte und erfahrene“ Christen anderen gegenüber zugeben können, dass wir ein Leben lang nicht ausgelernt haben. Darum wird es immer wieder Situationen und Ereignisse geben, die für uns unverständlich sind und manchmal auch bleiben.
V.12-14
Gerade in Zeiten des Zweifelns und Fragens sind folgende Aspekte wichtig:
o Offenheit gegenüber dem Geist Gottes und damit Offenheit gegenüber dem Wort Gottes
o Beistand und Begleitung von Glaubensbrüdern
“Ein jeder trage die Last des andern, so wie es Jesus geboten hat, …“
(Lied von Manfred Siebald nach der Bibelstelle aus Galater 6, 2)
o Bereitschaft zum Gehen
Nicht apathisch herumsitzen, sondern nach Gebet und Rat von anderen Christen eine Entscheidung treffen und sich aufmachen. Gott in seiner Liebe wird unsere Gedanken und Entscheidungen lenken, oder bei falsch eingeschlagenen Wegen auch korrigieren.
V.15-16
Wenn Gott spricht, dann geschieht!
Gottes Wort hat schöpferische und verändernde Kraft.
Das gilt auch, wenn der Apostel in Seinem Namen auftritt.
Als Botschafter Gottes dürfen auch wir wissen, dass Worte, die im Auftrag Gottes gesprochen werden nicht vergeblich sind, sondern heute noch die gleiche Wirkung haben.
V.17
Als Christen sind wir Diener und Botschafter Gottes.
Definition von Botschafter:
“Eine Person, die ständig und offiziell die Regierung ihres Staates in einem anderen Staat vertritt.“
(aus dem deutschen Wörterbuch; Karl-Dieter Bünting, Isis Verlag AG)
Da geht es nicht um Eigeninteressen, die man versucht durchzusetzen, sondern man vertritt die Interessen Gottes. Wir wollen wieder ganz neu lernen unser Reden und Tun nicht von uns abhängig zu machen, sondern von dem Auftrag und dem Reden Gottes.
Voraussetzung für einen guten Botschafter ist es, die Anliegen und die Meinung seiner Regierung zu kennen und die Interessen im fremden Land klug und geschickt zu vertreten.
Das gilt auch für uns als Botschafter Christi, deren „Heimat“ im Himmel ist ihr Arbeitsgebiet jedoch hier auf Erden haben.
V.18
Die Kritiker des Petrus verstummen mit ihren Vorwürfen und beginnen Gott zu loben über der Tatsache, dass Menschen vom Dunkel ins Licht gefunden haben.
Auch in unseren Kreisen sollte das immer im Zentrum bleiben,
o … dass wir still werden vor Gott.
o … dass wir Gott loben und IHN damit ins Zentrum rücken.
o … dass wir uns gemeinsam darüber freuen, dass Gott die Welt so sehr liebt, dass er seinen eingeborenen Sohn für jeden von uns gegeben hat, damit alle, die umkehren, an ihn glauben und dieses Angebot der Sündenvergebung annehmen nicht verloren gehen, sondern ein neues Leben haben in der Gemeinschaft mit Gott hier und jetzt und bis in alle Ewigkeit.“ ( frei nach Johannes 3,16 )
7. Beispiele und Verdeutlichungen
siehe unter 4. und 6.
8.Material und Gliederung zur Predigt
Einleitung:
Wie schnell ist es geschehen, dass Streit in einer Gemeinde unter den Gläubigen ausbricht.
Dabei geht es zumeist nicht um theologische Grundlagen, also um das „Was“, sondern um das „Wie“.
1. Verurteilung ohne Liebe
Man handelt und spricht nach der Lehre, tut dies aber ohne die Liebe.
1.Korinther 13, 1-3
“ … und hätte die Liebe nicht, so wäre ich nichts.“
2. Verantwortung in Liebe
1.Korinther 13, 4-7
“… die Liebe sucht nicht das Ihre, lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; …“
3. Vereint zum Lob
Epheser 2, 8-9
“Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme.“