Apostelgeschichte

Predigthilfe vom 27. Juli 2025 – Apostelgeschichte 10,1-8 und 24-48

Jahresthema: Wie Menschen neu werden (Bekehrungsgeschichten aus der Apg.)  

Predigtthema (ursprünglicher Vorschlag): Neue Menschen: Den Heiligen Geist empfangen (Kornelius)

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

1. Sehen, was dasteht

1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext

Die Predigt ist aus der Jahresreihe mit Texten (meist) aus der Apostelgeschichte zur Bekehrung von einzelnen Personen. Der Fokus ist also mehr die Bekehrung von Kornelius und weniger der Bewusstseinsprozess von Petrus, und bei der Bekehrung vom Thema her noch spezieller mit dem Fokus auf dem Wirken des Heiligen Geistes.

Hinweis zur Textlänge:

Das Kapitel ist sehr lang. Die Ausführlichkeit ist der damaligen Situation geschuldet, dass er eben einen wichtigen Wendepunkt in der Heilsgeschichte markiert. Je nach Zeitkonzept kann man den Text auch nur in Auszügen lesen und zwischendurch paraphrasieren. Vieles aus Vers 1-8 wird ja auch später noch einmal wiederholt, so dass man sich z.B. in der Predigt auf 24-48 fokussieren kann.

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes

Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden, findet man z.B. unter www.bibleserver.com.

Der erste Gang sollte immer das Selbststudium sein, sich anhand von verschiedenen Bibelübersetzungen und Studienbibeln eine eigene Vorstellung davon zu erarbeiten, welche geistlichen Wahrheiten der Abschnitt enthält und was Gott im Sinne von 1. Tim 1,5 und 2. Tim 3,16+17 dem Leser bzw. Predigthörer zeigen möchte.

Erst in einer zweiten Phase liest und hört man dann andere Auslegungen (inklusive dieses Predigttips). Dabei darf man durchaus auch prüfend lesen, ob die Argumente und Schlussfolgerungen der Autoren wirklich schlüssig und überzeugend sind.

Als Hilfen zur Auslegung empfehle ich jedem Verkündiger, sich folgende Studienbibeln zuzulegen: Elberfelder erklärt, MacArthur (gibt es auch als PDF zum kostenlosen Download), Ryrie, Genfer Studienbibel bzw. Reformations Studienbibel (gute theol. Ergänzung zu den Vorherigen),

Weitere gute Hilfen:

# Die Thompson-Studienbibel bietet mit ihren Kettenbegriffen direkt neben jedem Vers gute Anregungen, welche Themen in einem Abschnitt enthalten sind, die man dann in der Predigt aufgreifen könnte.

# Es kann sich auch lohnen, nach dem Selbststudium dann auf sermon-online oder auch Youtube Predigten anderer Verkündiger zum Predigttext zu hören.

1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes

Vorbemerkung: Wenn es in der Predigt um den speziellen Blickwinkel der Bekehrung und des Geistempfangs geht, dann muss man natürlich berücksichtigen, dass der Ablauf der Bekehrung von Kornelius nicht grundsätzlich „typisch“ war, sondern Gott musste – weniger für Kornelius als für Petrus – einige Dinge „besonders machen“ (siehe z.B. Vers 3), damit dieser es auch wirklich „akzeptiert“.

V. 1-2: Gott „macht es Petrus leicht“ – er sucht sich unter den „Heiden“ einen raus, der jüdischer lebt als mancher Jude damals, siehe auch die Gebetszeit in Vers 3 und den „frommen Soldaten“ in Vers 7 – „gottesfürchtig“ war damals auch ein stehender Begriff für Heiden, die versuchten, wirklich „wie Juden“ zu leben – auch mit einer bewussten Beziehung zu „Jahwe“, aber ohne offiziell zu konvertieren und sich beschneiden zu lassen.

Wenn Gott Menschen zur Bekehrung hinführen muss, dann ist Kornelius auf diesem Vorbereitungsweg schon sehr weit bzw. nah dran. (Anders als – zumindest aus menschlicher Perspektive – ein überzeugter Atheist.)

V. 3: vgl. Apg 3,1 – das war die Zeit des täglichen Opfers im Tempel! Im Sinne der Vorbemerkung muss eine Engelerscheinung bei einer Bekehrung nicht zwingend dabei sein, zumal Kornelius ja schon viel Vorwissen hatte. Man hört heute immer wieder, dass z.B. in der islamischen Welt Gott Menschen mit Engelerscheinungen vorbereitet, aber (menschlich betrachtet) sind die weiter weg von Gott, als es Kornelius war.

V.4-8: Der Engel bestätigt grundsätzlich, dass Kornelius auf dem richtigen Weg ist! Interessant ist auch, dass der Engel nicht sagt „aber das bringt alles gar nichts – du brauchst Jesus allein!“, sondern das „fromme Leben“ von Kornelius wird durchaus wertgeschätzt. Diese Wertschätzung findet man z.B. auch in Apg 17, 22-23 -> Man muss nicht alles von vornherein schlecht reden, was religiöse Menschen tun.

Im Blick auf die (spätere) Bekehrung könnte man sagen: Gott sagt das Evangelium nicht durch den Engel, sondern durch den zu rufenden menschlichen Apostel (Petrus), der dann das WORT GOTTES bringt!

Dass es Petrus, der Leiter der Judenchristen-Schaft ist, ist eher der Tatsache geschuldet, dass es in dieser heilsgeschichtlichen Situation eine Autorität der Gemeinde beglaubigen musste (und diese auch erst selber überzeugt werden musste).

Kornelius scheint aber auch von Petrus noch nicht gehört zu haben, die Informationen sind sehr detailliert.

Die Verse 9-23 werden dann übersprungen, es geht wirklich darum, es aus der Perspektive von Kornelius zu sehen und sich auf den Teil mit dem Geistempfang zu fokussieren.

24: Kornelius ist „missionarisch“, bevor er überhaupt selber alles weiß: Er lädt gleich seinen engsten Beziehungskreis dazu ein! (Insofern ist das wirklich keine „typische Bekehrung“) Allerdings hat Gott durch den Engel natürlich auch große Erwartungen bei Kornelius geweckt.

Im Kern kann man festhalten, dass Gott so oder so Menschen immer vorbereiten muss!

25-26: Petrus – ganz Jude – lässt es nicht zu, dass man vor ihm kniet. So oder so muss es dem Missionar bewusst sein, dass er nicht Gott ist, sondern nur ein menschliches Sprachrohr! (Gerade auch NACH der Bekehrung ist es dann wichtig, den jungen Christen nicht an sich zu binden, sondern zu helfen, dass er sich an Jesus bindet!)

Gott macht es Petrus wieder „extrem leicht“, dass ihm als „Missionar“ eine solch ausgeprägte Offenheit und Ehrfurcht entgegengebracht wird.

27-29: Petrus sieht sich als „jüdischen Mann“ – Jesus ist DER CHRISTUS, der die Prophezeiungen der Juden erfüllt! Aber Petrus hat aus der Erscheinung gelernt, dass er nicht einen Menschen als „unrein“ bezeichnen soll. Im kultischen Sinne betrachten wir heute wohl auch niemand als „unrein“, aber machen wir trotzdem um manche „Heiden“ einen Bogen und halten uns lieber fern als „hinzugehen“? (vgl. 1. Kor 5, 9-10)

Verse 30-33 wiederholen den Part aus den Versen 1-8.

34-35: „in Wahrheit begreife ich“ – bis dahin hat Petrus „theoretisch“ erkannt, dass er schon mit Kornelius zusammen sein darf. Aber nun begreift er IN DER TIEFE, dass wirklich ALLE Menschen Gott angenehm sind und allen Menschen ein Zugang zu IHM offen steht. 

Eine Frage ist, inwieweit das „fürchten und Gerechtigkeit wirken“ auch noch einschränkend ist. Es klingt immer noch etwas nach „jeder darf KOMMEN“, aber ist noch nicht dieser missionarische Aufbruch zu den völlig Unwissenden und „in Sünde gebunden“ bzw. „Atheisten“.

36-43: So gibt Petrus tatsächlich das Evangelium, die Botschaft von Jesus Christus an Hauptmann Cornelius weiter! Kern ist dabei das „Wort“ (36a).

-> Was sind hier die Kerninhalte des Evangeliums, die den „Nicht-Christen“ weitergegeben werden, und die man erkannt haben sollte, um von einer „Bekehrung“ ausgehen zu können?

44: Und wieder greift Gott direkt selber ein und gießt untypischer Weise einfach den Heiligen Geist aus, ohne dass die Zuhörer schon eine Antwort mit Worten gegeben haben. Wir können davon ausgehen, dass sie im Herzen die Botschaft bejaen und Gott greift hier ein, um dem Apostel gleich zu vergewissern, dass Gott die „Heiden“ angenommen hat.

Die Stellen der Apostelgeschichte, in denen Gott für alle offenkundig den Geist gibt/ausgießt sind alle wenig geeignet, darauf Lehren zu bauen, was und wann und wie man den Heiligen Geist genau bekommt, welche angeblichen Reihenfolgen es geben muss und welche Gaben damit (zwingend) verbunden seien. Man hat vielmehr den Eindruck, dass Gott hier sehr flexibel auf die jeweilige Situation reagiert, weil in dieser Anfangsphase der Gemeinde gewährleistet sein muss, dass ein Apostel dabei ist, der das beglaubigt, aber eben auch selber evtl. noch überzeugt werden muss (vgl. auch Apg 8), dass da wirklich Nicht-Juden zum Glauben gekommen sind.

Es ist naheliegend, dass Gott in „Gemeindegründungs-Phasen“ auch mal „untypisch“ und viel sichtbarer wirkt, wie in Phasen, wo die grundlegenden Lehren dann etabliert sind. So scheint es auch bis heute zu sein in den ganz verschiedenen Phasen der „Christianisierung“ auf ganz unterschiedlichen Kontinenten in ganz unterschiedlichen Kontexten …

45-46: Auch hier sieht man noch einmal die Überraschung der mitgereisten Judenchristen, dass die Heiden tatsächlich mit in die Verheißung hineingenommen sind! Apg 2,16-17 (bzw. die Joel-Verheißung „… auf ALLES Fleisch …“) war doch zunächst als etwas innerjüdisches verstanden worden.

47-48: Gott war mit der Ausgießung des Geistes vorangegangen, in diesem Fall folgt also die Taufe nach. Wichtig ist nicht die Reihenfolge, sondern die Fakten: Heiden bekommen den Heiligen Geist, können selbstverständlich zur Gemeinde dazu kommen, und werden deshalb auch getauft!

Wichtig auch zu sehen: Die Häufung der von Zeichen begleiteten Geistausgießung bei der Taufe in der Anfangszeit der Gemeinde ist sinnvoll, um eben (übernatürlich) zu bestätigen, dass wirklich JEDER dazugehören kann. Je selbstverständlicher dies ist, desto weniger braucht es ein bekräftigendes „Zeichen“ dafür. Was aber nicht automatisch bedeuten muss, dass es diese Zeichen heute gar nicht mehr gibt. Das müsste man dann anhand einer Exegese von 1. Korinther 12-14 ermitteln und nicht anhand von beschreibenden Texten der Apostelgeschichte, die oben oft „Sondersituationen“ darstellen.

Für die Frage des Geistempfangs bei der Bekehrung gilt es also unbedingt auch andere Texte aus dem NT zu berücksichtigen, wie z.B. Johannes 16, 8-13a.

2. Verstehen, worum es geht

2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)

Es muss beachtet werden, dass dieser Text mitten in einem großen heilsgeschichtlichen Wendepunkt stattfindet und tatsächlich einige der damit verbundenen Schwierigkeiten thematisiert. Insofern passieren eben sehr spezielle Dinge, die so nicht auf jede Bekehrung und jeden Geistempfang übertragen werden können.

Vieles „Besondere“ passiert für die Judenchristen bzw. Petrus, damit sie überhaupt bereit sind, solche Bekehrungen zu erwarten und anzuerkennen!

Die leitende Frage muss also sein: Was lernen wir von dieser sehr speziellen Bekehrung für unsere Bekehrungen und den Geistempfang heute? Und wo treffen wir vielleicht auf Vorbehalte, die wir heute in ähnlicher Form pflegen?

2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)

Jahreszeitlich kein besonderes Datum, außer dass es zu Beginn der Sommerferien ist, wo manche Leute im Urlaub bzw. auf Freizeiten sind.

Da es keine Predigt aus einer wöchentlichen Reihe ist, muss man etwas stärker prüfen, inwieweit die umliegenden Kapitel noch wichtig für den Zusammenhang sind.

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)

Die Hauptstoßrichtung des Textes ist eigentlich, dass auch Heiden Christen werden können. Dazu muss Gott hier massiv an den Judenchristen wirken. Das ist für uns heute „selbstverständlich“. Insofern ist diese Bekehrung eben aber auch nicht „typisch“ und man muss herausarbeiten, was (heute) grundsätzlich zu einer Bekehrung dazugehören muss und/oder inwiefern wir heute vergleichbarer Vorbehalte aus anderer Richtung haben, die abgebaut werden sollten.

3. Sagen, wo es hingeht

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?

Vom Predigtplan her soll das Ziel dieser Predigt sein, den Zusammenhang von Geistempfang und Bekehrung aufzuzeigen. Die Zuhörer sollen den Abschnitt heilsgeschichtlich richtig einordnen können, damit sie erkennen, dass der Geistempfang hier nicht typisch verläuft, und verstehen, wie sie selbst bei der Bekehrung den Geistempfang erlebt haben oder erleben können.

Seelsorgerlicher Punkt könnte hier sein, dass manche Christen keine Heilsgewissheit haben, weil sie doch irgendwie auf ein sichtbares Zeichen des Heiligen Geistes warten, und übersehen, dass die richtige ERKENNTNIS, genau dieses Zeichen ist.

3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?

Wie wirkt der Heilige Geist bei der Bekehrung?

(Da die Predigt eher Lehrcharakter hat, muss das Thema nicht „schmissig“ sein, sondern darf die Frage einfach auf den Punkt bringen.)  

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

EINLEITUNG

TEXTLESUNG

PUNKT 1: Besondere Situation erfordern besonderes Vorgehen

(Wie es hier IM DETAIL passiert ist eher untypisch)

Erklären, warum die Situation damals heilsgeschichtlich besonders war. (Petrus musste überzeugt werden …)

Untypische Details aufzeigen: Der Hauptmann ist und wird von Gott sehr weitgehend vorbereitet, der Geistempfang geht mit einem sichtbaren Zeichen einher. Die Taufe erfolgt danach.

Punkt 2: Das Wirken des Geistes in der Bekehrung

(hinzuziehen, von z.B. Joh 16,5-15)

Vers 1-8 und 25ff: Der Geist Gottes wirkt durch das Wort Gottes, das in diesem Fall der Apostel „bringt“. (Interessanterweise spricht Gott nicht durch den Engel zu Kornelius.) -> Irgendwie müssen wir dafür sorgen, dass die Informationen bei Menschen ankommen – und sei es, dass wir Bibel oder Traktate verschenken oder auslegen – Gott wirkt (normalerweise) nicht einfach so ohne „irdisch vermitteltes Wort“ direkt am Herzen des Menschen! („Es braucht uns als Christen“)

Vers 35: Es braucht „Gottesfurcht“, die letztlich der Geist Gottes herbeiführen muss (Joh 16,8), in diesem Fall hat das der Geist Gottes schon vor längerer Zeit angefangen.

Vers 36-43: Der Geist Gottes lehrt und erklärt die Grundpunkte des Evangeliums (aufzeigen, was man verstanden haben sollte). Pointiert formuliert: Wir sind verantwortlich, dass die Menschen das Evangelium VERSTANDEN haben – der Geist Gottes ist dafür verantwortlich, dass die Menschen mit dem Evangelium EINverstanden sind.

Vers 44.46: (Wenn nicht schon bei Punkt 1 erschöpfend behandelt) In diesem Fall wirkt der Geist Gottes ein übernatürliches Zeichen, um es eben eindeutig zu bestätigen. Wir können heute das Wirken des Geistes darin erkennen, dass wir eben Sündenerkenntnis haben, was ein Werk des Heiligen Geistes ist. (Joh 16,8)

Dieser Punkt kann ein starker seelsorgerlicher Zuspruch sein.

Dies kann untermauert werden, indem gezeigt wird, dass später in der Apostelgeschichte der Geistempfang nicht immer mit solchen Zeichen verbunden ist.

Vers 48: Der Geist führt zur Taufe. Dieser Punkt sollte nicht grundsätzlich überbetont werden, aber es ist doch hier interessant, dass (höchstwahrscheinlich) Kornelius nie offiziell zum Judentum übergetreten ist, während er nun die Zeichenhandlung, die mit der Christwerdung verbunden ist, annimmt. Zumindest in der Apostelgeschichte ist die Taufe sehr fest mit der Christwerdung verbunden.

Je nach Gemeindesituation kann es dran sein, (mal wieder) zur Taufe einzuladen.

3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?

Zu Punkt 1: Bekehrung ist wie ein Puzzle: Es ist nicht wichtig, in welcher Reihenfolge die Puzzleteile gelegt werden, Hauptsache, es sind am Ende tatsächlich alle da.

(Mirko Lau)