Lukas

Predigthilfe vom 27.9.2009 – Lukas 21,1-4

Monatsthema: Als Nachfolger des Herrn leben
Predigtthema: Wie wir geben können

Bibelstelle: Lukas 21,1-4

Verfasser: Thomas Richter

Ein Predigttipp enthält Hilfestellungen für die Verkündigung und ersetzt deshalb nicht das eigenständige Erarbeiten des Bibeltextes und Studieren von Bibelkommentaren. Hilfen zur Auslegung und Anwendung bieten z.B. Fritz Rienecker. Das Evangelium des Lukas – Wuppertaler Studienbibel. Wuppertal: R. Brockhaus. S. 474+475 und Norman Crawford. Lukas – Was die Bibel lehrt 3. Dillenburg: CV. S. 422+423 und Gerhard Maier. Lukas-Evangelium 2.Teil – Edition C-Bibelkommentar 5. Neuhausen: Hänssler. S. 514-518 (Den Kommentar von G. Maier bitte unbedingt zu Rate ziehen, hier findet ihr alle notwendigen Erklärungen und Hintergründe).

1. TEXT- UND PREDIGTZUSAMMENHANG

Mit dieser Predigt beschließen wir eine kleine Reihe von elementaren Fragestellungen zu einer konkreten Nachfolge. Nachdem wir die Bereiche des Glaubens, des Dienens und der Rettung angesprochen haben, geht es nun darum, wie Nachfolge konkret werden kann. Um realistisch erkennen und einschätzen zu können, wo und wie wir wirklich in der Nachfolge stehen, haben wir den Umgang mit den „Gaben“ Gottes als Prüfstein gewählt. Allein die Frage, ob es beim Umgang mit „Gaben“ darum geht, ob ich etwas hergebe, was mir gehört oder ob ich etwas verwalte und hingebe, was dem Herrn gehört zeigt, ob ich wirklich einen Herrn habe oder immer noch mein eigener Herr bin. Es gilt zu klären, ob Nachfolge nur ein Lippenbekenntnis von mir ist, oder ob es mein Lebenszeugnis ist.
In diese Spannung führt das Lukasevangelium bereits in Lk 20,45-47 ein, wo Lippenbekenntnis und Lebenszeugnis deutlich auseinanderklafft mit z.B. sehr konkreten und negativen Auswirkungen für Witwen (Lk 20,47). Im Kontrast zum Verhalten der Schriftgelehrten (Lippenbekenntnis), wird nun das Verhalten einer Witwe (Lk 21,1-4) vorgestellt (Lebenszeugnis).
Unser Textabschnitt ist im Lukasevangelium eingebetet zwischen zwei Gerichtsworte. Der Anlass ist beides Mal, dass man sich nicht vom äußeren Schein beeindrucken lassen darf, bzw. dass das Äußerliche nicht das Entscheidende ist (vgl. Lk 20,46; 21,5f mit Lk 21,4). Kritisiert werden von Jesus aber nicht die Reichen oder der Reichtum, sondern ein Glaube, der sich an der äußeren Form, am „Schein“ (Lk 20,45ff; Lk 21,5f) und nicht am „Sein“ (Lk 21,3f) festmacht. Aus diesem Grund benennt unsere Predigtübersicht 2009 (beim Gemeinschaftsleiter erhältlich) als möglichen Schwerpunkt für die Predigt das Thema „finanzielle Verantwortung“. Bitte achtet in der Verkündigung auf den Textzusammenhang: Nicht der äußere Schein, sondern auf das innere Sein kommt es an. Aus diesem Grund ist auch nicht die Höhe der Gabe der Witwe („ganzer Lebensunterhalt“; Lk 21,4) der Bezugspunkt unserer Predigt, sondern die Haltung, in der die Gabe der Witwe gegeben wird: Es geht nicht darum immer „alles“ zu geben, sondern „ganz“ zu geben. Nicht die beeindruckende Quantität (= Menge), sondern die verborgene Qualität (= Maß, was es bedeutet) der Gabe ist für Jesus entscheidend. Es geht nicht um den äußeren Eindruck, den wir hinterlassen, sondern um den inneren Einfluss, der uns bewegt und den der Herr dann auch zum Segen für andere werden lassen kann (Lk 21,3).

2. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN

Zur Predigtvorbereitung ist es hilfreich die Parallelstelle in Mk 12,41-44 zu beachten.
Zur konkreten Umsetzung siehe: Apg 20,35; 2Kor 9,6-15; 1Tim 6,6-12.
Da der Predigttext sehr kurz und die Einzelaussagen in Lk 21,1-4 leicht verständlich sind, ist es wichtig, dass z.B. die vorgenannten Textstellen (oder andere) benützt werden, um den Text zu veranschaulichen und anzuwenden.

Zum Einstieg (überarbeitet in Anlehnung an eine Predigt von Konrad Eißler – Quelle unbekannt): „Nehmerqualitäten haben wir alle, aber wie ist das mit Geberqualitäten? Hier geht es um eine Frau mit Geberqualitäten. Nehmen wir sie einmal näher unter die Lupe.
In dem Gewimmel auf dem Jerusalemer Tempelplatz ist sie kaum auszumachen, da kreuzten ja auch ganz andere Herrschaften auf die die Blicke auf sich zogen. Alles was Rang und Namen in Jerusalem hatte ließ sich hier blicken. Da kamen die Bonzen, deren Damen schon fünf Meilen gegen den Wind zu erkennen waren, weil sie nach den teuersten Parfums Arabiens rochen. Da kamen die dicken Bosse, die im Rathaus und in der Kirche das große Sagen hatten. Da kamen die hohen Militärs, die vom Käppi bis zur Stiefelspitze gestriegelt und gebügelt waren. Auf der Heldenbrust baumelten die Kriegsauszeichnungen in Gold, Silber und Blech. Und dazwischen kam auch die Frau. Reich war sie nicht, nein, sondern von ihr heißt es ausdrücklich dass sie arm war, ohne Rente, ohne Sparpfennig, ohne Sozialhilfe, einfach bettelarm. Angesehen und bekannt war sie schon gleich gar nicht. Von einem Namen steht schon gleich gar nichts da. Diese Witwe X entbehrte alles, Namen, Ansehen und Reichtum. Sie entbehrte alles, alles außer einem, die Zuwendung ihres Herrn‘; die hatte sie gewiss.
Jesus nämlich stand als stiller Beobachter am Rand des Platzes. Sein Blick bleibt nicht an Zylinder, Stehkrägen oder Achselklappen hängen. Jesus sieht auch die Armen. Überall haben die „Großen“ das sagen. Jesus übersieht aber auch die „Kleinen“ nicht. Bei Jesus kommt jeder zu seinem Recht.
Doch sehen wir noch einmal etwas genauer auf den Tempelplatz. Dort wurde gegeben so nach dem Motto: Nicht kleckern sondern klotzen. Die Kirchenoberen der damaligen Zeit die hatten den Opferbetrieb ganz schön im Griff. Sie ließen nicht nur einen Hut durch die Reihen gehen und baten um ein Almosen, sie fuchtelten nicht nur mit dem Klingelbeutel vor der Nase herum und bettelten um ein paar Cent, sie hatten nicht nur ein kleines Kästchen am Ausgang, dessen Schlitz gleich von einem Hosenknopf verstopft ist. Nein, die montierten Dinger in die Gegend, mannshoch unübersehbar, in der Form einer Trompete, gleich 13 an der Zahl. Das waren die richtigen Taschenzieher, da blieb kein Geldbeutel geschlossen, kirchliche Staubsauger waren das, die den Geldbeutel ratzeputze leer machten. Da kam der Herr Direktor, öffnete seinen krokodilledernen Geldbeutel und ließ auffällig ein paar Scheinchen in der breiten Öffnung verschwinden. Dann kam der Herr D. Doktor Doktor h.c. langte tief in die Brusttasche und kippte Goldenes in den Trichter. Dann kam der Herr Oberst der Reserve, griff nach seinen letzten Reserven und warf sie in den Schlund.
Aber dann kam die Frau, trat an den Geldsauger heran, kramte in ihrem abgeschabten Handtäschchen herum, ließ zwei „Rote“ im Schlund verschwinden. Glaubt ihr, dass das einer auch nur beachtete? Ja, Keiner bis auf Jesus!“

Zur Veranschaulichung bzw. zum Nachdenken (aus dem Gedächtnis zitiert):
„Nach einem unserer Gottesdienst kommt eine ältere Schwester zum noch recht ‚jungen‘ Gottesdienstleiter und sagt: ‚Wann begreifen Sie das denn endlich? Wenn Sie die Beutel durch die Reihen geben, dann können sie das doch nicht ein ‚Opfer‘ nennen, was wir da einlegen sollen. Sie müssen das Kollekte nennen!‘ Der junge Mann fragt erstaunt nach: ‚Warum ist es Ihnen so wichtig, dass wir die Sammlung Kollekte nennen und nicht Opfer?‘ Die Schwester antwortete: ‚Ein Opfer tut weh, das schmerzt; was hier geschieht schmerzt niemanden!‘ Kopfschüttelnd ging sie von dannen und der junge Bruder blieb nachdenklich zurück. Nun dachte er ganz grundsätzlich nach, denn dieser Satz betraf mehr als nur die Sammlung im Gottesdienst: Was ist das, was ich gebe? Eine ‚Kollekte‘ oder ein ‚Opfer‘?“

3. PREDIGTGLIEDERUNG

Wie wir geben können:
A) als Selbstverständlichkeit
B) als Verantwortlichkeit
C) als „Opfer“

oder
A) von dem, was da ist
B) für das, was dran ist
C) zu zeigen, was wichtig ist

oder
A) Hergabe – der äußerliche Eindruck (V. 1f)
B) Hingabe – der verborgene Einfluss (V. 3f)