Titus

Predigthilfe vom 26. Oktober 2014 – Titus 1, 10-16

Jahresthema: In Gottes Nähe leben

Predigtthema: Geistlich lehren
Predigttext: Titus 1,10-16

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise zur Verkündigung, ersetzt aber nicht ein eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext (Titus 1,10-16) vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung / Neue Genfer Übersetzung).

1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext
Hilfreiche einführende Anmerkungen zum Predigttext bietet die MacArthur Studienbibel (unter http://bitflow.dyndns.org/german/JohnMacArthurStudienbibel/56-Der_Brief_Des_Apostels_Paulus_An_Titus.pdf ; S. 1808)

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Hilfen zur Auslegung von Titus 1,10-16 bieten z.B.
* Fritz Grünzweig: 2. Timotheusbrief, Titusbrief, Philemonbrief. Edition C Bibelkommentar NT Bd. 19. Hänssler (S. 198-213).
* Hans Bürki: Die Briefe des Paulus an Timotheus, an Titus und an Philemon. Wuppertaler Studienbibel NT. R. Brockhaus (S.154-160).
*William Mac Donald: Kommentar zum Neuen Testament: Der Titusbrief. CLV – Christliche Literatur-Verbreitung e.V. (S. 1166-1169).
* Walvoord / Zuck (Hg.): Das Neue Testament erklärt und ausgelegt. Bd. 5: 1Kor – Offb. Hänssler (S. 347-348).
2. Verstehen, worum es geht

2.1 Hinweise für situative Überlegungen
Titus befindet sich in einer schwierigen Lage.
Die Gemeinden auf Kreta werden angegriffen durch Irrlehren.
05.Oktober (Titus 1,1-4):
Deshalb legt der Apostel Paulus gleich zu Beginn des Briefes den Blick auf das, worauf es wirklich ankommt.
Zum einen auf Jesus. Der uns durch den Glauben an ihn, das ewige Leben schenkt. Dieses Leben ist uns gewiss. Weil Gott selbst es versprochen hat (V.1-2).
Außerdem stellt Paulus Gottes Wort in den Mittelpunkt (V.3), an dem alles geprüft werden muss. Gottes Wort ist fähig alle falschen Lehren aufzudecken.
Paulus beabsichtigte, dass Titus ganz auf die zentralen Dinge des Glaubens fokussiert ist.
Und sich durch nichts und niemanden davon abbringen lässt.
Auch nicht, wenn er persönlich angegriffen wird.
12. Oktober (Titus 1,5-9):
Paulus macht Titus noch etwas anderes wichtig.
Gemeinde braucht Leitung durch Älteste (siehe auch 1. Thessalonicher 5,12ff; 1. Timotheus 3,1-7). Wie viel mehr in einer Situation, in der falsche Lehre um sich greift.
Deshalb soll Titus dringend in allen Gemeinden der Insel Älteste einsetzen.
Diese sollen Jesus und Gottes Wort von Herzen lieb haben und einen untadeligen Ruf besitzen.
Das ist ein allgemein gültiges Prinzip für die Gemeinde Jesu, war aber auch gerade auf Kreta von entscheidender Bedeutung (1,10-12).
Um dort Gehör zu finden, war ein gutes Zeugnis nach Außen und Innen unabdingbar (2, 2-14).
26. Oktober (Titus 1,10-16):
Der Apostel Paulus deckt die gefährliche Lehre auf, die damals die Gemeinden bedrohte (V.14).
In Kapitel 3,9 wird uns berichtet, dass diese Verführung auch mit Abstammungslinien und Geschlechtsregistern zu tun hatte (vgl. 1. Timotheus 1,3-7).
Das Halten des Gesetzes spielte bei den Irrlehrern (V.10 – wörtlich: „Sich nicht Unterordnende“ / Gott und seinem Wort gegenüber) eine ganz entscheidende Rolle.
Sie sahen die Christen an Teile des mosaischen Gesetzes gebunden.
Dem soll Titus in aller Deutlichkeit Einhalt gebieten.
Ohne Abstriche soll er Gottes Wort und seine guten Maßstäbe verkündigen und konsequent gegen die Irrlehrer vorgehen (V.13-16).

2.2 Hinweise für hermeneutische Überlegungen

Der Titusbrief gehört, wie die beiden Timotheusbriefe,
zu den sogenannten „Pastoralbriefen“.
Diese Bezeichnung ist entstanden, da diese Schreiben wichtige Anleitungen und
Ermahnungen zur Leitung der Gemeinde Jesu enthalten. Deshalb sind sie auch für unsere Gemeinden sehr bedeutungsvoll.
Paulus hat diesen Brief vermutlich zwischen den beiden Haftzeiten in Rom verfasst (ca. 62- 64 n.Christus).
Empfänger ist Titus. Ein gebürtiger Grieche (Galater 2,3), der wohl während der ersten Missionsreise des Apostel Paulus zum lebendigen Glauben an Jesus Christus kam (Titus 1,4).
Dieser junge Mann hatte eine gewisse Zeit mit Paulus auf Kreta gewirkt und blieb ohne den Apostel auf der Insel zurück.
Sein Auftrag bestand darin, den Glauben der jungen Gemeinden zu festigen.
Das war dringend notwendig, denn die Gemeinden wurden erschüttert durch Irrlehre.
Eine Gruppe von Judaisten bestand darauf, dass alle Christen (unabhängig ihrer Nationalität), nach wie vor an Teile des mosaischen Gesetzes gebunden sind.
Titus war vertraut mit dieser Irrlehre, da er Paulus und Barnabas zu dem Apostelkonzil nach Jerusalem begleitete (Apg. 15; Galater 2,1-5).
Der junge Mitarbeiter war ständigen Angriffen ausgesetzt.
Deshalb wollte Paulus ihn durch diesen Brief ermutigen, in einem schwierigen Umfeld (Titus 1,10-12) weiterhin Vorbild zu sein.
Das Lehren und Leben von Gottes Wort (Durch Titus und weitere treue Mitarbeiter), sollte die in das Wanken geratenen zurück auf den Weg Jesu führen (Titus 1,13.14).

Wir lernen aus dem Titusbrief, dass Jesus seine Gemeinde unter allen Umständen baut.
Das möchte uns Ermutigung sein, wenn wir an die vielen Widerstände denken, die auch uns vor Ort begegnen.

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen

Auch in unserer Zeit tauchen viele Lehrinhalte auf, die uns von der rettenden Botschaft des Evangeliums wegführen wollen.
Wir erkennen Irrlehre an folgender Formel:
Jesus + (+ = Werke, Rettung durch einhalten von Regeln und Geboten usw.).
Aber Gottes Wort zeigt deutlich auf, dass allein der Glaube an Jesus Christus rettet (Johannes 14,6).
Die Bibel stellt uns auch deutlich vor Augen, keine Abstriche an der Wahrheit zu machen.
Wo ich die Wahrheit mit falschen Lehrinhalten mische, da werden Christen / da wird Gemeinde krank (V.11.13).
Falsche Lehre (nach der ich mich ausrichte) hat auch immer Auswirkungen auf meinen gesamten Lebensstil (V.15.16).
Sie hat Einfluss darauf wie ich denke, fühle und handle.

Deshalb ist unser kostbarstes Gut als Gemeinden: Das Festhalten am Wort Gottes, der Bibel.
Nur so kann ich gesund sein / werden im Glauben (V.13).
Denn Gott überführt uns durch sein Wort (Titus 2,1).
Er zeigt uns durch die Bibel auf, wo sich unsere „blinden Flecken“ befinden und wir Gottes gute Wege verlassen haben.

Gottes Wort kann Herzen verändern. Deshalb sollten wir in unseren Gemeinden Menschen nicht vorschnell aufgeben (V.13).
Bei Gott gibt es keine „hoffnungslosen Fälle“.

3. Sagen, wo es hingeht

Zur Predigtvorbereitung hilft das Anhören (im Sinne von Apg 17,11b) der Predigten von Dr. Wolfgang Nestvogel mit den Titeln: „Eine Problemgemeinde soll gesund werden“ (Titus 1,1-5+10-16) und „Wodurch kann ich gesund werden im Glauben?“
(Titus 1,4-6;2,1+11-13). Diese Botschaften findet ihr unter www.beg-hannover.de/pages/Predigten/PredigtreiheTitus.htm

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?

Predige allein das Wort Gottes. Lebe und handle danach.
So entsteht bleibende Frucht in unserem Leben und in unseren Gemeinden.

3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?

Es war eine gewaltige Anzahl an Unruhestiftern, die sich da versammelt hatte auf Kreta (V.10).
Da kann man schon mal schnell die Orientierung verlieren.
Außerdem besteht die reelle Gefahr dem Druck nachzugeben.
Sicherlich waren auch einige einflussreiche und angesehene Personen unter den Irrlehrern.
Deshalb ermutigt der Apostel Paulus den jungen Titus, keinen Zentimeter an Boden preiszugeben (V.11).
Im Gegenteil, er soll die Verirrten, aus der Kraft des Wortes Gottes, zurück gewinnen (V.13.14; 2,1).
Das sollte durch gesunde Lehre und durch das Vorbild des Titus geschehen (2,7.8).
Es gibt aber auch eine Grenze.
Wenn sich jemand, nach wiederholter Warnung, nicht zurechtweisen lässt, dann muss er letztendlich die Gemeinde verlassen (Titus 3,10).
Der Betreffende hat sich dann bewusst für den verkehrten Weg entschieden und muss die Konsequenzen tragen (3,11).
Eine Duldung in der Gemeinde hätte zur Folge, dass auch andere mit der falschen Lehre „angesteckt“ werden.

Die Irrlehrer gaben vor, Gott besonders gut zu kennen (V.16).
„Höhere Erkenntnis“ zu haben war damals ein Modewort, mit dem man sich schmückte.
Durch ihre Werksgerechtigkeit (V. 15: Speise – und Reinheitsgebote) fühlten sie sich Gott nahe und meinten ihm damit einen „Gefallen“ zu tun.
Aber letztendlich kannten sie Gott nicht. Ihre Taten sprachen dagegen. Es waren auch keine Früchte in ihrem Leben erkennbar (V.16).

Gott wirklich kennen kann ich nur in – und durch den Glauben an Jesus Christus.
Jesus sagt über sich selbst: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen…“ (Johannes 14,9).

„Denn in Christus ist Gottes Gnade sichtbar geworden – die Gnade, die allen Menschen Rettung bringt. Sie erzieht uns dazu, uns vor aller Gottlosigkeit und von den Begierden dieser Welt abzuwenden und, solange wir noch hier auf der Erde sind, verantwortungsbewusst zu handeln, uns nach Gottes Willen zu richten und so zu leben, dass Gott geehrt wird“ (Titus 2,11.12).

Das ist die wahre Reinheit die vor Gott gilt.
Sie ist ganz anders als die Reinheit, wie sie die Irrlehrer (Speise- und Reinigungsvorschriften) verstanden (V.14.15).

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

Geistliches lehren-
a) enttarnt das schleichende Gift innerhalb der Gemeinden (V.10-12)
b) Das rettende Gegenmittel (V.13.14)
c) bringt das vergiftete Wesen der Irrlehrer an das Licht (V.15.16)

Nach Fritz Grünzweig:
a) Die Irreleitung (V.10-12)
b) Den Irreleitenden gilt es entgegenzuwirken (V.13-16)
Nach Hans Bürki:
a) Zerrüttung in Volk und Gemeinde (V.10-12)
b) Dem Einfluss der Irrlehrer Einhalt gebieten (V.13-16)
3.4 Predigtveranschaulichungen- wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?

Fritz Grünzweig veranschaulicht unseren Predigttext folgendermaßen:

“Nach altgriechischer Sage belagerten die Griechen die Stadt Troja.
Um die Stadt zu erobern, griffen sie zu einer Kriegslist:
Die Belagerer zogen in der Nacht ab und ließen das “Trojanische Pferd” zurück.
Es war aus Holz und innen hohl; darin hatten sich einige Männer der Griechen verborgen.
Ehe die Trojaner ein großes Siegesfest feierten, transportierten sie mit großem Hallo das interessante Beutestück in die Stadt hinein.
Als die Nacht hereinbrach, alle betrunken waren und keiner mehr an Wachsamkeit dachte, entstiegen die Männer dem Pferd und öffneten für die draußen wartenden Kampfgefährten heimlich die Stadttore.
Das bedeutete den Untergang Trojas.
Der geheimnisvolle Feind Gottes und der Menschen, der Satan, der von Jesus der “Fürst dieser Welt” genannt wird (Joh.12,31; 14,30; 16,11), will die Gemeinden unseres Herrn, diese Stützpunkte seines kommenden Reiches in dieser Welt, unter allen Umständen wieder beseitigen.
Dazu will er mit Verfolgungen und anderer Bedrängnis ihm willfährige Menschen von außen her einsetzen, aber auch ebenso ihm hörige und gehörende Menschen einschleusen, damit sie von innen her die Gemeinde stören und zerstören. Von Menschen, die ihnen selbst bewusst oder unbewusst, dieses Geschäft des Feindes betreiben, spricht hier der Apostel Paulus”.

Fritz Grünzweig: 2. Timotheusbrief, Titusbrief, Philemonbrief. Edition C Bibelkommentar NT Bd. 19. Hänssler (S. 211-212).

(Andreas Gerlach)