Jahresthema: „Ich war fremd“
Predigttext: Apostelgeschichte 6,1-7
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1. Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
Allgemeine Hinweise zum Predigttext
Hilfen zur Auslegung finden sich in den Kommentaren von Heinz-Werner Neudorfer (Edition C) und von Werner de Boor (Wuppertaler Studienbibel).
1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
In unserem heutigen Predigttext begegnen wir einer der frühesten Gemeindekrisen. Ein Teil der Witwen, die es in der Gemeinde gab, wurden nicht angemessen versorgt. Die Witwen, die aus der Diaspora zurück nach Judäa gekommen waren und sich nun zur Gemeinde Jesu hielten, fielen bei der Lebensmittelversorgung durchs Raster und so kam es zu einer Krise in der Gemeinde.
Die Apostel reagieren sehr klar und weise darauf. Sie betrachten zunächst ihre eigene Verantwortung und kommen zu dem Schluss, dass sie, wenn sie die Versorgung koordinieren müssten, ihre eigentlichen Aufgaben (Gebet und der Dienst am Wort) vernachlässigen würden. Deshalb beauftragen sie die Gemeinde geeignete Männer für die Versorgung der Witwen zu finden. Die Kriterien für diese Männer, die ja eine ganz praktische Aufgabe in der Gemeinde übernehmen sollen, sind wichtig zu beachten. Die Apostel möchten, dass die Armenversorger geistlich vorbildliche Jünger Jesu sind. Es geht nicht nur um ihre praktischen Fähigkeiten, sondern besonders um ihr geistliches Leben.
Die Armenpfleger werden eingesetzt und Vers 7 beschreibt das weitere Wachstum der Gemeinde. Dieses Wachstum wird nicht direkt mit dem Dienst der Armenpfleger verbunden, aber dennoch wird deutlich, dass die Urgemeinde offensichtlich diese Versorgungskrise gemeistert hat. Die Anmerkung über die Bekehrung von vielen Priestern am Ende von Vers 7 macht erneut deutlich, wie unterschiedlich die Menschen sind, die vom Evangelium erreicht wurden.
2. Wie sage ich es heute?
2.1 Hinweise für situative Überlegungen
Vom heutigen Predigtthema her, soll besonders die Tatsache in den Blick genommen werden, dass die Gemeinde Jesus von Anfang an eine sehr heterogene Gruppe war, sowohl ethnisch als auch sozial. Hier sehen wir einen deutlichen Unterschied zu vielen unserer Gemeinden, die doch oft gesellschaftlich recht homogen sind. Wir tun uns in der Regel schwer gesellschaftliche Randgruppen zu erreichen und merken, dass es eine große Herausforderung ist für andere gesellschaftliche Gruppen wirklich offen und einladend zu sein.
Die Berichte aus der Urgemeinde stellen uns ein Doppeltes vor Augen. Zum einen werden wir mit der Tatsache konfrontiert, dass Gemeinde Jesu schon von Anfang an Grenzen überschritten hat. Das begann schon sehr deutlich am Pfingstfest und zieht sich durch die Apostelgeschichte hindurch. In der Gemeinde Jesu fanden die unterschiedlichsten Menschen wahre Heimat. Ein besonderes Beispiel lesen wir im Philemonbrief, in dem es um das Verhältnis zwischen einem Sklavenbesitzer und seinem davongelaufenen, aber zum Glauben gekommenen, Sklaven geht. Im Blick auf die lokalen Grenzen lesen wir z.B. in Apg 8, wie das Evangelium die Grenze nach Äthiopien überschreitet, oder in Apg 10, wie das Evangelium die Heiden in Cäsarea erreicht.
Auf der anderen Seite sehen wir aber schon bei der ersten Gemeinde, wie diese Vielfalt und diese Grenzüberschreitungen auch große Herausforderungen mit sich bringen. Wir sehen, wie Petrus und die anderen Apostel große Mühe hatten zu verstehen, dass das Evangelium wirklich für alle Menschen da ist, und wie Gott sie in Bewegung setzen musste.
So besteht auch für uns heute die Herausforderung diesen verbindenden Charakter des Evangeliums wirklich wahrzunehmen und auch zu leben. Das betrifft m.E. nicht nur die verschiedenen Kulturen, sondern auch die ganz unterschiedlichen sozialen Milieus, die es in unserer Gesellschaft gibt. Das verlangt von uns, dass wir uns immer wieder bewusstmachen, wie wir selbst gesellschaftlich verortet sind, und dass wir wirklich die Bereitschaft haben, für andere offen zu sein. Hier geht es um eine geistliche Haltung und nicht nur um eine organisatorische Entscheidung. Als Christen wollen wir auf Menschen zugehen, wie unser Herr Jesus auf Menschen zugegangen ist.
Im Blick auf die kulturelle Vielfalt in der Gemeinde müssen wir Chancen und Herausforderungen gleichermaßen klar wahrnehmen. Die Bereicherung durch die Vielfalt bringt immer auch Herausforderungen mit sich. Aber es muss uns klar sein, dass wir als Gemeinde nicht das geistliche Recht haben (aus Angst, Bequemlichkeit, oder vielleicht sogar edleren Motiven) uns gegen die kulturelle und soziale Vielfalt zu entscheiden. Es ist ein Grundcharakter der Gemeinde Jesu, dass sie Grenzen überschreitet und Menschen zusammenbringt, die in unserer Welt nicht zusammenzupassen scheinen. Sie ist Gemeinde Jesu, und Jesus selbst ist es, der durch seinen Tod am Kreuz die trennenden Barrieren niedergerissen hat (vgl. Eph 2,11-22).
2.2 Hinweise für homiletische Überlegungen
Unser heutiges Predigtthema betont einen speziellen Aspekt unseres Abschnittes, der aber sehr natürlich aus unseren Versen abgeleitet werden kann. Zunächst könnte in einem ersten Teil beschrieben werden, wie sich diese Krise in Apg 6 aus der sozialen und kulturellen Struktur der Urgemeinde entwickelt hat, und wie die Apostel dieser organisatorischen Krise, mit einer organisatorischen Antwort begegnen, die aber ganz tief in geistlichen Prinzipen verwurzelt ist. Die Apostel hatten Klarheit, was in der Gemeinde nötig ist, sie hatten Klarheit über ihren eigenen Auftrag und sie wussten, welche geistlichen Voraussetzungen für die Armenpfleger notwendig waren. Die praktische Frage für unsere Gemeindeleitungen könnte lauten: Begegnen wir organisatorischen Herausforderungen mit klaren, geistlichen Überzeugungen, oder lassen wir uns von der organisatorischen Not umhertreiben?
In einem zweiten Teil der Predigt könnte der neutestamentliche Horizont etwas geweitet werden und noch mit anderen Beispielen unterstrichen werden, dass die Gemeinde Jesu schon immer kulturelle und soziale Grenzen überschritten hat. Gott will seine Kinder in Jesus Christus eins machen, da ist für solche Grenzen kein Platz. Dennoch macht Gott keinen Einheitsbrei. Gemeinde Jesu will Einheit in Vielfalt sein.
Schließlich könnte in der Predigt in einem dritten Teil die Frage gestellt werden: „Wie werden wir zu einer offenen Gemeinde?“ oder „Was hindert uns daran andere gesellschaftliche Gruppen oder Menschen aus anderen Kulturen zu erreichen?“
In diesem Teil soll deutlich werden, dass wahre christliche Offenheit eine geistliche Herausforderung ist, und dass sie von der Liebe Jesu gestaltet und motiviert sein muss. Dennoch können praktische Schritte eine Hilfe und ein Ausdruck dieser Liebe sein. (z.B. der konkrete Entschluss, gerade auf die Besucher der Gemeinde zuzugehen, die einem merkwürdig erscheinen.) Zugleich soll in der Predigt klarwerden, dass diese Offenheit zum Grundcharakter der Gemeinde Jesu gehört, weil gerade sie das einladende und unparteiische Herz unseres Herrn wiederspiegelt.
Die Predigt soll ermutigen, die Schönheit der Vielfalt, die Gott in seine Gemeinde hineingelegt hat, trotz ihrer Herausforderungen zu erkennen und zu schätzen, so dass unser Herr durch unseren Umgang damit geehrt wird.
3. Sagen, wo es hingeht
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Die Hörer sollen die grenzüberschreitende Vielfalt der Gemeinde Jesus neu schätzen lernen und dazu motiviert werden, diese Vielfalt auch in ihrer Gemeinde mehr und mehr Gestalt werden zu lassen.
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Multikulturelle Gemeinde ist „normale“ Gemeinde
3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
- Ein organisatorisches Problem – eine geistliche Lösung.
- Gemeinde Jesu überwindet Grenzen
- Wollen wir eine offene Gemeinde sein?
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(Tobias Schurr)