Jesaja

Predigthilfe vom 26.11.2006 – Jesaja 65, 17-25

Monatsthema: Gott bleibt treu – dem, der alles von ihm erwartet
Predigtthema: Seine Rettung kommt

Bibelstelle: Jesaja 65, 17-25

Verfasser: Eckhard Löffler

Vorbemerkungen:
Über bestimmte Texte des Jesaja wurden zwar Theorien wegen unterschiedlicher Urheberschaften aufgestellt, die allerdings nicht ganz schlüssig sind.(1) PROPHETIE, von Gott gegebene Offenbarung, erstreckt sich auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Jesaja ist eigentlich DER Theologe im AT.(2) Sein Gottesverständnis definiert er genau und manche Stücke lesen sich wie Ansätze zu einer lehrhaften Verdichtung des Glaubens.
VOR unserem Text sind Gottlose das Thema. V 16 beschreibt aber ein neues Verhältnis zum treuen Gott.
Die hier beschriebene „neue Welt“ gehört zu den ersten Prophezeihungen und beschreibt noch nicht die Offenbarungen von Jesus an Johannes.

Bausteine:
V 17 Der Übergang von der alten zur neuen Welt entwickelt sich nicht von selbst, auch nicht über Jahre hinweg. Gott schafft (dasselbe Wort wie das zweite in 1. Mose 1: bara = erschaffen). Auch dasselbe Wort wie Jes 41, 20 wo die Befreiung aus der Gefangenschaft vorausgesagt wurde.
„Neu“ meint das Unvergleichbare des Kommenden. Neu beschreibt keine Renovierung.(3)
Wo Gott nicht nur gelegentlich angerufen wird, wo sein Wort nicht nur hin und wieder zählt, wo der Gehorsam unzweideutig gelebt wird, beginnt das Neue durch Gott.
Der Glaube leidet unter dem Noch-nicht, solange die Wirklichkeit Gottes noch unter dem Kreuz verborgen ist. Es wird nicht dabei bleiben.
Jesaja wusste, dass der äußere Neubeginn im Land der Väter noch nicht das Neue bringen würde.
Kapitel 60-62 waren der Rohentwurf.
Die alte Welt hat grundsätzlich ihre Zwänge und Schranken. Neues muss her. Dazu muss das Alte völlig abgeschlossen sein.
Jes 60, 5 hatte man noch den Eindruck der Mensch könne seine Errungenschaften beisteuern, ist „Erschaffen“ grundsätzlich. „Nicht mehr gedenken“ streicht alle alten „Verdienste“ durch.
V 18ff Gotteslob hat keine Absicht (4), sondern einen Grund. Wir freuen uns und loben Gott nicht aus Höflichkeit oder weil gerade Gottesdienst ist, sondern weil ER ist und schafft. Lobpreis und Freuen sind keine menschlichen Leistungen, sondern „normale“ Folgen von Gottes Tun. Gott erschafft etwas zum Jubeln und seine Leute sollten nicht abseits stehen.
Nun folgen Anschauungsbeispiele für ein gesegnetes Leben und die Beschreibung der Vorläufigkeit von Not und Leid. Die Säuglingssterblichkeitsrate war hoch, die Greise erlebten oft ihren „Ruhestand“ nicht.
V 21f Gottes neue Welt ist kein Schlaraffenland. Es soll Tätigkeiten wie Bauen, Pflanzen, Essen geben. Hier unterscheidet sich die Offenbarung des Johannes allerdings von der Jesaja-Schau (Offb 21). Unsere weitergehende Hoffnung gründet in der Auferstehung Jesu.(5)
Ewigkeitliches Leben soll ohne Sinnlosigkeit und Vergeblichkeit ablaufen.
V 23 Alt und Jung sind beisammen. (6) Das Gottesvolk ist eins geworden.
V 24 In der Vollendung kann das Verhältnis Gott-Mensch nicht enger sein. Keine Kommunikationsstörungen mehr zwischen Gott und seinen Leuten. Vollkommenes Einvernehmen: „Bevor sie rufen…“. Die Erhörung geschieht schon beim Reden im Gebet (Matth 6, 8; 7, 7f).
V 25 Die Schau von Jes 11, 6-9 wird noch einmal aufgenommen. Keine Konflikte unter lebendigen Wesen mehr, auch nicht zwischen Mensch und Gott. (7)
Die „Schlange“, der Versucher, wird einmal ausgeschaltet werden. Dieter Schneider: „Staub ist nun ihr tägliches Brot“.

Gliederungsvorschlag (nach Gottfried Voigt)
Gott schafft alles neu. Er will…
1. das neue Leben der Menschen
2. die neue Gestalt der Welt
3. die neue Gemeinschaft mit ihm

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Fußnoten
(1) Textforscher meinten einen Deuterojesaja (einen zweiten) und gar einen Tritojesaja (einen dritten) zu erkennen. Problem: Die Kapitel 40-55 führen uns ins Exil, 56-66 in die Zeit nach der Gefangenschaft. Aber die prophetischen Worte des Jesaja, durch Gott vermittelt, sind „kritisch-wissenschaftlich“ nicht zu fassen.
(2) Gerhard von Rad: „Das gewaltigste theologische Phänomen im AT“.
(3) Beispiel: Mein altes Auto ist jetzt wieder „wie neu“, „neuwertig“. Aber es ist immer noch das Alte!
(4) Menschlich verständlich und üblich ist unser Lob als verkappter Einstieg in eine Bitte: „Sie haben doch da eine ganz neue Anhängerkupplung …; „Sie haben doch in Ihrem Garten sicher viel Salat …“; „Sie kennen sich doch mit Computern so gut aus …“; „Sie sind doch Autofachmann …“.
(5) Liederdichter haben die Einbeziehung der Natur beschrieben. Nikolaus Herman: „die Sonn, die Erde, all Kreatur“; Paul Gerhardt: „Freude die Fülle und selige Stille“. In neueren Liedtexten kommt die Beschreibung des Kommenden leider zu kurz.
(6) Der Wunsch jeder christlichen Gemeinschaft: Keine Generation isoliert sich.
(7) Z. B. Der aufgeregte Warnruf des Singvogels auf meinem Fensterbrett, wenn die Katze umherschleicht, ist dann Vergangenheit.