Matthäus

Predigthilfe vom 25.März 2018 – Matthäus 27, 11-26

Predigtthema: Gott ist verurteilt         

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

  1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 2017 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).

1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext

Wir gehen in unserem heutigen Predigttext einen Schritt weiter auf die Kreuzigung Jesu zu. Jesus steht nun vor dem Statthalter Pontius Pilatus als Vertreter der römischen, weltlichen Obrigkeit. Auch dieses Gericht wird Jesus schlussendlich verurteilen, obwohl sie ihm kein Vergehen nachweisen können. Doch Jesus geht seinen Weg in aller Treue und Demut als das bereitwillige Opferlamm Gottes.

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes

Hilfen zur Auslegung bieten z.B.

* Gerhard Maier: Matthäusevangelium  (Edition C Band 2)

* Fritz Rienecker: Das Evangelium des Matthäus (Wuppertaler Studienbibel)

* Gerhard Maier: Das Evangelium des Matthäus. Kapitel 15-28 (HTA)

* Douglas O’Donnell: Matthew. All Authority in Heaven an on Earth (Preaching the Word)

1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes

Vers 11

Die Frage des Pilatus zeigt, wie die Anklage der jüdischen Führer gegen Jesus ausgesehen hat. Natürlich war im Messiastitel auch der königliche Aspekt enthalten, doch durch die einseitige Anklage bringen sie Pilatus auf eine falsche Fährte und schieben den Prozess in eine Richtung, in der sie eine Verurteilung Jesu für wahrscheinlicher halten. Sie machen aus dem religiösen einen politischen Prozess. Dass die Gegner Jesu mit dieser rechtlichen Einschätzung wahrscheinlich gar nicht so unrecht hatten, sehen wir im Prozess gegen Paulus in der Apostelgeschichte. Dort gehen die römischen Machthaber nicht auf die religiösen Vorwürfe gegen Paulus ein.

Wieder staunen wir, wie klar und sicher das Bekenntnis von Jesus ausgesprochen wird: „Du sagst es“. Damit ist alles gesagt. Paulus hat in 1.Tim 6,13 wahrscheinlich diese Aussage von Jesus im Blick. Auf die weiteren Anklagen antwortet Jesus dann nicht mehr, obwohl Pilatus ihm immer wieder die Möglichkeit gab. Jesus hat alles gesagt, was notwendig ist.

Vers 12-14

Wir sehen treue und geduldige Opferlamm Gottes. Obwohl Jesus geschmäht und verleumdet wird, schlägt er nicht zurück, sondern geht treu seinen Weg. Petrus hebt dieses Verhalten in seinem Brief extra heraus (1.Petr 2,23). Jesus verwirklicht das, was über den leidenden Gottesknecht schon beim Propheten Jesaja gesagt wurde (Jes 42,2; 53,7). Sogar auf die Nachfrage von Pilatus schweigt Jesus. Er hat sein Bekenntnis abgegeben, das genügt.

Man merkt schon, dass Pilatus diesen Fall sehr merkwürdig findet. Es gab wohl sehr selten einen Angeklagten, der sich überhaupt nicht verteidigt und auch noch zu Beginn der Anklage Recht gibt.

Vers 15-18

Pilatus will den Fall Jesus auf eine geschickte Weise loswerden. Die Tradition, einen Gefangen am Passafest loszugeben, ist sicher als Versuch zu werten, bei der Bevölkerung Sympathiepunkte zu gewinnen. Pilatus scheint darauf zu hoffen, dass sich die Bevölkerung für Jesus entscheidet. Der Gegenkandidat Barabbas, der wohl auch Jesus hieß, war anscheinend ein zelotischer Anführer. Vers 18 gibt der ganzen Aktion noch eine besondere Wendung. Pilatus hält Jesus für unschuldig. Er durchschaut die Motive der Verantwortlichen des Hohen Rates. Und dennoch ist Pilatus nicht bereit hier zugunsten von Jesus zu entscheiden. Er will sich nicht in innerjüdische Rivalitäten einmischen und so ist dieses Mittel der Begnadigung für ihn ein geschickter Schachzug.

Vers 19 findet sich nur bei Matthäus. Pilatus Frau warnt ihn und unterstreicht Jesu Unschuld. Details über Pilatus‘ Frau oder auch den Traum, außer dass er sehr aufrüttelnd war, berichtet uns Matthäus nicht. Es geht ihm darum, diese Warnung und das Zeugnis über Jesu Gerechtigkeit zu betonen.

Vers 20

Wieder berichtet Matthäus sehr knapp. Es wird nicht genau gesagt, wer denn die Volksmenge bildet. Jedenfalls versuchen der Hohe Rat und seine Vertreter, gegen Jesus Stimmung zu machen und dafür zu werben, dass Barabbas freigelassen wird. So wollen sie Pilatus überstimmen, der Jesus ja eigentlich für unschuldig hält.  Pilatus merkt, dass seine Taktik fehlschlägt und er versucht mit weiteren Fragen sein Gesicht zu wahren.

Vers 21-23

Auch wenn die Menge, die hier versammelt ist nicht mit der Menge identisch ist, die kurze Zeit vorher „Hosianna“ gerufen hat, merken wir doch, wie die Stimmung umgeschlagen ist. Dies erkennen auch die Verantwortlichen, die jetzt keinen Aufstand mehr fürchten, sondern ganz klar und mit Erfolg dafür werben, dass Jesus umgebracht wird. Pilatus knickt vor dem Mob ein, so dass er sie selbst die Konsequenz formulieren lässt, die diese Entscheidung für Jesus bedeutet. Wahrscheinlich merkt die Menge auch, dass Pilatus für Jesus ist und dem römischen Statthalter wollen sie keinen Gefallen tun. In dieser Konstellation bevorzugen sie den Aufrührer Barabbas und sind bereit Jesus töten zu lassen.

In Apg 3,13f spricht Petrus in seiner Predigt seine Zuhörer auf ihre Verantwortung an, die sie am Tod Jesu haben: Ihr habt ihn überliefert und vor Pilatus verleugnet. Und Petrus redet in dieser Stelle eben nicht nur die Mitglieder des Hohen Rates an, sondern alle seine Hörer.

In Vers 23 nimmt der Tumult überhand. Pilatus bekommt auf seine Frage nach dem konkreten Vorwurf gegen Jesus keine Antwort mehr, sondern nur das Gebrüll der Menge, die Jesu Tod am Kreuz fordert. Für Juden sind das sehr ungewöhnliche Worte, denn die Kreuzigung, war eigentlich eine heidnische Strafe, im Alten Testament wird sie nicht angewendet. Aber dies ist die Konsequenz davon, dass der Hohe Rat entschieden hat, den Prozess gegen Jesus als politischen Prozess vor den Statthalter Pilatus zu bringen.

In diesem ganzen Durcheinander, indem es scheint, als ob Jesus zum Spielball von unterschiedlichen Interessengruppen geworden wäre, dürfen wir nicht vergessen, dass Jesus genau diesen Weg im Willen seines Vaters geht, dass der Weg ans Kreuz, der Weg zu unserem Heil ist.

Vers 24-26

Die Schwäche von Pilatus wird in den letzten Versen besonders deutlich. Gegen seine eigene Überzeugung übergibt er Jesus zur Hinrichtung. Nicht ohne vorher noch in einer Geste seine eigene Meinung zum Ausdruck zu bringen. Er hält Jesus für unschuldig und will durch die Handwaschung seine eigene Mitschuld am Tod Jesu ablegen. Dies gelingt natürlich nicht, weil er als Richter den Mord an einem in seinen Augen unschuldigen einfach zulässt.

Die Volksmenge dagegen scheint in Vers 25 die Schuld für Jesu Tod bereitwillig auf sich zu nehmen, ohne auch nur ansatzweise zu verstehen, was in dieser Situation geschieht. Sie sind bereit auch mit den nachfolgenden Generationen die Konsequenzen zu tragen. Die Aussage des Volkes erinnert sehr an Mt 23,35-39, wo Jesus über Israels Zukunft spricht.  Das tragische ist, dass das Volk meint Gott mit ihrem Urteil einen Gefallen zu tun, weil sie gegen einen falschen Messias kämpfen. Doch sie helfen mit den wahren Messias zu töten.

Pilatus gibt schließlich auf und übergibt Jesus seinen Soldaten um Jesus auszupeitschen und dann am Kreuz hinzurichten. Die Geißelung war an sich schon eine furchtbare Strafe, die einen starken Blutverlust verursachte. Es war die Strafe für die Sklaven, die unterste Schicht. Jesus ging auch diesen Weg und damit erfüllt sich Jes 52,14ff und Ps 22,13ff.

  1. Verstehen, worum es geht

2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)

Auch in diesem Abschnitt des Passionsberichtes schreibt Matthäus recht knapp. Es wird   sehr klar, wie wenig Pilatus von Jesu Schuld überzeugt ist. Er hält Jesus für unschuldig, was auch durch das Zeugnis seiner Frau noch unterstützt wird. Dennoch ist er bereit dem Druck der jüdischen Verantwortlichen und des jüdischen Volkes nachzugeben. Die römische Staatsgewalt beugt sich hier vor den Feinden Jesu, die den Prozess vor Pilatus auf eine politische Ebene gehoben haben.

Diese Umstände sollten uns aber nicht den Blick verstellen, wie die Schuldfrage und die Autoritätsfrage wirklich zu beantworten ist. Jesus geht diesen Weg, weil er dem Willen des Vaters entspricht. Auch in diesem Durcheinander führt Gott seinen Plan durch. Für die Frage, wer am Tod schlussendlich die Schuld trägt, müssen wir unseren Blick weiten. Natürlich haben die jüdischen Verantwortlichen und auch die Menge hier entscheidenden Einfluss ausgeübt. Doch Schuld am Tod Jesu tragen wir alle zusammen. Er ging den Weg ans Kreuz um für unsere Schuld zu bezahlen. Wenn wir hier nur fragen, ob Pilatus oder die jüdische Seite die Schuld trägt greift unsere Auslegung zu kurz.

2.2 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)

In der Passionszeit wollen wir uns deutlich vor Augen führen lassen, was Jesus Christus für uns getan hat. Auch in der Beschreibung des Verhörs durch Pilatus unterstreicht der Evangelist Matthäus, wie klar Jesus seinen Weg geht. Jesus antwortet auf die Frage, ob er der König der Juden sei, mit der klaren Antwort: Du sagst es. Anschließend sagt Jesus kein Wort mehr. Er hat alles gesagt, er hat wieder ein klares Bekenntnis abgelegt. Jesus geht seinen Weg im Gehorsam gegenüber dem Vater. Er ist bereit all die Anklagen und dann auch Misshandlungen an unserer Stelle zu ertragen. Wir wollen in der Predigt dazu einladen, neu über die Lammesart Jesu zu staunen, über seine Leidensbereitschaft. Aber natürlich wollen wir nicht beim Staunen stehenbleiben, sondern dazu einladen, dass die Hörer voller Dankbarkeit ihr Vertrauen auf Jesus setzen, den einzigen Retter, die einzige Hoffnung, die wir haben.

  1. Sagen, wo es hingeht

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?

Die Hörer sollen deutlich erkennen, wie klar Jesus seinen Weg Richtung Kreuz geht und wie trotz aller menschlichen Schuld, die in diesem Prozess sichtbar wird, Gott seinen Heilsplan ausführt. Sie sollen Gott darüber anbeten und ihm vertrauen.

3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?

Gott ist verurteilt

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

  1. Jesu klares Bekenntnis (V.11-14)
  2. Die Schwäche des Pilatus (V.15-20)
  3. Die Entscheidung des Volkes (V.21-26)

(Tobias Schurr)