Matthäus

Predigthilfe vom 18. März 2018 – Matthäus 26, 69-75

Predigtthema: Gott ist verraten           

Predigttext:  Mt 26,69-75

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

  1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 2017 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).

1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext

Der zentrale Charakter des heutigen Predigttextes ist der Jünger Petrus. Um die Verleugnung, die Jesus ja bereits im Vorfeld angekündigt hat, richtig einordnen zu können, ist es wichtig in der Vorbereitung die Beziehung zwischen Petrus und Jesus zu studieren. Auch die Verheißungen, die Jesus seinem Jünger gibt sind wichtige Hilfen zum Verständnis. Schließlich        bildet die Verleugnung nicht das Ende der Beziehung zwischen Jesus und Petrus. Erst nach der Auferstehung in der Begegnung am See löst sich die Spannung um diese Beziehung wieder auf und wir dürfen über die Treue und Vergebungsbereitschaft Jesu staunen.

Über dem Leben von Petrus steht das Gebet Jesu, das wir in Lk 22,32 lesen: „Ich aber habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht aufhöre. Und wenn du einst zurückgekehrt bist, so stärke deine Brüder!“

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes

Hilfen zur Auslegung bieten z.B.

* Gerhard Maier: Matthäusevangelium  (Edition C Band 2)

* Fritz Rienecker: Das Evangelium des Matthäus (Wuppertaler Studienbibel)

* Gerhard Maier: Das Evangelium des Matthäus. Kapitel 15-28 (HTA)

* Douglas O’Donnell: Matthew. All Authority in Heaven an on Earth (Preaching the Word)

1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes

V.69-70

Wir haben noch im Ohr, mit welcher Selbstsicherheit Petrus vor Jesus seine eigene Treue hervorgehoben hat: Selbst wenn ich mit dir sterben müsste,… Mt 26,35). In seiner eigenen Überzeugung hält sich Petrus für bereit mit Jesus in den Tod zu gehen. Jesus weiß es besser. Er weiß, dass Petrus ihn verleugnen wird. Trotzdem trennt sich Jesus nicht von Petrus.

In Vers 69 wird nun ein sehr starker Kontrast zu den Versen vorher sichtbar. Bis Vers 68 sind wir im Palast des Hohepriesters. Viele einflussreiche Menschen sind versammelt. Es findet ein hartes Verhör statt. Und in der Mitte steht Jesus, furchtlos, voller Klarheit über seinen Weg, bereit ein klares Bekenntnis abzugeben.

Nun sind wir außerhalb, im Vorhof des Palastes. Petrus sitzt dort. Es sind keine einflussreichen Menschen dort. Es sind Bedienstete, die sich warmhalten in der kalten Nacht. Und diejenige, die Petrus anspricht, ist eine schlichte Magd. Jesus hat Petrus gewarnt, er hat ihn zusammen mit anderen Jüngern zum Gebet um Standhaftigkeit aufgefordert. Und doch wirkt Petrus in dieser Situation völlig überfordert. Trotz seiner Selbstsicherheit, oder vielleicht gerade wegen seiner falschen Selbstsicherheit war er nicht bereit zu seinem Herrn zu stehen.

Die drei Verleugnungen nehmen an Stärke und Deutlichkeit zu. Die erste Verleugnung in Vers 70, klingt zunächst wie der schlechte Versuch, sich aus der Affäre zu ziehen, ohne ja oder nein zu sagen. Petrus versucht die Magd zu Ruhe zu bringen, indem er sagt: Ich weiß nicht, wovon du redest.

V.71-72

Wir merken, wie unangenehm Petrus die Situation ist. Er versucht sich zurückzuziehen, Es scheint, als würde Petrus nach dem schnellsten Ausgang Ausschau halten. Sehen wir hier am körperlichen Rückzug von Petrus, wie er sich in dieser Situation auch von Jesus zurückzieht? Versucht er sich aus der Gefahr zu begeben?

Aber Petrus kommt nicht zur Ruhe.

Matthäus berichtet direkt die zweite Anfrage. Wieder geht es um die schlichte Frage, ob Petrus zu den Jüngern Jesu gehört. Petrus verneint in V.72 deutlich stärker. Er unterstreicht seine Aussage mit einem Eid, und bestreitet Jesus zu kennen. Eine klare Lüge, die er sogar noch mit einem Schwur bekräftigt (zum Schwören vgl. Mt 5,33-37)

Es ist offensichtlich, dass Petrus Angst hat. Angst davor, was mit ihm passieren könnte, wenn er sich als Jünger Jesu zu erkennen gibt. Es ist nichts mehr von dem Mut, oder der Selbstsicherheit da, die Petrus in den Szenen davor zum Teil zeigt.

Wie anders ist dagegen der Petrus nach Pfingsten. Als er selbst mit Johannes vor dem Hohen Rat steht, sehen wir einen Mann voller Mut. Der Heilige Geist hat ihn völlig verändert. Als die Verantwortlichen versuchen sie zum Schweigen zu bringen, gibt er nicht einen Augenblick nach: „Apg 4,20 Denn es ist uns unmöglich, von dem, was wir gesehen und gehört haben, nicht zu reden.“

V.73-74

Die Situation wird für Petrus immer bedrohlicher. Nun ist es nicht mehr nur eine einzelne Stimme, die ihn anspricht. Die ganze Gruppe pflichtet den ersten beiden bei. Was es für Petrus besonders kritisch macht ist, dass sie nun auch seinen Dialekt als Beweis hinzunehmen. Petrus ist eindeutig als Galiläer zu erkennen.

Und Petrus weiß keinen anderen Ausweg, als noch massiver zu leugnen. Petrus unterstreicht seine Worte, mit einer Selbstverwünschung, wie etwa: Verflucht soll ich sein, wenn ich nicht die Wahrheit sage.

Petrus geht es in dieser Situation um Rettung, aber eben nicht um die Rettung seiner Seele, sondern um die Rettung seiner Haut.

Und dann hört Petrus den Hahn krähen. Dieser Ruf des Hahnes ist ein Geschenk Jesu. Er holt Petrus von seinem falschen Weg und ruft ihn zur Umkehr.

V.75

Lukas ergänzt in seinem Evangelium einen Blick. Den Blick von Jesus direkt in das Herz seines Jüngers. Petrus erkennt schlagartig, was er getan hat. Die Worte von Jesus waren wieder in seinem Gedächtnis.

Wichtig ist, dass wir die Reaktion von Petrus sehen. Die ganze Trauer über seine Schuld kommt in seinen Tränen zum Ausdruck. Vielleicht war Petrus in dieser Nacht zum Palast des Hohepriesters gekommen um zu schauen, ob er Jesus irgendwie retten könnte. Doch Petrus muss erneut erkennen, wie dringend er einen Retter braucht. Petrus weint Tränen der Buße.

Ganz anders die Reaktion von Judas, dem Verräter, die uns Matthäus ein paar Verse später berichtet. Auch Judas erkennt, dass er Unrecht getan hat. Doch er sucht nicht den Weg der Buße, sondern setzt in seiner Verzweiflung seinem Leben ein Ende (Mt 27,5).

  1. Verstehen, worum es geht

2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)

Die Verleugnung des Petrus ist wahrscheinlich einer der bekanntesten Abschnitte der Bibel. So ist es bei der Auslegung wichtig die ganze Beziehung zwischen Jesus und Petrus in den Blick zu nehmen. Wir sehen bei Petrus auf der einen Seite die tiefe Leidenschaft und auch Erkenntnis im Blick auf Jesus. Auf der anderen Seite sehen wir auch den Petrus, der von Jesus sehr deutlich korrigiert wird und dem eben diese Verleugnung bereits vorhergesagt wird.

Im Blick auf das Leiden Jesu wird gerade auch durch die Verleugnung des Petrus deutlich, wie Jesus verlassen war. Nicht einmal auf die engsten seiner Jünger kann sich Jesus verlassen, sie beten nicht mit ihm, sie fliehen und sie verleugnen ihn.

Weiter sehen wir im Vergleich zwischen Jesus und Petrus den ganz klaren Kontrast zwischen dem Sohn Gottes und uns Menschen, zwischen seiner Treue und unserer Untreue, zwischen seiner Wahrhaftigkeit und unserer Unwahrhaftigkeit, zwischen seinem Mut und unserer Angst, …

2.2 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)

Die Verleugnung durch Petrus stellt uns ein riesiges menschliches Versagen vor Augen. Trotz der Warnung durch Jesus scheitert Petrus hier so dramatisch. Und damit ist Petrus ein warnendes und gleichzeitig ermutigendes Beispiel für uns. Wir stehen immer wieder in der Gefahr durch unser Leben in Taten und Worten Jesus zu verleugnen. Wir sind nicht besser oder treuer als Petrus. Auch wir sind durch Gottes Wort gewarnt und wissen eigentlich um die Gefahr und Herausforderung, in der wir als Christen stehen. Petrus ist eine Warnung vor falscher Selbstsicherheit und geistlicher Selbstüberschätzung.

Auf der anderen Seite ist uns Petrus eine Ermutigung zu echter Umkehr. Petrus erkennt seine Schuld und bereut sie von Herzen. Jesus sieht die Reue und die Umkehr seines Jüngers und nimmt ihn dann in Liebe wieder an. So soll die Predigt eine Einladung sein, die Schuld zu erkennen, sie bei Jesus abzulegen und aus seiner Vergebung zu leben.

  1. Sagen, wo es hingeht

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?

Die Hörer sollen erkennen, wie dringend wir, genau wie Petrus, einen Retter brauchen. Sie sollen sich über die Bereitschaft Jesu freuen, dass er auch diesen Weg des „Verraten-seins“ gegangen ist und trotzdem zur Vergebung bereit war. Außerdem sollen sie zum klaren Bekenntnis zu Jesus ermutigt werden.

3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?

Gott ist verraten

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

  1. Von der Welt hinterfragt (V.69.71.73)
  2. In der Lüge gefangen (V.70.72.74)
  3. Von Jesus befreit (V.74b-75)

(Tobias Schurr)