Monatsthema: Gott bleibt treu – dem, der versagt
Predigtthema: Er gibt das neue Herz
Bibelstelle: Psalmen 51
Verfasser: Eckhard Löffler
Bausteine zu Psalm 51
Einer der sieben Bußpsalmen. Psalmen geht oft eine kurze Situationsbeschreibung voran. Zum Verständnis gehören hier 2. Sam. 11 und 12 (Bathseba, Uria, Nathan).
Heute ein gefundenes Fressen für Boulevardzeitungen: Enthüllung! Skandal! Mord! Damals durfte der König als letzte Instanz aber eigentlich alles. Herr über Leben und Tod, keine Berufung möglich. Menschen konnten nichts beanstanden, ABER GOTT. Und wo Gott einem in den Weg tritt, gibt es kein Entrinnen: „DU bist der Mann!“ Gottes Wort gilt auch Königen und ranghöchsten Politikern.
Ps 51 klärt hervorragend, was Sünde ist und wie Vergebung geschieht (1). „Das `sola gratia´ (allein aus Glauben) schaut aus jedem Vers heraus“ (2).
Diesen Psalm versteht man aber nur, wenn die „EIGENE Sünde“ vor Augen ist.
V 3 Eine Seele (= für den Hebräer das komplette Leben in seiner Bedürftigkeit) liegt im Staub (Ps 119, 25).
Die Adresse für den Hilfeschrei ist Gott, ein personales Gegenüber. Gott ist nicht „in uns“, sondern „extra nos“ (außerhalb von uns).
Ein Großer verbeugt sich vor dem Größten, gibt Gott recht und erkennt damit an, dass vor Gott auch Große niedrig sind. GNADE kann nur ein Höherer bieten.
V 3f Schuld, Sünde, Missetat sind auch im Hebräischen unterschiedliche Ausdrücke für dasselbe Ereignis.
Synonyme (inhaltsverwandte Wörter) bilden sich, wenn das Eigentliche (hier Sünde) VIELE Menschen nachdenklich macht (3).
Nach dem Schrei aus der Tiefe (4) folgt die Beichte. Im evangelischen Raum verkümmert, im katholischen institutionalisiert, meint persönlich bejahen (5). Gott hat Recht.
4 Stufen (nach Theo Sorg):
1. Ich erkenne MEINE … Erkenntnis der eigenen Schuld ist der erste, unverzichtbare Schritt. Das Leichteste und oft Schwerste.
Entlastungsargumente und Ausweichmanöver noch und nöcher: „War ja nicht so schlimm“, „hat niemand gesehen“, einmal ist keinmal“, andere machen´s genauso“.
Oder „wissenschaftlicher“ begründet: „erblich belastet, – meine Eltern, – fehlende Liebe und Nestwärme in der Kindheit“, usw. Folge: Man muss mich halt „verbrauchen, wie ich bin“. Insgesamt „unschuldig im Sinne der Anklage“.
David erkennt Gottes Beurteilung über Sünde (6) an!
2. Meine Sünde ist mir immer vor Augen.
Verschweigen und Verdrängen lässt vorläufig vergessen. Unbereinigte Sünde aufersteht lebenslänglich.
Wir können Geschehenes weder ungeschehen machen noch in eigener Kraft „bewältigen“.
3. Die Ausweglosigkeit der Verstrickung.
Seit 1. Mo 3 leben und vermehren sich die Bakterien der Sünde und infizieren alle Lebensbereiche (1. Mo 8, 21). Unser Leben ist von Kind an durchtränkt von Versuchungen und Sünde. Aber nicht die Zeugung ist sündhaft, sondern die Welt durch und durch. Und wir können nicht aus unserer Haut (Jer 13, 23 und Röm 7), d.h. unentrinnbar bleiben Menschen Sünder.
4. Leiden unter MEINER Sünde.
Ps 32, 3f beschreibt mögliche, körperliche Auswirkungen: Angst, Gemütsbedrückung, Neurosen, Schwermut bis hin zum Selbstmord. Der enge Zusammenhang zwischen seelischem und körperlichen Ergehen wird von der Schulmedizin erst seit wenigen Jahrzehnten akzeptiert. Psychosomatische Störungen kennt aber schon David.
Sünde ist kein Gefühl, sondern eine Macht, die Menschen restlos fertigmachen kann.
Medizin kann die Stimmung erhellen, aber nicht die „Krankheitsursache“ beseitigen. V 6 „An dir allein…“ – Sünde betrifft immer auch Gott.
V 12ff Bitte um Reinigung
Sündenvergebung ist nicht die Behebung einer Panne, keine Runderneuerung sondern ein schöpferischer Akt Gottes. Wie er den natürlichen Menschen schuf, schafft er Neues (Nikodemus Jo 3, 3), Wiedergeburt.
Verschiedene Reinigungsvorschläge:
1. Tilgen = aus dem Bereich des Rechts Schuldlöschung.
2. Wasche mich (hebr. „WALKE mich“) ist nicht das schwächere Verb für Waschen. Walken meint Kneten, den Stoff dabei auch strapazieren, um alle Verunreinigungen „flecken- und porentief“ auszulöschen.
Ysop nannte man das berühmteste K2R des Altertums, eine scharfe Lauge aus dem Kraut dieser Pflanze.
Aber nicht einmal Ysop kann hier helfen.
Sünde ist kein Schönheitsflecken. Nur EIN Mittel wirkt: „Das Blut Jesu macht uns rein…“ (1. Jo 1, 7) und 2. Ko 5, 17: „Ist jemand in Christus, so ist er eine NEUE Kreatur …“
Theo Sorg: „Der 51. Psalm zielt senkrecht auf Christus hin!“ Rettungsadresse ist allein Christus (7).
Gott hilft ganz allein ohne unsere Mitarbeit. Er SCHAFFT neue Menschen durch Wiedergeburt.
Jeder Mensch muss sich (immer wieder) allein entscheiden, zu kommen und dabeizubleiben.
V 12 „Schaffe“ (hebr. bara) ist dasselbe Wort wie bei der Erschaffung des Menschen (1. Mo 1, 27).
Gott schafft souverän den Menschen und den neuen Menschen, das natürliche und das neue Herz (8).
V 15 Der Freispruch durch Gott hat Konsequenzen: Gerettete sind Boten der guten Nachricht und können damit nicht allein bleiben V 17 (Apg 4, 20).
Und Jesus lädt JEDEN Menschen ein (Mt 11, 28).
Gliederungsvorschlag nach Theo Sorg, Landesbischof i. R.:
1. Der Mensch vor Gott
2. Gott für den Menschen
3. Der Mensch für Gott
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Fußnoten
(1) Die Reformatoren liebten diesen Psalm besonders, weil die Gerechtigkeit durch Gott aus Glauben klar wird: NT im AT.
Girolamo Savonarola betete Ps 51 vor seinem Scheiterhaufen in Florenz, der Basler Reformator Ökolampad auf dem Sterbebett, Luther in vielen Vorlesungen und Predigten.
(2) Hans-Joachim Kraus, 1918-2000
(3) Theo Sorg: 1. Sünde als Abfall von und Aufruhr gegen Gott. 2. Schuldigbleiben meines ganzen Lebens, meiner Gaben und Kräfte; die totale Schuldverhaftung. 3. Die einzelne böse Tat, die konkrete Verfehlung, gewollt, vorsätzlich oder im Affekt, ist wie eine Leuchtrakete, die anzeigt, wo ich stehe
(4) altes Kirchenlied: Aus tiefer Not schrei ich zu dir (Luther) = Psalm 51 in Liedform
(5) Der Begriff kommt aus dem Althochdeutschen „be-jichten“ = bejahen
(6) Sünde kommt von „Sund“, d. h. unüberwindliche Meerestiefe, die uns von Gott seit 1. Mo 3 trennt.
(7) altes Lied: „Such, wer da will, ein ander Ziel…“ (Georg Weissel, 1623); neuer: „Allein deine Gnade genügt“
(8) siehe auch Jer 31, 31ff und Hes 11, 19-20; 36, 25-27.