Psalmen

Predigthilfe vom 2.7.2006 – Psalmen 73

Monatsthema: Gott bleibt treu – dem, der im Leiden hofft
Predigtthema: Er lässt nicht los

Bibelstelle: Psalmen 73

Verfasser: Eckhard Löffler

Bausteine zu Psalm 73

Eine Rückschau. V 17 bringt die Wende und neue, tiefere Glaubensgewissheit. Persönliche GlaubensERFAHRUNGEN sind immer zwangsläufig und automatisch GlaubensSTÄRKUNGEN.
Die Bibel verschweigt Anfechtungen nicht, weil sie zum Glaubensleben gehören (1). Anfechtung gehört zum Glauben wie Schatten zum Licht (Theo Sorg).
Die Psalmen lassen uns in fromme, geheime Herzenskammern sehen. Hier quält sich einer mit seinem Gott und spricht das offen aus. Und einer, der auch die frommen Talsohlen seines Lebens kennt, kann anderen Seelsorger sein, sie als Hirte führen.
Die Davidspsalmen beschrieben öfter die innerlichen Konflikte, Asaph leidet unter äußerlichen Bedingungen: Warum bringt der Glaube nicht Glück, Gesundheit und Wohlergehen? (2) Asaph erhält keine letzte Antwort, aber eine ÄNDERUNG SEINER BLICKRICHTUNG.

V 1ff Keine Klage am Anfang, sondern ein Bekenntnis „dennoch“, das ab V 23 ausgeführt wird.
Gott ist und meint es gut trotz unseren „Erfahrungen“ (3).
V 4 wörtl. „keine Qualen führen zu ihrem Tod und wohlgemästet ist ihr Leib“.
V 7 wörtl. „aus Fett glotzt ihr Auge heraus“, gemeint ist: Ihre Augen können kaum noch sehen, so fett ist ihr Gesicht aufgedunsen.
V 10 wörtl. „Wasser von ihnen wird in Fülle getrunken“ gemeint ist auch: gierig werden die von ihnen angebotenen gotteslästerlichen Weisheiten aufgenommen.
Gottes Zusagen sind zweifelhaft geworden, bei allem was man in dieser Welt beobachten kann.
Wirtschaftswundermenschen ist jedes Mittel recht, um alles schweißfrei zu kriegen. Wer braucht Gott, um voranzukommen, Erfolg zu haben, SEIN Glück zu MACHEN? Geiz ist geil, Unkeuschheit heißt Temperament, Lügen nennt man Klugheit, Lieblosigkeit meint Offenheit, Steuern und Gesetze sind für die Dummen da (4). Und unter den Beobachtern ist der Nachahmungstrieb eine Macht (V 10) (5).
Neben Glückspilzen und Machtprotzen (6) haben Gläubige eine schwache Position und bleiben im Schatten der Großen – vorläufig und vordergründig. Antwort auf die Frage: Was habe ICH davon? ist oft: das Nachsehen. „LOHNT“ es sich noch, Gott mehr zu vertrauen als den Regeln dieser Welt? Glaube ein Verlustgeschäft? Das „Umsonst?“ (V 14) hat Gottes Leute schon oft beschäftigt. Was TAT Gott eigentlich gegen die Nöte seiner Anhänger und anderer in den KZs, in Vietnam, in Hungergebieten. Und was tat er FÜR seine Missionare, die erschossen wurden, Märtyrer – für christliche Gemeinden, die als Sekten bekanntgemacht wurden – Beispiele genug.
V 15 Beginn der Wende: Ich bin ja nicht der erste Nachfolger. Waren alle Glaubenden vor mir Träumer und Phantasten? Missionare und andere haben durchgehalten „trotz allem…“ (7), das NT kennt u.a, die „Wolke von Zeugen“ (Hebr 12, 1). Gott verstößt Zweifelnde nicht. Im Gegenteil.
V 17 Nur die private Begegnung mit Gott löst meine privaten Verknotungen (8).
V 18-22 Rückblick: Gottes Perspektive ist verlässlich! Asaph lernte, mit GOTTES Augen zu sehen (9).
Im Blick auf die Zukunft werden Karrieren, Pläne und Politiken nebensächlich.
Für jeden Hausbau zählt das Fundament ((Mt 7, 24-27). Vieles in dieser Welt ist eine Frage der Perspektive. Fokussiert: Was ist MIR und was ist dem HERRN nützlich?
V 23ff Wende: Zum „DENNOCH des Glaubens“ – unter Christen gut bekannt – gehört die Wahrheit, dass dieses „Gold“ nur in der TIEFE persönlicher Anfechtung gefunden wurde.
V 23b Elberfelder: „Du hast meine rechte Hand gefasst“. Beispiel: Die Halterung, bzw. Fassung eines Schmucksteins am Ring ist wichtig. (10)
Der „Rest“ des Psalms handelt von der Steinfassung/ergreifung.
Drei Tätigkeitsworte in V 23f: Halten – Leiten – Annehmen.
Könige praktizierten im Altertum „Handergreifung“, wenn sie Auszeichnung oder Schutz bekräftigen wollten
(Jes 41, 13; 42, 6; 45, 1). Leiten + Annehmen: siehe Konkordanz. Gottes Treue wird selbst vom Tod nicht begrenzt, eine Durchbruchstelle vom AT zum NT: Christus hat den Tod besiegt.
Das Leiden der Glaubenden ist nicht einfach aufgehoben, aber lässt sich tragen in der Kraft des Glaubens (Röm 8, 18). Wie Gott das macht, ist nicht mehr entscheidend, sondern DASS er es tut ist wichtig.

Das WAGNIS DES GLAUBENS ist ein Festhalten an Gottes Ansichten, ein ständiges Versuchen, alles aus Gottes Sicht anzuschauen. Praktisch: Was würde Jesus dazu sagen? (Armbänder jüngerer Jesus-Nachfolger: „wwjd“ = englisch: Was würde Jesus tun?).
„Glauben ist das Festhalten an einer andauernden Lebensbeziehung mit dem Herrn im Wissen: Er hält mich!“ (Theo Sorg).
V 27 ein Einschub, wörtl. „die, die von dir weg huren“.
V 28 Unser DENNOCH zu Gott (V 23) hat seinen Grund im DENNOCH Gottes zu uns. SEIN Tun ist Grund der Freude. Und das wird in der Ewigkeit Hauptthema sein (Offb 21).
Bis dahin gilt u.a. Röm 8, 31-39.

Gliederungsvorschlag nach Alfred Christlieb
Wie man Unzufriedenheit los werden kann
1. Wir sehen den unzufriedenen Asaph
2. Wir sehen den Asaph, der ins Heiligtum geht
3. Wir sehen den zufriedenen Asaph

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Fußnoten
(1) Luther: Gottes Wort + Gebet + Anfechtung (lat.: meditatio – oratio – tentatio)
(2) ähnlich Hiob 3, 11f.20; Prediger Salomo 1, 2f.; Maleachi 3, 14f; Jesus Mk 15, 34; Thomas Jo 20, 25ff.
(3) „Der Herr ist gut, in dessen Dienst…“ = Ich will dir danken 440
(4) Sollen Bauern am Sonntag aufs Feld? Müssen Schüler schummeln und abschreiben? Dürfen Angestellte ihre Kollegen beim Vorgesetzten anschwärzen? Ist beim Ernst-, Krankheits- oder gar Sterbefall der Vergleich mit den Nachbarn verboten?
(5) Warum lassen wir uns so leicht imponieren durch … ?
(6) Falls Sie wissen, wer Dagobert Duck ist: Er und Glücksrivale Gustav Gans.
(7) Alte Lieder: „Jesus lebet …“ (Singt von Jesus 260), Chinamissionar Fr. Traub, 33 Jahre alt geworden.
(8) Ludwig Hofacker nannte einen versteckten Eckplatz hinter dem Holzstall „sein Heiligtum“.
(9) Der reiche Kornbauer (Lk 12) und der junge Mann (Mk 10) waren letztlich ARM.
(10) z.B. Birnenfassung in der Lampe. Wer seine Fassung verliert, hatte oft schon länger keinen echten Halt mehr.