Monatsthema: Gott schafft Neues, indem er…
Predigtthema: … zur Wachsamkeit ermahnt
Bibelstelle: Markus 13, 33-37
Verfasser: Eckhard Löffler
Vorbemerkungen
Eine Mahnung. Der Text ist verklammert und durchzogen von „WACHET!“ (V 23+35+37)
Erklärungen und Tipps:
V 33 Kein anderer Termin hat die Gemeinde Jesu aller Zeiten so interessiert wie die Stunde der Wiederkunft Jesu. Wann und wo? Aber NIEMAND weiß Zeit und Stunde außer Gott selbst.
Deshalb dieser WACHMACHER. (1) Gottes Aufrufe waren immer als GEISTLICHE „Weckamine“ gemeint (1. Mo 3; 2. Mo 20, 1-20). Die Urväter und Propheten, Johannes der Täufer, Jesus (Mt 26, 36) (2), Paulus und Petrus (1. Petr 5, 8) mahnten: WACHT! Passt auf! Einer der wichtigen Imperative für Gotteskinder.
„Seht euch vor!“ (3). Appelle nach INNEN und außen. Menge-Bibel: „Haltet die Augen offen, seid wachsam!“. Übersetzungen aus älteren Handschriften: „Seht zu, wachet und BETET!“ (z.B. Luther von 1912).
Der „ZeitPUNKT“ (kairos) bezeichnet den von Gott vorgesehenen Termin. Hier ist nicht der ABLAUF der Zeit (chronos) gemeint (siehe auch Mk 14, 38; Mt 24, 50), sondern: Genau DANN ist es soweit. „Als die Zeit erfüllt war“ (Mk 1, 15; Gal 4, 4).
V 34 Dieses Gleichnis (4) ist „Sondergut“ des Markus und unterstreicht die Wichtigkeit ständiger Wachsamkeit der Christen und beschreibt die ihnen jeweils übertragenen Aufgaben (Mt 25, 14-30; Lk 19, 11-27).
Viele Großgrundbesitzer gingen „auf Reisen“ ins Ausland und ordneten vorher ihren Betrieb. Auch für Jesus beginnt im nächsten Markus-Kapitel die Beschreibung seiner Leidenszeit bis zur Himmelfahrt.
Vollmachten werden zugeteilt, Aufgaben anbefohlen. (5)
TÜRHÜTER waren wie die „Wächter auf der Zinne“ die „Sicherheitsschlösser“ in damaliger Zeit. (6)
Wenn Jesus erklärt „Ich bin die Tür zu den Schafen“ (Jo 10, 7), weiß der Israelit: Der Türhüter zum Pferch schläft nachts im einzigen Ein- und Ausgang. Er ist verantwortlich für Angriffe von außen.
Jeder erhält SEINEN Auftrag und SEINE Begabungen dazu (Eph 4, 7ff). Niemand bleibt „ohne Geschäft, sogar dem Schwächsten wird sein „Zentner“ anvertraut (Mt 25, 14ff).
Wenn JEDES Glied in der Gemeinde SEINE Aufgabe hat: Wie begleiten wir sie?
Die Jünger erwarteten Jesus BALD wieder (sog. Naherwartung). Jesus deutet aber einen langen Zeitraum an (Mt 24, 48ff; 25, 5.19; Lk 12, 38).
V 35f „So wacht nun!“ = „DESHALB: Wacht!“.
Komplett konfus werden Wächter, denen ihre Aufgabe, Feindbeschreibung und Verantwortung nicht klar ist.
Sie schlafen entweder ein oder wittern hinter fast JEDEM Ereignis ein Zeichen der Endzeit. (7)
Die Einteilungen der Wachwechsel sind interessant, aber weniger wichtig in der Verkündigung.
Markus schrieb hauptsächlich an Römer, deshalb vier Zeitangaben (Mk 6, 48). (8)
Die Christen wünschten sich die Wiederkunft viel früher: „Maranatha! Herr, komm!“ (1. Ko 16, 22) und ihr Herr verspricht: „Ich komme bald.“ (Offb 22, 20 – wobei „bald“ allerdings auch „schnell“ bedeuten kann).
Wachen und Schlafen sind wie Sonne und Mond, Schwarz und Weiß, Feuer und Wasser. Entweder oder.
Wachen heißt: „In Glauben und Hoffnung lebendig bleiben (vgl. 1. Ko 16, 13).“ (Dr. Gerhard Maier)
Das ist vielleicht DAS Problem der christlichen Gemeinden in Ländern, die Christen noch Freiraum lassen: Gewöhnung an das Erreichte, reges Programm, Zufriedenheit mit einem evtl. hervorragenden Gemeindehaus, Jung und Alt ist „integriert. Eigentlich fehlt nichts. (9) (10)
V 37 KONSEQUENTER Schluss für „ALLE“: Wacht!
Gliederungsvorschlag (in Anlehnung an Gerhard Maier)
1. Ein wacher Christ hält Augen und Ohren offen.
2. Ein wacher Christ bleibt nüchtern.
3. Ein wacher Christ ist jederzeit bereit für die Wiederkunft Jesu.
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Fußnoten
(1) Als Weckamine bezeichnet man Mittel mit stimulierender, aufweckender Wirkung. Fast jeder organische Stoff mit stimulierender Wirkung kann als Weckamin eingestuft werden. Die Bezeichnung Weckamin ist veraltet.
Viele kennen die Wirkung von „Scho-ka kola“, einer Schokoladensorte, die, verpackt wie ein Medikament, Autofahrer auf langen Nachtfahrten wach hält. Die Einen trinken Kaffee, die Anderen haben das Glück, eine hellwache Ehefrau auf dem Beifahrersitz zu haben. „Schläfst du schon?“ zählt zu den gutgemeinten, „intelligenten“ Fragen.
(2) Mt 25, 1ff. (Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen) weist auf die Gefahren fehlender Wachsamkeit hin.
(3) Wie der Rat z.B. jeder LIEBENDEN MUTTER, die auch über Gefahren für ihre Kinder Bescheid weiß.
Schon das WISSEN über das, was kommen könnte, kann die Anvertrauten vor Unglück bewahren.
(4) GLEICHNISSE bewirken, dass der Zuhörer den Sitz der Botschaft im eigenen, praktischen Leben versteht, vielleicht sogar überraschend: (Nathan: „DU bist…“ 2. Sam 12, 1-7).
Eine Predigt ohne passende und ausreichende Gleichnisse ist wie ein prächtiger Raum ohne Fenster.
Bereits im AT erscheint das G. als bekannte und gern gebrauchte Redeform (Ri 9, 7ff; 2. Sam 14, 6ff; 2. Sam 12, 1ff ). Jesus benutzt die Gleichnisrede nicht als Unterhaltung. Sie ist ein Kennzeichen seiner Verkündigung (Mt 13; Lk 12, 13ff; 15, 1ff; 16, 19ff).
In der bildhaften Sprache eines Gleichnisses vertreten Dinge und Verhältnisse des täglichen Lebens geistige und geistliche Wirklichkeiten und Vorgänge mit tieferem Sinn. Bes. häufig geht es um das Reich Gottes (Mt 13, 24.31.33.44f.47; 18, 23; 20, 1; 22, 2). Die Einleitungsformel „Das Himmelreich ist gleich …“ wäre daher z. B. besser wiederzugeben: „Mit dem Himmelreich verhält es sich wie mit …“ oder allgemein wie hier „Wie bei… (V 34)“.
Beispiele sollten aus dem Leben der Zuhörer gegriffen sein und werden diese schon deshalb interessieren, besser noch „fesseln“, weil SIE SELBST hier vorkommen und ge- oder betroffen sind. Allerdings: In der Kürze liegt die Würze.
(5) „Anbefehlen“ ist in Ps 37, 5 ein Begriff für Übertragen, allerdings im umgekehrten Sinn: „Befiehl dem Herrn…“. Der Begriff kommt im Deutschen von „Anvertrauen“ und „Beerdigen“. Die Kompetenzen werden so radikal übergeben wie eine Leiche der Erde, bzw. in Gottes Hände.
(6) Torhüter sitzen in „Schlüsselpositionen“. Bis heute bewacht der „Portier“ die Eingänge wichtiger Bereiche. „Concierges“ konnten in Frankreich den Zutritt in Wohnhäuser verwehren. Sogar die griechische Sage kennt einen „Zerberos“/Cerberus, einen Höllenhund, der sogar den Eingang zur Hölle bewachen sollte.
(7) Das Volk lechzte immer nach Experten für kommende Ereignisse. Im Weltlichen war Nostradamus (1503-66, z.Zt. Luthers) nicht der erste Prophet. Wahrsager begleiteten fast jeden Machthaber. Astro-TV ist heute kein Winkelsender mehr.
Auch in der christlichen Gemeinde waren „Alleswisser“ im Blick auf das, was kommt, immer begehrte Leute, fanden Nachfolger und Verehrer. Ihre Fehldiagnosen wurden dann kaum publiziert: Gott sei Dank.
(8) Römische Nachtwachen wurden durch ihr zeitliches Ende beschrieben: 18-21 Uhr = Abend; 21-24 Uhr = Mitternacht; 24-3 Uhr = Hahnenschrei; 3-6 Uhr = Morgen.
Das jüdische Zeitsystem kannte nur drei Nachtwachen (2. Mo 14, 24; Ri 7, 19; 1. Sam 11, 11; Ps 90, 4; Klgl 2, 19). Die erste dauerte etwa von 18-22 Uhr, die mittlere von 22-2 Uhr und die letzte, die Morgenwache, von 2-6 Uhr.
(9) Viele Literaten haben das Thema behandelt. Ein interessantes Beispiel zu Offb 3, 20 aus : „und ihre Lampen verlöschen“ (Alexander Lövgren):
„Ich kam einmal spät abends in einer Stadt in ein Hotel und bat um ein Zimmer. Ich bekam keines. Warum nicht? Etwa, weil ich schlecht gekleidet gewesen wäre? Nein, meine Kleider waren in Ordnung. Es konnte mir niemand etwas Schlechtes nachsagen. Auch Geld hatte ich. Aber sie ließen mich doch nicht hinein. Warum nicht? Nun, das Hotel hatte eben voll belegt. Alle Zimmer waren bereits vergeben.
So war es, als Jesus zum ersten Mal auf die Erde kam. Sie hatten keinen Raum in der Herberge. Es geschah nicht aus Bosheit, dass sie ihn in den Stall schickten. Sie hatten tatsächlich keinen Platz mehr.
Es wäre nun ein schlechter Tausch, den lebendigen Herrn Jesus Christus hinzugeben für ein totes Christentum. Ich frage mich, ob nicht die Gemeinde hier drinnen sitzt, während Jesus draußen steht. Hört! Jesus vor der Tür seiner eigenen Gemeinde! Er kann vor lauter Christentum da drinnen nicht zu ihr hineingelangen.
Wir haben die rechte Lehre. Unsere christlichen Lehren reihen sich logisch aneinander wie die Perlen einer Kette, und das ist gut so. Aber welchen Platz nimmt Jesus mit seinem Leben und mit seiner Liebe in dem Ganzen ein? Was sagt er dazu? Vielleicht ein schmerzliches, hilfloses: Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an, ich stehe draußen! Bedenkt, welchen Raum die Veranstaltungen im Leben unserer Gemeinde einnehmen. Und in den anderen Gemeinden. Wir machen uns gegenseitig Konkurrenz wie im Geschäftsleben. Der christliche Betrieb nimmt unsere Gemeinden gefangen. Wo ist bei alledem noch Raum für Jesus?“
(10) Ein Film „der besuch“ (37 Min., Hänssler, DVD) von Alexander Plass in einer Stuttgarter Gemeinde. Hervorragend. Als Predigteinstieg allerdings zu lang. Hervorragend für Hauskreise oder Freizeit.